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Selbstständig als Zimmerer 2026: Meisterpflicht, Holzbau-Boom & Gründungsanleitung

Zimmereibetrieb gründen: Schritt-für-Schritt von der Meisterpflicht über die Gewerbeanmeldung bis zum ersten Auftrag. Mit Kostentabellen, Holzbau-Spezialisierungen, Maschinenkalkulation und Gründungs-Checkliste.

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Redaktion handwerk.cloud

20. Februar 2026

Geprüfte Fachbetriebe🔒Sichere Daten (SSL)💯Kostenlos & unverbindlich4,8/5 Kundenbewertung

Der Holzbau erlebt eine Renaissance: Nachhaltigkeit, CO₂-Speicherung, kurze Bauzeiten und moderner Holzrahmenbau machen das Zimmererhandwerk zu einem der zukunftsstärksten Gewerke. Gleichzeitig geht eine ganze Generation von Zimmermeistern in den Ruhestand – der Fachkräftemangel und die steigende Nachfrage sorgen dafür, dass gut aufgestellte Zimmereibetriebe volle Auftragsbücher haben.

Die Gründung einer Zimmerei ist allerdings anspruchsvoller als in vielen anderen Handwerksberufen: hohe Maschinenkosten, strenge Meisterpflicht und die Notwendigkeit einer Werkstatt/Halle machen das Startkapital deutlich höher als z. B. beim Maler oder Fliesenleger. Dieser Leitfaden führt Sie Schritt für Schritt durch den gesamten Gründungsprozess.

1. Meisterpflicht: Pflicht ohne Ausnahme

Das Zimmerer- und Holzbauhandwerk zählt zu den zulassungspflichtigen Gewerken nach Anlage A der Handwerksordnung (HwO). Die Meisterpflicht bestand ununterbrochen – sie wurde nie abgeschafft. Der Zimmermeister ist eine der angesehensten Qualifikationen im Handwerk und berechtigt neben der Betriebsführung auch zur Ausbildung.

Was der Zimmermeister abdeckt

  • Dachstuhlkonstruktion und -aufbau (Pfetten-, Sparren-, Kehlbalkendach)
  • Holzrahmenbau und Holztafelbau
  • Fachwerksanierung und Restaurierung
  • Holzbalkone, Carports, Pergolen und Terrassenüberdachungen
  • Gauben und Dachausbauten
  • Trockenbau und Innenausbau mit Holz
  • Holzschindeldächer und historische Techniken
  • Abbundarbeiten (CNC und manuell)

⚠️ Abgrenzung: Zimmerer vs. Dachdecker vs. Tischler

Im Holzbau überschneiden sich mehrere Gewerke: Der Zimmerer baut die tragende Konstruktion (Dachstuhl, Holzrahmen). Der Dachdecker deckt das Dach ein und dichtet es ab. Der Tischler fertigt Fenster, Türen und Möbel. In der Praxis bieten viele Zimmereibetriebe auch Dacheindeckung an – dafür brauchen Sie entweder einen zusätzlichen Dachdeckermeister oder eine klare Subunternehmer-Kooperation.

Drei Wege in die Selbstständigkeit

Weg Voraussetzungen Kosten Dauer
Eigener Meisterbrief Gesellenbrief Zimmerer 8.000 – 13.000 € 12–18 Monate (VZ) / 2–3 Jahre (TZ)
Altgesellenregelung (§ 7b HwO) 6 Jahre Berufserfahrung, 4 in leitender Stellung 500 – 1.500 € 3–6 Monate
Technischer Betriebsleiter Anstellung eines Zimmermeisters in Vollzeit 48.000 – 62.000 €/Jahr Sofort möglich

🔧 Praxis-Tipp: Zimmermeister + Energieberater

Die stärkste Kombination im Holzbau: Zimmermeister + Energieberater-Zertifikat (BAFA dena-Eintrag). Damit können Sie energetische Dachsanierungen, Aufdachdämmung und Holzrahmen-Anbauten nicht nur ausführen, sondern auch die BAFA-/KfW-Förderung für Ihre Kunden beantragen. Das steigert Ihren Auftragswert erheblich und macht Sie zum Komplettanbieter.

2. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Von der Gesellenprüfung zum eigenen Betrieb

Die Gründung einer Zimmerei dauert typischerweise 4–8 Monate – länger als bei handwerklichen „Leichtgewichten" wie Maler oder Fliesenleger, weil die Werkstattsuche und Maschinenausstattung mehr Vorlauf brauchen.

Schritt 1: Meisterbrief erwerben

  • Zimmermeister-Kurs: Vollzeit 12–18 Monate, Teilzeit (Samstag/Abend) 2–3 Jahre
  • Teil I (Fachpraxis): Anspruchsvollster Teil – Holzverbindungen, Dachkonstruktion, Abbundzeichnung, statische Nachweise
  • Aufstiegs-BAföG beantragen: 50 % Zuschuss auf Kursgebühren + Darlehen mit 50 % Erlass bei Bestehen. Vor Kursbeginn beantragen!
  • Meistergründungsprämie: Je nach Bundesland 7.500–15.000 € (z. B. BW: 10.000 € Tilgungszuschuss)
  • Zusatzqualifikation: Energieberater (dena) parallel oder nach dem Meister – enorm wertvoll für Förderprojekte

Schritt 2: Businessplan & Finanzierung

Der Zimmerer-Businessplan hat einige Besonderheiten gegenüber anderen Gewerken:

  • Werkstatt/Halle: Zimmerer brauchen eine überdachte Werkstatt für Abbund- und Vorfertigungsarbeiten. Mindestens 150 m² Halle + Freifläche für Holzlagerung
  • Maschinenintensiv: Abbundmaschine, Bandsäge, Kettenstemmer, Hobel – allein die Grundausstattung kostet 30.000–80.000 €
  • Materialvorfinanzierung: Holz wird in großen Mengen vorab bestellt (KVH, BSH, Schnittholz). Planen Sie 15.000–30.000 € Materiallager ein
  • Stundensatz: Im Zimmererhandwerk liegen profitable Sätze bei 52–80 € netto. Nutzen Sie den Stundensatzrechner
  • Finanzierung: KfW-ERP-Gründerkredit bis 125.000 €. HWK und Bürgschaftsbanken beraten bei höherem Bedarf

Schritt 3: Werkstatt & Lagerplatz finden

Der Standort ist für Zimmereibetriebe kritischer als für die meisten anderen Gewerke:

  • Halle: Min. 150 m², besser 300+ m² für Elementfertigung und Abbund
  • Freifläche: Min. 200 m² für Holzlagerung (Regale, überdacht) und LKW-Zufahrt
  • Gewerbegebiet: Wichtig wegen Lärm und LKW-Verkehr
  • Miete oder Kauf: In Gewerbegebieten 3–8 €/m² Kaltmiete. Alternative: Kooperation mit einer bestehenden Zimmerei (Untermiete)

Schritt 4: Handwerkskammer – Handwerksrolle

  • Meisterbrief, Personalausweis und ggf. Mietvertrag Werkstatt vorlegen
  • Eintragung in die Handwerksrolle (Kosten: 120–300 €)
  • Die HWK prüft, ob Ihr Meisterbrief die geplanten Leistungen abdeckt
  • Pflichtmitgliedschaft in der HWK beginnt

Schritt 5: Gewerbeanmeldung

  • Mit HWK-Bestätigung zum Gewerbeamt (Kosten: 20–65 €)
  • Gewerbeamt informiert automatisch Finanzamt, IHK, Statistikamt

Schritt 6: Finanzamt – Steuerliche Erfassung

  • Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER
  • Umsatzsteuer-Regelbesteuerung (Vorsteuerabzug auf Maschinen und Material!) – Kleinunternehmerregelung ist bei den Investitionsvolumina im Zimmererhandwerk nie sinnvoll

Schritt 7: BG BAU & Versicherungen

  • BG BAU: Pflichtanmeldung innerhalb einer Woche. Hohe Gefahrenklasse (schwere Lasten, Absturzgefahr, Maschineneinsatz)
  • Betriebshaftpflicht: Min. 5 Mio. € Deckung – bei statischen Holzbauarbeiten können Fehler ganze Gebäude betreffen
  • Werkstattversicherung: Maschinen, Holzlager und Werkzeug absichern. Feuerrisiko ist bei Holzlagerung besonders hoch!
  • Berufsunfähigkeit: Körperlich belastender Beruf – unbedingt absichern

Schritt 8: Innungsmitgliedschaft

  • Zimmererinnung bietet: Tarifzugang, Ausbildungsberechtigung, Netzwerk
  • Der Bund Deutscher Zimmermeister (BDZ) im ZDB ist der wichtigste Berufsverband
  • Innungsmitglieder genießen bei Architekten und privaten Bauherren höheres Vertrauen
  • Kosten: 400–1.500 €/Jahr

Schritt 9: Betriebsaufbau

  • Maschinen beschaffen und in Betrieb nehmen
  • Fahrzeuge (Pritsche/Kranwagen + PKW-Anhänger)
  • Holzlieferanten finden und Konditionen verhandeln
  • Website und Marketing starten
  • Erste Aufträge akquirieren (Netzwerk, Architekten, Empfehlungen)

3. Gründungskosten: Realistisch kalkulieren

Die Zimmerei gehört zu den kapitalintensivsten Handwerksgründungen. Der Hauptgrund: Halle/Werkstatt und Maschinenausstattung. Zum Holzbau-Guide für Zimmerer.

Kostenposition Kleinbetrieb (1–2 MA) Betrieb mit 4–8 MA
Meisterprüfung 8.000 – 13.000 € (vor BAföG) 8.000 – 13.000 €
Werkstatt/Halle (Herrichtung + Miete 6 Mon.) 8.000 – 20.000 € 15.000 – 45.000 €
Maschinen (Abbund, Bandsäge, Hobel etc.) 20.000 – 50.000 € (teils gebraucht) 50.000 – 150.000 €
Handwerkzeug & Elektrowerkzeuge 5.000 – 12.000 € 12.000 – 30.000 €
Fahrzeuge (Pritsche + Anhänger) 12.000 – 30.000 € 35.000 – 90.000 €
Holzlager (Grundstock KVH, BSH) 5.000 – 15.000 € 15.000 – 40.000 €
Absturzsicherung (PSA, Gerüst-Grundstock) 2.000 – 5.000 € 5.000 – 15.000 €
HWK + Gewerbe + BG BAU 500 – 800 € 500 – 800 €
Versicherungen (1. Jahr) 3.000 – 6.000 € 8.000 – 18.000 €
Software (CAD, Abbund, Büro) 2.000 – 5.000 € 5.000 – 15.000 €
Website, Logo, Fahrzeugbeschriftung 2.000 – 5.000 € 4.000 – 8.000 €
Gesamt (ohne Meisterprüfung) 60.000 – 155.000 € 150.000 – 415.000 €

💰 Kosten senken: Gebrauchte Maschinen & Abbund-Service

Sie müssen nicht alles neu kaufen. Zwei Strategien senken das Startkapital erheblich:

  • Gebrauchte Maschinen: Bandsägen, Hobelmaschinen und Kettenstemmer sind auf Maschinenauktionen (z. B. Surplex) und über Betriebsauflösungen oft für 30–50 % des Neupreises erhältlich
  • CNC-Abbund als Dienstleistung: Statt eine eigene Abbundanlage zu kaufen (100.000–300.000 €), können Sie den Abbund extern vergeben. Der Lohn-Abbund kostet 15–30 €/m³ und eliminiert die größte Einzelinvestition in der Gründungsphase
  • Betriebsübernahme: Wie im Dachdeckerhandwerk gehen viele Zimmermeister in Rente. Eine Übernahme bringt Werkstatt, Maschinen, Mitarbeiter und Kundenstamm in einem Paket

4. Rechtsform im Zimmererhandwerk

Einzelunternehmen

Möglich für den Start, aber im Zimmererhandwerk sind die Haftungsrisiken erheblich: Statische Fehler an tragenden Konstruktionen können zu Personenschäden und siebenstelligen Schadensersatzforderungen führen. Die persönliche Haftung ist ein reales Risiko.

GmbH (empfohlen)

Für Zimmereibetriebe ab Gründung empfehlenswert. Die Haftungsbeschränkung schützt Ihr Privatvermögen bei Bauschäden. Bauträger und öffentliche Auftraggeber bevorzugen GmbHs. 25.000 € Mindestkapital sind bei einer Zimmereigründung relativ gesehen ein kleiner Anteil der Gesamtinvestition.

GmbH & Co. KG

Die beliebteste Rechtsform bei etablierten Zimmereibetrieben: Haftungsschutz + steuerliche Flexibilität + einfache Nachfolgeregelung. Besonders bei Familienunternehmen verbreitet.

5. Die 6 lukrativsten Spezialisierungen

1. Holzrahmenbau / Holztafelbau

Der Zukunftsmarkt schlechthin: Ganze Häuser in Holzrahmenbauweise. Hohe Vorfertigung in der Werkstatt, kurze Montagezeiten auf der Baustelle. Ein Holzrahmenhaus kostet den Bauherren 1.800–2.800 €/m² – Auftragswerte von 200.000–500.000 € pro Haus. Erfordert CAD-Kenntnisse und Elementfertigung. Details: Moderner Holzbau: Zimmerer-Guide.

2. Energetische Dachsanierung + Förderberatung

Die Kombination Dachstuhl-Sanierung + Aufsparrendämmung + BAFA-/KfW-Förderung ist der zweite große Wachstumsmarkt. Auftragswerte: 25.000–80.000 €. Mit Energieberater-Zertifikat können Sie die Förderung gleich mit beantragen – das macht Sie zum Komplettanbieter. Details: Dach dämmen: Kosten 2026.

3. Dachstuhl-Neubau

Der Klassiker: Dachstuhl aufschlagen. Stabiler Markt mit zuverlässiger Nachfrage. Auftragswerte: 15.000–50.000 € pro Dachstuhl. Kooperation mit Dachdeckern für die Eindeckung. Kosten: Dach neu eindecken: Ablauf & Kosten.

4. Fachwerk- & Altbausanierung

Premium-Segment mit wenig Konkurrenz. Fachwerkrestaurierung erfordert Spezialkenntnisse (traditionelle Holzverbindungen, Gefache, Lehmbau). Kunden im Denkmalbereich sind weniger preissensibel, und die Förderung durch Denkmalämter verbessert die Wirtschaftlichkeit. Kosten: Altbausanierung: Kosten.

5. Dachausbau & Aufstockung

In Städten mit Wohnungsknappheit werden Dachgeschosse ausgebaut und Gebäude aufgestockt – beides ist Zimmererarbeit. Auftragswerte: 30.000–120.000 €. Kombination mit Trockenbau (Trockenbau Kosten/m²) und Dachausbau & Schallschutz.

6. Carports, Pergolen & Außenbauten

Niedrigerer Einstieg: Carports (3.000–10.000 €), Pergolen, Terrassenüberdachungen und Gartenhäuser. Ideal für die Gründungsphase, um schnell Umsatz und Referenzen aufzubauen. Diese Aufträge sind weniger wetterabhängig als Dachstuhlarbeiten.

6. Marketing & Kundengewinnung

Im Zimmererhandwerk entscheiden Architekten, Bauherren und Mundpropaganda über den Auftragserfolg. Das Netzwerk ist entscheidend.

Website mit Projektportfolio

Zeigen Sie Ihre besten Projekte: Dachstühle, Holzhäuser, Fachwerkssanierungen – jeweils mit Material, Konstruktionstechnik und Ergebnis. Bauherren sind emotional involviert und wollen sehen, was Sie können. Anleitung: Handwerker-Website erstellen.

Google Unternehmensprofil

„Zimmerer + [Stadt]" und „Holzbau + [Region]" sind relevante Suchbegriffe. Pflegen Sie Ihr Google Profil aktiv mit Projektfotos.

Architekten-Netzwerk

Der wichtigste Akquisekanal für Zimmereibetriebe. Bauen Sie aktiv Beziehungen zu lokalen Architekten auf – besonders zu denen, die sich auf Holzbau oder Sanierung spezialisiert haben. Eine persönliche Vorstellung mit Referenzmappe ist wirkungsvoller als jede Online-Werbung.

Kooperationspartner

  • Dachdecker: Sie bauen den Dachstuhl – der Dachdecker deckt ein. Die perfekte Partnerschaft
  • Energieberater: Vermitteln Sanierungsaufträge mit Förderzugang
  • Statiker/Tragwerksplaner: Unverzichtbar bei anspruchsvollen Konstruktionen
  • Fertighausanbieter: Als Subunternehmer für Holzrahmenbau-Montage

Weitere Kanäle: Social Media und Branchenportale.

7. Die 7 häufigsten Fehler bei der Zimmerer-Gründung

❌ Fehler 1: Halle zu spät suchen

Anders als Maler oder Fliesenleger brauchen Zimmerer eine Werkstatt/Halle. In Ballungsräumen sind geeignete Gewerbeflächen knapp und teuer. Beginnen Sie die Hallensuche mindestens 6 Monate vor der Gründung. Alternative: Kooperation mit einem bestehenden Betrieb für Werkstattnutzung in der Anfangszeit.

❌ Fehler 2: Abbundanlage zu früh kaufen

Eine CNC-Abbundanlage kostet 100.000–300.000 €. In der Gründungsphase ist das selten wirtschaftlich. Nutzen Sie Lohn-Abbund (15–30 €/m³) über externe Abbundbetriebe – das spart die größte Einzelinvestition und minimiert Ihr Risiko. Eigene Anlage erst ab 300+ m³ Holz/Jahr.

❌ Fehler 3: Statik-Risiko unterschätzen

Im Zimmererhandwerk ist die Statik kritisch – ein konstruktiver Fehler gefährdet Menschenleben. Arbeiten Sie immer mit einem Tragwerksplaner zusammen, lassen Sie statische Nachweise prüfen, und dokumentieren Sie jede tragende Verbindung fotografisch. Die Haftung für statische Mängel verjährt erst nach 5 Jahren (VOB) bzw. sogar 10 Jahren (BGB).

❌ Fehler 4: Holzfeuchtigkeit nicht messen

Zu feuchtes Holz schwindet, reißt und produziert Schimmelpilz. Messen Sie die Holzfeuchte bei Lieferung (max. 15 % für KVH, 12 % für BSH) und dokumentieren Sie es. Setzen Sie nur technisch getrocknetes Holz (KVH/BSH) ein – kein frisch geschnittenes Schnittholz für tragende Konstruktionen.

❌ Fehler 5: Keine CAD-Software nutzen

Handgezeichnete Pläne sind im modernen Holzbau nicht mehr konkurrenzfähig. Investieren Sie in Holzbau-CAD (Dietrich's, Sema, Cadwork): 3D-Planung, automatische Stücklisten, Maschinendaten für CNC-Abbund. Die Software kostet 3.000–8.000 € – spart aber 20–30 % Planungszeit und vermeidet teure Fehler.

❌ Fehler 6: Brandschutz im Holzbau ignorieren

Holz brennt – und die Brandschutzvorschriften im Holzbau (insb. Geschosswohnungsbau) werden strenger. Kennen Sie die Muster-Holzbaurichtlinie (MHolzBauRL) und die Brandschutznachweise für Ihre Konstruktionen. Brandschutzfehler können zum Baustopp führen und Ihre Reputation sofort zerstören.

❌ Fehler 7: Wetterabhängigkeit nicht managen

Dachstuhlarbeiten und Außenmontage sind wetterabhängig. Planen Sie die Wintermonate (November–Februar) für Werkstattarbeiten: Vorfertigung, Abbund, Carport-Bau. Wer nur auf Montage angewiesen ist, hat im Winter Leerlaufkosten. Holzrahmenelemente können in der Halle vorgefertigt und bei geeignetem Wetter schnell montiert werden.

8. Verdienstpotenzial: Was verdient ein selbstständiger Zimmerer?

Kennzahl Kleinbetrieb (1–3 MA) Betrieb mit 5–10 MA
Stundensatz (netto) 52 – 68 € 60 – 80 €
Durchschn. Auftragswert 5.000 – 25.000 € (Carport, Dachstuhl) 25.000 – 300.000 € (Holzhaus, Sanierung)
Jahresumsatz 120.000 – 250.000 € 400.000 – 1.500.000 €
Gewinnmarge 12 – 22 % 8 – 15 %
Inhabereinkommen (netto, geschätzt) 2.500 – 5.000 €/Monat 5.000 – 12.000 €/Monat

Die höchsten Verdienstmöglichkeiten bieten: Holzrahmenbau (komplette Häuser), energetische Dachsanierung mit Förderzugang und Fachwerkrestaurierung. Zimmereibetriebe mit eigenem Holzrahmenbau und Energieberatung erreichen die stärksten Margen – bei gleichzeitig planbaren Projekten.

9. FAQ – Häufige Fragen zur Zimmerer-Gründung

Kann ich mich als Zimmerer ohne Meister selbstständig machen?

Nicht als Einzelunternehmer. Das Zimmerer- und Holzbauhandwerk ist seit jeher meisterpflichtig (Anlage A HwO). Alternativen: Altgesellenregelung (§ 7b HwO, 6 + 4 Jahre Erfahrung), technischer Betriebsleiter (Zimmermeister in Vollzeit), oder Ausnahmebewilligung (§ 8 HwO) in Härtefällen.

Was kostet die Zimmermeister-Prüfung?

Kursgebühren inkl. aller vier Teile: 8.000–13.000 €. Mit Aufstiegs-BAföG (bis 75 % Zuschuss) effektiver Eigenanteil unter 4.000 €. Die Prüfung umfasst neben Fachpraxis und -theorie auch Betriebswirtschaft und Pädagogik. Dauer: 12–18 Monate Vollzeit.

Brauche ich unbedingt eine Halle?

Für anspruchsvolle Arbeiten (Abbund, Holzrahmenbau, Vorfertigung): ja. Für den Einstieg mit Carports, Dachstühlen und Sanierung können Sie mit einer kleineren Werkstatt (150 m²) und Lohn-Abbund auskommen. Langfristig ist eine eigene Halle (300+ m²) für Wachstum unverzichtbar.

CNC-Abbund kaufen oder extern vergeben?

In der Gründungsphase: extern vergeben! Lohn-Abbund kostet 15–30 €/m³ und erfordert keinerlei Investition. Eigene CNC-Abbundanlage (100.000–300.000 €) lohnt sich erst ab 300+ m³ Holz pro Jahr. Manche Zimmerer nutzen jahrelang erfolgreich externen Abbund.

Lohnt sich die Energieberater-Qualifikation?

Absolut. Als BAFA-eingetragener Energieberater können Sie KfW-/BAFA-Förderanträge für Ihre Kunden stellen – das steigert den Auftragswert und macht Sie zum Komplettanbieter bei Dachsanierungen. Die Ausbildung (ca. 200 Stunden) kann parallel zum Meisterkurs oder danach absolviert werden.

Wie finde ich als Neugründer Aufträge?

Die drei wichtigsten Kanäle: 1) Architekten-Netzwerk aufbauen (persönliche Vorstellung mit Referenzmappe). 2) Google Unternehmensprofil pflegen. 3) Dachdecker-Kooperationen für kombinierte Angebote. In der Startphase: Carports und kleinere Aufträge für schnelle Referenzen nutzen.

Welche Software braucht ein Zimmereibetrieb?

Drei Kernbereiche: 1) Holzbau-CAD (Dietrich's, Sema, Cadwork) für 3D-Planung und Abbundzeichnungen. 2) Angebots- und Rechnungssoftware mit GAEB-Export. 3) Buchhaltung oder Steuerberater-Schnittstelle. Kosten gesamt: 3.000–8.000 €/Jahr.

10. Gründungs-Checkliste Zimmereibetrieb

✅ Vollständige Checkliste für Zimmerer-Gründer

Qualifikation & Formales

  • ☐ Zimmermeisterbrief / Ausübungsberechtigung
  • ☐ Energieberater-Zertifikat (optional, empfohlen)
  • ☐ Eintragung Handwerksrolle (HWK)
  • ☐ Gewerbeanmeldung
  • ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
  • ☐ BG BAU Anmeldung
  • ☐ Betriebshaftpflicht (min. 5 Mio. €)
  • ☐ Werkstattversicherung (Feuerrisiko!)
  • ☐ Berufsunfähigkeitsversicherung
  • ☐ Rechtsform festlegen (GmbH empfohlen)

Betrieb & Marketing

  • ☐ Werkstatt/Halle finden und einrichten
  • ☐ Maschinen beschaffen (Bandsäge, Hobel, Kettenstemmer)
  • ☐ Fahrzeug (Pritsche + Anhänger)
  • ☐ Absturzsicherung (PSA)
  • ☐ Holzbau-CAD anschaffen
  • ☐ Lohn-Abbund-Partner finden
  • ☐ Holzlieferanten (KVH, BSH) verhandeln
  • Website erstellen
  • Google Profil einrichten
  • ☐ Dachdecker-Kooperationspartner finden
  • ☐ Architekten-Netzwerk aufbauen
  • ☐ Innungsmitgliedschaft (Zimmerer-Innung/BDZ)

Das Zimmererhandwerk bietet eine der spannendsten Gründungsperspektiven im Handwerk: Der Holzbau-Boom, steigende Nachfrage durch Nachhaltigkeit und Energiewende, und der Generationenwechsel bei bestehenden Betrieben schaffen exzellente Bedingungen. Die hohen Einstiegskosten werden durch hohe Auftragswerte und starke Margen kompensiert.

Starten Sie mit dem Stundensatzrechner, informieren Sie sich über modernen Holzbau und planen Sie Ihre Dachprojekte mit dem Dachsanierung Kosten-Überblick.

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