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Selbstständig als Maler & Lackierer 2026: Meisterpflicht, Gründungskosten & Praxis-Leitfaden

Malerbetrieb gründen: Von der wieder eingeführten Meisterpflicht über niedrige Einstiegskosten bis zur lukrativen WDVS-Spezialisierung. Mit Kostentabellen, Marketing-Strategien und Gründungs-Checkliste.

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Redaktion handwerk.cloud

20. Februar 2026

Geprüfte Fachbetriebe🔒Sichere Daten (SSL)💯Kostenlos & unverbindlich4,8/5 Kundenbewertung

Das Malerhandwerk ist eines der zugänglichsten Gewerke für die Selbstständigkeit: Die Einstiegskosten sind vergleichsweise niedrig, die Nachfrage ist stabil, und das Leistungsspektrum reicht von der einfachen Wohnungsrenovierung bis zur hochwertigen Fassadensanierung mit WDVS. Gleichzeitig ist die Branche einer der härtesten Wettbewerbsmärkte im Handwerk – und seit 2020 gilt wieder die Meisterpflicht.

Dieser Leitfaden beantwortet alle Fragen rund um die Gründung eines Malerbetriebs: von der Meisterpflicht über die optimale Spezialisierung bis zur digitalen Kundengewinnung. Mit konkreten Zahlen, Praxis-Tipps erfahrener Malermeister und einer vollständigen Gründungs-Checkliste.

1. Meisterpflicht im Malerhandwerk: Seit 2020 wieder Pflicht

Das Maler- und Lackiererhandwerk gehört zu den Gewerken, für die 2004 die Meisterpflicht abgeschafft und 2020 mit dem Gesetz zur Änderung der Handwerksordnung wieder eingeführt wurde. Es ist ein zulassungspflichtiges Handwerk nach Anlage A der HwO.

⚠️ Bestandsschutz für Alt-Gründer

Wer sich zwischen 2004 und 2019 ohne Meister als Maler selbstständig gemacht und in die Handwerksrolle (Anlage B) eingetragen hat, genießt Bestandsschutz. Diese Betriebe dürfen weiterarbeiten, auch ohne Meistertitel. Für alle Neugründungen seit 2020 gilt jedoch die volle Meisterpflicht.

Was genau umfasst die Meisterpflicht?

Die Meisterpflicht gilt für alle wesentlichen Tätigkeiten des Maler- und Lackiererhandwerks:

  • Malen, Lackieren, Beschichten von Innen- und Außenflächen
  • Tapezieren und Wandgestaltung
  • Fassadenanstriche und -beschichtungen
  • WDVS (Wärmedämmverbundsystem) – Vollwärmeschutz
  • Gerüstlose Fassadenarbeiten (Hebebühne)
  • Korrosions- und Brandschutzanstriche
  • Bodenbelagsarbeiten (wenn als Teil des Malerhandwerks angeboten)
  • Dekorative Maltechniken (Marmorierung, Vergoldung, Illusionsmalerei)

Drei Wege in die Selbstständigkeit

Weg Voraussetzungen Kosten Dauer
Eigener Meisterbrief Gesellenbrief Maler/Lackierer 8.000 – 17.600 € 12–18 Monate (VZ) / 2–3 Jahre (TZ)
Altgesellenregelung (§ 7b HwO) 6 Jahre Berufserfahrung, 4 davon in leitender Stellung 500 – 1.500 € 3–6 Monate
Technischer Betriebsleiter Anstellung eines Malermeisters in Vollzeit 42.000 – 55.000 €/Jahr Sofort möglich

🔧 Praxis-Tipp: Meisterprüfung Maler

Die Meisterprüfung Maler/Lackierer besteht aus 4 Teilen: Teil I (Fachpraxis), Teil II (Fachtheorie), Teil III (BWL/Recht) und Teil IV (Ausbildereignung). Das Aufstiegs-BAföG übernimmt bis zu 75 % der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren. Bei einem Kurs für 17.600 € bleiben effektiv ca. 4.000–5.000 € Eigenanteil. Teilzeitkurse lassen sich gut neben der Berufstätigkeit absolvieren.

2. Voraussetzungen: Was Sie mitbringen müssen

Qualifikation

  • Gesellenbrief als Maler/Lackierer – Grundvoraussetzung
  • Meisterbrief oder gleichgestellte Qualifikation (s.o.)
  • Technische Regeln: Kenntnis der VOB/C (ATV DIN 18363 Maler- und Lackiererarbeiten), BFS-Merkblätter, Farbtonstandards (RAL, NCS)
  • Arbeitssicherheit TRGS 610: Umgang mit Gefahrstoffen (Lösemittel, Isocyanate bei 2K-Lacken)

Empfohlene Zusatzqualifikationen

  • WDVS-Fachbetrieb: Herstellerzertifizierung (Sto, Caparol, Baumit) – öffnet den lukrativen Fassadendämmungs-Markt
  • Energieberater (dena): Für Fassadendämmung mit Fördermittelberatung
  • Schimmelpilzsanierung: WTA-Merkblatt 4-12 – gefragter Nischenbereich
  • Restaurierung: Zusatzqualifikation für Denkmalschutz-Arbeiten
  • SiGeKo (Sicherheits- und Gesundheitskoordinator): Bei Großbaustellen und Gerüstarbeiten empfehlenswert

Unverzichtbare Versicherungen

  • Betriebshaftpflicht: Min. 3 Mio. € – Farbspritzer auf teurem Parkett, falsche Farbwahl nach Kundenberatung, Wasserschäden durch abgedeckte aber undichte Stellen
  • BG BAU: Pflichtmitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft
  • Betriebsinhaltsversicherung: Werkzeug, Farben, Arbeitsbühnen – oft unterschätzt
  • Kfz-Versicherung: Gewerbliche Nutzung Transporter + Anhänger
  • Private Absicherung: Kranken- und Pflegeversicherung, Berufsunfähigkeit (Malerberuf ist körperlich belastend!)

3. Gründungsschritte: Vom Entschluss zum ersten Auftrag

Ein Malerbetrieb lässt sich vergleichsweise schnell gründen – rechnen Sie mit 2–4 Monaten. Die Werkzeug- und Materialausstattung ist günstiger als in den meisten Baugewerken.

Phase 1: Planung (Monat 1)

  1. Positionierung: Wollen Sie Innenarbeiten (Wohnungsrenovierung), Außenarbeiten (Fassade, WDVS), Premium-Segment (Altbau, Denkmal) oder Gewerbekunden bedienen? Die Entscheidung bestimmt Ihre Ausstattung, Preisgestaltung und Zielgruppe.
  2. Marktanalyse: Das Malerhandwerk ist einer der dichtest besetzten Märkte – prüfen Sie die Wettbewerbsdichte in Ihrem Einzugsgebiet. Tipp: Nischen suchen, die andere nicht bedienen (z. B. Schimmel, Denkmal, Airless-Beschichtung).
  3. Businessplan: Besonderheit im Malerhandwerk: Die Produktivquote liegt oft nur bei 50–60 % der Arbeitszeit. Der Rest geht für Anfahrt, Abkleben, Vorbereitung, Aufräumen drauf. Kalkulieren Sie realistisch mit dem Stundensatzrechner.

Phase 2: Formale Gründung (Monat 1–2)

  1. Handwerkskammer: Meisterbrief vorlegen → Eintragung in die Handwerksrolle. Kosten: 120–250 €.
  2. Gewerbeanmeldung: Kosten: 20–65 €.
  3. Finanzamt: Steuerliche Erfassung → Steuernummer.
  4. BG BAU: Anmeldung innerhalb einer Woche.
  5. Innungsmitgliedschaft: Freiwillig, aber empfehlenswert – Zugang zu Tarifverträgen, Fortbildung und dem Innungsnetzwerk. Kosten: ca. 200–600 €/Jahr.

Phase 3: Betriebsaufbau (Monat 2–4)

  1. Fahrzeug: Kastenwagen oder Pritsche mit Dachgepäckträger. Ein guter gebrauchter Sprinter/Transporter reicht – die Fahrzeugbeschriftung ist im Malerhandwerk besonders wichtig (fahrende Werbefläche!).
  2. Werkzeug & Material: Grundausstattung: Walzen, Pinsel, Airless-Spritzgerät (optional, aber empfohlen), Abdeckmaterial, Leitern, Arbeitsbock-System, Farbmischmaschine (optional).
  3. Lager: Im Malerhandwerk reicht oft eine Garage oder ein kleiner Lagerraum – Sie kaufen Material weitgehend projektbezogen ein.
  4. Lieferanten: Verhandeln Sie Rahmenverträge mit Großhändlern (Caparol, Brillux, Sto, Sikkens). Ab bestimmten Umsätzen gibt es deutlich bessere Konditionen.
  5. Website & Marketing: Im Malerhandwerk entscheiden Kunden stark visuell. Eine professionelle Website mit Projektfotos ist Pflicht.

4. Gründungskosten: Der günstigste Einstieg im Bauhandwerk

Im Vergleich zu SHK, Elektro oder Fensterbau sind die Gründungskosten im Malerhandwerk deutlich niedriger. Kein teures Spezialwerkzeug, kein aufwendiger Lagerbestand – ein Malerbetrieb lässt sich lean gründen.

Kostenposition Ein-Mann-Betrieb Betrieb mit 2–4 MA
Meisterprüfung (Maler/Lackierer) 8.000 – 17.600 € (vor BAföG) 8.000 – 17.600 €
Fahrzeug (Transporter) 8.000 – 20.000 € (gebraucht) 25.000 – 50.000 €
Werkzeug & Kleingeräte 2.000 – 6.000 € 5.000 – 15.000 €
Airless-Spritzgerät 2.000 – 5.000 € 4.000 – 10.000 €
Gerüst / Arbeitsbühne (Kauf oder Mietbudget) 1.000 – 4.000 € 5.000 – 15.000 €
Lager (Einrichtung + Kaution) 500 – 2.000 € 2.000 – 5.000 €
HWK + Gewerbe + BG 300 – 500 € 300 – 500 €
Versicherungen (1. Jahr) 1.500 – 3.000 € 3.000 – 6.000 €
Website, Logo & Marketing 1.500 – 4.000 € 3.000 – 7.000 €
Fahrzeugbeschriftung 800 – 2.500 € 2.000 – 5.000 €
Arbeitskleidung (gebrandete Overalls) 300 – 600 € 800 – 2.000 €
Gesamt (ohne Meisterprüfung) 18.000 – 48.000 € 50.000 – 116.000 €

💰 Fördermöglichkeiten für Maler-Gründer

  • Aufstiegs-BAföG: Bis 75 % Zuschuss auf Meisterkurskosten (40 % Sofortzuschuss + Darlehen mit 50 % Erlass bei Bestehen)
  • Meistergründungsprämie: 7.500–15.000 € Zuschuss je nach Bundesland (NRW, Hessen, Brandenburg u.a.) bei Gründung innerhalb 12 Monaten nach Meisterprüfung
  • KfW-Gründerkredit: Bis 125.000 € mit günstigen Zinsen
  • Gründungszuschuss: Bei Gründung aus der Arbeitslosigkeit

5. Rechtsform: Was passt zum Malerbetrieb?

Einzelunternehmen

Die mit Abstand häufigste Rechtsform im Malerhandwerk – über 80 % aller Neugründungen. Kein Mindestkapital, Einnahmenüberschussrechnung, volle Entscheidungsfreiheit. Die persönliche Haftung ist im Malergewerk weniger kritisch als z. B. im SHK (kein Wasser-, Gas-, Heizungsrisiko), aber dennoch real bei Gerüstunfällen oder Fassadenschäden.

GmbH / UG

Sinnvoll bei der Zusammenarbeit mit Bauträgern oder Generalunternehmern, die eine GmbH bevorzugen. Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen. Nachteil: Doppelte Buchführung, höherer Verwaltungsaufwand.

📋 Steuertipps für Maler-Gründer

  • Kleinunternehmerregelung: Im Malerhandwerk bei Privatkundenfokus und niedrigem Materialanteil oft sinnvoll – Sie sparen die USt-Bürokratie und können 19 % günstiger anbieten. Gilt bis 25.000 € Jahresumsatz (2026). Achtung: Kein Vorsteuerabzug auf Fahrzeug und Werkzeug!
  • Reverse-Charge (§ 13b UStG): Bei Bauleistungen für andere Unternehmer (Subunternehmer-Aufträge) kehrt sich die USt-Schuld um
  • Fahrtenbuch vs. 1-%‑Regelung: Im Malerhandwerk fahren Sie täglich zu Kunden. Prüfen Sie, ob ein Fahrtenbuch steuerlich vorteilhafter ist als die pauschale 1-%-Regelung
  • E-Rechnung: Seit 2025 im B2B-Bereich Pflicht. Mehr dazu: E-Rechnungspflicht

6. Die 6 lukrativsten Spezialisierungen im Malerhandwerk

Der „normale" Innenanstrich ist im Malerhandwerk am stärksten umkämpft – und bietet die geringsten Margen. Die Zukunft gehört den Spezialisten:

1. WDVS / Fassadendämmung

Der lukrativste Bereich im Malerhandwerk. Auftragswerte von 15.000–60.000 € pro Fassade, gute Margen durch Materialaufschlag und hohe Fachkompetenz-Anforderungen. Die GEG-Pflicht und BAFA-/KfW-Förderung treiben die Nachfrage. Voraussetzung: WDVS-Fachbetrieb-Zertifizierung eines Herstellers. Unser Guide: WDVS-Leitfaden für Profis. Kosten für den Kunden: Fassade dämmen: Kosten 2026.

2. Schimmelbeseitigung & -prävention

Nischenmarkt mit wenig Konkurrenz und hoher Dringlichkeit (Kunden zahlen sofort). Sachkundenachweis nach WTA-Merkblatt empfohlen. Auftragswerte: 1.500–8.000 €. Keine Saisonalität – Schimmel tritt ganzjährig auf.

3. Altbau & Denkmalschutz

Historische Farbgebung, Stuckrestaurierung, Kalkputztechniken – ein Premium-Segment mit zahlungskräftiger Kundschaft und geringem Wettbewerb. Zusatzqualifikation „Restaurierung im Malerhandwerk" empfohlen. Überdurchschnittliche Stundensätze: 55–80 € netto.

4. Industrielackierung & Korrosionsschutz

Beschichtung von Stahlkonstruktionen, Hallen, Brücken, Masten nach DIN EN ISO 12944. Großaufträge mit Volumina 20.000–200.000+ €. Erfordert Zusatzqualifikationen und Spezialausrüstung, bietet aber exzellente Margen bei wenig Konkurrenz.

5. Raumdesign & kreative Wandgestaltung

Dekorative Maltechniken (Wischtechnik, Spachteltechnik, Betonoptik, Marmorierung), Design-Tapeten, Akzentwände – ein wachsender Markt im Premium-Wohnsegment. Instagram und Pinterest als Hauptakquisekanäle. Auftragswerte: 2.000–15.000 € pro Raum/Wohnung.

6. Beschichtungstechnik & Bodenbeschichtung

Epoxidharz-Böden für Garagen, Werkstätten, Gewerberäume. Auftragswerte: 3.000–20.000 €. Erfordert Spezialkenntnisse und -material, aber die Konkurrenz ist gering und die Nachfrage steigt – besonders bei Garagenbesitzern und Gewerbetreibenden.

7. Marketing & Kundengewinnung im Malerhandwerk

Im Malerhandwerk konkurrieren Sie mit vielen kleinen Betrieben und – leider – auch mit Schwarzarbeit. Umso wichtiger ist eine professionelle Außendarstellung, die Qualität und Seriosität signalisiert.

Website mit Vorher-Nachher-Galerie

Im Malerhandwerk verkaufen Bilder. Eine Website ohne Projektfotos ist im Grunde wertlos. Zeigen Sie:

  • Vorher-Nachher-Fotos (mindestens 10 Projekte)
  • Verschiedene Leistungsbereiche visuell dargestellt
  • Farbberatungs-Beispiele
  • Transparente Preisangaben (z. B. „Wohnungsrenovierung 60 m²: ab 2.800 €")

Anleitung: Handwerker-Website erstellen. Preisübersicht für Kundenkommunikation: Maler Kosten pro qm.

Google Unternehmensprofil

„Maler + [Stadt]" ist einer der häufigsten lokalen Suchbegriffe überhaupt. Pflegen Sie Ihr Google Unternehmensprofil mit regelmäßigen Projektfotos und sammeln Sie aktiv Bewertungen. Ab 20+ Bewertungen mit 4,5+ Sternen dominieren Sie die lokale Suche.

Instagram & Pinterest

Die beiden visuellsten Plattformen sind für Maler wie geschaffen. Vorher-Nachher-Reels, Zeitraffer von Farbwechseln, kreative Wandgestaltung – das hat enormes virales Potenzial. Tipps: Social Media für Handwerker.

Fahrzeugbeschriftung: Ihre fahrende Werbefläche

Im Malerhandwerk ist die Fahrzeugbeschriftung einer der wirksamsten Werbekanäle. Ihr Transporter steht täglich stundenlang vor Kundenhäusern in Wohngebieten – genau dort, wo Ihre nächsten Kunden wohnen. Investieren Sie in eine hochwertige, auffällige Beschriftung mit klarem Leistungsversprechen und Telefonnummer.

Kooperationen

  • Immobilienmakler: Renovierung vor Verkauf oder für neue Eigentümer
  • Hausverwaltungen: Treppenhäuser, Mieterwechsel-Renovierungen – planbare Aufträge
  • Gerüstbauer: Gegenseitige Empfehlungen bei Fassadenarbeiten
  • Raumausstatter & Interior Designer: Kooperation für Premium-Projekte
  • Branchenportale: MyHammer, Check24 – besonders in der Gründungsphase. Vergleich: Branchenportale für Handwerker

8. Die 7 häufigsten Fehler bei der Maler-Gründung

❌ Fehler 1: Preiskampf mitmachen

Das Malerhandwerk hat den höchsten Preisdruck im Baugewerbe. Viele Gründer versuchen, über den niedrigsten Preis Kunden zu gewinnen – und arbeiten unter Wert. Positionieren Sie sich über Qualität, Zuverlässigkeit und Service statt über den Preis. Ein guter Ruf ist mehr wert als der günstigste Stundensatz.

❌ Fehler 2: Produktivquote ignorieren

Im Malerhandwerk ist nur 50–60 % der Arbeitszeit produktiv (d. h. abrechenbar). Der Rest geht für Anfahrt, Abkleben, Vorbereiten, Aufräumen, Büro drauf. Wenn Sie 40 € Stundensatz kalkulieren, verdienen Sie effektiv nur 20–24 €/Stunde. Kalkulieren Sie mit dem Stundensatzrechner – realistisch sind 45–65 € netto.

❌ Fehler 3: Kein Airless-Gerät

Ein Airless-Spritzgerät kostet 2.000–5.000 €, spart aber bei Fassaden und Großflächen 40–60 % Zeit gegenüber Roller. Die Investition amortisiert sich oft mit dem ersten Fassadenauftrag. Wer nur mit Rolle und Pinsel arbeitet, ist in vielen Segmenten nicht wettbewerbsfähig.

❌ Fehler 4: Keine Spezialisierung

„Ich mache alles" ist im Malerhandwerk eine Sackgasse. Der Markt für einfache Wohnungsrenovierungen ist überfüllt. Spezialisieren Sie sich: WDVS, Schimmel, Denkmal, Bodenbeschichtung oder kreative Wandgestaltung – und kommunizieren Sie die Spezialisierung klar auf Ihrer Website.

❌ Fehler 5: Schwarzarbeit-Konkurrenz ignorieren

Das Malerhandwerk hat eine der höchsten Schwarzarbeitsquoten. Statt zu jammern: Setzen Sie auf Mehrwert, den Schwarzarbeiter nicht bieten können – Gewährleistung, Farbberatung, Versicherungsschutz, Fotodokumentation und Rechnung für die Steuererstattung (20 % Handwerkerleistung absetzbar!).

❌ Fehler 6: Keine Projektfotos machen

Im Malerhandwerk entscheiden Bilder über Aufträge. Fotografieren Sie jedes einzelne Projekt – vorher und nachher. Diese Fotos sind Ihr wichtigstes Marketing-Tool für Website, Instagram und Kundengespräche.

❌ Fehler 7: Saisonalität unterschätzen

Fassadenarbeiten und Außenanstriche fallen im Winter weg (unter 5 °C ist Streichen nicht möglich). Planen Sie die kalte Jahreszeit: Innenarbeiten priorisieren, Vorarbeit für Frühjahrsaufträge leisten, Akquise intensivieren. Rücklagen für 2–3 schwächere Monate bilden.

9. Verdienstpotenzial: Was verdient ein selbstständiger Maler?

Kennzahl Ein-Mann-Betrieb Betrieb mit 3–5 MA
Stundensatz (netto, ohne Material) 40 – 55 € (Innen) / 50 – 65 € (Fassade) 50 – 70 € (Durchschnitt)
Durchschn. Auftragswert 800 – 4.000 € (Innen) 3.000 – 40.000 € (Fassade/WDVS)
Jahresumsatz 60.000 – 120.000 € 200.000 – 600.000 €
Gewinnmarge 20 – 35 % 10 – 18 %
Inhabereinkommen (netto, geschätzt) 2.000 – 3.500 €/Monat 3.000 – 7.000 €/Monat

Hinweis: Die Gewinnmargen im Malerhandwerk sind im Vergleich zu SHK oder Elektro niedriger – der Materialanteil ist gering (10–25 %), aber die reine Arbeitsleistung wird oft unterbezahlt. Die besten Verdienstmöglichkeiten bieten WDVS-Spezialisierung, Industrielackierung und Denkmalschutz. Aktuelle Marktpreise: Malerarbeiten Kosten & Trends 2025.

10. FAQ – Häufige Fragen zur Maler-Gründung

Kann ich mich als Maler ohne Meister selbstständig machen?

Seit 2020 ist die Meisterpflicht wieder eingeführt. Ohne eigenen Meistertitel gibt es drei Wege: Altgesellenregelung (§ 7b HwO, nach 6 Jahren Erfahrung), Anstellung eines Malermeisters als Betriebsleiter, oder Ausnahmebewilligung (§ 8 HwO). Wer sich zwischen 2004 und 2019 ohne Meister angemeldet hat, genießt Bestandsschutz.

Was kostet die Malermeisterprüfung?

Die Vorbereitungskurse (Teil I–IV) kosten je nach Anbieter 8.000–17.600 €. In Vollzeit dauert die Vorbereitung 12–18 Monate, in Teilzeit 2–3 Jahre. Das Aufstiegs-BAföG übernimmt bis zu 75 % – der effektive Eigenanteil liegt oft unter 5.000 €.

Wie viel Startkapital brauche ich als Maler?

Ein Ein-Mann-Betrieb lässt sich ab ca. 18.000 € gründen (gebrauchter Transporter, Grundausstattung Werkzeug, Versicherungen). Ein Betrieb mit 2–4 Mitarbeitern erfordert 50.000–116.000 €. Damit ist das Malerhandwerk eines der günstigsten Gewerke für die Gründung.

Lohnt sich ein Airless-Spritzgerät?

Ja, fast immer. Ein gutes Gerät kostet 2.000–5.000 €, spart aber bei Fassaden und Großflächen 40–60 % Arbeitszeit. Die Investition amortisiert sich meist mit dem ersten oder zweiten Fassadenauftrag. Für reine Innenarbeiten mit vielen Abklebearbeiten ist der Vorteil geringer.

Wie setze ich mich gegen Schwarzarbeit durch?

Kommunizieren Sie den Mehrwert Ihrer legalen Leistung: 5 Jahre Gewährleistung, Versicherungsschutz, Farbberatung, Rechnung für die Steuererstattung (Kunden können 20 % der Arbeitskosten als Handwerkerleistung von der Steuer absetzen!), und professionelle Fotodokumentation. Qualität und Seriosität schlagen den Preis – bei den richtigen Kunden.

Welche BG ist für Maler zuständig?

Die BG BAU (Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft). Die Mitgliedschaft ist Pflicht und muss innerhalb einer Woche nach Betriebsgründung erfolgen. Die Beiträge richten sich nach der Lohnsumme und der Gefahrenklasse.

Was verdient ein selbstständiger Malermeister?

Ein Ein-Mann-Betrieb erzielt typischerweise 60.000–120.000 € Jahresumsatz bei 20–35 % Marge (ca. 2.000–3.500 € Monatseinkommen netto). Mit Spezialisierung (WDVS, Industrielackierung) und 3–5 Mitarbeitern sind 200.000–600.000 € Umsatz und 3.000–7.000 € Inhabereinkommen möglich.

11. Gründungs-Checkliste Malerbetrieb

✅ Vollständige Checkliste für Maler-Gründer

Qualifikation & Formales

  • ☐ Meisterbrief / Ausübungsberechtigung
  • ☐ Eintragung Handwerksrolle
  • ☐ Gewerbeanmeldung
  • ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
  • ☐ BG BAU Anmeldung
  • ☐ Innungsmitgliedschaft prüfen
  • ☐ WDVS-Fachbetrieb-Zertifizierung (optional)
  • ☐ Betriebshaftpflicht (min. 3 Mio. €)
  • ☐ Geschäftskonto eröffnen

Betrieb & Marketing

  • ☐ Transporter beschaffen + beschriften
  • ☐ Werkzeug-Erstausstattung
  • ☐ Airless-Spritzgerät anschaffen
  • ☐ Lieferantenverträge (Caparol, Brillux etc.)
  • Website erstellen (mit Projektfotos!)
  • Google Profil einrichten
  • ☐ Instagram-Account für Vorher-Nachher
  • ☐ Arbeitskleidung mit Logo bestellen
  • ☐ Musterangebote & Rechnungsvorlagen
  • ☐ Projektfotos-Workflow etablieren

Das Malerhandwerk bietet den günstigsten Einstieg in die handwerkliche Selbstständigkeit – ab ca. 18.000 € sind Sie dabei. Die Herausforderung liegt nicht in den Gründungskosten, sondern in der Positionierung: Wer sich spezialisiert (WDVS, Denkmal, kreative Gestaltung, Bodenbeschichtung) und konsequent auf Qualität statt Preis setzt, kann auch in einem der wettbewerbsintensivsten Handwerksmärkte gut verdienen.

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