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allgemein15 Min. Lesezeit

Selbstständig als Fliesenleger 2026: Meisterpflicht, Gründung Schritt für Schritt & Spezialisierungen

Fliesenlegerbetrieb gründen: Von der seit 2020 wieder eingeführten Meisterpflicht über die Gewerbeanmeldung bis zur lukrativen Badsanierung. Mit Kostentabellen, Schritt-für-Schritt-Anleitung und Gründungs-Checkliste.

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Redaktion handwerk.cloud

20. Februar 2026

Geprüfte Fachbetriebe🔒Sichere Daten (SSL)💯Kostenlos & unverbindlich4,8/5 Kundenbewertung

Das Fliesenlegerhandwerk hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Wandel durchgemacht: 2004 wurde die Meisterpflicht abgeschafft – mit der Folge eines Qualitätsverfalls und einer Verdreifachung der Betriebszahlen bei gleichzeitig sinkenden Löhnen. 2020 wurde die Meisterpflicht wieder eingeführt. Für Gründer bedeutet das: Der Marktzugang ist wieder reguliert, aber die Qualität steigt – und damit die Zahlungsbereitschaft der Kunden.

Die Nachfrage nach Fliesenlegern ist stabil: Badsanierungen boomen durch die alternde Gesellschaft, barrierefreie Umbauten werden gefördert, und Premium-Fliesen in Naturstein- und Großformatoptik erfordern echtes Fachwissen. Dieser Leitfaden führt Sie Schritt für Schritt durch die Gründung – von der Meisterpflicht über die konkrete Anmeldung bis zur profitablen Spezialisierung.

1. Meisterpflicht: Seit 2020 wieder Pflicht – mit Bestandsschutz

Das Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk war von 2004 bis 2019 zulassungsfrei (Anlage B der HwO). Seit dem 1. Januar 2020 ist es wieder ein zulassungspflichtiges Handwerk nach Anlage A. Für alle Neugründungen gilt: Meisterbrief oder gleichgestellte Qualifikation ist Pflicht.

⚠️ Bestandsschutz für Alt-Betriebe

Betriebe, die zwischen 2004 und 2019 ohne Meister gegründet wurden, genießen Bestandsschutz und dürfen weiterarbeiten. Allerdings gibt es Hinweise, dass bis spätestens 2028 eine klare Regelung (Ausübungsberechtigung oder Meisterbrief) vorgelegt werden muss. Wenn Sie einen solchen Bestandsbetrieb führen: Klären Sie Ihren Status mit der zuständigen HWK – jetzt, nicht erst 2027.

Was die Meisterpflicht umfasst

  • Verlegen von Wand- und Bodenfliesen (Keramik, Feinsteinzeug, Naturstein)
  • Fliesenarbeiten im Innen- und Außenbereich
  • Mosaikarbeiten und dekorative Flächengestaltung
  • Abdichtungsarbeiten im Verbund (z. B. Duschabdichtung nach DIN 18534)
  • Untergrundvorbereitung (Estrich, Spachtelung, Grundierung)
  • Balkon- und Terrassenbeläge (Outdoor-Fliesen, drain-fähige Verlegung)
  • Großformatverlegung und Natursteinbearbeitung

Drei Wege in die Selbstständigkeit

Weg Voraussetzungen Kosten Dauer
Eigener Meisterbrief Gesellenbrief Fliesen-, Platten- und Mosaikleger 5.000 – 13.000 € 10–15 Monate (VZ) / 2–3 Jahre (TZ)
Altgesellenregelung (§ 7b HwO) 6 Jahre Berufserfahrung, 4 in leitender Stellung 500 – 1.500 € 3–6 Monate
Technischer Betriebsleiter Anstellung eines Fliesenlegermeisters in Vollzeit 40.000 – 52.000 €/Jahr Sofort möglich

🔧 Praxis-Tipp: Meisterprüfung Fliesenleger

Die Fliesenleger-Meisterprüfung Teil I (Praxis) ist anspruchsvoller als oft vermutet: Sie umfasst die Verlegung verschiedener Formate und Materialien inkl. Abdichtung und Verfugung – unter Zeitdruck und Prüferbeobachtung. Nutzen Sie das Aufstiegs-BAföG: Bis 75 % der Lehrgangs- und Prüfungskosten werden übernommen. Effektiver Eigenanteil: oft unter 3.000 €.

2. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Vom Gesellenbrief zum eigenen Betrieb

Die Gründung eines Fliesenlegerbetriebs ist vergleichsweise schnell möglich – rechnen Sie mit 2–4 Monaten. Die Werkzeugausstattung ist überschaubar und die Anlaufkosten gehören zu den niedrigsten im Bauhandwerk.

Schritt 1: Meisterbrief erwerben oder Alternative klären

  • Meisterkurs: Teile I–IV an der HWK. In Vollzeit 10–15 Monate, Teilzeit 2–3 Jahre
  • Aufstiegs-BAföG vor Kursbeginn beantragen (Bearbeitung: 4–6 Wochen)
  • Alternative prüfen: Altgesellenregelung (Antrag bei HWK), oder Betriebsleiter einstellen
  • Meistergründungsprämie: Je nach Bundesland 7.500–15.000 € – innerhalb 12 Monaten nach Bestehen beantragen

Schritt 2: Businessplan erstellen

  • Spezialisierung festlegen: Badsanierung? Großformat? Naturstein? Gewerbekunden? Die Entscheidung bestimmt Ihre Ausstattung und Zielgruppe
  • Stundensatz kalkulieren: Im Fliesenlegerhandwerk liegen profitable Stundensätze bei 45–70 € netto. Kalkulieren Sie mit dem Stundensatzrechner
  • Produktivquote: Im Fliesenhandwerk beträgt die produktive Arbeitszeit ca. 55–65 % – der Rest ist Anfahrt, Untergrundvorbereitung, Materiallogistik und Büro
  • Finanzierung: KfW-ERP-Gründerkredit oder Bürgschaftsbank anfragen – frühzeitig, da die Bearbeitung 4–8 Wochen dauert

Schritt 3: Handwerkskammer – Eintragung in die Handwerksrolle

Die Eintragung in die Handwerksrolle muss vor der Gewerbeanmeldung erfolgen:

  • Meisterbrief und Personalausweis vorlegen
  • Betriebsnummer wird zugewiesen
  • Kosten: 120–250 €
  • Pflichtmitgliedschaft in der HWK beginnt

Schritt 4: Gewerbeanmeldung

  • Mit HWK-Bestätigung zum Gewerbeamt
  • Gewerbeschein beantragen (Kosten: 20–65 €)
  • Das Gewerbeamt informiert automatisch Finanzamt, IHK, Statistikamt

Schritt 5: Finanzamt – Steuerliche Erfassung

  • Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER
  • Steuernummer und USt-IdNr. werden vergeben
  • Kleinunternehmerregelung: Kann in der Anfangsphase sinnvoll sein, wenn Sie hauptsächlich Privatkunden bedienen und unter 25.000 € Umsatz bleiben. Aber: Kein Vorsteuerabzug auf Werkzeug und Fahrzeug!

Schritt 6: BG BAU – Berufsgenossenschaft

  • Anmeldung innerhalb einer Woche nach Gründung
  • Beiträge je nach Lohnsumme und Gefahrenklasse
  • Gefahrenklasse für Fliesenleger ist moderat (niedriger als Dachdecker, höher als Büroarbeit)

Schritt 7: Versicherungen abschließen

  • Betriebshaftpflicht: Min. 3 Mio. € – Fliesen brechen, Abdichtungen sind undicht, Bodenheizungen werden angebohrt
  • Betriebsinhaltsversicherung: Werkzeug und Material im Fahrzeug
  • Kfz-Versicherung: Gewerbliche Nutzung Transporter
  • Berufsunfähigkeit: Fliesenlegen ist körperlich belastend (Knie, Rücken) – unbedingt absichern!

Schritt 8: Betrieb aufbauen

  • Fahrzeug beschaffen und beschriften
  • Werkzeugausstattung zusammenstellen
  • Lieferantenbeziehungen aufbauen (Fliesengroßhandel, Baustoffhandel)
  • Website erstellen und Google Profil einrichten
  • Erste Akquise starten

3. Gründungskosten: Einer der günstigsten Einstiege im Bauhandwerk

Das Fliesenlegerhandwerk bietet neben dem Malerhandwerk den günstigsten Einstieg in die Selbstständigkeit im Bau. Kein teures Gerüst, keine aufwendige Maschinenausstattung – die Hauptinvestition ist ein guter Transporter und hochwertiges Werkzeug.

Kostenposition Ein-Mann-Betrieb Betrieb mit 2–3 MA
Meisterprüfung (Fliesenleger) 5.000 – 13.000 € (vor BAföG) 5.000 – 13.000 €
Fahrzeug (Transporter) 8.000 – 18.000 € (gebraucht) 20.000 – 40.000 €
Fliesenschneidemaschine (professionell) 1.500 – 5.000 € 3.000 – 8.000 €
Werkzeug & Kleingeräte 2.000 – 5.000 € 5.000 – 12.000 €
Nivelliersystem & Messwerkzeug 500 – 1.500 € 1.000 – 3.000 €
Nassschneidemaschine (Großformat) 2.000 – 6.000 € 4.000 – 10.000 €
HWK + Gewerbe + BG 300 – 500 € 300 – 500 €
Versicherungen (1. Jahr) 1.500 – 3.000 € 3.000 – 6.000 €
Website, Logo, Marketing 1.500 – 4.000 € 3.000 – 6.000 €
Fahrzeugbeschriftung 800 – 2.000 € 1.500 – 4.000 €
Gesamt (ohne Meisterprüfung) 18.000 – 45.000 € 41.000 – 90.000 €

💰 Fördermöglichkeiten für Fliesenleger-Gründer

  • Aufstiegs-BAföG: Bis 75 % Zuschuss auf Meisterkurskosten
  • Meistergründungsprämie: 7.500–15.000 € je nach Bundesland
  • KfW-ERP-Gründerkredit: Bis 125.000 € mit günstigen Zinsen
  • Gründungszuschuss: Bei Gründung aus der Arbeitslosigkeit

4. Rechtsform: Was passt zum Fliesenlegerbetrieb?

Einzelunternehmen

Die Standardwahl für Ein-Mann-Betriebe: Keine Stammkapitalpflicht, einfache Gewinnermittlung (EÜR), volle Flexibilität. Die persönliche Haftung ist im Fliesenlegerhandwerk moderater als z. B. beim Dachdecker oder SHK – aber Abdichtungsfehler im Bad können durchaus 10.000–30.000 € Folgeschäden verursachen.

GmbH

Sinnvoll ab 3+ Mitarbeitern oder bei der Zusammenarbeit mit Bauträgern und Generalunternehmern. Haftungsbeschränkung schützt das Privatvermögen. Nachteil: 25.000 € Mindestkapital, doppelte Buchführung, höherer Verwaltungsaufwand.

📋 Steuertipps für Fliesenleger-Gründer

  • Materialaufschlag: Im Fliesenlegerhandwerk liegt der Materialanteil bei 25–40 % des Auftragswerts. Kalkulieren Sie 15–25 % Aufschlag auf Einkaufspreise – das ist branchenüblich und finanziert Ihre Materiallagerung und -entsorgung
  • Reverse-Charge (§ 13b UStG): Wenn Sie als Subunternehmer für Bauträger arbeiten, kehrt sich die Umsatzsteuerschuld um. Ihre Rechnungssoftware muss das korrekt abbilden
  • Fahrtkosten: Im Fliesenlegerhandwerk fahren Sie täglich zu Baustellen. Ein Fahrtenbuch kann steuerlich vorteilhafter sein als die 1-%‑Regelung
  • Verschnitt einkalkulieren: Planen Sie 10–15 % Verschnitt ein (bei Diagonalverlegung und Großformat bis 20 %). Dieser Verschnitt ist ein realer Kostenfaktor, den viele Gründer unterschätzen

5. Die 6 lukrativsten Spezialisierungen

Das „Standard-Fliesenlegen" ist hart umkämpft – die besten Margen und stabilsten Aufträge finden Spezialisten:

1. Badsanierung komplett

Der Goldstandard im Fliesenlegerhandwerk: Komplette Badsanierung aus einer Hand – von der Demontage über Abdichtung, Estrich und Fliesenverlegung bis zur Fugenarbeit. Auftragswerte: 8.000–25.000 € pro Bad. Premium-Kunden mit hoher Zahlungsbereitschaft. Der demografische Wandel (barrierefreie Bäder) treibt die Nachfrage zusätzlich. Unser Guide: Badsanierung für Fliesenleger. Kosten für Kunden: Badezimmer sanieren: Kosten.

2. Großformat-Verlegung (ab 60×120 cm)

Großformatige Fliesen (60×120, 80×160, 120×240 cm) sind der aktuelle Designtrend – aber ihre Verlegung erfordert Spezialwerkzeug (Vakuumsauger, XXL-Schneidemaschine) und jahrelange Erfahrung. Wer Großformat verlegen kann, hat wenig Konkurrenz und kann Premiumpreise verlangen.

3. Naturstein-Verlegung

Marmor, Travertin, Schiefer – Naturstein ist das Premium-Segment des Fliesenlegerhandwerks. Erfordert Kenntnisse in der Steinbearbeitung, richtigen Klebstoffwahl (kein normaler Fliesenkleber!) und Imprägnierung. Stundensätze: 55–80 € netto. Mehr zum Thema: Fliesen Verlegemuster & Material-Guide.

4. Schwimmbad- & Wellness-Bau

Poolbecken, Dampfbäder, Saunaanlagen – ein Nischenmarkt mit Auftragswerten von 10.000–50.000+ € und exzellenten Margen. Erfordert Spezialkenntnisse in Schwimmbadabdichtung (DIN 18535) und Epoxidharz-Verfugung.

5. Terrassenbeläge & Außenflächen

Feinsteinzeug auf Terrassen, Balkonsanierung, drain-fähige Verlegung – ein wachsender Markt, der durch den Trend zur Outdoor-Wohnung getrieben wird. Saisonaler Schwerpunkt Frühjahr/Sommer, ergänzt perfekt die ganzjährige Innenarbeit.

6. Gewerbe- & Industriefliesen

Fliesen für Großküchen, Laboratorien, Industriehallen und Krankenhäuser. Nischenmarkt mit hohen Anforderungen an Rutschhemmung (R-Klassen), chemische Beständigkeit und Hygiene. Großaufträge mit Volumina 15.000–100.000+ €. Wenig Konkurrenz im Privatkundenbereich.

6. Marketing & Kundengewinnung

Im Fliesenlegerhandwerk entscheiden Kunden stark über Optik und Referenzen. Ihre Arbeit ist am Ende sichtbar – nutzen Sie das!

Website mit Vorher-Nachher-Projekten

Wie im Malerhandwerk verkaufen im Fliesenhandwerk Bilder. Zeigen Sie:

  • Vorher-Nachher-Fotos von Badsanierungen
  • Detail-Aufnahmen von Fugenarbeiten und Verlegemustern
  • Verschiedene Fliesenformate und -materialien im Einsatz
  • Transparente Preisangaben (z. B. „Badezimmer 8 m²: ab 6.500 €")

Anleitung: Handwerker-Website erstellen. Preise als Referenz: Fliesen verlegen: Kosten pro m².

Google Unternehmensprofil

„Fliesenleger + [Stadt]" gehört zu den am häufigsten gesuchten Handwerkerleistungen. Ein gepflegtes Google Profil mit Projektfotos und Bewertungen ist der wichtigste Online-Kanal.

Instagram & Pinterest

Fliesen sind visuell – nutzen Sie das! Verlegemuster, Farbtrendboards, Vorher-Nachher-Bäder, Zeitraffer-Videos vom Verlegen. Instagram ist besonders bei der Design-affinen Zielgruppe (30–50 Jahre, Eigenheimbesitzer) stark. Tipps: Social Media für Handwerker.

Fliesenausstellungen & Designpartner

  • Fliesenstudios/-ausstellungen: Bauen Sie Partnerschaften mit lokalen Fliesenhändlern auf, die Kunden an Sie vermitteln
  • Interior Designer & Architekten: Premium-Kundschaft, die nicht über den Preis entscheidet
  • SHK-Betriebe: Kooperation bei Badsanierungen – der SHK-Betrieb macht Sanitär, Sie machen Fliesen
  • Branchenportale: MyHammer, Check24, Angebote-Plattformen – besonders in der Startphase. Vergleich: Branchenportale für Handwerker

7. Die 7 häufigsten Fehler bei der Fliesenleger-Gründung

❌ Fehler 1: Abdichtung unterschätzen

Der teuerste Fehler im Fliesenlegerhandwerk: mangelhafte Abdichtung im Nassbereich. Eine fehlerhafte Dusch- oder Wannenabdichtung verursacht Wasserschäden von 5.000–30.000 €. Beherrschen Sie die DIN 18534 (Abdichtung in Innenräumen) und dokumentieren Sie jede Abdichtung mit Fotos – das schützt Sie bei Reklamationen.

❌ Fehler 2: Preiskampf mit Schwarzarbeit

Das Fliesenlegerhandwerk hatte zwischen 2004 und 2019 durch die fehlende Meisterpflicht massive Qualitäts- und Preisprobleme. Auch heute gibt es illegale Anbieter. Ihr Vorteil: Meisterbetrieb = Gewährleistung, Versicherungsschutz, fachgerechte Abdichtung, Steuererstattung für den Kunden. Kommunizieren Sie das aktiv!

❌ Fehler 3: Verschnitt nicht einkalkulieren

Standard-Verschnitt: 10–15 %. Bei Diagonalverlegung, Großformat und komplexen Grundrissen: 15–25 %. Kalkulieren Sie den Verschnitt immer im Angebot ein und kaufen Sie nach Möglichkeit 10–15 % mehr Material als berechnet. Nachbestellungen kosten Zeit, Anfahrten und manchmal haben abweichende Chargen einen anderen Farbton.

❌ Fehler 4: Billig-Werkzeug kaufen

Eine professionelle Nassschneidemaschine für 3.000–6.000 € klingt teuer, aber mit einer Billigmaschine für 500 € produzieren Sie Ausbrüche, schiefe Schnitte und langsame Ergebnisse. Investieren Sie in eine gute Nassschneidemaschine (z. B. Rubi, FEIN/Battipav) und ein hochwertiges Nivelliersystem – die Qualitätsdifferenz ist für den Kunden sofort sichtbar.

❌ Fehler 5: Keine Spezialisierung

„Ich verlege alle Fliesen" reicht nicht mehr. Spezialisieren Sie sich auf mindestens ein Segment (Großformat, Naturstein, Schwimmbad, Badsanierung komplett) und kommunizieren Sie es klar. Generalisten kämpfen um die gleichen Aufträge wie alle anderen. Spezialisten werden gesucht.

❌ Fehler 6: Körperliche Gesundheit ignorieren

Fliesenlegen ist einer der körperlich anspruchsvollsten Handwerksberufe: Knie, Rücken, Handgelenke werden dauerhaft belastet. Investieren Sie in ergonomische Knieschoner (80–150 €), benutzen Sie Vakuumsauger für schwere Fliesen, und schließen Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab – sie ist im Fliesenlegerhandwerk teuer, aber unverzichtbar.

❌ Fehler 7: Untergrundprüfung vergessen

Die häufigste Reklamationsursache im Fliesenlegerhandwerk: Fliesen lösen sich, weil der Untergrund nicht geprüft wurde (Feuchtigkeit, Ebenheit, Tragfähigkeit). Dokumentieren Sie den Untergrund vor Arbeitsbeginn mit Fotos und Feuchtemessung. Wenn der Untergrund mangelhaft ist: schriftlich dem Auftraggeber mitteilen (Bedenkenanmeldung nach VOB/B § 4 Abs. 3).

8. Verdienstpotenzial: Was verdient ein selbstständiger Fliesenleger?

Kennzahl Ein-Mann-Betrieb Betrieb mit 2–4 MA
Stundensatz (netto) 45 – 60 € (Standard) / 55 – 75 € (Naturstein/Großformat) 55 – 70 €
Durchschn. Auftragswert 1.500 – 6.000 € (Einzel-Bad) 5.000 – 25.000 € (Komplett-Bad/Gewerbe)
Jahresumsatz 55.000 – 110.000 € 180.000 – 450.000 €
Gewinnmarge 20 – 35 % 10 – 18 %
Inhabereinkommen (netto, geschätzt) 1.800 – 3.500 €/Monat 3.000 – 6.000 €/Monat

Hinweis: Mit der wieder eingeführten Meisterpflicht steigen die Qualitätsstandards – und damit die Preise. Meisterbetriebe haben gegenüber der Zeit 2004–2019 deutlich bessere Verdienstaussichten. Die höchsten Margen bieten: Badsanierung komplett, Naturstein-Verlegung und Schwimmbad-/Wellnessbereich.

9. FAQ – Häufige Fragen zur Fliesenleger-Gründung

Brauche ich als Fliesenleger einen Meisterbrief?

Ja, seit 2020. Das Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk wurde in die Anlage A zurückgeführt. Alternativen: Altgesellenregelung (§ 7b HwO), technischer Betriebsleiter oder Ausnahmebewilligung. Wer sich 2004–2019 ohne Meister angemeldet hat, genießt Bestandsschutz – sollte aber den Status mit der HWK klären.

Was kostet die Fliesenleger-Meisterprüfung?

Lehrgangs- und Prüfungsgebühren: 5.000–13.000 €. Das Aufstiegs-BAföG übernimmt bis zu 75 %. Effektiver Eigenanteil: oft unter 3.000 €. Dauer: 10–15 Monate Vollzeit oder 2–3 Jahre Teilzeit.

Wie viel Startkapital brauche ich als Fliesenleger?

Ein Ein-Mann-Betrieb lässt sich ab ca. 18.000 € gründen. Ein Betrieb mit 2–3 Mitarbeitern erfordert 41.000–90.000 €. Damit gehört das Fliesenlegerhandwerk neben dem Malerhandwerk zu den günstigsten Gewerken für die Gründung.

Lohnt sich die Spezialisierung auf Badsanierung?

Absolut – Badsanierung ist der rentabelste Bereich für Fliesenleger. Auftragswerte von 8.000–25.000 €, Premium-Kunden, und die Nachfrage steigt durch barrierefreie Umbauten und den Renovierungsstau. Wer Komplettbad anbietet (inkl. Abdichtung, Estrich, Fliesen, Fugen), hebt sich deutlich vom Wettbewerb ab.

Brauche ich eine teure Nassschneidemaschine?

Ja. Eine professionelle Nassschneidemaschine (2.000–6.000 €) liefert saubere, gratfreie Schnitte – besonders bei Großformat und Naturstein. Billigmaschinen produzieren Ausbrüche und kosten langfristig mehr durch Materialverschwendung und Nacharbeit. Diese Investition amortisiert sich innerhalb der ersten Monate.

Wie schütze ich mich vor Reklamationen?

Drei Regeln: 1) Untergrund prüfen und dokumentieren (Fotos + Feuchtemessung). 2) Abdichtung nach DIN 18534 durchführen und fotografisch festhalten. 3) Bei mangelhaftem Untergrund: schriftliche Bedenkenanmeldung an den Auftraggeber. Diese drei Maßnahmen schützen Sie bei 90 % aller Reklamationsfälle.

Was verdient ein selbstständiger Fliesenleger?

Ein Ein-Mann-Betrieb erzielt typischerweise 55.000–110.000 € Jahresumsatz bei 20–35 % Marge (ca. 1.800–3.500 € Monatseinkommen). Mit Spezialisierung und 2–4 Mitarbeitern sind 180.000–450.000 € Umsatz und 3.000–6.000 € Inhabereinkommen realistisch.

10. Gründungs-Checkliste Fliesenlegerbetrieb

✅ Vollständige Checkliste für Fliesenleger-Gründer

Qualifikation & Formales

  • ☐ Meisterbrief / Ausübungsberechtigung
  • ☐ Eintragung Handwerksrolle (HWK)
  • ☐ Gewerbeanmeldung
  • ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
  • ☐ BG BAU Anmeldung
  • ☐ Betriebshaftpflicht (min. 3 Mio. €)
  • ☐ Berufsunfähigkeitsversicherung
  • ☐ Geschäftskonto eröffnen

Betrieb & Marketing

  • ☐ Transporter beschaffen + beschriften
  • ☐ Nassschneidemaschine (professionell)
  • ☐ Nivelliersystem kaufen
  • ☐ Ergonomische Knieschoner + PSA
  • ☐ Werkzeug-Erstausstattung
  • ☐ Lieferantenverträge (Fliesengroßhandel)
  • Website erstellen (mit Projektfotos!)
  • Google Profil einrichten
  • ☐ Instagram-Account für Vorher-Nachher
  • ☐ SHK-Kooperationspartner für Badsanierung
  • ☐ E-Rechnungsfähigkeit sicherstellen

Das Fliesenlegerhandwerk bietet nach der Wiedereinführung der Meisterpflicht wieder bessere Rahmenbedingungen für Qualitätsbetriebe. Die Einstiegskosten sind niedrig, die Nachfrage durch Badsanierung und barrierefreien Umbau stabil, und Spezialisten für Großformat, Naturstein oder Schwimmbäder haben exzellente Verdienstaussichten.

Kalkulieren Sie Ihren Stundensatz mit dem Stundensatzrechner, informieren Sie sich über aktuelle Fliesenverlegekosten und entdecken Sie unseren Verlegemuster & Material-Guide.

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