Selbstständig als SHK-Installateur 2026: Meisterpflicht, Kosten & Zukunftsmarkt Wärmepumpe
SHK-Betrieb gründen: Von der Meisterpflicht über die Gründungskosten bis zum Boom-Markt Wärmepumpe. Der komplette Leitfaden mit Kostentabellen, Fördermöglichkeiten, Marketing-Strategien und Gründungs-Checkliste.
Redaktion handwerk.cloud
20. Februar 2026
Die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) ist das Gewerk mit der vielleicht größten Zukunftsperspektive im deutschen Handwerk. Die Energiewende mit dem GEG, die Wärmepumpen-Offensive, der Sanierungsstau in Millionen von Bestandsgebäuden und der akute Fachkräftemangel sorgen für eine Auftragslage, die in kaum einem anderen Beruf so stabil ist. Gleichzeitig gehen in den nächsten Jahren tausende SHK-Betriebe ohne Nachfolger in den Ruhestand – eine historische Chance für Gründer.
Doch die Hürden sind real: Im SHK-Handwerk gilt die volle Meisterpflicht, die Gründungskosten sind erheblich, und die Regulierung ist komplex. Dieser Leitfaden führt Sie durch jeden Schritt – von der Meisterprüfung über die Maschinenausstattung bis zur ersten Wärmepumpen-Installation. Mit konkreten Zahlen, Praxis-Tipps und einer vollständigen Gründungs-Checkliste.
1. Meisterpflicht im SHK-Handwerk: Ohne Meister geht (fast) nichts
Das Installateur- und Heizungsbauer-Handwerk ist ein zulassungspflichtiges Gewerk nach Anlage A der Handwerksordnung (HwO). Für die selbstständige Ausübung benötigen Sie zwingend einen Meisterbrief oder eine gleichgestellte Qualifikation. Es gibt keine „Monteur-Ausnahme" wie im Fensterbau – die Meisterpflicht gilt umfassend für alle SHK-Tätigkeiten:
- Installation und Wartung von Heizungsanlagen (Gas, Öl, Wärmepumpe, Pellet)
- Sanitärinstallation (Wasser, Abwasser, Trinkwasserhygiene)
- Klima- und Lüftungstechnik
- Badgestaltung und -sanierung
- Solarthermie und Wärmerückgewinnung
- Gasinstallation (zusätzlich: TRGI-Berechtigung)
Drei Wege zur Selbstständigkeit ohne eigenen Meistertitel
| Weg | Voraussetzungen | Kosten | Dauer |
|---|---|---|---|
| Eigener Meisterbrief | Gesellenbrief im SHK-Handwerk | 7.000 – 12.000 € | 10–14 Monate (Vollzeit) / 2–3 Jahre (Teilzeit) |
| Altgesellenregelung (§ 7b HwO) | 6 Jahre Berufserfahrung, davon 4 in leitender Stellung + Nachweis kaufm./fachlicher Kenntnisse | 500 – 1.500 € (Antragsgebühr) | 3–6 Monate (Bearbeitung) |
| Technischer Betriebsleiter | Anstellung eines SHK-Meisters in sozialversicherungspflichtiger Vollzeit | 50.000 – 70.000 €/Jahr (Arbeitgeberbrutto) | Sofort möglich |
🔧 Praxis-Tipp: Meisterbrief als Investment
Der SHK-Meisterbrief ist eine der lohnendsten Investitionen im Handwerk. Mit dem Aufstiegs-BAföG werden bis zu 75 % der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren übernommen (40 % Zuschuss + Darlehensanteil mit 50 % Erlass bei Bestehen). Effektive Kosten: oft unter 3.000 €. Zusätzlich berechtigt der Meister zur Ausbildung – ein entscheidender Vorteil im Kampf um Fachkräfte.
2. Voraussetzungen: Was Sie mitbringen müssen
Fachliche Pflichtqualifikationen
- Meisterbrief Installateur & Heizungsbauer (oder gleichgestellte Qualifikation, s.o.)
- TRGI-Berechtigung: Für Arbeiten an Gasinstallationen (DVGW-TRGI 2018). Muss über den DVGW-Gasinstallateurausweis nachgewiesen werden. Ohne diesen: keine Gas-Arbeiten!
- TRIZ-Nachweis: Für Trinkwasserinstallationen – Nachweis der Sachkunde nach DIN 1988 / VDI 6023
- F-Gase-Zertifizierung: Pflicht für Arbeiten am Kältekreislauf von Wärmepumpen und Klimaanlagen (EU-Verordnung 517/2014). Kosten: ca. 1.000–2.000 €
Empfohlene Zusatzqualifikationen
- Energieberater (dena-Eintragung): Qualifiziert Sie als Ansprechpartner für Fördermittel – ein enormer Wettbewerbsvorteil. Kunden, die Sie als Energieberater engagieren, beauftragen meist auch die Ausführung
- Wärmepumpen-Fachbetrieb: Herstellerzertifizierungen (Viessmann, Vaillant, Bosch, Daikin) eröffnen Zugang zu Schulungen, besseren Einkaufskonditionen und bevorzugter Vermittlung
- Betriebswirt HwO: Optional, aber empfehlenswert für Betriebe mit Wachstumsambitionen
Unverzichtbare Versicherungen
- Betriebshaftpflicht: Min. 5 Mio. € Deckungssumme – SHK-Schäden (Wasserschäden, Gasunfälle, fehlerhafte Heizungssteuerung) können existenzbedrohend sein
- BG BAU: Pflichtmitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft
- Vermögensschadenhaftpflicht: Für Planungs- und Beratungsfehler (z. B. falsche Heizlastberechnung → Kunde bekommt weniger Förderung)
- Betriebsinhaltsversicherung: Schützt Lagerbestand (Armaturen, Rohre, Kessel)
- Kfz-Versicherung: Gewerbliche Nutzung mit Werkzeugdiebstahlschutz
- Garantieversicherung: Deckt Reparaturkosten bei Gewährleistungsansprüchen
3. Gründungsschritte: Vom Meisterbrief zum ersten Auftrag
Eine SHK-Gründung erfordert etwa 4–8 Monate Vorlaufzeit – die Eintragung in die Handwerksrolle und der Aufbau von Herstellerbeziehungen brauchen Zeit.
Phase 1: Vorbereitung (Monat 1–2)
- Marktanalyse: Analysieren Sie Ihren Markt. In Ballungsräumen gibt es mehr Konkurrenz, aber auch mehr Aufträge. Im ländlichen Raum sind Anfahrtswege länger, dafür der Wettbewerb geringer. Prüfen Sie: Wie viele SHK-Betriebe gibt es in 30 km Umkreis?
- Businessplan: Der SHK-Businessplan muss die hohen Anfangsinvestitionen und die Materialkostenquote (40–55 % im SHK!) berücksichtigen. Nutzen Sie unseren Stundensatzrechner – im SHK liegen profitable Stundensätze bei 60–90 € netto.
- Spezialisierung festlegen: Heizungsbau, Sanitär, Badsanierung, Wärmepumpen, Klimatechnik – oder Vollsortiment? Ihre Entscheidung bestimmt die Investitionshöhe und Ihre Zielgruppe.
- Finanzierung: KfW-ERP-Gründerkredit frühzeitig beantragen (Bearbeitung: 4–8 Wochen).
Phase 2: Formale Gründung (Monat 2–3)
- Handwerkskammer: Meisterbrief vorlegen → Eintragung in die Handwerksrolle. Kosten: 120–300 €. Die HWK prüft die Qualifikation und vergibt die Betriebsnummer.
- DVGW-Gasinstallateurausweis: Beim zuständigen Netzbetreiber beantragen (wenn Gas-Arbeiten geplant). In manchen Regionen dauert die Bearbeitung 4–6 Wochen.
- Gewerbeanmeldung: Beim Gewerbeamt. Kosten: 20–65 €.
- Finanzamt: Fragebogen zur steuerlichen Erfassung → Steuernummer + USt-IdNr.
- BG BAU: Anmeldung innerhalb einer Woche nach Gründung.
- Innungsmitgliedschaft: Die Mitgliedschaft in der SHK-Innung ist freiwillig, aber dringend empfohlen – sie gibt Zugang zum Versorger-Verzeichnis (bei vielen Netzbetreibern Voraussetzung für Gasinstallation!), Fortbildungen und dem starken SHK-Netzwerk.
Phase 3: Betriebsaufbau (Monat 3–6)
- Werkstatt/Lager: Sie brauchen 60–120 m² für Materiallogistik – Rohre, Fittings, Armaturen, Heizkessel, Pufferspeicher. Im SHK ist der Lagerbestand kapitalintensiv!
- Fahrzeug: Voll ausgestatteter Servicebus mit Regalsystem. Im SHK gibt es kaum einen wichtigeren Wettbewerbsfaktor als ein gut sortiertes Fahrzeug – wer das richtige Fitting dabei hat, spart Stunden.
- Werkzeug-Erstausstattung: Rohrzangen, Presswerkzeug, Löt- und Schweißgerät, Messgeräte (Manometer, Thermografie optional), Abdrückpumpe etc.
- Herstellerbeziehungen: Schließen Sie Partnerverträge mit 2–3 Heizungs-/Sanitärherstellern. Als zertifizierter Fachbetrieb erhalten Sie bessere Einkaufskonditionen, Schulungen und werden auf der Herstellerwebsite als Installationspartner gelistet.
- Software: SHK-Branchensoftware (z. B. Taifun, TopSolid'Plumber, Label Software) oder mindestens eine solide Angebots-/Rechnungssoftware mit E-Rechnungsfähigkeit.
- Website & Marketing: Lesen Sie unsere Anleitung Handwerker-Website erstellen und richten Sie Ihr Google Unternehmensprofil ein.
4. Gründungskosten: Realistische Kalkulation
SHK-Gründungen gehören zu den kapitalintensiveren im Handwerk. Der hohe Materialbedarf und die teure Fahrzeugausstattung treiben die Kosten nach oben.
| Kostenposition | Ein-Mann-Betrieb | Betrieb mit 2–4 MA |
|---|---|---|
| Meisterprüfung (SHK) | 7.000 – 12.000 € (vor Aufstiegs-BAföG) | 7.000 – 12.000 € |
| Fahrzeug (Servicebus mit Regalsystem) | 20.000 – 40.000 € (gebraucht) | 60.000 – 120.000 € (2–3 Fahrzeuge) |
| Werkzeug & Maschinen | 8.000 – 18.000 € | 20.000 – 45.000 € |
| Materiallager (Grundstock) | 5.000 – 15.000 € | 15.000 – 40.000 € |
| Werkstatt/Lager (Einrichtung + Kaution) | 2.000 – 6.000 € | 8.000 – 20.000 € |
| F-Gase-Zertifizierung + DVGW | 1.500 – 3.000 € | 3.000 – 6.000 € |
| HWK + Gewerbe + BG | 300 – 500 € | 300 – 500 € |
| Versicherungen (1. Jahr) | 3.000 – 6.000 € | 6.000 – 12.000 € |
| Software (Branchensoftware + Buchhaltung) | 1.500 – 4.000 €/Jahr | 3.000 – 8.000 €/Jahr |
| Website, Logo & Marketing | 2.000 – 5.000 € | 3.000 – 8.000 € |
| Fahrzeugbeschriftung | 800 – 2.000 € | 2.000 – 5.000 € |
| Gesamt (ohne Meisterprüfung) | 44.000 – 100.000 € | 120.000 – 265.000 € |
💰 Fördermöglichkeiten für SHK-Gründer
- Aufstiegs-BAföG (AFBG): Bis 75 % Zuschuss auf Meisterprüfungskosten (40 % Sofortzuschuss + Darlehen mit 50 % Erlass bei Bestehen). Zusätzlich: 50 % Zuschuss auf Existenzgründungskosten bis 20.000 €
- Meistergründungsprämie: In vielen Bundesländern 7.500–15.000 € Zuschuss (NRW, Hessen, Brandenburg, Sachsen u.a.)
- KfW-Gründerkredit (ERP-StartGeld): Bis 125.000 € mit günstigen Zinsen und tilgungsfreier Anlaufzeit
- Gründungszuschuss: Bei Gründung aus der Arbeitslosigkeit
- Betriebsübernahme: Das BAFA fördert Unternehmensberatung für Gründer (bis 80 % Zuschuss in östlichen Bundesländern)
5. Rechtsform: Was passt zum SHK-Betrieb?
Einzelunternehmen
- Vorteile: Schnelle Gründung, keine Stammkapitalpflicht, Einnahmenüberschussrechnung bis 600.000 € Umsatz
- Nachteile: Unbeschränkte Haftung – ein Wasserschaden in einem Neubau kann schnell 50.000+ € kosten
- Geeignet für: Service-orientierte Ein-Mann-Betriebe mit überschaubarem Auftragsvolumen
GmbH
- Vorteile: Haftung auf 25.000 € Stammkapital beschränkt, professionelle Außenwirkung bei Bauträgern und Wohnungsbaugesellschaften
- Nachteile: Doppelte Buchführung, Notarkosten (ca. 1.500 €), Pflichtveröffentlichung im Bundesanzeiger
- Geeignet für: Betriebe ab 3–4 Mitarbeitern, Zusammenarbeit mit Bauträgern und öffentlichen Auftraggebern
GmbH & Co. KG
- Vorteile: Haftungsbeschränkung + steuerliche Flexibilität einer Personengesellschaft
- Nachteile: Komplexere Struktur, höhere Gründungs- und Beratungskosten
- Geeignet für: Wachstumsorientierte SHK-Betriebe mit höherem Jahresumsatz
📋 Steuertipps für SHK-Gründer
- Reverse-Charge (§ 13b UStG): Wenn Sie als Subunternehmer für andere Baubetriebe arbeiten, kehrt sich die Umsatzsteuerschuldnerschaft um. Stellen Sie sicher, dass Ihre Rechnungssoftware das korrekt abbildet
- Materialeinsatz steuerlich optimieren: Der Materialanteil im SHK liegt bei 40–55 %. Nutzen Sie Skonto-Vorteile bei Lieferanten (oft 2–3 % bei 10 Tagen Zahlung) – das allein kann bei 200.000 € Materialeinkauf 4.000–6.000 € sparen
- Investitionsabzugsbetrag: Planen Sie Fahrzeuganschaffungen voraus und nutzen Sie § 7g EStG: bis 50 % des Kaufpreises vorab steuerlich absetzbar
6. Der Zukunftsmarkt: 5 lukrative Spezialisierungen im SHK
Die SHK-Branche wandelt sich rasant. Wer sich klug positioniert, profitiert von Märkten mit überdurchschnittlichen Margen und wachsender Nachfrage:
1. Wärmepumpen-Installation
DER Wachstumsmarkt im SHK. Die Bundesregierung strebt 500.000 installierte Wärmepumpen pro Jahr an. Es gibt nicht genug Fachbetriebe. Voraussetzungen: F-Gase-Zertifizierung, Herstellerschulungen, Kenntnis der Heizlastberechnung nach DIN 12831. Auftragswerte: 15.000–35.000 € pro Anlage. Mehr zum Vergleich: Wärmepumpe vs. Gasheizung.
2. Heizungstausch mit Förderberatung
Der Austausch alter Öl- und Gasheizungen ist durch das GEG quasi verpflichtend. Betriebe, die gleichzeitig Förderanträge (BAFA/KfW) stellen können, haben einen enormen Wettbewerbsvorteil – der Kunde erhält alles aus einer Hand. Förderübersicht: Wärmepumpe Heizungstausch & Förderung.
3. Badsanierung (Komfort & Barrierefreiheit)
Auftragswerte von 10.000–40.000 € pro Bad, Premium-Kunden mit hoher Zahlungsbereitschaft. Barrierefreie Bäder werden durch die alternde Gesellschaft zunehmend nachgefragt und oft durch die KfW gefördert. Kosten im Detail: Heizung einbauen: Kosten 2026.
4. Trinkwasserhygiene & Legionellenprüfung
Gesetzliche Pflicht in Mehrfamilienhäusern (TrinkwV). Regelmäßige Prüfungen = planbare Einnahmen. Wer sich als Sachverständiger für Trinkwasserhygiene qualifiziert, bedient einen Markt mit wenig Konkurrenz.
5. Wartung & Service-Verträge
Der unterschätzte Umsatzkanal: Wartungsverträge für Heizungsanlagen (100–300 €/Jahr/Anlage), Trinkwasserprüfungen und Notdienst. 200 Wartungsverträge = 30.000–60.000 € planbare Einnahmen pro Jahr. Mehr dazu: Heizungswartung: Kosten & Intervalle.
7. Marketing & Kundengewinnung im SHK
Im SHK ist die Marktsituation ungewöhnlich: Es gibt mehr Nachfrage als Angebot. Trotzdem sollten Sie Marketing nicht vernachlässigen – denn es geht nicht nur darum, irgendwelche Aufträge zu bekommen, sondern die richtigen.
Website: Vertrauen aufbauen
Ihre Website muss vor allem eines kommunizieren: Kompetenz und Zuverlässigkeit. Im SHK ist das Vertrauen des Kunden entscheidend – er lässt Sie in sein Haus und vertraut darauf, dass Sie Wasser-, Gas- und Heizungsinstallationen fachgerecht ausführen.
- Zertifizierungen prominent darstellen (Meisterbrief, DVGW, Herstellerpartner)
- Referenzprojekte mit Fotos (Badsanierungen, Heizungsinstallationen)
- Online-Terminbuchung oder zumindest schnelle Kontaktmöglichkeit
- FAQ-Bereich zu häufigen Fragen (Kosten, Fördermöglichkeiten, Ablauf)
Anleitung: Handwerker-Website erstellen.
Herstellernetzwerke nutzen
Lassen Sie sich als zertifizierter Installationspartner bei Herstellern listen (Viessmann, Vaillant, Bosch, Wolf, Daikin). Diese Hersteller vermitteln aktiv Kundenanfragen an ihre Partnerbetriebe – oft der wertvollste Akquisekanal überhaupt im SHK.
Google Unternehmensprofil
„Heizung Notdienst [Stadt]" – diese Google-Suche kommt täglich hundertfach vor. Per Google Unternehmensprofil sind Sie sichtbar, wenn Kunden Sie am dringendsten brauchen.
Empfehlungsmarketing & Kooperationen
- Energieberater: Jede Energieberatung mündet in Handwerker-Empfehlungen – positionieren Sie sich als bevorzugter Ausführungsbetrieb
- Schornsteinfeger: Bei Heizungsstörungen oder veralteten Anlagen empfehlen Schornsteinfeger direkt SHK-Betriebe
- Bauträger & Architekten: Planbar hohe Auftragsvolumina, aber oft niedrigere Margen
- Hausverwaltungen: Wartungsverträge für ganze Wohnbestände
8. Die 7 häufigsten Fehler bei der SHK-Gründung
❌ Fehler 1: Materialeinsatz unterschätzen
Im SHK liegt der Materialanteil bei 40–55 % des Auftragswerts – deutlich höher als in vielen anderen Gewerken. Wer seinen Stundensatz nur nach Arbeitszeit kalkuliert und den Materialaufschlag vergisst, arbeitet schnell unter Wert. Materialaufschlag von 15–25 % auf Einkaufspreise ist branchenüblich und notwendig.
❌ Fehler 2: Zu viele Kundenwünsche annehmen
Der SHK-Markt boomt, aber nicht jeder Auftrag ist gleich profitabel. Dringende Kleinreparaturen für 80 € fressen mehr Zeit (Anfahrt, Dokumentation, Abrechnung) als sie einbringen. Setzen Sie Mindest-Auftragswerte oder bündeln Sie Kleinaufträge regional.
❌ Fehler 3: Keine F-Gase-Zertifizierung
Wer Wärmepumpen installiert, aber keine F-Gase-Zertifizierung hat, darf nicht am Kältekreislauf arbeiten und muss einen externen Kältetechniker beauftragen – das frisst Marge und verlängert die Bauzeit. Investieren Sie die 1.000–2.000 € vor dem ersten Wärmepumpen-Auftrag.
❌ Fehler 4: Zu niedriger Stundensatz
Ein SHK-Meisterbetrieb hat höhere Fixkosten als die meisten anderen Handwerker: teure Fahrzeuge, hohe Lagerbestände, Versicherungen und Zertifizierungen. Ein realistischer Stundensatz liegt bei 60–90 € netto. Rechnen Sie mit dem Stundensatzrechner.
❌ Fehler 5: Keine Wartungsverträge
Wartungsverträge sind das Fundament eines gesunden SHK-Betriebs: planbare Einnahmen, Kundenbindung und Folgeaufträge (Modernisierung). Bieten Sie jedem Kunden automatisch einen Wartungsvertrag an – die Abschlussquote liegt branchenweit bei 30–40 %.
❌ Fehler 6: Förderberatung ignorieren
Kunden, die 30.000 € in eine neue Heizung investieren, wollen jede mögliche Förderung nutzen. SHK-Betriebe, die aktiv über BEG-Förderung, KfW-Zuschüsse und iSFP-Boni beraten, gewinnen den Auftrag fast immer – weil der Wettbewerber das nicht bietet. Mehr: Wärmepumpen-Förderung im Überblick.
❌ Fehler 7: Keine digitale Dokumentation
Im SHK ist Dokumentation Pflicht: Druckprüfprotokolle, Inbetriebnahme-Berichte, DVGW-Bescheinigungen, CE-Konformitätserklärungen. Wer das noch auf Papier macht, verliert Stunden. Investieren Sie in eine digitale Ablage mit E-Rechnungsfähigkeit.
9. Verdienstpotenzial: Was verdient ein SHK-Meisterbetrieb?
| Kennzahl | Ein-Mann-Betrieb | Betrieb mit 3–5 MA |
|---|---|---|
| Stundensatz (netto) | 60 – 80 € | 70 – 95 € |
| Durchschn. Auftragswert | 1.500 – 8.000 € (Service/Wartung) | 5.000 – 45.000 € (Heizungstausch/Bad) |
| Jahresumsatz | 120.000 – 220.000 € | 400.000 – 1.200.000 € |
| Gewinnmarge | 15 – 25 % | 8 – 15 % |
| Inhabereinkommen (netto, geschätzt) | 3.000 – 5.500 €/Monat | 5.000 – 12.000 €/Monat |
Hinweis: Die höchsten Margen erzielen Betriebe, die Beratung, Planung und Ausführung aus einer Hand anbieten – besonders im Wärmepumpen-Bereich, wo der Beratungsanteil hoch ist und die Kunden bereit sind, für „den richtigen Fachmann" mehr zu bezahlen. Service- und Wartungsbetriebe haben niedrigere Umsätze, aber stabilere, planbare Einnahmen.
10. FAQ – Häufige Fragen zur SHK-Gründung
Kann ich mich als SHK-Installateur ohne Meister selbstständig machen?
Nicht direkt. Das Installateur- und Heizungsbauer-Handwerk ist meisterpflichtig (Anlage A HwO). Es gibt drei Alternativen: Altgesellenregelung (§ 7b HwO, nach 6 Jahren Erfahrung), Einstellung eines technischen Betriebsleiters mit Meistertitel, oder eine Ausnahmebewilligung in besonderen Einzelfällen.
Was kostet die SHK-Meisterprüfung?
Die Meisterprüfung kostet je nach HWK 7.000–12.000 € (Lehrgangs- und Prüfungsgebühren). Das Aufstiegs-BAföG übernimmt bis zu 75 % davon. In Vollzeit dauert die Vorbereitung 10–14 Monate, in Teilzeit 2–3 Jahre.
Brauche ich eine F-Gase-Zertifizierung für Wärmepumpen?
Ja. Für Arbeiten am Kältemittelkreislauf von Wärmepumpen und Klimaanlagen ist die F-Gase-Zertifizierung nach EU-Verordnung 517/2014 Pflicht. Die Zertifizierung kostet ca. 1.000–2.000 € und muss alle 5 Jahre erneuert werden.
Was verdient ein selbstständiger SHK-Meister?
Ein Ein-Mann-Betrieb erzielt typischerweise 120.000–220.000 € Jahresumsatz bei 15–25 % Gewinnmarge (ca. 3.000–5.500 € Netto-Monatseinkommen). Ein Betrieb mit 3–5 Mitarbeitern kommt auf 400.000–1.200.000 € Umsatz bei 8–15 % Marge (ca. 5.000–12.000 € Inhabereinkommen).
Lohnt sich die Spezialisierung auf Wärmepumpen?
Absolut. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem, die Auftragswerte sind hoch (15.000–35.000 € pro Anlage) und die Margen gut. Voraussetzungen: F-Gase-Zertifizierung, Herstellerpartnerschaften und fundierte Kenntnisse in Heizlastberechnung. Die Bundesregierung plant 500.000 Wärmepumpen pro Jahr – es gibt nicht genug Fachbetriebe.
Soll ich der SHK-Innung beitreten?
Es ist keine Pflicht, aber dringend empfohlen. Die Innungsmitgliedschaft eröffnet Zugang zum Versorger-Verzeichnis (bei vielen Gasnetzbetreibern Voraussetzung!), Fortbildungsprogramme, das SHK-Netzwerk und gemeinsame Werbeauftritte. Kosten: ca. 300–1.000 €/Jahr je nach Betriebsgröße.
Wie finde ich meine ersten Kunden als SHK-Betrieb?
Im SHK gibt es mehr Nachfrage als Angebot – die Herausforderung ist eher, die richtigen Kunden zu finden. Effektivste Kanäle: Herstellerpartner-Vermittlung (Viessmann, Vaillant etc.), Google Unternehmensprofil, Kooperationen mit Energieberatern und Schornsteinfegern, und eine professionelle Website.
11. Gründungs-Checkliste SHK
✅ Vollständige Checkliste für SHK-Gründer
Qualifikation & Formales
- ☐ Meisterbrief / Ausübungsberechtigung
- ☐ DVGW-Gasinstallateurausweis
- ☐ F-Gase-Zertifizierung
- ☐ TRIZ-Sachkunde Trinkwasser
- ☐ Eintragung Handwerksrolle
- ☐ Gewerbeanmeldung
- ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
- ☐ BG BAU Anmeldung
- ☐ Innungsmitgliedschaft prüfen
- ☐ Herstellerpartnerschaften
Betrieb & Marketing
- ☐ Betriebshaftpflicht (min. 5 Mio. €)
- ☐ Geschäftskonto + Kreditlinie
- ☐ Servicebus mit Regalsystem
- ☐ Werkzeug-Erstausstattung
- ☐ Materiallager (Grundstock)
- ☐ Branchensoftware einrichten
- ☐ Website erstellen
- ☐ Google Profil einrichten
- ☐ Fahrzeugbeschriftung
- ☐ Wartungsvertragsvorlage erstellen
- ☐ Businessplan mit 3-Jahres-Projektion
Das SHK-Handwerk bietet für Meisterbetriebe eine der besten Perspektiven im gesamten Handwerk: Die Energiewende sorgt für Dauernachfrage, der Fachkräftemangel begrenzt den Wettbewerb, und die Spezialisierung auf Wärmepumpen öffnet einen Zukunftsmarkt mit exzellenten Margen. Wer jetzt gründet, trifft auf die beste Marktlage seit Jahrzehnten – vorausgesetzt, die Gründung wird sorgfältig geplant und professionell umgesetzt.
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