Photovoltaik auf Flachdach: Installation, Kosten & optimale Ausrichtung
Flachdächer bieten ideale Voraussetzungen für PV-Anlagen – dank freier Ausrichtung und einfacher Montage. Wir zeigen Montagesysteme, Kosten pro kWp und worauf Sie bei Statik, Neigung und Verschattung achten müssen.
Energie-Experte handwerk.cloud
29. Januar 2026
Flachdächer galten lange als Problemzone für Photovoltaik. Zu Unrecht! Denn gerade die flache Fläche bietet einen entscheidenden Vorteil: Sie können die Module frei ausrichten – optimal nach Süden, im idealen Neigungswinkel. In diesem Guide erfahren Sie alles über PV-Anlagen auf Flachdächern: von Montagesystemen über Kosten bis zur optimalen Auslegung.
[Bild 1: Flachdach mit PV-Anlage aus der Vogelperspektive – aufgeständerte Module in Reihen]
Vorteile von PV auf Flachdächern
Photovoltaik auf Flachdächern hat gegenüber Schrägdächern mehrere Vorteile:
✅ Vorteile
- Freie Ausrichtung: Optimaler Winkel unabhängig von Dachneigung
- Einfachere Montage: Keine Dachdurchdringung nötig (bei Ballastsystemen)
- Bessere Wartung: Begehbares Dach für Reinigung und Reparaturen
- Ost-West-Ausrichtung: Mehr Eigenverbrauch durch längeren Ertragszeitraum
- Kombinierbar: Gründach + PV = Synergieeffekte (Kühlung, Retention)
- Weniger sichtbar: Ästhetisch unauffälliger als Anlagen auf Schrägdächern
⚠️ Herausforderungen
- Verschattung: Reihen müssen Abstand halten (Eigenabschattung)
- Statik: Zusätzliche Last durch Ballast und Module
- Windlast: Aufgeständerte Module sind windanfälliger
- Dachabdichtung: Muss intakt sein, bevor Module kommen
- Geringere Flächenausnutzung: Weniger kWp pro m² als bei Schrägdach
Montagesysteme für Flachdächer
Es gibt drei grundlegende Systeme, um PV-Module auf Flachdächern zu befestigen. Die Wahl hängt von Dachaufbau, Statik und Dachhautmaterial ab.
| System | Funktionsweise | Gewicht/m² | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Ballastsystem | Module auf Schienen, beschwert mit Betonplatten | 15-30 kg/m² | Bitumen-/Foliendächer, tragfähige Konstruktion |
| Dachdurchdringend | Verschraubung mit Dachkonstruktion, Abdichtung | 8-15 kg/m² | Leichte Dächer, Trapezblech, geringe Reserve |
| Aerodynamisch | Windoptimierte Wannen, weniger Ballast nötig | 10-18 kg/m² | Moderne Systeme, geringere Dachlast |
1. Ballastsysteme: Der Klassiker
Bei Ballastsystemen werden die Modulgestelle durch Gewichte (Betonplatten, Kieswannen) gegen Wind gesichert. Keine Dachdurchdringung nötig – wichtig für Bitumen- und Foliendächer.
Vorteile: Dach bleibt intakt, einfache De-Montage bei Dachsanierung
Nachteil: Hohes Gewicht (20-30 kg/m²) – Statik muss ausreichend sein
2. Dachdurchdringende Systeme
Module werden mit Schrauben an der Dachunterkonstruktion befestigt. Die Durchdringungen werden sorgfältig abgedichtet (Spezialdichtungen, Flüssigkunststoff).
Vorteile: Geringes Gewicht, windstabil auch bei extremen Bedingungen
Nachteil: Risiko undichter Stellen, aufwändige Absicherung
3. Aerodynamische Systeme
Moderne "Wanne"-Systeme (z.B. von K2, Schletter, Van der Valk) sind windoptimiert – sie leiten den Wind so ab, dass weniger Ballast benötigt wird. Kombination aus Aerodynamik und leichtem Zusatzgewicht.
Vorteile: Gewichtsoptimiert, schnelle Montage, oft ohne Werkzeug klipsbar
Nachteil: Höhere Materialkosten, nicht für alle Dachformen geeignet
[Bild 2: Montagesysteme im Vergleich – Ballastschalen, Wannen, Aufständerung]
Ausrichtung und Neigungswinkel: Süd vs. Ost-West
Die klassische Südausrichtung bringt den höchsten Gesamtertrag – aber nicht immer die beste Wirtschaftlichkeit. Gerade auf Flachdächern ist die Ost-West-Ausrichtung oft die klügere Wahl.
| Kriterium | Süd-Ausrichtung | Ost-West-Ausrichtung |
|---|---|---|
| Ertrag/kWp | 950-1.100 kWh/Jahr | 850-950 kWh/Jahr (ca. 10-15% weniger) |
| Ertragsprofil | Spitze zur Mittagszeit | Gleichmäßiger über den Tag verteilt |
| Eigenverbrauch | Schwieriger (Ertrag oft, wenn keiner da ist) | Höher (morgens + abends = wenn man zuhause ist) |
| Flächenausnutzung | ~60-70% der Dachfläche | ~80-90% der Dachfläche (weniger Abstand nötig) |
| Reihenabstand | 1,5-2,5 m (Verschattung vermeiden) | Minimal (Module Rücken an Rücken) |
💡 Experten-Tipp: Ost-West oft wirtschaftlicher
Bei Flachdächern mit begrenzter Fläche ist die Ost-West-Aufstellung oft die bessere Wahl:
- 30-40% mehr Module passen auf dieselbe Fläche
- Höherer Eigenverbrauch durch flacheres Ertragsprofil
- Weniger Speicherbedarf, da Strom über den Tag verteilt kommt
- Gleichmäßigere Netzeinspeisung (vermeidet Abregelung)
Optimaler Neigungswinkel
In Deutschland liegt der ideale Winkel für maximalen Jahresertrag bei 30-35° (Breitengrad ~50°). Auf Flachdächern wird jedoch oft mit 10-15° gearbeitet – warum?
- Geringere Windlast: Flach liegende Module bieten weniger Angriffsfläche
- Weniger Ballast nötig: Spart Gewicht und Kosten
- Weniger Verschattung: Geringerer Reihenabstand möglich
- Selbstreinigung: Ab 15° Neigung fließt Regen gut ab
Praxis-Regel: 10° für Ost-West-Anlagen, 15-20° für Süd-Anlagen auf Flachdächern.
Statik: Trägt mein Dach die Anlage?
Die Statik ist die wichtigste Vorab-Prüfung bei Flachdach-PV. Ein Statiker muss bestätigen, dass das Dach die zusätzliche Last verträgt.
Typische Gewichte
| Komponente | Gewicht |
|---|---|
| PV-Modul (ca. 2 m², 400 Wp) | 20-25 kg → ca. 11-13 kg/m² |
| Montagesystem (Schienen, Konsolen) | 3-8 kg/m² (je nach System) |
| Ballast (Betonplatten) | 10-20 kg/m² (standortabhängig) |
| Gesamt | 20-40 kg/m² Modulfläche |
⚠️ Wichtig: Schneelast nicht vergessen!
Die Statik-Berechnung muss auch die reguläre Schneelast (Schneelastzone 1-3) berücksichtigen. In Regionen mit hoher Schneelast kann die Statik-Reserve schnell aufgebraucht sein. Lieber aerodynamische Systeme mit weniger Ballast wählen.
Wann ist eine Statik-Prüfung nötig?
- Immer bei Ballastsystemen (hohe Zusatzlast)
- Immer bei älteren Gebäuden (vor 1990)
- Immer bei Holzkonstruktionen und Leichtdächern
- Empfohlen bei großen Anlagen (>10 kWp)
Kosten Statik-Gutachten: 300-800 € je nach Gebäude. Die Investition lohnt sich – sie schützt vor Schäden und ist oft Voraussetzung für die Versicherung.
[Bild 3: Statik-Prüfung auf dem Flachdach – Fachmann mit Messgerät/Plänen]
Kosten: Was kostet PV auf dem Flachdach?
Die Kosten für Flachdach-PV liegen etwas höher als bei Schrägdach-Anlagen – wegen der Aufständerung und des Ballasts. Dafür sparen Sie bei der Wartung und können optimaler ausrichten.
| Position | Kosten (netto) |
|---|---|
| PV-Module (Tier 1, 400-440 Wp) | 250-350 €/kWp |
| Wechselrichter (String oder Optimierer) | 150-250 €/kWp |
| Flachdach-Montagesystem + Ballast | 150-300 €/kWp |
| Elektroinstallation + Zähler | 100-200 €/kWp |
| Montage (Handwerkerleistung) | 150-300 €/kWp |
| Gesamtkosten (schlüsselfertig) | 1.100-1.600 €/kWp (netto) |
Rechenbeispiel: 10 kWp auf Industrieflachdach
- Anlagengröße: 10 kWp (ca. 25 Module à 400 Wp)
- Flächenbedarf: ~80-120 m² (je nach Ausrichtung)
- Investition: 10 × 1.300 €/kWp = 13.000 € netto
- Jahresertrag: 10 × 950 kWh = 9.500 kWh/Jahr
- Einsparung: 70% Eigenverbrauch × 0,35 €/kWh = 2.327 €/Jahr
- Amortisation: ~5-6 Jahre (bei hohem Eigenverbrauch)
Sonderfälle: Gründach und Flachdach-PV
Die Kombination aus Gründach und Photovoltaik ist ein Trend – und macht ökologisch wie wirtschaftlich Sinn:
- Kühlung: Die Begrünung kühlt das Dach, Module laufen effizienter (bis 5% mehr Ertrag)
- Retention: Regenwasser wird gespeichert und verdunstet langsam
- Biodiversität: Lebensraum für Insekten unter den Modulen
- Förderung: Einige Bundesländer fördern Gründächer zusätzlich zur PV
Wichtig: Das Montagesystem muss für Gründächer geeignet sein – Wurzelschutz und höherer Ballast (Substrat mitnutzen) müssen eingeplant werden.
[Bild 4: Solar-Gründach – PV-Module über Dachbegrünung mit Sedum]
Förderung für Flachdach-PV
Photovoltaik wird 2026 auf verschiedenen Wegen gefördert:
Fördermöglichkeiten
- Einspeisevergütung (EEG): 8,1 ct/kWh für Anlagen bis 10 kWp (Stand 2026)
- KfW-Kredit 270: Zinsgünstige Finanzierung für PV und Speicher
- Landesförderungen: NRW, Bayern, BW und andere bieten Speicherzuschüsse
- Steuerbefreiung: Seit 2023 keine Einkommensteuer mehr auf PV-Erträge (bis 30 kWp)
- 0% MwSt.: Beim Kauf entfällt die Mehrwertsteuer (seit 2023)
Dachabdichtung: Vorarbeit vor der PV-Installation
Bevor Module aufs Flachdach kommen, muss die Dachhaut intakt sein. Der Grund: Eine Dachsanierung unter der PV-Anlage ist extrem teuer (Demontage + Remontage).
Checkliste vor der Installation
- ☐ Dachhaut dicht? (Keine sichtbaren Risse, Blasen, Wassereintritt)
- ☐ Wie alt ist die Abdichtung? (Bitumen: 20-30 Jahre, EPDM/PVC: 30-40 Jahre)
- ☐ Ist eine Sanierung in den nächsten 10 Jahren geplant?
- ☐ Dämmung ausreichend nach GEG?
- ☐ Entwässerung intakt? (Abläufe, Notüberläufe)
Empfehlung: Ist die Dachhaut älter als 15 Jahre, lohnt es sich oft, Dachsanierung + PV zu kombinieren. Viele Dachdecker arbeiten mit PV-Installateuren zusammen.
FAQ – Häufige Fragen zu Flachdach-PV
Wie viel kWp passen auf mein Flachdach?
Faustregel: Bei Süd-Ausrichtung rechnen Sie mit 10-12 m² Dachfläche pro kWp (wegen Reihenabständen). Bei Ost-West-Aufstellung nur 6-8 m² pro kWp. Ein 100-m²-Flachdach trägt also 8-15 kWp.
Brauche ich eine Baugenehmigung?
In den meisten Bundesländern sind PV-Anlagen auf bestehenden Gebäuden genehmigungsfrei. Ausnahmen: Denkmalschutz, besondere Bebauungspläne, Höhenvorgaben. Im Zweifel beim Bauamt nachfragen.
Wie lange dauert die Installation?
Eine 10-kWp-Anlage wird in 1-2 Tagen montiert. Planung, Netzanmeldung und Elektroinstallation brauchen zusätzlich 4-8 Wochen. Gesamtprojektdauer: 6-12 Wochen.
Muss ich die Module reinigen?
Bei Neigungen ab 10° reinigt der Regen die Module weitgehend selbst. Auf Flachdächern mit geringerer Neigung empfiehlt sich eine jährliche Sichtkontrolle und ggf. Reinigung (Moos, Laub, Vogelkot).
Was passiert bei Dachsanierung unter der Anlage?
Die Anlage muss temporär demontiert und wieder aufgebaut werden. Kosten: ca. 500-1.500 € je nach Größe. Deshalb: Dach vorher prüfen und ggf. zusammen sanieren!
[Bild 5: Wartung der Anlage – Reinigung mit Teleskopbürste auf dem Flachdach]
Fazit: Flachdach optimal für PV nutzen
Photovoltaik auf Flachdächern bietet enorme Chancen – besonders für Gewerbe, Mehrfamilienhäuser und alle, die ihre Dachfläche bisher nicht nutzen. Mit der richtigen Planung (Ausrichtung, Statik, Montagesystem) erzielen Sie hervorragende Erträge bei einfacher Wartung.
"Die Ost-West-Aufstellung ist für viele Flachdächer die wirtschaftlichste Lösung: mehr Module auf gleicher Fläche, höherer Eigenverbrauch und weniger Speicherbedarf. Die leicht geringeren Erträge pro Modul werden durch die Menge und das bessere Verbrauchsprofil mehr als ausgeglichen."
Unser Tipp: Holen Sie mehrere Angebote ein und vergleichen Sie nicht nur den Preis, sondern auch die Systemkomplexität, Garantien und die Erfahrung des Installateurs mit Flachdächern.
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