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Selbstständig als Rollladen- und Sonnenschutztechniker 2026: Meisterpflicht, Smart Home & Marktnische

Rollladen- und Sonnenschutztechniker-Betrieb gründen 2026: Wiedereingeführte Meisterpflicht seit 2020, Smart-Home-Integration, Spezialisierungen von Raffstoren bis Zipscreen und Gründungs-Checkliste.

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Redaktion handwerk.cloud

23. Februar 2026

Geprüfte Fachbetriebe🔒Sichere Daten (SSL)💯Kostenlos & unverbindlich4,8/5 Kundenbewertung

Der Rollladen- und Sonnenschutztechniker ist ein Nischen-Handwerk mit enormem Wachstumspotenzial: Energieeffizienz, sommerlicher Wärmeschutz nach GEG, Einbruchschutz und die Smart-Home-Revolution treiben die Nachfrage. Seit 2020 ist das Handwerk wieder meisterpflichtig – eine Evaluierung 2025 bestätigte: 70–80 % der Schadensfälle wurden von Betrieben ohne Meisterqualifikation verursacht.

Rollladen- und Sonnenschutztechnik ist weit mehr als „Jalousien montieren". Es umfasst die Beratung, Planung, Fertigung, Montage und Wartung von Rollläden, Raffstoren, Jalousien, Markisen, Zipscreens, Textilscreens, Wintergartenbeschattungen und Verdunkelungssystemen – zunehmend mit elektrischen Antrieben, Sensorik und Smart-Home-Anbindung.

1. Meisterpflicht: Seit 2020 wiedereingeführt

Das Rollladen- und Sonnenschutztechniker-Handwerk (offiziell: Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker) gehört seit dem 14. Februar 2020 wieder zu den zulassungspflichtigen Gewerken nach Anlage A der Handwerksordnung (HwO). Es war eines der 12 Handwerke, deren Meisterpflicht nach der Abschaffung 2004 wiedereingeführt wurde.

⚠️ Bestandsschutz für Alt-Betriebe

Betriebe, die zwischen 2004 und Februar 2020 ohne Meister als Rollladen- und Sonnenschutztechniker gegründet wurden, genießen Bestandsschutz. Sie dürfen weiterhin ohne Meisterbrief arbeiten. Achtung: Der Bestandsschutz kann bei wesentlichen Änderungen der Gesellschafterstruktur oder Unternehmensleitung erlöschen.

📊 Evaluierung 2025: Meisterpflicht bestätigt

Die 5-Jahres-Evaluierung der wiedereingeführten Meisterpflicht ergab: 70–80 % der Schadensfälle in der meisterfreien Phase (2004–2020) wurden von Betrieben ohne Meisterqualifikation verursacht. Die Schadenshöhe lag bei Nicht-Meisterbetrieben deutlich über dem Durchschnitt. Quelle: RS Fachverband / BMWK.

Vier Wege in die Selbstständigkeit

Weg Voraussetzungen Kosten Dauer
R&S-Meister Gesellenprüfung R&S-Mechatroniker oder verwandter Beruf 5.000 – 10.000 € 12–18 Monate (VZ) / 2–3 Jahre (TZ)
Altgesellenregelung (§ 7b HwO) 6 Jahre Berufserfahrung, 4 in leitender Stellung 500 – 1.500 € 3–6 Monate
Technischer Betriebsleiter Anstellung eines R&S-Meisters 36.000 – 50.000 €/Jahr Sofort möglich
Bestandsschutz Gründung zwischen 2004 und 14.02.2020 nachweisbar Keine Zusatzkosten Sofort

Vier große Trends treiben die Nachfrage nach Rollladen- und Sonnenschutztechnik:

☀️ Sommerlicher Wärmeschutz (GEG)

Das GEG fordert zunehmend Nachweise für den sommerlichen Wärmeschutz nach DIN 4108-2. Außenliegende Verschattung (Raffstoren, Rollläden) ist die effektivste Maßnahme – und oft der wirtschaftlichste Weg zur GEG-Konformität.

🏠 Smart Home & Automatisierung

Motorisierte Rollläden und Raffs mit KNX, Homematic, Loxone oder Funk-Steuerung (Somfy, Rademacher) sind Standard im Neubau. Integration in Smart-Home-Systeme ist ein Premium-Service.

🔒 Einbruchschutz

Widerstandsfähige Rollläden (RC2/RC3) werden von der KfW-Förderung für Einbruchschutz (455-E) gefördert. Sicherheitsbewusste Eigenheimbesitzer investieren verstärkt in Rollläden mit Hochschiebesicherung und Alarmkontakten.

🌡️ Klimawandel

Häufigere Hitzeperioden machen Außenverschattung vom Komfort-Feature zur Notwendigkeit. Wer keine Klimaanlage will, braucht Sonnenschutz – das treibt die Nachfrage im Bestand massiv an.

3. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Gründung als R&S-Techniker

Die Gründung dauert 2–4 Monate – die Maschinenausstattung ist moderat, die Werkstatt-Anforderungen überschaubar.

Schritt 1: Meisterbrief oder Ausnahme sichern

  • Meisterkurs: Teile I+II ca. 4.400–4.600 €, Teil III ca. 1.400 €, Teil IV ca. 600 € = Gesamt ca. 6.400–6.600 €
  • Aufstiegs-BAföG: Bis 75 % Zuschuss auf Kursgebühren
  • Meistergründungsprämie: 7.500–15.000 € je nach Bundesland
  • RS Fachverband: Bietet Meisterkurse und Weiterbildung an – wichtige Anlaufstelle

Schritt 2: Businessplan & Positionierung

  • Positionierung: Neubau (Bauträger) vs. Sanierung (Endkunde)? Privat vs. Objekt/Gewerbe?
  • Stundensatz: 52–75 € netto/Stunde, mit Smart-Home-Kompetenz deutlich mehr. Stundensatzrechner
  • Mischkalkulation: Produktverkauf (Material-Marge 30–50 %) + Montagedienstleistung + Service/Wartung = drei Umsatzquellen
  • Saisonalität: Hochsaison März–Oktober (Markisen, Sonnenschutz), Wintersaison für Rollladenreparaturen und Einbruchschutz

Schritt 3: Werkstatt & Maschinen

  • Werkstatt: 40–80 m² für Konfektionierung und Lager – oft reicht eine Garage oder Lagerhalle
  • Konfektionierungsmaschine: Lamellenschnitt, Endleisten, Aufhängung – 3.000–15.000 €
  • Elektrowerkzeug: Bohrmaschine SDS-Plus, Akkuschrauber, Kappsäge, Stichsäge – 2.000–5.000 €
  • Spezialwerkzeug: Montagehilfen, Wickelwellen-Werkzeug, Profilschneider – 1.000–3.000 €
  • Smart-Home-Werkzeug: KNX-Programmiergerät, Funkprogrammiergerät (Somfy TaHoma, io homecontrol) – 500–2.000 €
  • Transporter: Sprinter o. ä. mit langem Radstand (für 3–5 m Markisenprofilen) – 15.000–35.000 €

Schritt 4: Handwerkskammer – Handwerksrolle

  • Meisterbrief / Ausübungsberechtigung und Personalausweis vorlegen
  • Eintragung in die Handwerksrolle (120–300 €)
  • RS Fachverband (Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e. V.): Mitgliedschaft dringend empfohlen – Zugang zu Schulungen, Normen, Brancheninformationen

Schritt 5: Gewerbe, Finanzamt, Berufsgenossenschaft

  • Gewerbeanmeldung: 20–65 €
  • Finanzamt: Steuerliche Erfassung über ELSTER
  • BG ETEM (Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse): Zuständige BG – Pflichtanmeldung
  • Keine SOKA-BAU: R&S-Techniker gehören nicht zum Bauhauptgewerbe

Schritt 6: Versicherungen

  • Betriebshaftpflicht: Min. 3 Mio. € – Montage an Fassade, Dach, Höhenarbeit
  • Gewährleistungsversicherung: Motorausfälle, undichte Kastenblende, Windschäden treten oft erst nach Monaten/Jahren auf
  • BU-Versicherung: Höhenarbeit, schwere Bauteile – BU ist essenziell
  • Kfz-Versicherung: Transporter ist Ihr wichtigstes Betriebsmittel

4. Gründungskosten: Moderate Investition

Rollladen- und Sonnenschutztechnik gehört zu den mittelteuren Handwerken bei den Gründungskosten – die Hauptinvestition sind Transporter und Konfektionierungsmaschinen.

Kostenposition Solo / Kleinbetrieb Mittlerer Betrieb (3–5 MA)
Meisterprüfung 5.000 – 10.000 € (vor BAföG) 5.000 – 10.000 €
Konfektionierung & Maschinen 3.000 – 10.000 € 10.000 – 25.000 €
Elektro- & Spezialwerkzeug 2.000 – 5.000 € 5.000 – 12.000 €
Smart-Home-Equipment 500 – 2.000 € 2.000 – 5.000 €
Fahrzeug (Transporter) 10.000 – 25.000 € 20.000 – 45.000 €
Werkstatt / Lager (6 Mon.) 2.000 – 6.000 € 5.000 – 15.000 €
Ausstellungsmuster 1.000 – 4.000 € 3.000 – 10.000 €
HWK + Gewerbe + BG ETEM 400 – 700 € 400 – 700 €
Versicherungen (1. Jahr) 2.000 – 4.000 € 4.000 – 10.000 €
Software + Marketing 1.500 – 4.000 € 3.000 – 8.000 €
Gesamt (ohne Meisterprüfung) 25.000 – 65.000 € 55.000 – 140.000 €

💰 Kosten senken: Strategien für R&S-Gründer

  • Start ohne eigene Konfektionierung: Bestellen Sie anfangs Rollläden, Raffstoren und Markisen fertig konfektioniert beim Hersteller/Großhändler (z. B. ROMA, Warema, Reflexa, Hella). Eigene Konfektionierung erst ab Stückzahlen >100/Jahr rentabel
  • Reparatur-Fokus: Rollladenreparaturen (Gurt, Motor, Endleiste) brauchen fast keine Maschinen – Direkteinstieg mit Werkzeugkoffer und Transporter
  • Partnermodell Fenster: Kooperation mit Fensterbaubetrieben – Rollläden mitliefern und montieren als Subunternehmer
  • Betriebsübernahme: Viele ältere R&S-Meister suchen Nachfolger – Kundenstamm und Wartungsverträge übernehmen

5. Produktwissen: Systeme im Überblick

Jeder R&S-Techniker muss die gängigen Systeme beherrschen und beraten können:

System Einsatz Preis ca. (inkl. Montage) Marge
Vorbaurollladen Nachrüstung, Sanierung, Einbruchschutz 400 – 900 €/Fenster 30–40 %
Aufsatzrollladen Neubau, integriert im Fensterrahmen 350 – 700 €/Fenster 25–35 %
Raffstore / Außenjalousie Premium, Lichtlenkung, Büro/Gewerbe 600 – 1.500 €/Fenster 35–45 %
Markise (Gelenkarm) Terrasse, Balkon, Gastro-Außenbereich 1.500 – 5.000 €/Stück 30–45 %
Zipscreen / Textilscreen Großflächen, modern, windstabil, Fassade 800 – 2.500 €/Stück 35–50 %
Wintergartenbeschattung Innen oder außen, Spezialformen 2.000 – 8.000+ € 40–55 %

Praxis-Tipp: Vorbaurollläden für die Sanierung sind das Brot-und-Butter-Geschäft (60 % aller Aufträge eines typischen R&S-Betriebs). Raffstoren und Zipscreens sind das Wachstumssegment mit höheren Margen. Mehr zur Rollladenkasten-Technik.

6. Die 6 lukrativsten Spezialisierungen

1. Smart Home & Gebäudeautomation

Die profitabelste Zukunftsnische: Motorisierte Rollläden und Raffstoren in Smart-Home-Systeme integrieren (KNX, Loxone, Homematic, io homecontrol, Z-Wave). Programmierung von Szenarien (Sonnennachführung, Dämmerungsautomatik, Abwesenheitssimulation). Aufschlag: 30–50 % auf den Grundpreis. Kunden: Bauherren, Smart-Home-Integratoren, Elektrobetriebe als Partner. Mehr: Smart Home nachrüsten.

2. Einbruchschutz (KfW-gefördert)

Widerstandsfähige Rollläden nach DIN EN 1627 (RC2/RC3) mit Hochschiebesicherung, verstärkten Führungsschienen und Alarmkontakten. KfW-Förderung 455-E (bis 1.600 €/Wohneinheit) als Verkaufsargument. Polizeiliche Empfehlung stärkt die Nachfrage. Auftragswerte: 2.000–10.000 € pro Wohneinheit.

3. Raffstoren & Fassaden-Sonnenschutz

Außenliegende Raffstoren mit Lamellen-Lichtlenkung für Bürogebäude, Arztpraxen, öffentliche Gebäude. DIN 4108-2 (sommerlicher Wärmeschutz) als Pflicht im Neubau treibt die Nachfrage. Auftragswerte: 10.000–100.000+ € bei Objektprojekten. Hersteller: Warema, ROMA, Hella, Griesser.

4. Markisen & Terrassendächer

Gelenkarm-Markisen, Kassettenmarkisen, Pergola-Markisen und Terrassendächer mit integrierter Beschattung. Hochsaison: März–Juli. Tipp: Wintergärten als Querschnittsthema – Außenbeschattung + Innenbeschattung + Seitenmarkisen = hohe Auftragswerte (3.000–10.000+ €). Kunden: Privathaushalte, Gastronomie, Hotels.

5. Rollladenreparatur & Sanierung

Das margenstärkste Einstiegssegment: Gurtwickler tauschen, Motoren nachrüsten, Lamellen ersetzen, Rollladenkästen dämmen. Kein Materialeinkauf im Voraus, sofortige Bezahlung, hoher Stundensatz (60–80 €/h). Perfekt für den Solo-Einstieg. Tipp: Google-Ads auf „Rollladenreparatur [Stadt]" – extremes Suchvolumen!

6. Insektenschutz & Verdunkelungssysteme

Spannrahmen, Plissee-Insektenschutz, Rollosysteme für Dachfenster, Verdunkelungsrollos für Schlafzimmer. Geringere Margen pro Einheit, aber hohe Stückzahlen und einfache Montage. Ideale Ergänzung zum Kerngeschäft mit minimalem Aufwand.

7. Marketing & Kundengewinnung

Google & lokale Suche

„Rollladenreparatur [Stadt]", „Markise kaufen [Region]", „Raffstoren nachrüsten" – extrem hohes lokales Suchvolumen mit klarer Kaufabsicht. Google Unternehmensprofil mit Projektfotos pflegen. Branchenportale nutzen.

Ausstellung & Musterkoffeer

Sonnenschutz ist ein Anfass-Produkt: Kunden wollen Stoffe fühlen, Lamellen bedienen, Motoren hören. Ein mobiler Musterkoffer mit Stoff- und Lamellenmustern, Motorbeispielen und einem iPad mit Visualisierungstool ist Gold wert. Optional: Kleiner Showroom (ab 20 m²) am Betriebsstandort.

Kooperationen

Die stärksten Partner für R&S-Techniker:

  • Fensterbauer: Rollladen + Fenster als Paket – gegenseitige Empfehlung
  • Elektriker: Smart-Home-Integration, KNX-Programmierung
  • Architekten & Planer: Sonnenschutzkonzepte für GEG-Nachweis
  • Hausverwaltungen: Wartungsverträge für Mehrfamilienhäuser

Wartungsverträge: Wiederkehrender Umsatz

Motorisierte Anlagen (Rollläden, Raffstoren, Markisen) brauchen regelmäßige Wartung: Funktionsprüfung, Reinigung, Schmierung, Endlagenanpassung. Ein Wartungsvertrag (80–150 €/Jahr pro Wohneinheit) schafft planbaren, wiederkehrenden Umsatz und Kundenbindung. Ideales Wintergeschäft.

8. Die 7 häufigsten Fehler bei der R&S-Gründung

❌ Fehler 1: Keine Windlastberechnung

Markisen und Raffstoren sind Wind-Bauteile. Ohne korrekte Windlastberechnung (DIN EN 13561 für Markisen, DIN EN 13659 für Rollläden/Raffstoren) riskieren Sie: Sturmschäden, Gewährleistungsklagen und Versicherungsprobleme. Immer die Windzone und Gebäudehöhe ermitteln und dokumentieren!

❌ Fehler 2: Elektrische Anschlüsse ohne Qualifikation

Motorisierte Rollläden brauchen 230V-Anschluss. Die Festinstallation (Zuleitung legen, Sicherung setzen) darf nur ein Elektriker durchführen! Der R&S-Techniker darf den Motor anschließen (Steckklemmen), aber nicht die Elektroinstallation erweitern. Klären Sie die Abgrenzung – oder bilden Sie sich zum Elektrofachbetriebler weiter.

❌ Fehler 3: Nur auf Neubau setzen

Neubau-Aufträge sind groß, aber abhängig von Konjunktur und Bauträgern. Das Sanierungs- und Reparaturgeschäft (Vorbaurollläden nachrüsten, Motoren austauschen, Markisen erneuern) ist konjunkturunabhängig und margenstärker. Mindestens 40 % Umsatz im Bestandsmarkt anstreben.

❌ Fehler 4: Smart Home ignorieren

Wer 2026 noch nur manuelle Gurtwickler anbietet, verliert Kunden. Mindestens Funk-Motorisierung (Somfy, Rademacher) und einfache App-Steuerung müssen Sie beherrschen. Wer zusätzlich KNX/Loxone kann, verdient 30–50 % Aufschlag auf jeden Auftrag.

❌ Fehler 5: Saisonalität nicht einplanen

Markisen und Sonnenschutz haben eine extreme Saisonalität: 70 % der Aufträge fallen in März–Juli. Wer im Winter keine Reparaturen, Einbruchschutz-Projekte oder Wartungsverträge hat, hat 4 Monate Umsatzloch. Planen Sie Wintergeschäft aktiv!

❌ Fehler 6: Falsche Montageuntergrund-Analyse

Vorbaurollläden und Markisen werden an die Fassade geschraubt – aber welche Fassade? WDVS (Styropor), Hohlziegel, Ytong, Beton erfordern völlig unterschiedliche Dübel und Befestigungen. Falsche Befestigung = herabstürzende Rollläden oder Markisen = Personenschaden + Haftung. Immer den Untergrund prüfen und dokumentieren!

❌ Fehler 7: Keine Wartungsverträge verkaufen

Wartungsverträge sind der unterschätzte Umsatzbringer: Planbar, wiederkehrend, während der Wartung fallen Zusatzaufträge auf (kaputte Lamelle, neuer Motor, Sensorik-Update). Wer nach der Erstmontage nicht aktiv Wartungsverträge anbietet, verschenkt 10–20 % Jahresumsatz.

9. Verdienstpotenzial: Was verdient ein selbstständiger R&S-Techniker?

Kennzahl Solo / Kleinbetrieb Mittlerer Betrieb (3–5 MA)
Stundensatz (netto) 52 – 75 € 60 – 85 €
Durchschn. Auftragswert 800 – 5.000 € 3.000 – 50.000 €
Jahresumsatz 80.000 – 200.000 € 250.000 – 800.000 €
Gewinnmarge 25 – 40 % 12 – 22 %
Inhabereinkommen (netto, geschätzt) 3.000 – 6.500 €/Monat 4.500 – 12.000 €/Monat

Die höchsten Margen erzielen: Reparaturen (kein Materialeinkauf!), Smart-Home-Integration (Know-how-Aufschlag), Wintergartenbeschattung (hochpreisig, wenig Wettbewerb) und Objektprojekte (Raffstoren für Bürogebäude). Tipp: Stundensatzrechner für Ihre persönliche Kalkulation.

10. FAQ – Häufige Fragen zur R&S-Gründung

Ist Rollladen- und Sonnenschutztechniker meisterpflichtig?

Ja! Seit Februar 2020 ist das Handwerk wieder meisterpflichtig (Anlage A HwO). Bestandsschutz gilt für Betriebe, die 2004–2020 ohne Meister gegründet wurden. Neugründungen brauchen den Meister, eine Ausnahmegenehmigung oder einen angestellten Meister.

Darf ich als R&S-Techniker elektrische Anschlüsse machen?

Eingeschränkt: Den Motor in die vorhandene Dose anschließen (Steckklemmen) dürfen Sie. Die Festinstallation (Zuleitung legen, Sicherung setzen, Verdrahtung im Verteiler) ist Sache des Elektrikers. Viele R&S-Betriebe kooperieren mit einem Elektriker oder lassen Mitarbeiter zur Elektrofachkraft weiterbilden.

Welche BG ist zuständig?

Die BG ETEM (Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse) ist die zuständige Berufsgenossenschaft für Rollladen- und Sonnenschutztechniker. Keine BG BAU, keine SOKA-BAU! Die BGETEM-Beiträge sind moderat.

Was ist der RS Fachverband?

Der Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e. V. (RS Fachverband) ist die zentrale Branchenorganisation. Mitgliedschaft bietet: Meisterkurse, technische Normen, Brancheninformationen, Marketingmaterial und Netzwerk. Dringend empfohlen für jeden R&S-Betrieb.

Wie gehe ich mit der Saisonalität um?

Klassische Strategie: Frühjahr/Sommer = Markisen, Sonnenschutz, Neubau-Montagen. Herbst/Winter = Rollladenreparaturen, Einbruchschutz-Nachrüstung, Wartungsverträge abarbeiten. Wer alle vier Segmente bedient, hat ganzjährig Auslastung.

Lohnt sich eigene Konfektionierung?

Erst ab 100+ Rollläden/Jahr. Darunter bestellen Sie besser fertig konfektioniert beim Hersteller (ROMA, Warema, Reflexa). Vorteil eigene Konfektionierung: Schnellere Lieferzeiten, höhere Marge, flexiblere Sondermaße. Nachteil: Investition 10.000–25.000 € und Platzbedarf.

Kann ich R&S mit Fensterbau kombinieren?

Ja – viele Fensterbauer bieten Rollläden und Sonnenschutz als Zusatzleistung an. Aber Achtung: Für den R&S-Anteil brauchen Sie den R&S-Meister oder eine Ausnahme. Umgekehrt können Sie als R&S-Meister keine Fenster montieren (das ist ein anderes Handwerk). Kooperation ist oft die bessere Lösung.

11. Gründungs-Checkliste Rollladen- und Sonnenschutztechniker

✅ Vollständige Checkliste für R&S-Gründer

Qualifikation & Formales

  • ☐ R&S-Meister / Ausübungsberechtigung
  • ☐ Ggf. Bestandsschutz-Nachweis (2004–2020)
  • ☐ Eintragung Handwerksrolle (HWK)
  • ☐ Gewerbeanmeldung
  • ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
  • ☐ BG ETEM Anmeldung
  • ☐ Betriebshaftpflicht (min. 3 Mio. €)
  • ☐ Gewährleistungsversicherung
  • ☐ BU-Versicherung
  • ☐ RS Fachverband Mitgliedschaft prüfen

Ausstattung & Marketing

  • ☐ Transporter (langer Radstand)
  • ☐ Elektro- & Spezialwerkzeug
  • ☐ Smart-Home-Programmiergeräte
  • ☐ Musterkoffer (Stoffe, Lamellen, Motoren)
  • ☐ Hersteller-Partnerschaft (ROMA, Warema etc.)
  • ☐ Windlast-Rechner / Software
  • Website mit Projektfotos
  • Google Profil
  • ☐ Wartungsvertrag-Vorlage erstellen
  • ☐ Kooperation mit Fensterbauer + Elektriker

🔗 Fensterbau & Sonnenschutz: Zwei Gewerke, ein Markt

In der Praxis sind Fensterbau und Sonnenschutz mittlerweile kaum noch zu trennen. Immer mehr Fensterbaubetriebe bieten Rollläden, Raffstoren und Markisen als festen Bestandteil ihres Portfolios an – weil Kunden Fenster und Sonnenschutz aus einer Hand erwarten. Wer ein neues Fenster kauft, bestellt den Rollladen oder Raffstore direkt mit. Umgekehrt kooperieren reine R&S-Betriebe eng mit Fensterbauern, um Komplettpakete anbieten zu können.

Ein Beispiel dafür ist Meylen Fensterbau (Sonnenschutz-Sortiment) – ein Fensterbaubetrieb, der Sonnenschutz als integralen Bestandteil seines Angebots führt. Dieses Modell zeigt den Trend: Fenster + Sonnenschutz = Komplettlösung. Für Gründer bedeutet das: Ob Sie als R&S-Techniker starten oder als Fensterbauer – die Kombination beider Gewerke ist der stärkste Marktansatz.

Der Rollladen- und Sonnenschutztechniker ist ein Zukunftshandwerk mit vier starken Wachstumstreibern: GEG/Klimaschutz, Smart Home, Einbruchschutz und Klimawandel. Die wiedereingeführte Meisterpflicht schützt den Markt vor Billigkonkurrenz. Wer Reparatur, Neubau, Smart Home und Wartungsverträge kombiniert, baut ein saisonunabhängiges, margenstarkes Unternehmen.

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