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Selbstständig als Dachdecker 2026: Meisterpflicht, Gründungsanleitung & PV-Boom

Dachdeckerbetrieb gründen: Schritt-für-Schritt von der Meisterpflicht über die Gewerbeanmeldung bis zum ersten PV-Dach. Mit Kostentabellen, Spezialisierungen, Versicherungstipps und Gründungs-Checkliste.

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Redaktion handwerk.cloud

20. Februar 2026

Geprüfte Fachbetriebe🔒Sichere Daten (SSL)💯Kostenlos & unverbindlich4,8/5 Kundenbewertung

Das Dachdeckerhandwerk ist eines der krisensichersten Gewerke in Deutschland: Dächer müssen regelmäßig saniert werden, Unwetterschäden erfordern schnelle Reparaturen, und die Energiewende mit PV-Pflicht und Dachsanierungsförderung sorgt für volle Auftragsbücher auf Jahre hinaus. Die Insolvenzquote im Dachdeckerhandwerk liegt bei nur ca. 1,5 % – ein außergewöhnlich niedriger Wert im Handwerk.

Gleichzeitig gehen in den nächsten Jahren tausende Dachdeckermeister der Babyboomer-Generation in den Ruhestand – oft ohne Nachfolger. Das eröffnet Chancen sowohl für Neugründungen als auch für Betriebsübernahmen. Dieser Leitfaden führt Sie Schritt für Schritt durch den gesamten Gründungsprozess: von der Meisterprüfung über die Gewerbeanmeldung bis zur profitablen Spezialisierung im PV-Zeitalter.

1. Meisterpflicht im Dachdeckerhandwerk: Pflicht ohne Ausnahme

Das Dachdeckerhandwerk zählt zu den zulassungspflichtigen Gewerken nach Anlage A der Handwerksordnung (HwO). Die Meisterpflicht bestand hier ununterbrochen – anders als z. B. im Malerhandwerk wurde sie nie abgeschafft. Das macht den Dachdeckermeister zu einer der wertvollsten Qualifikationen im Handwerk.

Was die Meisterpflicht umfasst

Alle wesentlichen Dacharbeiten fallen unter die Meisterpflicht:

  • Dacheindeckung (Ziegel, Schiefer, Metall, Bitumen)
  • Steildach- und Flachdacharbeiten
  • Dachabdichtung und -entwässerung
  • Dachsanierung und Neuaufbau
  • Wärmedämmung am Dach (Auf-/Zwischensparrendämmung)
  • Fassadenverkleidung aus Schiefer oder Faserzement
  • Dachfenstereinbau (Velux, Roto etc.)
  • Solarunterkonstruktionen und Dach-Integration

⚠️ Wichtig: Dachdecker ≠ Klempner ≠ Zimmerer

Im Dachbereich überschneiden sich drei meisterpflichtige Gewerke: Dachdecker (Eindeckung, Abdichtung), Klempner/Spengler (Blecharbeiten, Rinnen, Verblechungen) und Zimmerer (Dachstuhl, Holzkonstruktion). Viele Dachdeckerbetriebe bieten alle drei Leistungen an – das erfordert entweder mehrere Meisterbriefe oder klare Subunternehmer-Kooperationen. Prüfen Sie mit Ihrer HWK, welche Leistungen Ihr Meisterbrief abdeckt.

Drei Wege in die Selbstständigkeit

Weg Voraussetzungen Kosten Dauer
Eigener Meisterbrief Gesellenbrief Dachdecker 9.000 – 14.000 € (inkl. Materialkosten Prüfung) 12–18 Monate (VZ) / 2–3 Jahre (TZ)
Altgesellenregelung (§ 7b HwO) 6 Jahre Berufserfahrung, 4 in leitender Stellung, Nachweis kaufm. Kenntnisse 500 – 1.500 € 3–6 Monate
Technischer Betriebsleiter Anstellung eines Dachdeckermeisters in Vollzeit (min. 8h/Tag) 48.000 – 65.000 €/Jahr Sofort möglich

🔧 Praxis-Tipp: Meisterprüfung Dachdecker

Die Dachdeckermeister-Prüfung ist anspruchsvoll – Teil I (Fachpraxis) umfasst drei Schwerpunkte: Steildach, Flachdach und Außenwandbekleidung/Schiefer. Die Materialkosten für die praktische Prüfung liegen bei ca. 1.500 €. Nutzen Sie das Aufstiegs-BAföG: 50 % Zuschuss auf Lehrgangs- und Prüfungsgebühren + Darlehen mit 50 % Erlass bei Bestehen. Effektiver Eigenanteil: oft unter 4.000 €.

💡 Alternative: Betriebsübernahme

Im Dachdeckerhandwerk gehen derzeit besonders viele Betriebe in den Ruhestand – oft ohne Nachfolger. Eine Betriebsübernahme ist oft günstiger und schneller als eine Neugründung: eingeführter Kundenstamm, bestehende Mitarbeiter, vorhandene Maschinen und Lieferantenbeziehungen. Die HWK und die Dachdeckerinnung vermitteln aktiv Nachfolgesuchende. In manchen Fällen ist eine Übernahme ohne eigenen Meistertitel möglich – klären Sie das direkt mit der HWK.

2. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Vom Entschluss zum ersten Dach

Die Gründung eines Dachdeckerbetriebs dauert typischerweise 3–6 Monate. Die Investitionskosten sind höher als z. B. bei einem Malerbetrieb, aber der Return on Investment ist durch die hohen Auftragswerte schnell erreicht.

Schritt 1: Meisterbrief sichern

Ohne Meister kein Dachdeckerbetrieb. Wenn Sie noch keinen haben, starten Sie die Vorbereitung frühzeitig:

  • Vollzeitkurs: 12–18 Monate (empfohlen, wenn Sie sich voll auf die Gründung konzentrieren wollen)
  • Teilzeitkurs (Wochenende/Abend): 2–3 Jahre neben der Berufstätigkeit
  • Aufstiegs-BAföG beantragen vor Kursbeginn – die Bearbeitung dauert 4–6 Wochen
  • Meistergründungsprämie (je nach Bundesland 7.500–15.000 €) – innerhalb 12 Monaten nach Bestehen beantragen!

Schritt 2: Businessplan & Finanzierung

Der Dachdecker-Businessplan hat einige Besonderheiten:

  • Saisonalität einplanen: November bis Februar bringt deutlich weniger Umsatz (Frostgrenze für Nassverklebung, kürzere Tage, Witterung). Planen Sie Rücklagen für 3–4 schwächere Monate.
  • Materialvorlaufkosten: Dachziegel, Dämmplatten und Abdichtungsbahnen werden oft wochen vor dem Auftrag bestellt – kalkulieren Sie den Materialvorschuss.
  • Stundensatz: Im Dachdeckerhandwerk liegen profitable Stundensätze bei 55–85 € netto. Nutzen Sie den Stundensatzrechner.
  • Finanzierung: KfW-ERP-Gründerkredit (bis 125.000 €). Bei Betriebsübernahme: spezielle Übernahme-Finanzierungen über die Bürgschaftsbanken.

Schritt 3: Handwerkskammer & Handwerksrolle

Die Eintragung in die Handwerksrolle ist der wichtigste formale Schritt – und muss vor der Gewerbeanmeldung erfolgen:

  • Meisterbrief und Personalausweis bei der zuständigen HWK vorlegen
  • Betriebsnummer wird vergeben
  • Kosten: 120–300 €
  • Die HWK prüft, ob Ihr Meisterbrief alle geplanten Leistungen abdeckt

Schritt 4: Gewerbeanmeldung

Mit der Bestätigung der HWK-Eintragung gehen Sie zum Gewerbeamt:

  • Gewerbeschein beantragen (Kosten: 20–65 €)
  • Das Gewerbeamt informiert automatisch Finanzamt, IHK und Statistikamt
  • Zeitrahmen: 1–2 Wochen

Schritt 5: Finanzamt & Steuernummer

  • Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen (ELSTER)
  • Steuernummer und USt-IdNr. werden vergeben
  • Entscheidung Kleinunternehmerregelung: Im Dachdeckerhandwerk wegen der hohen Auftragswerte und des Materialanteils fast immer ungeeignet – Sie brauchen den Vorsteuerabzug!

Schritt 6: BG BAU & Versicherungen

  • BG BAU: Pflichtanmeldung innerhalb einer Woche nach Gründung. Das Dachdeckerhandwerk hat eine der höchsten Gefahrenklassen in der BG BAU – die Beiträge sind entsprechend höher als z. B. bei Malern.
  • Betriebshaftpflicht: Min. 5 Mio. € Deckung. Im Dachdeckerhandwerk sind Personen- und Sachschäden durch Absturzunfälle und Wassereintritt besonders risikoreich.
  • Gerüsthaftpflicht: Wenn Sie eigene Gerüste aufstellen – zusätzliche Absicherung.

Schritt 7: Rentenversicherung

Eine Besonderheit im Dachdeckerhandwerk: Als selbstständiger Handwerker in einem zulassungspflichtigen Gewerk besteht Rentenversicherungspflicht (§ 2 SGB VI). Mit der Eintragung in die Handwerksrolle wird automatisch die Deutsche Rentenversicherung informiert. Sie können sich nach 18 Pflichtbeitragsjahren von der Pflicht befreien lassen.

Schritt 8: Innungsmitgliedschaft

  • Die Mitgliedschaft in der Dachdeckerinnung ist freiwillig, aber besonders empfehlenswert
  • Zugang zum Innungstarif (oft günstigere Materialkonditionen)
  • Innungsbetriebe genießen bei Kunden höheres Vertrauen
  • Zugang zu Gesellenprüfungen und Ausbildung
  • Kosten: ca. 300–1.200 €/Jahr je nach Betriebsgröße

Schritt 9: Betriebsaufbau

  • Fahrzeuge beschaffen (Pritsche/LKW-Fahrgestell + Anhänger)
  • Werkzeug und Maschinen anschaffen
  • Materiallager einrichten
  • Website und Marketing starten
  • Erste Kundenakquise und Netzwerkaufbau

3. Gründungskosten: Realistische Kalkulation

Ein Dachdeckerbetrieb erfordert mehr Startkapital als ein Maler- oder Fliesenlegerbetrieb – vor allem wegen der Fahrzeuge, Gerüste und Absturzsicherungs-Ausrüstung. Details zur Dachsanierung und ihren Kosten.

Kostenposition Ein-Mann + 1 Helfer Betrieb mit 3–6 MA
Meisterprüfung (Dachdecker) 9.000 – 14.000 € (vor BAföG) 9.000 – 14.000 €
Fahrzeug (Pritsche + Anhänger) 15.000 – 35.000 € (gebraucht) 40.000 – 90.000 €
Gerüst / Schutzgerüst (Grundstock) 5.000 – 15.000 € 15.000 – 40.000 €
Absturzsicherung (PSA) 1.500 – 3.000 € 3.000 – 8.000 €
Werkzeug & Maschinen 5.000 – 12.000 € 15.000 – 35.000 €
Materiallager (Grundstock) 3.000 – 8.000 € 10.000 – 25.000 €
Werkstatt/Lager 1.500 – 4.000 € 5.000 – 15.000 €
HWK + Gewerbe + BG BAU 500 – 800 € 500 – 800 €
Versicherungen (1. Jahr) 3.000 – 6.000 € 6.000 – 15.000 €
Software & Büro 1.500 – 3.000 € 3.000 – 6.000 €
Website, Logo, Fahrzeugbeschriftung 2.000 – 5.000 € 4.000 – 8.000 €
Gesamt (ohne Meisterprüfung) 38.000 – 92.000 € 102.000 – 243.000 €

💰 Fördermöglichkeiten für Dachdecker-Gründer

  • Aufstiegs-BAföG: Bis 75 % auf Meisterkurskosten. Zusätzlich: 50 % Zuschuss auf Existenzgründungskosten bis 20.000 €
  • Meistergründungsprämie: 7.500–15.000 € je nach Bundesland
  • KfW-ERP-Gründerkredit: Bis 125.000 € mit Haftungsfreistellung
  • Bürgschaftsbank: Bis 80 % Ausfallbürgschaft für Bankkredite
  • Übernahmeförderung: Spezielle Programme für Betriebsnachfolge (z. B. NRW: Meistergründungsprämie gilt auch für Übernahmen)

4. Rechtsform im Dachdeckerhandwerk

Einzelunternehmen

Die häufigste Rechtsform bei der Gründung. Keine Mindestkapitalpflicht, einfache Buchhaltung. Aber: Die persönliche Haftung ist im Dachdeckerhandwerk riskanter als in vielen anderen Gewerken – bei einem Personenschaden durch Absturz oder einem Wassereinbruch nach fehlerhafter Abdichtung können schnell sechsstellige Summen fällig werden.

GmbH

Empfehlenswert für Betriebe ab 3–4 Mitarbeitern. Haftungsbeschränkung, professionelle Außenwirkung. Besonders bei der Zusammenarbeit mit Bauträgern und öffentlichen Auftraggebern oft Voraussetzung für die Beauftragung.

GmbH & Co. KG

Beliebt bei wachsenden Dachdeckerbetrieben. Kombiniert Haftungsschutz mit steuerlicher Flexibilität und ermöglicht die steuergünstige Übertragung auf die nächste Generation.

5. Die 6 lukrativsten Spezialisierungen im Dachdeckerhandwerk

1. Photovoltaik-Dachintegration

Der absolute Wachstumsmarkt. Die Solarpflicht in immer mehr Bundesländern sorgt für Dauernachfrage. Dachdecker haben den entscheidenden Vorteil: Sie kennen die Dachstatik, die Unterkonstruktion und die Abdichtung – und können PV-Anlage und Dachsanierung aus einer Hand anbieten. Kooperieren Sie mit einem Elektriker für den Netzanschluss. Mehr zu PV: Photovoltaik Kosten und PV auf dem Flachdach.

2. Energetische Dachsanierung

Die Kombination aus Neueindeckung + Dämmung ist der klassische Großauftrag: 20.000–80.000 € pro Dach. Durch das GEG und BAFA-/KfW-Förderung (bis 20 % + iSFP-Bonus) wird dieser Markt auf Jahre wachsen. Voraussetzung: Kenntnisse in Energieberatung sind ein enormer Vorteil. Details: Dach dämmen: Kosten 2026.

3. Flachdachspezialist

Flachdächer erfordern Spezialwissen in Abdichtung (Bitumen, EPDM, PVC, Flüssigkunststoff), Entwässerung und Gefälledämmung. Die Konkurrenz ist geringer als bei Steildach, und Gewerbekunden (Industriegebäude, Büros) zahlen höhere Preise und erteilen größere Aufträge.

4. Dachbegrünung

Immer mehr Kommunen schreiben Dachbegrünung vor (z. B. bei Neubauten). Die Kombination Abdichtung + Begrünung ist ein wachsendes Geschäftsfeld mit guten Margen. Kooperation mit GaLaBau-Betrieben empfehlenswert.

5. Schiefer & Denkmalpflege

Premium-Segment mit wenig Konkurrenz. Schieferdeckung erfordert jahrelange Erfahrung und wird entsprechend höher vergütet: Stundensätze von 65–90 € netto sind realistisch. Kunden im Denkmalbereich sind weniger preissensibel.

6. Notdienst & Sturmschadenbeseitigung

Sturm, Hagel, Schneedruck – Dachdecker-Notdienste sind immer gefragt. Die Aufschläge für Soforteinsätze sind branchenüblich (Notdienst-Zuschlag 30–50 %). Stellen Sie sicher, dass Sie für Versicherungskunden arbeiten können – das vereinfacht die Abrechnung erheblich.

6. Marketing & Kundengewinnung

Im Dachdeckerhandwerk fehlt es selten an Aufträgen – aber die richtigen Aufträge zu finden (hohe Auftragswerte, faire Kunden, gute Zahlungsmoral) ist entscheidend.

Website mit Referenzprojekten

Zeigen Sie abgeschlossene Dachprojekte mit Vorher-Nachher-Fotos, verwendetem Material und Projektumfang. Dachdecker werden oft für teure, langlebige Investitionen beauftragt – Kunden recherchieren gründlich. Anleitung: Handwerker-Website erstellen.

Google Unternehmensprofil

„Dachdecker + [Stadt]" und „Dachreparatur [Stadt]" sind hochfrequente Suchbegriffe. Pflegen Sie Ihr Google Profil mit Projektfotos, Öffnungszeiten und aktuellen Bewertungen.

Kooperationspartner

  • Energieberater: Empfehlen Dachsanierungen als Teil des individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP)
  • Zimmerer: Perfekte Ergänzung – Dachstuhl + Eindeckung aus einer Hand
  • Elektriker: PV-Kooperation – Sie machen das Dach, der Elektriker den Netzanschluss
  • Architekten & Bauträger: Großvolumige Neubau-Aufträge
  • Versicherungsgesellschaften: Sturmschadenbeseitigung – Empfehlung durch Sachverständige

Weitere Kanäle: Social Media und Branchenportale für Handwerker.

Fahrzeugbeschriftung

Dachdecker-Fahrzeuge stehen oft gut sichtbar vor Häusern – nutzen Sie diese Fläche! Ein professionell beschriftetes Fahrzeug ist im Dachdeckerhandwerk einer der wirksamsten Werbekanäle. Tipp: QR-Code zur Website auf dem Fahrzeug.

7. Die 7 häufigsten Fehler bei der Dachdecker-Gründung

❌ Fehler 1: Arbeitssicherheit vernachlässigen

Das Dachdeckerhandwerk hat eine der höchsten Unfallraten im Handwerk. Absturzunfälle sind die häufigste Todesursache auf Baustellen. Investieren Sie in PSA (Persönliche Schutzausrüstung): Auffanggurte, Seitenschutz, Fangnetze. Die BG BAU prüft regelmäßig – Verstöße führen zu Bußgeldern und im Schadensfall zum Regress.

❌ Fehler 2: Gerüstkosten nicht einkalkulieren

Gerüst ist im Dachdeckerhandwerk der größte Kostenfaktor neben dem Material. Eigene Gerüste binden Kapital (15.000–40.000+ €), Leihgerüste kosten 8–15 €/m² pro Woche. Kalkulieren Sie Gerüstkosten separat und transparent – viele Dachdecker verschenken hier Geld, weil sie die Gerüstkosten in den Quadratmeterpreis „verstecken".

❌ Fehler 3: Wetterrisiko nicht absichern

Ein offenes Dach bei plötzlichem Regen = Wasserschaden im Gebäude. Planen Sie Bauphasen wetterbewusst, halten Sie immer Notabdeckungen (Planen, Provisorien) bereit, und versichern Sie sich gegen Witterungsschäden während der Bauphase. Das gehört in jeden Auftrag als Risikoposition.

❌ Fehler 4: Zu viele Subunternehmer-Aufträge

Subunternehmer-Aufträge für Bauträger füllen zwar den Kalender, aber zu niedrigen Margen (oft 20–30 % unter Endkundenpreis). Nutzen Sie Subaufträge in der Gründungsphase, aber bauen Sie so schnell wie möglich ein eigenes Endkundengeschäft auf.

❌ Fehler 5: PV-Markt ignorieren

Immer mehr Dachsanierungen werden mit PV-Installation kombiniert. Dachdecker, die keine PV-Unterkonstruktionen anbieten, verlieren Aufträge an Wettbewerber, die beides aus einer Hand liefern. Sie müssen nicht selbst Elektriker sein – eine Kooperation mit einem Elektrobetrieb reicht. Solarpflicht nach Bundesländern.

❌ Fehler 6: Keine Software für Aufmaß & Kalkulation

Dachflächen sind komplex: Gauben, Kehlen, Schornsteinanschlüsse, verschiedene Materialzonen. Handschriftliche Aufmaße führen zu Kalkulationsfehlern und Materialverschwendung. Nutzen Sie eine Dachdecker-Kalkulationssoftware – die Investition amortisiert sich schnell durch genauere Angebote.

❌ Fehler 7: Keine Dachwartungsverträge

Wie im SHK-Handwerk sind Wartungsverträge ein unterschätzter Umsatzkanal: Jährliche Dachinspektionen (100–300 €/Dach), Rinnenreinigung, Kontrolle nach Sturm. 200 Wartungsverträge = 30.000–60.000 € planbare Einnahmen. Mehr: Dachwartung: Protokoll & Vorteile.

8. Verdienstpotenzial: Was verdient ein selbstständiger Dachdecker?

Kennzahl Kleinbetrieb (1–2 MA) Betrieb mit 4–8 MA
Stundensatz (netto) 55 – 70 € 65 – 85 €
Durchschn. Auftragswert 3.000 – 15.000 € 15.000 – 80.000 €
Jahresumsatz 100.000 – 200.000 € 350.000 – 1.000.000 €
Gewinnmarge 15 – 25 % 8 – 15 %
Inhabereinkommen (netto, geschätzt) 2.500 – 4.500 €/Monat 4.000 – 10.000 €/Monat

Die besten Verdienstmöglichkeiten bieten: Energetische Dachsanierung mit Förderberatung, PV-Dachintegration und Schiefer/Denkmal. Die niedrigste Insolvenzquote im Handwerk (ca. 1,5 %) zeigt: Wer sauber kalkuliert, hat im Dachdeckerhandwerk ein extrem stabiles Geschäftsmodell. Kalkulationshilfe: Dachsanierung Kosten-Check 2025.

9. FAQ – Häufige Fragen zur Dachdecker-Gründung

Kann ich mich als Dachdecker ohne Meister selbstständig machen?

Nicht als Einzelunternehmer. Das Dachdeckerhandwerk war schon immer meisterpflichtig (Anlage A HwO). Alternativen: Altgesellenregelung (§ 7b HwO, 6 Jahre Erfahrung + 4 Jahre Leitung), Anstellung eines Dachdeckermeisters als Betriebsleiter (Vollzeit!), oder in speziellen Fällen eine Betriebsübernahme.

Was kostet die Dachdeckermeister-Prüfung?

Lehrgangs- und Prüfungsgebühren: 9.000–14.000 € (inkl. ca. 1.500 € Materialkosten für die praktische Prüfung). Mit Aufstiegs-BAföG (bis 75 % Zuschuss) liegt der effektive Eigenanteil unter 4.000 €. Dauer: 12–18 Monate Vollzeit oder 2–3 Jahre Teilzeit.

Wie viel Startkapital braucht ein Dachdeckerbetrieb?

Ein Kleinbetrieb (1–2 MA) benötigt 38.000–92.000 €, ein Betrieb mit 3–6 Mitarbeitern 102.000–243.000 €. Die größten Posten: Fahrzeuge (Pritsche + Anhänger), Gerüst und Absturzsicherung. Förderkredite (KfW) und Bürgschaftsbanken senken den Eigenkapitalbedarf.

Muss ich als selbstständiger Dachdecker in die Rentenversicherung?

Ja. Als Handwerker in einem zulassungspflichtigen (Anlage A) Gewerk sind Sie rentenversicherungspflichtig. Die Pflicht endet nach 18 Pflichtbeitragsjahren – dann können Sie sich befreien lassen. Die DRV wird automatisch bei der Eintragung in die Handwerksrolle informiert.

Eigenes Gerüst kaufen oder mieten?

Abhängig von Ihrer Auftragslage. Faustregel: Wenn Sie mehr als 2 Fassadenaufträge pro Monat haben, lohnt sich eigenes Gerüst. Für Ein-Mann-Betriebe und gelegentliche Fassadenarbeiten ist Leihgerüst wirtschaftlicher. Beachten Sie: Eigene Gerüste erfordern regelmäßige Prüfung und sachkundige Aufsteller.

Lohnt sich PV-Installation als Dachdecker?

Unbedingt. Die Solarpflicht gilt in immer mehr Bundesländern, und Kunden wollen Dachsanierung + PV aus einer Hand. Sie brauchen keinen Elektro-Meister – die Unterkonstruktion und Dachintegration ist Ihr Job, den Netzanschluss macht ein Elektro-Partner. Dieser Kombi-Service steigert Ihren durchschnittlichen Auftragswert um 10.000–25.000 €.

Welche Versicherungen braucht ein Dachdeckerbetrieb?

Pflicht: BG BAU (hohe Gefahrenklasse!), Betriebshaftpflicht (min. 5 Mio. €), Kfz-Versicherung. Empfohlen: Gerüsthaftpflicht, Betriebsinhaltsversicherung, Rechtsschutz (Baurecht), Berufsunfähigkeit (körperlich anspruchsvoller Beruf!). Im Dachdeckerhandwerk sind die Versicherungskosten höher als in den meisten Gewerken – planen Sie 3.000–6.000 €/Jahr für einen Kleinbetrieb.

10. Gründungs-Checkliste Dachdeckerbetrieb

✅ Vollständige Checkliste für Dachdecker-Gründer

Qualifikation & Formales

  • ☐ Meisterbrief / Ausübungsberechtigung
  • ☐ Eintragung Handwerksrolle (HWK)
  • ☐ Gewerbeanmeldung
  • ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
  • ☐ BG BAU Anmeldung
  • ☐ Rentenversicherung: DRV informiert
  • ☐ Innungsmitgliedschaft (empfohlen)
  • ☐ Betriebshaftpflicht (min. 5 Mio. €)
  • ☐ Geschäftskonto + Kreditlinie
  • ☐ Rechtsform festlegen

Betrieb & Marketing

  • ☐ Fahrzeug (Pritsche + Anhänger)
  • ☐ Gerüst / Absturzsicherung (PSA)
  • ☐ Werkzeug-Erstausstattung
  • ☐ Materiallager einrichten
  • Kalkulationssoftware einrichten
  • Website erstellen
  • Google Profil einrichten
  • ☐ Fahrzeugbeschriftung
  • ☐ PV-Elektro-Kooperationspartner finden
  • ☐ Wartungsvertragsvorlage erstellen
  • ☐ Notdienst-Bereitschaft organisieren

Das Dachdeckerhandwerk bietet eines der stabilsten Geschäftsmodelle im Handwerk: niedrige Insolvenzquote, hohe Auftragswerte, PV-Boom und Dauernachfrage durch Sanierung und Unwetterschäden. Die Einstiegskosten sind höher als bei Maler oder Fliesenleger, aber der Return on Investment ist durch die hohen Auftragswerte schnell erreicht.

Starten Sie mit dem Stundensatzrechner, informieren Sie sich über die Kosten einer Neueindeckung und verschiedene Dachziegel-Arten im Vergleich. Entdecken Sie unseren Dachdecker-Wissensbereich für weitere Praxis-Tipps.

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