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Selbstständig als Maurer & Betonbauer 2026: Meisterpflicht, Gründungsanleitung & Spezialisierungen

Maurerbetrieb gründen: Schritt-für-Schritt von der Meisterpflicht über die Gewerbeanmeldung bis zum ersten Rohbau. Mit Kostentabellen, Saisonalitätsplanung, Spezialisierungen und Gründungs-Checkliste.

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Redaktion handwerk.cloud

20. Februar 2026

Geprüfte Fachbetriebe🔒Sichere Daten (SSL)💯Kostenlos & unverbindlich4,8/5 Kundenbewertung

Das Maurer- und Betonbauerhandwerk ist das Rückgrat des Baugewerbes: Ohne Rohbau kein Gebäude. Die Nachfrage ist stabil durch Neubau, Sanierung und den wachsenden Bedarf an barrierefreiem Umbau. Gleichzeitig hat der Beruf mit den härtesten Arbeitsbedingungen im Handwerk zu kämpfen – Schwerstarbeit bei Wind und Wetter, ausgeprägte Saisonalität und harter Preiskampf durch Subunternehmer.

Wer diese Herausforderungen meistert, hat allerdings eines der umsatzstärksten Handwerksgewerke vor sich: Ein gut geführter Maurerbetrieb mit 5–10 Mitarbeitern kann schnell siebenstellige Jahresumsätze erreichen. Die seit 2020 wiedereingeführte Meisterpflicht stärkt die Position seriöser Betriebe. Dieser Leitfaden führt Sie Schritt für Schritt durch den gesamten Gründungsprozess.

1. Meisterpflicht: Seit 2020 wieder eingeführt

Das Maurer- und Betonbauerhandwerk gehört seit dem 1. Januar 2020 wieder zu den zulassungspflichtigen Gewerken nach Anlage A der Handwerksordnung (HwO). Zwischen 2004 und 2019 war es zulassungsfrei, was zu einem massiven Qualitätsverfall und einer Zunahme von Problembetrieben führte.

⚠️ Bestandsschutz für Alt-Betriebe

Betriebe, die zwischen 2004 und 2019 ohne Meister gegründet wurden, genießen Bestandsschutz und dürfen weiterarbeiten. Allerdings können neue Leistungsbereiche oder eine Betriebserweiterung die Meisterpflicht auslösen. Klären Sie Ihren Status mit der HWK.

Was die Meisterpflicht umfasst

  • Errichtung von Mauerwerk (Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton, Naturstein)
  • Beton- und Stahlbetonarbeiten (Fundamente, Decken, Treppen)
  • Verputzarbeiten (Innen- und Außenputz)
  • Estricharbeiten (als Teil des Maurergewerks)
  • Abbruch- und Rückbauarbeiten
  • Schornsteinbau
  • Kellerbau und Abdichtung
  • Sanierung und Instandsetzung von Mauerwerk

Drei Wege in die Selbstständigkeit

Weg Voraussetzungen Kosten Dauer
Eigener Meisterbrief Gesellenbrief Maurer / Betonbauer 6.000 – 13.000 € 10–18 Monate (VZ) / 2–3 Jahre (TZ)
Altgesellenregelung (§ 7b HwO) 6 Jahre Berufserfahrung, 4 in leitender Stellung + betriebswirtschaftliche Kenntnisse 500 – 1.500 € 3–6 Monate
Technischer Betriebsleiter Anstellung eines Maurermeisters in Vollzeit 45.000 – 58.000 €/Jahr Sofort möglich

🔧 Praxis-Tipp: Doppelqualifikation Maurer + Betonbauer

Seit der Ausbildungsreform sind die Berufe Maurer und Betonbauer/Stahlbetonbauer getrennt. Der Maurermeister deckt Mauerwerk und Putz ab, der Betonbauermeister Stahlbetonarbeiten. Für einen Vollbetrieb, der Rohbau aus einer Hand anbietet, sind beide Qualifikationen ideal. Alternative: Bei der HWK klären, welche Leistungen Ihr spezifischer Meisterbrief abdeckt.

2. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Vom Gesellenbrief zum eigenen Betrieb

Die Gründung eines Maurerbetriebs dauert typischerweise 3–6 Monate. Die größte Herausforderung ist die Maschinenausstattung und die Überbrückung der ersten Saisonmonate.

Schritt 1: Meisterbrief erwerben oder Alternative klären

  • Meisterkurs: Vollzeit 10–18 Monate, Teilzeit 2–3 Jahre. Teile I–IV an der HWK
  • Aufstiegs-BAföG: Bis 75 % Zuschuss auf Kursgebühren + Darlehen mit 50 % Erlass bei Bestehen
  • Alternative prüfen: Altgesellenregelung (6+4 Jahre Erfahrung) oder Bauingenieur-/Bautechniker-Abschluss als äquivalente Qualifikation
  • Meistergründungsprämie: Je nach Bundesland 7.500–15.000 € – innerhalb 12 Monaten beantragen

Schritt 2: Businessplan & Finanzierung

Der Maurer-Businessplan muss die Saisonalität als zentralen Faktor berücksichtigen:

  • Saisonalität: November–März ist die schwächste Phase. Nassmauerwerk ist frostanfällig, Betonage unter 5 °C nur mit Winterzuschlag möglich. Planen Sie 4–5 Monate mit reduziertem Umsatz
  • Stundensatz: Im Maurerhandwerk liegen profitable Stundensätze bei 48–72 € netto (je nach Region und Leistung). Nutzen Sie den Stundensatzrechner
  • Materialanteil: Im Rohbau liegt der Materialanteil bei 30–45 % des Auftragswerts – kalkulieren Sie die Vorfinanzierung
  • Finanzierung: KfW-ERP-Gründerkredit (bis 125.000 €). Bei höherem Bedarf: Bürgschaftsbank
  • SOKA-BAU: Als Baubetrieb sind Sie pflichtversichert bei SOKA-BAU (Urlaubs- und Lohnausgleichskasse). Kalkulieren Sie die Beiträge (ca. 15 % der Bruttolöhne) ein!

Schritt 3: Handwerkskammer – Handwerksrolle

  • Meisterbrief und Personalausweis bei der HWK vorlegen
  • In die Handwerksrolle eintragen lassen (Kosten: 120–300 €)
  • Bei der Anmeldung alle geplanten Leistungen angeben (Maurerarbeiten, Betonarbeiten, Putz, Abbruch etc.)

Schritt 4: Gewerbeanmeldung

  • Mit HWK-Bestätigung zum Gewerbeamt (Kosten: 20–65 €)
  • Wichtig: Alle angebotenen Leistungen in der Gewerbeanmeldung präzise angeben
  • Gewerbeamt informiert automatisch Finanzamt und IHK

Schritt 5: Finanzamt – Steuerliche Erfassung

  • Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER
  • Steuernummer und USt-IdNr. werden vergeben
  • Kleinunternehmerregelung: Im Maurerhandwerk aufgrund hoher Materialkosten und Umsätze fast immer ungeeignet

Schritt 6: BG BAU & SOKA-BAU

  • BG BAU: Pflichtanmeldung innerhalb einer Woche. Hohe Gefahrenklasse (Absturz, Maschineneinsatz, schwere Lasten)
  • SOKA-BAU: Pflichtanmeldung als Baubetrieb. SOKA-BAU sichert Urlaubsansprüche und Schlechtwettergeld für Ihre Mitarbeiter. Beitrag: ca. 15 % der Bruttolohnsumme – ein erheblicher Kostenfaktor!

Schritt 7: Versicherungen

  • Betriebshaftpflicht: Min. 5 Mio. € – im Rohbau können Baufehler ganze Gebäude betreffen
  • Bauherrenhaftpflicht: Als Nachunternehmer oft vom Hauptauftragnehmer gefordert
  • Baugeräteversicherung: Maschinen und Werkzeuge auf der Baustelle absichern (Diebstahl!)
  • Berufsunfähigkeit: Maurerarbeit ist einer der körperlich anspruchsvollsten Berufe – BU ist unverzichtbar

Schritt 8: Betriebsaufbau

  • Fahrzeuge und Maschinen beschaffen (oder leasen)
  • Lagerplatz für Baumaterial einrichten
  • Baustofflieferanten und Kontakte aufbauen
  • Website erstellen und Google Profil einrichten
  • Erste Aufträge akquirieren

3. Gründungskosten: Realistisch kalkulieren

Die Gründungskosten im Maurer-/Betonbauerhandwerk liegen im mittleren bis oberen Bereich – hauptsächlich wegen Fahrzeuge, Maschinen und der notwendigen Materialvorfinanzierung. Details zum Rohbau: Rohbau Kosten & Planung 2025.

Kostenposition Kleinbetrieb (1–3 MA) Betrieb mit 5–10 MA
Meisterprüfung 6.000 – 13.000 € (vor BAföG) 6.000 – 13.000 €
Fahrzeuge (Pritsche, Kran-LKW, Anhänger) 15.000 – 40.000 € 50.000 – 150.000 €
Maschinen (Mischer, Rüttler, Betonpumpe etc.) 8.000 – 25.000 € 30.000 – 80.000 €
Gerüst / Schalung (Grundstock) 5.000 – 15.000 € 15.000 – 50.000 €
Handwerkzeug & Kleingeräte 3.000 – 8.000 € 8.000 – 20.000 €
Materiallager / Bauhof 2.000 – 6.000 € 8.000 – 20.000 €
HWK + Gewerbe + BG BAU 500 – 800 € 500 – 800 €
Versicherungen (1. Jahr) 3.000 – 7.000 € 8.000 – 20.000 €
Software & Büro 1.500 – 3.000 € 3.000 – 8.000 €
Website, Marketing, Fahrzeugbeschriftung 2.000 – 5.000 € 4.000 – 8.000 €
Gesamt (ohne Meisterprüfung) 40.000 – 110.000 € 127.000 – 357.000 €

💰 Kosten senken: Leasing statt Kauf

Im Maurerhandwerk ist Maschinenleasing besonders verbreitet und sinnvoll:

  • Betonmischer: 150–300 €/Monat statt 8.000–15.000 € Kauf
  • Minibagger: 400–800 €/Monat statt 25.000–50.000 € Kauf
  • Kran-LKW: 600–1.200 €/Monat statt 60.000–120.000 € Kauf
  • Schalung: Mieten statt kaufen – besonders für Spezialschalungen (Rundungen, Treppen)
  • Leasingraten sind sofort als Betriebsausgabe absetzbar – Kapital bleibt für Material und Personalkosten frei

4. Rechtsform im Maurerhandwerk

Einzelunternehmen

Für den Start möglich, aber im Hochbau mit erheblichen Haftungsrisiken verbunden. Statische Mängel an Mauerwerk oder Betonkonstruktionen können zu Personenschäden und sechsstelligen Schadensersatzforderungen führen.

GmbH oder UG (haftungsbeschränkt)

Im Baugewerbe dringend empfohlen. Die UG (haftungsbeschränkt) ermöglicht die Gründung ab 1 € Stammkapital und bietet trotzdem Haftungsschutz. Die GmbH (25.000 €) wirkt professioneller und ist bei Generalunternehmern und öffentlichen Auftraggebern oft Voraussetzung.

📋 Besonderheit: SOKA-BAU

Als Baubetrieb sind Sie zur Teilnahme am SOKA-BAU-Verfahren verpflichtet (Sozialkassen der Bauwirtschaft). SOKA-BAU finanziert Urlaubsansprüche, Schlechtwettergeld und Ausbildungskosten Ihrer Mitarbeiter. Der Beitragssatz liegt bei ca. 15 % der Bruttolohnsumme – ein erheblicher Kostenfaktor, den viele Gründer übersehen. Dieser Beitrag muss in jedem Angebot einkalkuliert werden!

5. Die 6 lukrativsten Spezialisierungen

1. Schlüsselfertiger Rohbau

Kompletter Rohbau aus einer Hand: Fundament, Kellergeschoss, Mauerwerk, Betondecken, Treppen. Auftragswerte: 80.000–250.000+ € pro Einfamilienhaus. Erfordert die meiste Erfahrung und Kapazität, bietet aber die höchsten Umsätze. Kostenkalkulation: Rohbau Kosten & Planung.

2. Kellerbau & Abdichtung

Spezialisierung auf Kellerneubau (WU-Beton, weiße Wanne) und Kellerabdichtung bei Bestandsgebäuden. Hohe Nachfrage durch Grundwasserprobleme und steigende Keller-Sanierung. Abdichtungen sind technisch anspruchsvoll und werden gut vergütet. Details: Keller abdichten: Kosten.

3. Sanierungs- und Abbrucharbeiten

Bestandssanierung ist weniger wetterabhängig als Neubau und bietet ganzjährige Aufträge. Teilabbruch, Kernsanierung und Bestandsertüchtigung – ein wachsender Markt durch den älter werdenden Gebäudebestand. Erfordert Kenntnisse in Schadstoffentsorgung (Asbest, KMF).

4. Garten- und Landschaftsbau (Mauer, Pflaster)

Gartenmauern, Natursteinmauern, Pflasterarbeiten und Einfriedungen. Niedrigere Einstiegshürde, kürzere Projekte und direkter Endkundenkontakt. Ideal für den Start und als Ergänzung zum klassischen Rohbau. Details: Gartenmauer bauen: Kosten.

5. Betonfertigteile & Spezialbeton

Sichtbeton, Waschbeton, Stampfbeton und polierter Beton – die Premium-Nische im Betonbau. Architekten suchen gezielt nach Betrieben, die Sichtbetonqualität liefern können. Erfordert Know-how in Schalungstechnik und Oberflächenbehandlung. Höhere Margen als Standard-Betonarbeiten.

6. Verputz- und Stuckarbeiten

Wenn Ihr Meisterbrief Putzarbeiten abdeckt, ist dies ein lukratives Zusatzgeschäft: Innen- und Außenputze, Wärmedämmverbundsysteme (WDVS), historischer Stuck. Besonders WDVS bietet durch die Energiewende stabile Nachfrage und gute Margen.

6. Saisonalität: Die größte Herausforderung managen

Das Maurerhandwerk hat die stärkste Saisonalität aller Baugewerke. Während im Sommer 120%-Auslastung herrscht, bricht der Winter ein. Drei Strategien helfen:

Strategie Maßnahme Effekt
Innenarbeiten vorziehen Sanierung, Putz, Estrich, Abbruch innen Ganzjährige Umsätze
Winterbau-Zuschlag Betonage mit Winterzuschlag (10–25 %), beheizte Einhausung Umsatz bei reduzierten Aufträgen halten
Schlechtwettergeld Über SOKA-BAU: Saison-KUG (68 %) für Mitarbeiter ab November Personalkosten senken bei Wetterstillstand

7. Marketing & Kundengewinnung

Website mit Projektdokumentation

Rohbauprojekte sind beeindruckend – nutzen Sie das! Zeigen Sie den Baufortschritt von der Erdarbeit bis zum fertigen Rohbau. Bauherren und Bauträger wollen sehen, dass Sie strukturiert und termingerecht arbeiten. Anleitung: Handwerker-Website erstellen.

Google Unternehmensprofil

„Maurer + [Stadt]" und „Rohbau + [Region]" sind relevante Suchbegriffe. Google Profil mit Projektfotos, Bewertungen und Kontaktdaten pflegen.

Netzwerk & Empfehlungen

  • Architekten & Bauingenieure: Vermitteln Rohbau- und Sanierungsaufträge
  • Bauträger & Generalunternehmer: Großvolumige Aufträge als Nachunternehmer (aber: Margen prüfen!)
  • Immobilienmakler: Vermitteln Sanierungsaufträge bei Verkaufsobjekten
  • Zimmerer & Dachdecker: Kooperation für komplette Bauprojekte

Weitere Kanäle: Social Media und Branchenportale.

8. Die 7 häufigsten Fehler bei der Maurer-Gründung

❌ Fehler 1: SOKA-BAU nicht einkalkulieren

Der mit Abstand häufigste Gründungsfehler im Baugewerbe: Die SOKA-BAU-Beiträge (ca. 15 % auf Bruttolöhne) werden in der Stundensatzkalkulation vergessen. Bei 3 Mitarbeitern à 40.000 € Bruttolohn sind das 18.000 €/Jahr. Wer diesen Posten nicht im Angebot einkalkuliert, arbeitet unter Selbstkosten.

❌ Fehler 2: Saisonalität unterschätzen

November bis März bringt im Außenrohbau bis zu 60 % weniger Umsatz. Viele Gründer kalkulieren den Sommer-Umsatz hoch und gehen im ersten Winter in Liquiditätsprobleme. Planung: Mindestens 3 Monatsrücklagen für die Wintermonate. Alternativ: Spezialisierung auch auf wetterunabhängige Innenarbeiten.

❌ Fehler 3: Nur als Subunternehmer arbeiten

Subunternehmer-Aufträge für Bauträger füllen den Kalender, aber die Margen sind oft 30–50 % unter Endkundenpreis. Dazu kommen: Zahlungsziele von 60–90 Tagen, einseitige Vertragsklauseln und Abhängigkeit von einem Auftraggeber. Mischen Sie Subaufträge mit eigenem Endkundengeschäft – mindestens 40 % Ihres Umsatzes sollte aus Direktkunden kommen.

❌ Fehler 4: Materialvorfinanzierung nicht planen

Im Rohbau werden große Mengen Material (Mauersteine, Beton, Stahl) vorfinanziert, bevor der Kunde zahlt. Abschlagsrechnungen helfen – aber planen Sie trotzdem 15.000–30.000 € Liquiditätsreserve für Materialvorschuss. Verhandeln Sie Zahlungsziele mit Baustoffhändlern (30–60 Tage sind branchenüblich).

❌ Fehler 5: Arbeitssicherheit vernachlässigen

Das Baugewerbe hat die höchste Unfallrate aller Branchen. Absturzunfälle, Maschinenunfälle und Einsturz sind reale Gefahren. PSA (Schutzhelme, Sicherheitsschuhe, Auffanggurte) muss gestellt werden. Die BG BAU kontrolliert regelmäßig – Verstöße führen zu Bußgeldern und bei Unfällen zum Regress gegen den Unternehmer persönlich.

❌ Fehler 6: Keine Baustellendokumentation

Im Rohbau werden kritische Konstruktionen dauerhaft verdeckt (Bewehrung, Abdichtung, Fundamentinstallationen). Ohne fotografische Dokumentation stehen Sie bei Mängelrügen wortlos da. Dokumentieren Sie: Bewehrungsabnahmen, Abdichtungen, Beton-Lieferscheine, Mauerwerksstärken – alles mit Datum und Bauteilbezeichnung.

❌ Fehler 7: Personalfluktuation nicht einplanen

Das Baugewerbe kämpft mit der höchsten Fluktuation aller Branchen. Baustellen-Mitarbeiter wechseln häufig, und gute Maurer sind schwer zu finden. Planen Sie von Anfang an: Faire Bezahlung (Bau-Mindestlohn aktuell 15,70 €/Std.), Ersthelferausbildung, klare Aufstiegsmöglichkeiten. Ein stabiler Kern von 2–3 guten Mitarbeitern ist mehr wert als 10 wechselnde.

9. Verdienstpotenzial: Was verdient ein selbstständiger Maurer?

Kennzahl Kleinbetrieb (1–3 MA) Betrieb mit 5–10 MA
Stundensatz (netto) 48 – 60 € 55 – 72 €
Durchschn. Auftragswert 5.000 – 30.000 € 30.000 – 250.000 €
Jahresumsatz 100.000 – 250.000 € 400.000 – 1.500.000 €
Gewinnmarge 12 – 22 % 6 – 12 %
Inhabereinkommen (netto, geschätzt) 2.000 – 4.500 €/Monat 4.000 – 12.000 €/Monat

Hinweis: Die Gewinnmargen im Rohbau sind geringer als bei vielen anderen Gewerken, aber die Umsatzvolumina sind deutlich höher. Ein Maurerbetrieb mit 5–10 Mitarbeitern erreicht schnell die Millionengrenze beim Umsatz. Der Schlüssel zum Gewinn: Saubere Kalkulation inkl. SOKA-BAU, Materialvorfinanzierung und Winterausfälle.

10. FAQ – Häufige Fragen zur Maurer-Gründung

Brauche ich als Maurer einen Meisterbrief?

Ja, seit 2020. Das Maurer- und Betonbauerhandwerk wurde 2020 in die Anlage A zurückgeführt. Alternativen: Altgesellenregelung (§ 7b HwO, 6+4 Jahre Erfahrung), technischer Betriebsleiter, Bauingenieur-/Bautechnikerabschluss. Betriebe, die 2004–2019 ohne Meister gegründet wurden, haben Bestandsschutz.

Was ist SOKA-BAU und muss ich da beitreten?

Ja, Pflichtmitgliedschaft für alle Baubetriebe. SOKA-BAU (Sozialkassen der Bauwirtschaft) finanziert Urlaubsgeld, Schlechtwettergeld und Ausbildungskosten. Beitrag: ca. 15 % der Bruttolohnsumme – ein erheblicher Kostenfaktor, der in jedem Angebot einkalkuliert werden muss.

Wie viel Startkapital brauche ich?

Kleinbetrieb (1–3 MA): 40.000–110.000 €. Betrieb mit 5–10 MA: 127.000–357.000 €. Kosten senken durch Maschinenleasing und gebrauchte Fahrzeuge. Förderung: KfW-Gründerkredit, Meistergründungsprämie, Bürgschaftsbank.

Wie gehe ich mit der Saisonalität um?

Drei Strategien: 1) Innenarbeiten (Sanierung, Putz, Estrich) für den Winter planen. 2) Winterbau-Zuschlag einkalkulieren (10–25 %). 3) Schlechtwettergeld über SOKA-BAU für Mitarbeiter nutzen (ab November). Mindestens 3 Monatsrücklagen für die Wintermonate sind Pflicht.

Soll ich als Subunternehmer oder für Endkunden arbeiten?

Idealerweise beides. Subunternehmer-Aufträge (Bauträger, GU) füllen den Kalender, aber Margen sind 30–50 % niedriger. Endkundenaufträge (Privatkunden, kleine Gewerbetreibende) bringen bessere Margen und sind unabhängiger. Ziel: Mindestens 40 % Endkundengeschäft.

Welche Rechtsform ist für einen Maurerbetrieb geeignet?

Wegen der hohen Haftungsrisiken im Rohbau ist eine GmbH oder UG (haftungsbeschränkt) dringend empfohlen. Die UG kann schon ab 1 € Stammkapital gegründet werden. Einzelunternehmer haften mit ihrem gesamten Privatvermögen – bei statischen Mängeln ein existenzbedrohendes Risiko.

Maschinen kaufen oder leasen?

In der Gründungsphase: Leasen oder mieten! Minibagger (400–800 €/Monat statt 25k+ Kauf), Kran-LKW und Betonpumpen binden sonst zu viel Kapital. Erst ab stabiler Auslastung (18+ Monate Vollauslastung) lohnt sich der Kauf gebrauchter Maschinen.

11. Gründungs-Checkliste Maurerbetrieb

✅ Vollständige Checkliste für Maurer-Gründer

Qualifikation & Formales

  • ☐ Meisterbrief / Ausübungsberechtigung
  • ☐ Leistungsumfang mit HWK klären (Maurer + Betonbauer?)
  • ☐ Eintragung Handwerksrolle (HWK)
  • ☐ Gewerbeanmeldung (alle Leistungen angeben!)
  • ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
  • ☐ BG BAU Anmeldung
  • ☐ SOKA-BAU Anmeldung
  • ☐ Betriebshaftpflicht (min. 5 Mio. €)
  • ☐ Berufsunfähigkeitsversicherung
  • ☐ Rechtsform festlegen (GmbH/UG empfohlen)

Betrieb & Marketing

  • ☐ Fahrzeuge beschaffen (Pritsche, Anhänger)
  • ☐ Maschinen leasen oder kaufen
  • ☐ Schalung & Gerüst (Grundstock)
  • ☐ Absturzsicherung (PSA komplett)
  • ☐ Baustofflieferanten verhandeln
  • ☐ Liquiditätsreserve für Materialvorfinanzierung
  • ☐ Winterplanung: Innenaufträge akquirieren
  • Website erstellen
  • Google Profil einrichten
  • ☐ Architekten-/Bauträger-Netzwerk aufbauen
  • ☐ Baustellendokumentation einrichten

Das Maurer- und Betonbauerhandwerk ist eines der umsatzstärksten Gewerke – mit dem richtigen Management der Saisonalität, sauberer SOKA-BAU-Kalkulation und einer Mischung aus Subunternehmer- und Endkundengeschäft kann ein Maurerbetrieb schnell siebenstellige Umsätze erreichen.

Starten Sie mit dem Stundensatzrechner, informieren Sie sich über Rohbau Kosten & Planung und lesen Sie unseren E-Rechnungsleitfaden für die korrekte Bauabrechnnung.

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