Rohbau 2025: Kosten & Planung
Der Rohbau ist das Skelett Ihres Hauses. Erfahren Sie alles über aktuelle Kosten pro Quadratmeter, die wichtigsten Bauphasen, Materialwahl und warum die Qualität der Maurerarbeiten über die Lebensdauer Ihrer Immobilie entscheidet.
Redaktion handwerk.cloud
1. März 2025
Der Rohbau ist zweifellos die intensivste und emotionalste Phase eines jeden Bauvorhabens. In dieser Zeit verwandelt sich eine bloße Baugrube in das sichtbare Skelett Ihres zukünftigen Zuhauses. Es ist die Phase, in der die Statik, der Schallschutz und die thermische Hülle definiert werden. Ein erfahrener Maurerbetrieb ist dabei weit mehr als nur ein Ausführer von Plänen – er ist der Garant für die strukturelle Integrität und den langfristigen Werterhalt Ihrer Immobilie. In diesem umfassenden Guide beleuchten wir die Kosten, die technischen Anforderungen und die Planungsschritte für den Rohbau im Jahr 2025 sowie die bahnbrechenden Innovationen, die das Maurerhandwerk aktuell revolutionieren.
1. Was gehört alles zum Rohbau? Die Phasen im Überblick
Ein Rohbau gilt als abgeschlossen, wenn die tragenden Wände stehen, die Decken gegossen sind und der Dachstuhl (durch den Zimmerer) errichtet wurde. Der Maurer ist dabei von Anfang an die zentrale Figur auf der Baustelle.
Die Kernaufgaben des Maurers:
- Fundament & Bodenplatte: Die Basis für alles Weitere. Hier ist höchste Präzision gefragt, um Setzungsrisse zu vermeiden.
- Mauerwerksbau: Das Errichten der Außen- und Innenwände. Je nach Material (Ziegel, Porenbeton, Kalksandstein) variieren die Techniken und Dämmeigenschaften.
- Beton- und Stahlbetonarbeiten: Das Gießen von Decken, Stürzen und tragenden Säulen – oft in Zusammenarbeit mit dem Metallbauer für Bewehrungen.
- Abdichtung: Schutz des Mauerwerks gegen aufsteigende Feuchtigkeit und drückendes Wasser (besonders im Kellerbereich).
Der typische Bauablauf
Ein Rohbau folgt einem klaren Ablauf, bei dem die einzelnen Schritte aufeinander aufbauen:
- Erdarbeiten (Woche 1-2): Aushub der Baugrube, Herstellen der Baugrubensicherung, Verlegen von Drainage (falls Keller geplant).
- Fundament/Bodenplatte (Woche 3-4): Schalung, Bewehrung und Betonieren der Bodenplatte. Wichtig: Leerrohre für Elektro und Sanitär einlegen.
- Kellergeschoss (Woche 5-7): Falls geplant: Errichten der Kellerwände, Betonieren der Kellerdecke, Abdichtung.
- Erdgeschoss (Woche 8-10): Mauern der Außen- und Innenwände, Einbau von Fensterstürzen und Ringbalken.
- Decke EG (Woche 11): Montage der Filigrandecken oder Schalen und Betonieren.
- Obergeschoss (Woche 12-14): Analog zum Erdgeschoss.
- Dachstuhl (Woche 15-16): Montage durch den Zimmerer.
- Richtfest: Traditionelle Feier nach Fertigstellung des Rohbaus.
2. Materialwahl: Ziegel, Kalksandstein oder Porenbeton?
Die Wahl des Mauersteins beeinflusst nicht nur die Baukosten, sondern auch das spätere Raumklima und die Heizkosten. Jedes Material hat spezifische Stärken.
| Material | Wärmedämmung | Schallschutz | Preis (€/m²) | Eigenschaft |
|---|---|---|---|---|
| Hochlochziegel | Gut bis sehr gut | Sehr gut | 40 - 60 € | Natürliches Raumklima |
| Poroton-Ziegel (gefüllt) | Ausgezeichnet | Sehr gut | 70 - 100 € | Passivhaus-tauglich |
| Kalksandstein | Gering (WDVS nötig) | Hervorragend | 35 - 55 € | Max. Schallschutz |
| Porenbeton | Sehr gut | Mittel | 30 - 45 € | Leicht zu verarbeiten |
| Leichtbeton | Gut | Gut | 35 - 50 € | Kompromisslösung |
Der klassische Ziegel (Hochlochziegel)
Ziegel bieten einen hervorragenden natürlichen Schallschutz und können Feuchtigkeit gut regulieren. Moderne, mit Perlit oder Mineralwolle gefüllte Ziegel ermöglichen sogar den Bau von Passivhäusern ohne zusätzliche Außendämmung (WDVS).
Kalksandstein – Der Schallschutz-Profi
Kalksandstein ist extrem schwer und massiv. Das sorgt für einen unübertroffenen Schallschutz zwischen Räumen und eine hohe Wärmespeicherkapazität. Allerdings benötigt Kalksandstein an den Außenwänden immer eine zusätzliche Dämmschicht.
Porenbeton – Das Leichtgewicht
Porenbetonsteine sind sehr leicht und lassen sich extrem präzise verarbeiten. Sie bieten von Haus aus eine sehr gute Wärmedämmung, sind aber beim Schallschutz etwas schwächer als Ziegel oder Kalksandstein.
3. Keller: Ja oder Nein?
Die Entscheidung für oder gegen einen Keller ist eine der wichtigsten beim Hausbau – und hat massive Kostenauswirkungen.
Kosten eines Kellers
- Vollkeller (WU-Beton): 40.000 € - 70.000 €
- Teilunterkeller: 25.000 € - 45.000 €
- Hochliegender Keller: Günstiger, aber kein Schutz vor Hochwasser
Vorteile eines Kellers
- Zusätzlicher Stauraum (ca. 30-50% der Wohnfläche)
- Technikraum für Heizung, Wärmepumpe, Speicher
- Potenzielle Wohnraumnutzung (Hobbyraum, Homeoffice)
- Wertsteigerung der Immobilie
Wann ein Keller nicht sinnvoll ist
- Hoher Grundwasserstand (aufwendige "Weiße Wanne" nötig)
- Felsiger Untergrund (hohe Aushubkosten)
- Knappes Budget (Kostenersparnis von 40.000-70.000 €)
- Ausreichend Nebengebäude vorhanden (Garage, Schuppen)
4. Innovationen im Maurerhandwerk 2025
Das Bild des Maurers, der Stein auf Stein setzt, wandelt sich rasant. Die Digitalisierung und Automatisierung haben die Baustelle erreicht.
3D-Betondruck: Die Zukunft des Bauens
Was vor wenigen Jahren noch als Experiment galt, ist 2025 in der Praxis angekommen. Riesige Portaldrucker tragen Spezialbeton Schicht für Schicht auf. Dies ermöglicht organische Formen, die konventionell kaum machbar wären, und reduziert den Materialabfall sowie die Bauzeit massiv.
Exoskelette: Unterstützung für den Menschen
Um die körperliche Belastung zu senken, setzen immer mehr Betriebe auf Exoskelette. Diese am Körper getragenen Stützstrukturen nehmen beim Heben schwerer Steine einen Großteil der Last auf und schützen so den Rücken und die Gelenke der Handwerker.
BIM (Building Information Modeling)
Der Maurer von heute arbeitet mit digitalen Zwillingen. Bevor der erste Stein gesetzt wird, ist das Gebäude digital bis ins Detail geplant. Dies vermeidet Planungsfehler und ermöglicht eine exakte Materialbestellung "just in time".
Vorgefertigte Wandelemente
Ähnlich wie im Holzbau werden auch Mauerwerkswände zunehmend vorgefertigt. Ganze Wandabschnitte werden im Werk produziert und per Kran auf der Baustelle montiert. Das spart Zeit und erhöht die Qualität.
5. Kostenanalyse 2025: Was kostet ein Rohbau heute?
Die Kosten für den Rohbau machen in der Regel 40% bis 50% der gesamten Baukosten aus. Durch gestiegene Materialpreise und höhere Anforderungen an den Klimaschutz sind die Preise in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Hier sind aktuelle Richtwerte für ein durchschnittliches Einfamilienhaus (ca. 140 m² Wohnfläche):
| Gewerk / Leistung | Kostenanteil (ca.) | Preis pro m² Wohnfläche |
|---|---|---|
| Erdarbeiten & Fundament | 15.000 € - 25.000 € | 110 € - 180 € |
| Mauerwerksarbeiten (Außen/Innen) | 45.000 € - 70.000 € | 320 € - 500 € |
| Betonarbeiten (Decken/Treppen) | 25.000 € - 40.000 € | 180 € - 280 € |
| Baustelleneinrichtung & Gerüst | 8.000 € - 15.000 € | 60 € - 110 € |
| Gesamt Rohbau (ohne Dach) | 93.000 € - 150.000 € | 670 € - 1.070 € |
Praxisbeispiel: Rohbau EFH 140 m² mit Keller
Projektdaten:
- Wohnfläche: 140 m² (EG + OG)
- Keller: 70 m² (WU-Beton)
- Grundstück: ebenes Gelände, normaler Boden
- Material: Poroton-Ziegel (gefüllt), monolithisch ohne WDVS
Kostenaufstellung:
- Erdarbeiten & Aushub: 18.000 €
- Keller (WU-Beton komplett): 55.000 €
- Bodenplatte EG: 12.000 €
- Mauerwerk EG + OG: 58.000 €
- Betondecken (2 Stück): 32.000 €
- Stahlbetontreppe: 8.000 €
- Schornstein: 4.500 €
- Gerüst & Baustelleneinrichtung: 12.000 €
Gesamtkosten Rohbau: ca. 199.500 € inkl. MwSt.
(Ohne Kellerbau: ca. 145.000 €)
Hinweis: Regionale Unterschiede und die Bodenbeschaffenheit können die Kosten massiv beeinflussen.
6. Eigenleistung beim Rohbau: Was ist möglich?
Viele Bauherren möchten durch Eigenleistung ("Muskelhypothek") Kosten sparen. Im Rohbau sind die Möglichkeiten allerdings begrenzt.
Realistische Eigenleistungen
- Aufräumen und Säubern: Die Baustelle sauber halten spart Arbeitslohn.
- Zuarbeiten: Steine reichen, Mörtel anmischen (nach Einweisung).
- Nicht-tragende Innenwände: Mit guter Anleitung und einfachen Materialien.
- Dämmen: Perimeterdämmung am Fundament und Kelleraußenwände.
Keine Eigenleistung empfohlen
- Tragende Wände: Fehler haben fatale Folgen für die Statik.
- Betonarbeiten: Falsch hergestellter Beton gefährdet die Tragfähigkeit.
- Abdichtung: Feuchteschäden sind extrem teuer zu beheben.
- Bewehrungsarbeiten: Erfordern Fachkenntnis und Abnahme.
Tipp: Bei Eigenleistungen im Rohbau immer die Haftungsfrage mit dem Bauunternehmer klären.
7. Sanierung und Werterhalt: Der Maurer im Bestand
Nicht immer geht es um einen Neubau. Maurer sind auch Experten für die Sanierung von Altbauten und den Werterhalt bestehender Bausubstanz.
Nachträgliche Horizontalsperren
Feuchte Wände im Altbau sind oft die Folge einer fehlenden oder defekten Horizontalsperre. Der Maurer kann hier durch Injektionsverfahren oder mechanische Trennung (Sägeverfahren) Abhilfe schaffen und das Gebäude dauerhaft trockenlegen.
Fassadensanierung und Denkmalschutz
Besonders bei denkmalgeschützten Gebäuden ist Fingerspitzengefühl gefragt. Das Erneuern von Fugen, der Austausch beschädigter Steine oder die statische Ertüchtigung alter Gewölbe erfordern tiefes Fachwissen über historische Baustoffe und Techniken.
Raumänderungen: Durchbrüche und Abfangungen
Wer aus kleinen Zimmern ein offenes Wohnkonzept machen möchte, benötigt einen Maurer. Das Einziehen von Stahlträgern zur Abfangung tragender Wände ist eine hochsensible Aufgabe, die eine exakte statische Berechnung und Ausführung erfordert. Zudem müssen Anlagenmechaniker für eventuell betroffene Leitungen hinzugezogen werden.
8. Qualitätssicherung: Worauf Bauherren achten müssen
Fehler im Rohbau sind später nur mit extremem Aufwand zu korrigieren. Daher ist eine engmaschige Kontrolle essenziell.
- Maßhaltigkeit: Stimmen die Wandstärken und Raummaße mit dem Plan überein?
- Fugenbild: Sind die Stoß- und Lagerfugen sauber vermörtelt? (Vermeidung von Wärmebrücken)
- Abdichtung: Ist die Horizontalsperre unter der ersten Steinreihe lückenlos vorhanden?
- Betonqualität: Wurde der Beton ausreichend verdichtet und nachbehandelt (besonders bei Hitze oder Frost)?
- Bewehrung: Sind alle Eisen korrekt positioniert und mit ausreichender Betonüberdeckung?
Die Rohbauabnahme
Vor dem Beginn des Innenausbaus sollte eine formelle Rohbauabnahme stattfinden:
- Gemeinsame Begehung mit Bauleiter/Architekt
- Prüfung aller Maße und Öffnungen
- Dokumentation eventueller Mängel
- Schriftliches Abnahmeprotokoll
- Optional: Unabhängiger Bausachverständiger (ca. 400-600 €)
9. Checkliste für die Rohbauphase
Schritt für Schritt durch den Rohbau
- Baugenehmigung: Liegt der "Rote Punkt" vor?
- Baustrom & Bauwasser: Sind die Anschlüsse rechtzeitig beantragt?
- Vermessung: Ist das Schnurgerüst vom Vermesser abgenommen?
- Baugrundgutachten: Liegt ein geotechnisches Gutachten vor?
- Materialbestellung: Sind lange Lieferzeiten (z.B. für Filigran-Decken) berücksichtigt?
- Schnittstellen: Sind die Übergänge zu Zimmerer und Stuckateur geklärt?
- Leerrohre: Sind alle Elektro- und Sanitär-Leerrohre vor dem Betonieren eingelegt?
- Richtfest: Planen Sie das Fest rechtzeitig ein, sobald der Dachstuhl steht!
10. FAQ - Häufige Fragen zum Rohbau
Was kostet ein Rohbau pro Quadratmeter?
Im Jahr 2025 liegen die Kosten für einen Rohbau (ohne Dach und Fenster) zwischen 670 € und 1.070 € pro Quadratmeter Wohnfläche. Mit Keller steigen die Kosten auf etwa 900 € - 1.400 € pro m².
Wie lange dauert ein Rohbau?
Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus dauert die reine Rohbauphase (vom ersten Spatenstich bis zum Richtfest) ca. 4 bis 8 Wochen, sofern das Wetter mitspielt und die Materiallieferungen pünktlich sind. Mit Keller rechnen Sie mit 10-14 Wochen.
Kann ich im Winter bauen?
Ja, aber nur bis zu gewissen Temperaturen. Ab ca. -5°C dürfen viele Mörtel und Betone nicht mehr verarbeitet werden. Zudem muss der Rohbau vor Frostschäden geschützt werden (Abdecken der Mauerkronen, Beheizen).
Was ist ein "Veredelter Rohbau"?
Dieser Begriff ist nicht rechtlich geschützt, meint aber meist einen Rohbau, bei dem bereits Fenster eingebaut sind und der Außenputz sowie die Dachdeckung fertiggestellt wurden. Das Haus ist dann "dicht".
Welcher Stein ist der beste für den Rohbau?
Das hängt von Ihren Prioritäten ab: Gefüllte Ziegel für natürliches Raumklima und gute Dämmung, Kalksandstein für maximalen Schallschutz (benötigt WDVS), oder Porenbeton für leichte Verarbeitung und gute Wärmedämmung.
Lohnt sich ein Keller noch?
Ein Keller kostet 40.000-70.000 € extra, schafft aber Stauraum im Wert von ca. 30-50% der Wohnfläche. Langfristig ist der Keller meist günstiger als ein Anbau für Technikräume. Bei hohem Grundwasserstand oder Fels ist er jedoch sehr teuer.
Welche Rolle spielen Elektriker und Heizungsbauer im Rohbau?
Diese Gewerke müssen bereits in der Rohbauphase ihre Leitungen und Rohre in die Wände und Decken einplanen (Schlitze und Durchbrüche), bevor verputzt oder der Estrich gegossen wird. Die Koordination ist entscheidend.
11. Experten-Tipp vom Maurermeister
"Unterschätzen Sie niemals die Bedeutung der Sauberkeit auf der Baustelle. Eine ordentliche Baustelle ist ein Zeichen für einen strukturierten Fachbetrieb. Achten Sie besonders darauf, dass die Mauerkronen bei Regen abgedeckt werden. Ein vollgesogener Ziegel benötigt Monate zum Austrocknen, was den Innenausbau verzögert und das Schimmelrisiko erhöht."
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