Selbstständig als Fensterbauer 2026: Meisterpflicht, Gründungskosten & Praxis-Leitfaden
Sie wollen sich im Fensterbau selbstständig machen? Ob Glaser-Meisterpflicht, Montage ohne Meister, Gründungskosten bis 120.000 € oder digitale Kundengewinnung – dieser Leitfaden führt Sie durch jeden Schritt der Existenzgründung.
Redaktion handwerk.cloud
20. Februar 2026
Fensterbau ist ein Markt mit Zukunft: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) sorgt für anhaltend hohe Nachfrage nach energetischen Sanierungen, die KfW-Förderung treibt den Austausch alter Fenster voran, und der demografische Wandel im Handwerk lässt erfahrene Betriebe ohne Nachfolger zurück. Wer jetzt einen Fensterbaubetrieb gründet, trifft auf einen Markt mit strukturellem Bedarf – aber auch auf klare gesetzliche Anforderungen.
Dieser Leitfaden beantwortet alle Fragen rund um die Existenzgründung im Fensterbau: von der Meisterpflicht über die optimale Rechtsform bis zur ersten Google-Bewertung. Mit konkreten Zahlen, Praxis-Tipps und einer vollständigen Gründungs-Checkliste.
1. Meisterpflicht im Fensterbau: Wer darf was?
Im Fensterbau ist die Meisterpflicht-Frage komplexer als in anderen Gewerken, denn es kommt darauf an, welche Tätigkeiten Sie ausführen wollen. Das Glaserhandwerk ist ein zulassungspflichtiges Handwerk nach Anlage A der Handwerksordnung (HwO) – aber nicht jede Fenstertätigkeit fällt automatisch unter die Meisterpflicht.
Tätigkeiten MIT Meisterpflicht (Glaserhandwerk, Anlage A)
- Maßanfertigung und Verglasung von Fenstern und Türen
- Reparatur von Isolierglas und Sonderglas
- Kunstverglasungen und Bleiglasfenster
- Glasfassaden und Wintergärten (konstruktive Glasarbeiten)
- Spiegel- und Glasschleifarbeiten
Tätigkeiten OHNE Meisterpflicht (Montagebetrieb)
- Einbau genormter Baufertigteile: Wer ausschließlich fertige, vom Hersteller gelieferte Fenster und Türen montiert, kann dies als „handwerksähnliches Gewerbe" betreiben – ohne Meisterpflicht
- Haustürmontage: Einbau vorgefertigter Türelemente
- Rollladenmontage: Montage vorgefertigter Rollladensysteme
- Fensterzubehör: Installation von Insektenschutz, Sonnenschutz, Beschlägen
⚠️ Vorsicht: Die Grenze ist fließend!
Die Handwerkskammern prüfen genau, ob Ihre Tätigkeit unter das Glaserhandwerk fällt. Entscheidend ist nicht die Berufsbezeichnung, sondern das tatsächliche Leistungsspektrum. Wenn Sie regelmäßig Glas zuschneiden, Sonderglas einbauen oder konstruktive Glasarbeiten ausführen, werden Sie in der Regel als Glaserbetrieb eingestuft – und brauchen den Meister.
Tipp: Klären Sie Ihr geplantes Leistungsspektrum vor der Gewerbeanmeldung schriftlich mit Ihrer Handwerkskammer ab. Eine falsche Einstufung kann zu Bußgeldern und Betriebsuntersagung führen.
Ausnahmen von der Meisterpflicht
Auch wenn Ihr Betrieb unter die Meisterpflicht fällt, gibt es drei legale Wege:
- Altgesellenregelung (§ 7b HwO): Mit mindestens 6 Jahren Berufserfahrung als Geselle – davon 4 Jahre in leitender Stellung – können Sie eine Ausübungsberechtigung bei der HWK beantragen. Die Bewilligung ist einzelfallabhängig und erfordert den Nachweis fundierter Kenntnisse in fachlicher, kaufmännischer und rechtlicher Hinsicht.
- Technischer Betriebsleiter: Sie stellen einen Glasermeister als sozialversicherungspflichtigen Betriebsleiter ein. Dieser muss in Vollzeit tätig und nachweisbar im Betrieb präsent sein. Kosten: ca. 50.000–65.000 €/Jahr (Arbeitgeberbrutto).
- Ingenieurstitel / Technikerabschluss: Ein Studienabschluss in einem relevanten Fach (z. B. Bauingenieurwesen mit Schwerpunkt Fassadentechnik) wird von manchen HWKs als gleichwertig anerkannt.
2. Voraussetzungen: Was Sie mitbringen müssen
Fachliche Qualifikation
| Betriebsart | Mindestqualifikation | Empfehlung |
|---|---|---|
| Glaserbetrieb (Vollsortiment) | Glasermeister / Ausübungsberechtigung § 7b | Meisterbrief + Betriebswirt HwO |
| Fenstermontage-Betrieb | Gewerbeanmeldung (keine Meisterpflicht) | Gesellenbrief + RAL-Montage-Schulung |
| Fensterbau + Verglasung | Glasermeister + Eintragung Handwerksrolle | Zusätzlich: EnEV-/GEG-Sachverständiger |
Unverzichtbare Versicherungen
- Betriebshaftpflicht: Deckungssumme mindestens 5 Mio. € Personenschäden, 3 Mio. € Sachschäden – Fenstermontage birgt Risiken (herabfallendes Glas, fehlerhafte Abdichtung → Wasserschäden)
- Berufsgenossenschaft (BG BAU): Pflichtmitgliedschaft für Baubetriebe
- Glasbruchversicherung: Für Transport und Einbau – ein zerbrochenes Dreifach-Isolierglas kann schnell 500–2.000 € kosten
- Betriebsinhaltsversicherung: Schützt Werkzeug, Fahrzeug-Einbauten und Materiallager
- Kfz-Versicherung: Erweiterte Deckung für Baustellenfahrt und Ladung
- Rechtsschutzversicherung: Besonders bei Gewährleistungsstreitigkeiten empfehlenswert
Normen & Zertifizierungen
Im Fensterbau gelten besonders viele Normen. Machen Sie sich frühzeitig vertraut mit:
- DIN 4108-2: Mindestanforderungen an den Wärmeschutz
- RAL-Montageleitfaden: Der Standard für fachgerechte Fenstermontage – die Kenntnis ist faktisch Pflicht. Lesen Sie unseren RAL-Montage-Leitfaden →
- DIN 18055: Anforderungen an Fenster und Fenstertüren
- EnEV/GEG: Energetische Anforderungen an Neubauten und Sanierungen
- CE-Kennzeichnung: Bei Eigenproduktion zwingend erforderlich
3. Gründungsschritte: Vom Entschluss zum ersten Auftrag
Die Gründung eines Fensterbaubetriebs erfordert mehr Vorlaufzeit als in vielen anderen Gewerken – rechnen Sie mit 4–8 Monaten. Die Beschaffung von Spezialwerkzeug, Fahrzeugen und ggf. einer Werkstatt ist zeitintensiv.
Phase 1: Planung (Monat 1–2)
- Marktanalyse und Positionierung: Analysieren Sie Ihren Einzugsgebiet. Wie viele Fensterbaubetriebe gibt es? Welche Nischen sind frei (z. B. Altbausanierung, Smart-Home-Fenster, Einbruchschutz)? Nutzen Sie Google Maps und die Branchenportale für Handwerker zur Recherche.
- Businessplan erstellen: Kostenlose Vorlagen gibt es bei der HWK und beim BMWi-Existenzgründungsportal. Nutzen Sie unseren Stundensatzrechner, um Ihre Kalkulation auf realistische Beine zu stellen.
- Finanzierung klären: Beantragen Sie frühzeitig KfW-Gründerkredite – die Bearbeitungszeit beträgt 4–8 Wochen.
Phase 2: Formale Gründung (Monat 2–3)
- Handwerkskammer (HWK): Meisterbrief vorlegen → Eintragung in die Handwerksrolle. Bei reiner Montage: Eintragung als „handwerksähnliches Gewerbe" (Anlage B). Kosten: 120–250 €.
- Gewerbeanmeldung: Beim zuständigen Gewerbeamt. Kosten: 20–65 €. Achten Sie auf die korrekte Tätigkeitsbeschreibung!
- Finanzamt: Fragebogen zur steuerlichen Erfassung → Steuernummer und USt-IdNr. beantragen.
- BG BAU: Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft innerhalb einer Woche.
- Geschäftskonto: Eröffnen und ggf. Kreditlinie einrichten.
Phase 3: Betriebsaufbau (Monat 3–6)
- Werkstatt/Lager: Ein reiner Montagebetrieb kommt mit Garage + Transporter aus. Für Glasbearbeitung brauchen Sie eine Werkstatt (80–150 m²) mit Glasschneidetisch, Lagersystem und ggf. Schleifmaschine.
- Fahrzeug: Transporter mit Glasgestell (Innenlader oder Dachträger). Gebraucht ab 15.000 €, neu ab 35.000 €.
- Werkzeug-Erstausstattung: Montage-Set, Messgeräte, Sicherheitsausrüstung. Details: siehe Kostentabelle unten.
- Website und Marketing: Eine professionelle Website ist heute Pflicht – lesen Sie dazu unseren Artikel Handwerker-Website erstellen.
- Lieferantenbeziehungen: Verhandeln Sie Rahmenverträge mit Fensterherstellern (Schüco, Veka, Rehau, Salamander). Konditionen verbessern sich ab ca. 50 Einheiten/Jahr deutlich.
4. Gründungskosten: Realistische Kalkulation
Die Investitionssumme hängt stark davon ab, ob Sie einen reinen Montagebetrieb oder einen Vollsortiment-Glaserbetrieb gründen. Hier die Aufstellung für beide Varianten:
| Kostenposition | Montagebetrieb (1–2 Personen) | Glaserbetrieb mit Werkstatt |
|---|---|---|
| Meisterprüfung (Glaser) | entfällt | 6.000 – 10.000 € |
| Werkzeug & Montage-Equipment | 5.000 – 12.000 € | 15.000 – 35.000 € |
| Werkstatt/Lager (Einrichtung + Kaution) | 1.000 – 3.000 € | 10.000 – 25.000 € |
| Fahrzeug mit Glasgestell | 15.000 – 30.000 € (gebraucht) | 30.000 – 55.000 € |
| Materiallager (Grundstock) | 2.000 – 5.000 € | 8.000 – 20.000 € |
| HWK + Gewerbeanmeldung + BG | 300 – 500 € | 300 – 500 € |
| Versicherungen (1. Jahr) | 2.000 – 4.000 € | 4.000 – 8.000 € |
| Software (Aufmaß, ERP, Buchhaltung) | 500 – 1.500 €/Jahr | 1.500 – 4.000 €/Jahr |
| Website, Logo & Marketing | 2.000 – 5.000 € | 3.000 – 8.000 € |
| Fahrzeugbeschriftung | 800 – 2.000 € | 1.500 – 3.500 € |
| Gesamt (ohne Meisterprüfung) | 28.000 – 63.000 € | 74.000 – 160.000 € |
💰 Fördermöglichkeiten für Fensterbau-Gründer
- KfW-Gründerkredit (ERP-StartGeld): bis 125.000 € mit tilgungsfreier Anlaufzeit und günstigen Zinsen
- Aufstiegs-BAföG (AFBG): bis 15.000 € Zuschuss für die Meisterprüfung + zinsgünstiges Darlehen. Bei Bestehen: 50 % Darlehenserlass
- Meistergründungsprämie: Je nach Bundesland 7.500–15.000 € Zuschuss bei Gründung innerhalb von 12 Monaten nach bestandener Meisterprüfung (in NRW, Hessen, Brandenburg u.a.)
- Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit: Bei Gründung aus der Arbeitslosigkeit
- Regionale Wirtschaftsförderung: Bürgschaften, Zuschüsse und günstige Gewerbeflächen je nach Standort
5. Rechtsform: Welche Struktur passt zum Fensterbaubetrieb?
Die Wahl der Rechtsform hat direkte Auswirkungen auf Haftung, Steuerlast und Ihre Kreditwürdigkeit. Im Fensterbau – wo einzelne Aufträge schnell fünfstellige Summen erreichen und Gewährleistungsrisiken real sind – verdient die Entscheidung besondere Aufmerksamkeit.
Einzelunternehmen
- Vorteile: Kein Mindestkapital, einfache Gründung, volle Entscheidungsfreiheit
- Nachteile: Unbeschränkte persönliche Haftung – bei einem Wasserschaden durch fehlerhafte Montage haften Sie mit Ihrem Privatvermögen
- Geeignet für: Ein-Mann-Montagebetriebe mit überschaubarem Auftragsvolumen
GmbH
- Vorteile: Haftung beschränkt auf Gesellschaftsvermögen, professionelles Auftreten bei Großkunden und Bauträgern
- Nachteile: 25.000 € Stammkapital, doppelte Buchführung, Notarkosten (ca. 1.500 €)
- Geeignet für: Betriebe mit Mitarbeitern, größere Auftragsvolumina, Zusammenarbeit mit Bauträgern
UG (haftungsbeschränkt)
- Vorteile: Schon ab 1 € Stammkapital gründbar, Haftungsbeschränkung
- Nachteile: Ansparungspflicht (25 % des Jahresgewinns bis 25.000 € erreicht), weniger seriöse Außenwirkung
- Geeignet für: Gründer mit wenig Startkapital, die Haftungsschutz wollen
🔧 Praxis-Tipp: Steuern im Fensterbau
- Umsatzsteuer: Im Fensterbau werden sowohl Materialien (19 % USt) als auch Bauleistungen betrieben. Wenn Sie für andere Baubetriebe als Subunternehmer arbeiten, greift häufig die Reverse-Charge-Regelung (§ 13b UStG) – die Umsatzsteuer geht dann an den Auftraggeber über.
- Investitionsabzugsbetrag: Planen Sie große Anschaffungen (Fahrzeug, Maschinen) und setzen Sie bis zu 50 % der geplanten Kosten vorab steuerlich ab (§ 7g EStG).
- E-Rechnung: Seit 2025 Pflicht im B2B-Bereich. Lesen Sie unseren Ratgeber zur E-Rechnungspflicht 2025.
6. Spezialisierung: Die 6 lukrativsten Nischen im Fensterbau
In einem wettbewerbsintensiven Markt macht Spezialisierung den Unterschied. Die folgenden Nischen bieten überdurchschnittliche Margen und wachsende Nachfrage:
1. Energetische Fenstersanierung (GEG-Pflicht)
Der Austausch alter Fenster gegen dreifach verglaste Modelle ist seit dem GEG 2024 einer der häufigsten Sanierungsaufträge. Die Förderung durch KfW und BAFA macht die Investition für Hausbesitzer attraktiv – und beschert Ihnen planbare Aufträge mit guten Margen. Kenntnis des Sanierungs-ROI-Rechners hilft Ihnen bei der Kundenberatung.
2. Einbruchschutz (RC2/RC3)
Die Nachfrage nach einbruchsicheren Fenstern und Türen steigt – besonders in städtischen Randlagen und Einfamilienhausgebieten. KfW-Zuschüsse für Einbruchschutz machen eine zusätzliche Argumentationshilfe. Wer sich als Spezialist positioniert (ggf. mit polizeilicher Empfehlung über "Zuhause sicher"), generiert hochwertige Leads.
3. Altbausanierung
Denkmalschutz, ungenormte Maße, Holzfenster-Restauration – Altbausanierung verlangt handwerkliches Können, das nicht jeder bieten kann. Die Zahlungsbereitschaft der Kundschaft ist überdurchschnittlich, und der Wettbewerb ist gering. Kosten für Fensteraustausch im Altbau variieren stark – einen Überblick gibt unser Artikel Fenster austauschen: Kosten 2026.
4. Smart-Home-Fenster
Motorisierte Fenster, Sensoren für Regen und Wind, Integration in KNX- oder Z-Wave-Systeme – ein wachsender Markt mit technikaffiner Kundschaft und exzellenten Margen. Erfordert Zusatzwissen in Elektrotechnik und Gebäudeautomation.
5. Große Glasflächen & Schiebe-Systeme
Hebe-Schiebetüren (HST), Faltanlagen und großflächige Festverglasungen sind Premiumprodukte mit Auftragswerten von 8.000–30.000 € pro Element. Die Montage erfordert Spezialwerkzeug und Know-how, was den Wettbewerb begrenzt.
6. Wartungsverträge & Service
Regelmäßige Wartung von Beschlägen, Dichtungen und Verglasungen – ein unterschätzter Umsatzkanal. Wartungsverträge sorgen für planbare Einnahmen auch in der Nebensaison und binden Kunden langfristig. Typische Preise: 50–120 € pro Fenster und Jahr.
7. Marketing & Kundengewinnung im Fensterbau
Im Fensterbau ist die Kundengewinnung ein Mix aus digitaler Präsenz und persönlicher Empfehlung. Hier die wichtigsten Kanäle:
Website als digitale Visitenkarte
Eine professionelle Website ist heute kein Nice-to-have, sondern Pflicht. 87 % der Hausbesitzer recherchieren online, bevor sie einen Handwerker kontaktieren. Ihre Website sollte enthalten:
- Klare Leistungsbeschreibung mit Preisrahmen
- Referenzprojekte mit Vorher-Nachher-Fotos
- Kontaktformular mit Aufmaß-Anfrage
- Zertifizierungen und Partnerlogos (Schüco, Veka etc.)
- Google-Bewertungen eingebunden
Eine ausführliche Anleitung finden Sie in unserem Ratgeber Handwerker-Website erstellen: So geht's richtig.
Google Unternehmensprofil (ehem. My Business)
Der mit Abstand wichtigste Kanal für lokale Handwerkersuche. Pflegen Sie Ihr Profil akribisch: Fotos von Projekten, Öffnungszeiten, Leistungsbeschreibung und aktiv Bewertungen sammeln. Ab 20+ Bewertungen mit 4,5+ Sternen dominieren Sie die lokale Suche. Lesen Sie unseren Artikel Google My Business für Handwerker.
Social Media: Instagram & Facebook
Vorher-Nachher-Fotos von Fenstertausch-Projekten funktionieren auf Instagram hervorragend. Kurze Reels von Montageszenen zeigen Kompetenz und schaffen Vertrauen. Social-Media-Tipps speziell für Handwerker: Social Media für Handwerker.
Kooperationen & Netzwerk
- Bauträger und Architekten: Werden Sie bevorzugter Fensterbau-Partner – das generiert planbare Großaufträge
- SHK- und Elektrobetriebe: Gegenseitige Empfehlungen bei Sanierungsprojekten
- Immobilienverwaltungen: Wartungsverträge für Mietwohnungen und WEG-Objekte
- Energieberater: Fensteraustausch ist eine der häufigsten iSFP-Empfehlungen
Branchenportale
Nutzen Sie Plattformen wie MyHammer, Check24 oder Blauarbeit als Auftragsquelle – besonders in der Gründungsphase, wenn Empfehlungen noch fehlen. Einen Vergleich der wichtigsten Portale finden Sie hier: Branchenportale für Handwerker im Vergleich.
8. Die 7 häufigsten Fehler bei der Fensterbau-Gründung
❌ Fehler 1: Meisterpflicht ignorieren
Wer als „Fenstermonteur" startet und dann doch Glaserarbeiten ausführt, riskiert ein Bußgeld bis 10.000 € und eine Betriebsuntersagung. Klären Sie Ihr Leistungsspektrum schriftlich mit der HWK ab, bevor Sie starten.
❌ Fehler 2: Zu niedrige Stundensätze
Fenstermontage erfordert mindestens 2 Personen, Spezialwerkzeug und ein geeignetes Fahrzeug. Kalkulieren Sie realistisch mit dem Stundensatzrechner – ein profitabler Stundensatz im Fensterbau liegt bei 55–80 € netto pro Person.
❌ Fehler 3: Aufmaß-Fehler nicht einkalkulieren
Ein Aufmaßfehler von 5 mm kann dazu führen, dass ein Fenster nicht passt. Das kostet Sie eine Neubestellung (2–4 Wochen Lieferzeit) plus Doppelmontage. Arbeiten Sie immer mit einer strukturierten Aufmaß-Checkliste und doppelter Kontrolle. Aufmaß-Leitfaden und Checklisten →
❌ Fehler 4: Keine Gewährleistungsrücklagen
Fensterbauer haften 5 Jahre für Mängel (BGB) bzw. 4 Jahre (VOB/B). Bildung von Rücklagen: mindestens 3–5 % des Jahresumsatzes auf ein separates Rücklagenkonto.
❌ Fehler 5: Nur einen Lieferanten
Wer sich auf einen Fensterhersteller verlässt, ist bei Lieferproblemen oder Preiserhöhungen aufgeschmissen. Arbeiten Sie mit mindestens 2–3 Herstellern zusammen.
❌ Fehler 6: Saisonalität unterschätzen
November bis Februar ist im Fensterbau Nebensaison. Planen Sie Rücklagen für 3–4 schwächere Monate und nutzen Sie die Zeit für Wartungsaufträge, Fortbildung und Akquise.
❌ Fehler 7: Keine digitale Präsenz
„Mundpropaganda reicht" ist ein Irrglaube. Ohne Website und Google-Profil existieren Sie für 80 % Ihrer potenziellen Kunden nicht. Investieren Sie mindestens 2.000–5.000 € in Ihre digitale Visitenkarte.
9. Verdienstpotenzial: Was verdient ein selbstständiger Fensterbauer?
Das Einkommen variiert erheblich – je nach Betriebsmodell, Region, Spezialisierung und Auslastung:
| Kennzahl | Montagebetrieb (2 Pers.) | Glaserbetrieb (4–6 MA) |
|---|---|---|
| Stundensatz (netto, ohne Material) | 55 – 70 €/Person | 65 – 85 €/Person |
| Durchschn. Auftragswert | 2.500 – 8.000 € | 5.000 – 45.000 € |
| Jahresumsatz | 120.000 – 250.000 € | 350.000 – 900.000 € |
| Gewinnmarge | 15 – 25 % | 10 – 18 % |
| Inhabereinkommen (netto, geschätzt) | 2.500 – 5.000 €/Monat | 4.000 – 10.000 €/Monat |
Hinweis: Im Fensterbau sind die Margen auf reine Montage niedriger als bei Betrieben, die auch die Verglasung und Beratung abwickeln. Höhere Margen erzielen Sie durch Spezialisierung (Einbruchschutz, Sonderverglasung), eigene Handelsware und Wartungsverträge.
10. FAQ – Häufige Fragen zur Fensterbau-Gründung
Kann ich mich als Fenstermonteur ohne Meister selbstständig machen?
Ja, wenn Sie ausschließlich genormte, vorgefertigte Fenster und Türen montieren. Sobald Sie Glas zuschneiden, Sonderglas verarbeiten oder konstruktive Glasarbeiten ausführen, greift die Meisterpflicht des Glaserhandwerks (Anlage A HwO). Klären Sie Ihr Leistungsspektrum vorab schriftlich mit der Handwerkskammer.
Was kostet die Glasermeisterprüfung?
Die Meisterprüfung im Glaserhandwerk kostet je nach HWK und Vorbereitungskurs zwischen 6.000 und 10.000 €. Die Vorbereitung dauert in Vollzeit ca. 10–12 Monate, in Teilzeit 18–24 Monate. Das Aufstiegs-BAföG übernimmt bis zu 75 % der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren.
Welche BG ist für Fensterbauer zuständig?
Die BG BAU (Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft) ist die zuständige Berufsgenossenschaft für Fensterbau- und Montagebetriebe. Die Anmeldung ist Pflicht und muss innerhalb einer Woche nach Betriebsgründung erfolgen.
Brauche ich eine RAL-Montage-Zertifizierung?
Eine formale Zertifizierung ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber die Kenntnis des RAL-Montageleitfadens ist de facto Industriestandard. Bei Mängelreklamationen wird die Einhaltung der RAL-Vorgaben als Maßstab herangezogen. Eine Schulung kostet ca. 500–1.200 € und ist absolut empfehlenswert.
Wie finde ich meine ersten Kunden als Fensterbauer?
Die effektivsten Kanäle sind: Google Unternehmensprofil (lokale Suche), Branchenportale (MyHammer, Check24), Kooperationen mit Bauträgern und Architekten, sowie eine professionelle Website. In der Gründungsphase sind Portale der schnellste Weg zu Aufträgen – langfristig zählen Empfehlungen.
Wie hoch sollte mein Stundensatz als Fensterbauer sein?
Ein realistischer Stundensatz liegt bei 55–85 € netto pro Person, abhängig von Region und Spezialisierung. Viele Gründer machen den Fehler, mit 40 € zu starten – das reicht nicht, um Fahrzeug, Werkzeug, Versicherungen und Rücklagen zu decken. Nutzen Sie den Stundensatzrechner für Ihre individuelle Kalkulation.
Welche Software brauche ich als Fensterbauer?
Mindestens: Aufmaß-Software (z. B. digitales Aufmaß per Tablet), Angebots- und Rechnungssoftware (mit E-Rechnung), Buchhaltung (DATEV, sevDesk oder lexoffice). Optional: Fensterkonfigurator für Kundenberatung, CAD-Software für Sonderkonstruktionen, Projektmanagement-Tool.
11. Gründungs-Checkliste Fensterbau
✅ Vollständige Checkliste für Fensterbau-Gründer
Fachliches & Formales
- ☐ Meisterpflicht-Status klären (Glaser vs. Monteur)
- ☐ Schriftliche Auskunft der HWK einholen
- ☐ Businessplan inkl. Finanzplanung fertigstellen
- ☐ Rechtsform wählen (Einzelunternehmen / GmbH / UG)
- ☐ Eintragung Handwerksrolle / Verzeichnis Anlage B
- ☐ Gewerbeanmeldung (korrekte Tätigkeitsbeschreibung!)
- ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
- ☐ BG BAU Anmeldung
Betrieb & Marketing
- ☐ Betriebshaftpflicht (min. 5 Mio. €)
- ☐ Geschäftskonto eröffnen
- ☐ Fahrzeug mit Glasgestell beschaffen
- ☐ Werkzeug-Erstausstattung bestellen
- ☐ Lieferantenverhandlungen (min. 2 Hersteller)
- ☐ Website erstellen
- ☐ Google Unternehmensprofil einrichten
- ☐ Fahrzeugbeschriftung & Visitenkarten
- ☐ RAL-Montage-Schulung absolvieren
- ☐ Aufmaß-Checklisten anlegen
Der Fensterbau bietet exzellente Perspektiven für Gründer: Die Kombination aus GEG-getriebenem Sanierungsbedarf, demografischem Wandel (Nachfolgemangel in bestehenden Betrieben) und der Möglichkeit, als Montagebetrieb ohne Meister zu starten, senkt die Eintrittsbarrieren im Vergleich zu anderen Baugewerken. Gleichzeitig bietet die Spezialisierung auf Nischen wie Einbruchschutz, Altbausanierung oder Smart-Home-Fenster die Chance, sich von der Konkurrenz abzuheben und überdurchschnittliche Margen zu erzielen.
Planen Sie Ihre Gründung sorgfältig mit unserem Stundensatzrechner, dokumentieren Sie Ihre Arbeitszeiten effizient und lesen Sie unsere weiteren Ratgeber im Fensterbau-Wissensbereich.