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allgemein14 Min. Lesezeit

Selbstständig als KFZ-Mechatroniker 2026: Meisterpflicht, Werkstatt-Gründung & E-Mobilität

KFZ-Werkstatt eröffnen: Schritt-für-Schritt von der Meisterpflicht über die Werkstattausstattung bis zur E-Auto-Spezialisierung. Mit Kostentabellen, Diagnose-Equipment, Spezialisierungen und Gründungs-Checkliste.

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Redaktion handwerk.cloud

20. Februar 2026

Geprüfte Fachbetriebe🔒Sichere Daten (SSL)💯Kostenlos & unverbindlich4,8/5 Kundenbewertung

Das KFZ-Handwerk befindet sich im größten Umbruch seiner Geschichte: Die Elektromobilität verändert Geschäftsmodelle, Diagnose-Software ersetzt Schraubenschlüssel, und Assistenzsysteme machen Fahrzeuge zu rollenden Computern. Für Gründer bedeutet das: Wer sich jetzt als zukunftsorientierte freie Werkstatt positioniert, profitiert vom Wandel – statt von ihm überrollt zu werden.

Gleichzeitig bietet das KFZ-Gewerbe eine der stabilsten Einnahmequellen im Handwerk: 49 Millionen Pkw in Deutschland brauchen Wartung, Reparatur und TÜV-Vorbereitung – unabhängig von Konjunktur und Bauzyklen. Dieser Leitfaden führt Sie durch den Gründungsprozess einer KFZ-Werkstatt.

1. Meisterpflicht: Ununterbrochen geregelt

Das Kraftfahrzeugtechnikerhandwerk ist ein zulassungspflichtiges Gewerk nach Anlage A der Handwerksordnung (HwO). Die Meisterpflicht bestand ununterbrochen – sie wurde nie abgeschafft. Der KFZ-Meister (offiziell: Kraftfahrzeugtechnikermeister) ist Voraussetzung für die Eintragung in die Handwerksrolle.

Was der KFZ-Meister abdeckt

  • Diagnose und Reparatur von Pkw, Nutzfahrzeugen und Motorrädern
  • Motor- und Getriebeinstandsetzung
  • Elektronik und Fahrassistenzsysteme (ADAS)
  • Karosserie- und Lackierarbeiten (Grenzbereich zum Karosseriebauer)
  • HU/AU-Vorbereitung und -Abnahme (als anerkannte Werkstatt)
  • Klimaanlagen-Service (Sachkundenachweis nach EU-VO erforderlich)
  • Hochvolt-Arbeiten an E-Fahrzeugen (mit HV-Qualifikation)

⚠️ Meisterfreie Nischen: Was ohne Meister geht

Einige KFZ-Dienstleistungen gelten als „unwesentliche Nebentätigkeiten" und können ohne Meister angeboten werden:

  • Reifenservice (Wechsel, Einlagerung, Auswuchten)
  • Ölwechsel und Flüssigkeitsprüfung
  • Fahrzeugaufbereitung (Smart Repair, Politur, Innenreinigung)
  • Fahrzeugfolierung und Scheibentönung
  • Teilehandel und Zubehöreinbau (z. B. Radio, Dashcam)

Achtung: Die Abgrenzung ist im Einzelfall schwierig. Klären Sie vor Gründung mit der HWK, welche Leistungen Ihr geplantes Angebot erfordert.

Drei Wege in die Selbstständigkeit

Weg Voraussetzungen Kosten Dauer
Eigener Meisterbrief Gesellenbrief KFZ-Mechatroniker 7.000 – 12.000 € 12–18 Monate (VZ) / 2–3 Jahre (TZ)
Altgesellenregelung (§ 7b HwO) 6 Jahre Berufserfahrung, 4 in leitender Stellung 500 – 1.500 € 3–6 Monate
Technischer Betriebsleiter Anstellung eines KFZ-Meisters in Vollzeit 45.000 – 60.000 €/Jahr Sofort möglich

🔧 Praxis-Tipp: HV-Qualifikation (Hochvolt)

Ohne Hochvolt-Qualifikation (Stufe 2S oder 3S) dürfen Sie nicht an Elektro- und Hybridfahrzeugen arbeiten – bei Strafe! Elektrische Spannungen bis 800V sind lebensgefährlich. Die HV-Schulung dauert 2–5 Tage und kostet 800–2.000 €. Diese Qualifikation ist 2026 keine Option mehr, sondern Pflicht für jede zukunftsfähige Werkstatt.

2. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Von der Gesellenprüfung zur eigenen Werkstatt

Die Gründung einer KFZ-Werkstatt dauert typischerweise 4–8 Monate – Werkstattsuche, Genehmigungen und Ausstattung bestimmen das Tempo.

Schritt 1: Meisterbrief erwerben

  • KFZ-Meisterkurs: Vollzeit 12–18 Monate, Teilzeit 2–3 Jahre
  • Teil I (Fachpraxis): Diagnose, Fehlersuche, Instandsetzung – mit modernster Diagnosetechnik
  • Aufstiegs-BAföG: Bis 75 % Zuschuss auf Kursgebühren + Darlehen mit Teilerlass
  • Meistergründungsprämie: 7.500–15.000 € je nach Bundesland
  • Zusatzqualifikation: HV-Qualifikation, Klimasachkunde, AU-Berechtigung

Schritt 2: Businessplan & Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell einer KFZ-Werkstatt unterscheidet sich grundlegend je nach Ausrichtung:

  • Freie Werkstatt vs. Markenbindung: Freie Werkstätten arbeiten herstellerunabhängig und bedienen den Preisvorteil. Markenwerkstätten (z. B. Bosch Car Service, ATU-Partnerkonzept) bieten ein Filialnetz-Image, aber geringere Freiheit
  • Stundensatz: Freie Werkstätten kalkulieren mit 55–90 € netto/Stunde, Vertragswerkstätten mit 85–150 €. Nutzen Sie den Stundensatzrechner
  • Teileverkauf: 30–45 % des Umsatzes entfällt typischerweise auf Ersatzteile mit 20–40 % Aufschlag
  • Finanzierung: KfW-ERP-Gründerkredit bis 125.000 €, Bürgschaftsbank bei höherem Bedarf

Schritt 3: Werkstatt finden und ausstatten

Die Werkstatt ist der größte Investitionsposten:

  • Größe: Min. 150 m² für 2 Hebebühnen + Büro/Kundenbereich. Ideal: 300–500 m² für 4–6 Hebebühnen
  • Hebebühnen: 2-Säulen (5.000–10.000 €/Stück), 4-Säulen (8.000–15.000 €), Scherenhebebühne für Achsvermessung
  • Diagnosetechnik: Multi-Marken-Tester (Bosch KTS, Autel, Launch) 3.000–15.000 €. Software-Updates: 500–2.000 €/Jahr
  • Druckluft: Kompressoranlage (2.000–8.000 €) + Druckluft-Netz
  • Entsorgung: Ölabscheider, Altölentsorgung, Kühlmittel – gesetzlich streng geregelt
  • Standort: Gewerbegebiet oder Durchgangsstraße mit guter Sichtbarkeit. PKW-Stellplätze für Kunden!

Schritt 4: Handwerkskammer – Handwerksrolle

  • Meisterbrief und Personalausweis bei der HWK vorlegen
  • Eintragung in die Handwerksrolle (Kosten: 120–300 €)
  • HWK prüft Leistungsumfang: Pkw, Nfz, Motorräder etc.

Schritt 5: Gewerbeanmeldung

  • Mit HWK-Bestätigung zum Gewerbeamt (Kosten: 20–65 €)
  • Leistungen präzise angeben: KFZ-Reparatur, Wartung, Diagnose, Teilehandel etc.

Schritt 6: Finanzamt – Steuerliche Erfassung

  • Fragebogen über ELSTER
  • Regelbesteuerung (Vorsteuerabzug auf Maschinen und Teile!)

Schritt 7: BG Holz und Metall & Versicherungen

  • BG Holz und Metall (BG HM): Pflichtanmeldung – KFZ-Werkstätten gehören zur BG HM, nicht BG BAU
  • Betriebshaftpflicht: Min. 5 Mio. € – Fehler an Bremsen oder Lenkung können tödliche Unfälle verursachen
  • Werkstatt-Inhaltsversicherung: Maschinen, Werkzeuge, Kundenfahrzeuge absichern
  • Berufsunfähigkeit: Gesundheitsrisiken durch Abgase, Chemikalien, schwere Lasten

Schritt 8: Betriebsaufbau

  • Teilelieferanten aufbauen (WM, Wessels+Müller, Stahlgruber, tec alliance)
  • Werkstattsoftware einrichten (z. B. TecRMI, DAT/SilverDAT, HaynesPro)
  • HU/AU-Berechtigung beantragen (über TÜV, DEKRA etc.)
  • Website erstellen und Google Profil einrichten

3. Gründungskosten: Realistisch kalkulieren

Die Gründung einer KFZ-Werkstatt ist kapitalintensiv – die Ausstattung mit Hebebühnen, Diagnosetechnik und Spezialwerkzeug treibt die Kosten. Aber: Im Vergleich zu vielen Bauhandwerken ist der Umsatz ganzjährig stabil – keine Saisonalität!

Kostenposition Kleine Werkstatt (2 Bühnen) Größere Werkstatt (4–6 Bühnen)
Meisterprüfung 7.000 – 12.000 € (vor BAföG) 7.000 – 12.000 €
Werkstatt (Herrichtung + 6 Mon. Miete) 8.000 – 20.000 € 15.000 – 45.000 €
Hebebühnen 10.000 – 25.000 € 30.000 – 80.000 €
Diagnosetechnik (Tester, Software) 5.000 – 15.000 € 15.000 – 35.000 €
Spezialwerkzeug & Handwerkzeug 5.000 – 12.000 € 12.000 – 30.000 €
Druckluftanlage + Absaugung 3.000 – 8.000 € 6.000 – 15.000 €
Reifenservice (Montiermaschine, Wuchtmaschine) 4.000 – 10.000 € 8.000 – 20.000 €
Ersatzteil-Grundlager 5.000 – 15.000 € 15.000 – 40.000 €
HWK + Gewerbe + BG HM 500 – 800 € 500 – 800 €
Versicherungen (1. Jahr) 3.000 – 6.000 € 6.000 – 15.000 €
Software & Datenzugang 2.000 – 5.000 €/Jahr 5.000 – 12.000 €/Jahr
Website, Marketing, Beschilderung 2.000 – 5.000 € 5.000 – 12.000 €
Gesamt (ohne Meisterprüfung) 48.000 – 125.000 € 128.000 – 305.000 €

💰 Kosten senken: Gebrauchte Ausstattung & Werkstattübernahme

  • Gebrauchte Hebebühnen: 40–60 % des Neupreises. Marken wie Nussbaum, Zippo oder Stenhoj halten Jahrzehnte bei regelmäßiger UVV-Prüfung
  • Werkstattübernahme: Der beste Einstieg! Viele KFZ-Meister gehen in Rente – Werkstatt, Ausstattung, Kundenstamm und HU/AU-Berechtigung im Paket. HWK und KFZ-Innungen vermitteln
  • Franchise-Konzepte: Bosch Car Service, premio, point S – Zugang zu Einkaufskonditionen, Marketing und Markenimage. Aber: Gebühren und Vorgaben beachten
  • Ersatzteile auf Kommission: Manche Großhändler liefern Just-in-Time – kein Lagerbedarf für Standardteile

4. Die 6 lukrativsten Spezialisierungen

1. Elektro- und Hybridfahrzeug-Service

Der Zukunftsmarkt: E-Autos brauchen weniger klassische Wartung (kein Öl, kein Auspuff), aber spezielle Kompetenz (HV-Systeme, Batteriemanagement, Rekuperation). Die Zahl der E-Autos wächst exponentiell – viele freie Werkstätten bieten noch keinen E-Auto-Service an. Wer sich hier positioniert, hat einen enormen Wettbewerbsvorteil. Voraussetzung: HV-Qualifikation Stufe 2S/3S. Kombination mit Wallbox-Installation (Zusatzgeschäft).

2. Fahrassistenzsysteme (ADAS) & Kalibrierung

Moderne Fahrzeuge haben 10+ Kameras und Sensoren (Spurhalte, Notbremse, Totwinkel). Nach Windschutzscheiben-Tausch oder Achsvermessung müssen ADAS-Systeme kalibriert werden – eine hochspezialisierte Leistung, die 150–400 € pro Fahrzeug bringt. Equipment: 15.000–30.000 € (Autel, Bosch, Hella Gutmann).

3. Getriebeautomatik-Service

Automatikgetriebe (DSG, CVT, Wandlerautomatik) werden immer verbreiteter. Ölwechsel, Mechatronikeinheit, Softwareupdates – Spezialisierung mit hohen Stundensätzen (80–120 €) und wenig Konkurrenz bei freien Werkstätten.

4. Oldtimer-Restaurierung

Premium-Segment mit Liebhaber-Klientel: Restaurierung und Erhalt von Youngtimern und Oldtimern. Stundensätze von 80–130 € sind branchenüblich. Kunden sind emotional gebunden und wenig preissensibel. Erfordert: Kenntnisse vergangener Motortechnik, Vergaser, mechanische Einspritzung, Oldtimer-Teilenetzwerk.

5. Tuning & Leistungsoptimierung

Chiptuning, Abgasanlagen, Fahrwerksoptimierung und Individual-Umbauten – ein Nischenmarkt mit leidenschaftlicher Zielgruppe. Auftragswerte: 500–15.000 €. Wichtig: TÜV-konforme Umbauten (Einzelabnahme § 19.3 StVZO). Kombination mit Social Media (YouTube, Instagram) für Community-Aufbau.

6. Nutzfahrzeug- und Transporter-Service

Spezialisierung auf Transporter (Sprinter, Transit, Crafter) und leichte Nutzfahrzeuge – ein Segment, das viele Werkstätten meiden. Firmenflotten brauchen kurze Standzeiten und zuverlässigen Service. Wartungsverträge mit Handwerksbetrieben, Kurierdiensten und Lieferdiensten bieten planbare Einnahmen.

5. Marketing & Kundengewinnung

Google ist König

90 % der Werkstattkunden suchen über Google. „KFZ-Werkstatt + [Stadt]", „Auto Reparatur + [Stadtteil]", „Reifenwechsel + [Ort]" sind die relevantesten Suchbegriffe. Ihr Google Unternehmensprofil mit Öffnungszeiten, Bewertungen und Fotos ist der wichtigste Marketing-Kanal überhaupt.

Website mit Online-Terminbuchung

Eine professionelle Website mit Online-Terminbuchung ist heute Standard. Kunden wollen nicht anrufen – sie wollen um 22 Uhr einen Termin buchen. Tools: Werkstattplaner, Calendly-Integration oder werkstattspezifische Software.

Bewertungsmanagement

Google-Bewertungen entscheiden über Neukunden. Bitten Sie jeden zufriedenen Kunden aktiv um eine Bewertung. Reagieren Sie professionell auf negative Bewertungen. Werkstätten mit 4,5+ Sternen und 50+ Bewertungen dominieren die lokale Suche.

Stammkunden-Marketing

  • Service-Erinnerungen: SMS/E-Mail für HU-Termine, Ölwechsel, Reifenwechsel
  • Saisonaktionen: Wintercheck-Paket, Klimaanlagen-Service im Frühjahr, Urlaubscheck
  • Treueprogramm: 10. Ölwechsel gratis oder Rabatt auf Inspektion

Weitere Kanäle: Social Media und Branchenportale.

6. Die 7 häufigsten Fehler bei der KFZ-Werkstatt-Gründung

❌ Fehler 1: E-Mobilität ignorieren

Der größte strategische Fehler: Keine HV-Qualifikation erwerben und E-Autos ablehnen. Bis 2030 werden 15+ Mio. E-Autos in Deutschland fahren. Werkstätten ohne E-Auto-Kompetenz verlieren schrittweise ihre Kundenbasis. Investieren Sie 800–2.000 € in die HV-Schulung – das ist die wichtigste Zukunftsinvestition überhaupt.

❌ Fehler 2: Veraltete Diagnosetechnik

Moderne Fahrzeuge haben 100+ Steuergeräte. Ohne aktuellen Multi-Marken-Tester (Bosch KTS, Autel MaxiSys, Launch X431) können Sie 50 % der Fahrzeuge nicht mehr reparieren. Budget: 5.000–15.000 € + jährliche Software-Updates (500–2.000 €). Veraltete Tester sind wertlos.

❌ Fehler 3: Ersatzteilmarge nicht kalkulieren

Viele Werkstätten kalkulieren nur den Arbeitslohn – und verschenken Marge bei Ersatzteilen. Branchen-Standard: 20–40 % Aufschlag auf Ersatzteile. Bei einem Jahresumsatz von 300.000 € entfallen ca. 120.000 € auf Teile – 20 % Aufschlag sind 24.000 € Gewinn, die viele Gründer liegen lassen.

❌ Fehler 4: Kein Werkstatt-Managementsystem

Excel und Zettelwirtschaft funktionieren nicht. Ein professionelles Werkstattmanagement-System (WMS) mit Auftragsverwaltung, Teilebestellung, Zeiterfassung und Rechnungsstellung ist unverzichtbar. Software: KW-Plan, autoiQ, Werkstattplaner etc. Kosten: 50–200 €/Monat – spart 10+ Stunden Verwaltung pro Woche.

❌ Fehler 5: Umweltauflagen unterschätzen

KFZ-Werkstätten unterliegen strengen Umweltauflagen: Ölabscheider (Pflicht!), Altölentsorgung, Kühlmittel-Entsorgung, Bremsstaub (krebserregend), Kältemittel-Sachkunde (R134a/R1234yf). Verstöße führen zu Bußgeldern bis 50.000 €. Klären Sie alle Auflagen vor der Eröffnung mit dem Umweltamt.

❌ Fehler 6: Nur auf Laufkundschaft setzen

Werkstätten leben von Stammkunden. Wer keine Service-Erinnerungen verschickt, keine Kundendatenbank pflegt und kein Bewertungsmanagement betreibt, verliert Kunden an Wettbewerber mit besserem Service. Investieren Sie von Anfang an in CRM und automatisierte Kundenkommunikation.

❌ Fehler 7: Wartungsverträge nicht anbieten

Firmenkunden (Handwerksbetriebe, Kurierdienste, Taxiunternehmen) suchen Werkstatt-Wartungsverträge – planbare Einnahmen für Sie, planbare Kosten für den Kunden. Monatliche Pauschale für Inspektion + Verschleißteile + Reifenservice. Schon 10 Firmenkunden mit je 200 €/Monat Wartungsvertrag sind 24.000 € planbare Jahreseinnahme.

7. Verdienstpotenzial: Was verdient ein selbstständiger KFZ-Mechatroniker?

Kennzahl Kleine Werkstatt (2 Bühnen) Mittlere Werkstatt (4–6 Bühnen)
Stundensatz (netto) 55 – 75 € 70 – 95 €
Durchschn. Auftragswert 300 – 1.200 € 500 – 3.000 €
Jahresumsatz 150.000 – 350.000 € 400.000 – 1.200.000 €
Gewinnmarge 15 – 25 % 10 – 18 %
Inhabereinkommen (netto, geschätzt) 2.500 – 5.000 €/Monat 4.500 – 12.000 €/Monat

Die höchsten Margen bieten: E-Auto-Service (Alleinstellungsmerkmal), ADAS-Kalibrierung (hoher Stundensatz), Oldtimer-Restaurierung (Premium-Preise) und Wartungsverträge (planbare Einnahmen). Der Reifenservice ist ein Frequenzbringer mit niedrigen, aber stabilen Margen.

8. FAQ – Häufige Fragen zur KFZ-Werkstatt-Gründung

Kann ich eine KFZ-Werkstatt ohne Meister eröffnen?

Für Vollservice-Werkstätten: nein, nicht ohne Meister (eigener oder angestellter). Für eingeschränkte Services (Reifenservice, Ölwechsel, Fahrzeugaufbereitung): bedingt möglich. Die Altgesellenregelung (§ 7b HwO, 6+4 Jahre) ist eine Alternative. Klären Sie Ihren Einzelfall immer mit der HWK.

Was kostet eine HV-Qualifikation (Hochvolt)?

Stufe 2S (arbeiten unter Anleitung): 800–1.200 €, 2 Tage. Stufe 3S (eigenverantwortliches Arbeiten): 1.500–2.500 €, 3–5 Tage. Stufe 3S ist für Werkstattinhaber empfohlen. Ohne HV-Qualifikation dürfen Sie nicht an E-/Hybridfahrzeugen arbeiten – Lebensgefahr und Haftungsrisiko.

Freie Werkstatt oder Franchise (Bosch Car Service etc.)?

Freie Werkstatt: Maximale Freiheit, eigene Preise, eigenes Marketing. Franchise: Markenimage, Einkaufsvorteile, Marketing-Unterstützung – aber Gebühren (1–3 % vom Umsatz) und Vorgaben bei Ausstattung und Prozessen. Für Gründer ohne Marketingerfahrung bietet Franchise einen einfacheren Einstieg.

Wie viele Hebebühnen brauche ich zum Start?

Minimum 2 (eine für Arbeiten, eine für HU/AU-Vorbereitung). Ideal zum Start: 3 Bühnen (Mehrumsatz, Flexibilität). Faustregel: Pro Meisterstunde und Tag können Sie 0,8–1,0 Aufträge pro Bühne abarbeiten. 2 Bühnen = ca. 6–8 Aufträge/Tag.

Verdrängt die E-Mobilität freie Werkstätten?

Teilweise – aber auch Chancen: E-Autos brauchen weniger klassische Wartung (kein Ölwechsel, keine Abgasanlage), aber Bremsen, Reifen, Fahrwerk, Elektronik bleiben. Dazu kommen neue Services: Batteriediagnose, HV-Reparaturen, Wallbox-Beratung. Werkstätten mit HV-Kompetenz werden profitieren – Werkstätten ohne werden verlieren.

Brauche ich eine HU/AU-Berechtigung?

Eine eigene HU-Anerkennung ist ein starker Wettbewerbsvorteil – Kunden, die zur HU kommen, lassen auch Reparaturen dort machen. Die Anerkennung läuft über Prüforganisationen (TÜV, DEKRA, GTÜ, KÜS). Voraussetzungen: Meisterbrief, geeignete Werkstatt, Diagnosetechnik, AU-Schulung.

Welche Software braucht eine KFZ-Werkstatt?

Drei Kernbereiche: 1) Werkstattmanagement (Aufträge, Termine, Rechnungen): KW-Plan, autoiQ etc. 2) Technische Daten (Reparaturanleitungen, Arbeitswerte): TecRMI, HaynesPro, DAT. 3) Diagnose-Software: Bosch ESI, Autel etc. Kosten gesamt: 200–500 €/Monat.

9. Gründungs-Checkliste KFZ-Werkstatt

✅ Vollständige Checkliste für KFZ-Werkstatt-Gründer

Qualifikation & Formales

  • ☐ KFZ-Meisterbrief / Ausübungsberechtigung
  • ☐ HV-Qualifikation (Stufe 2S/3S)
  • ☐ Klimasachkunde (R134a/R1234yf)
  • ☐ Eintragung Handwerksrolle (HWK)
  • ☐ Gewerbeanmeldung
  • ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
  • ☐ BG Holz und Metall (nicht BG BAU!)
  • ☐ Betriebshaftpflicht (min. 5 Mio. €)
  • ☐ Werkstattversicherung
  • ☐ Berufsunfähigkeitsversicherung
  • ☐ Rechtsform festlegen

Werkstatt & Marketing

  • ☐ Werkstatt finden (min. 150 m², Stellplätze)
  • ☐ Hebebühnen installieren (min. 2)
  • ☐ Diagnosetechnik anschaffen
  • ☐ Druckluftanlage + Absaugung
  • ☐ Reifenservice-Equipment
  • ☐ Ölabscheider + Entsorgungskonzept
  • ☐ HU/AU-Berechtigung beantragen
  • ☐ Werkstatt-Managementsystem
  • ☐ Teilelieferanten einrichten
  • Website + Online-Terminbuchung
  • Google Profil einrichten
  • ☐ KFZ-Innung / ZDK prüfen

Das KFZ-Handwerk bietet eine der stabilsten Gründungsperspektiven im Handwerk: 49 Mio. Pkw brauchen Wartung, die E-Mobilität schafft neue Servicemärkte, und gut aufgestellte freie Werkstätten sind gefragt wie nie. Wer sich mit HV-Kompetenz, moderner Diagnosetechnik und Kundenservice positioniert, hat das Potenzial für ein umsatzstarkes Unternehmen.

Starten Sie mit dem Stundensatzrechner, informieren Sie sich über Wallbox-Installation als Zusatzgeschäft und lesen Sie unseren E-Rechnungsleitfaden für Ihre Werkstattabrechnung.

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