Zum Inhalt springen
allgemein14 Min. Lesezeit

Handwerk-Zukunft: 10 Gewerke mit bester Perspektive

Welche Handwerksberufe bis 2035 boomen und welche schrumpfen. Zukunftssichere Gewerke mit den besten Chancen.

R

Redaktion handwerk.cloud

12. Februar 2026

Geprüfte Fachbetriebe🔒Sichere Daten (SSL)💯Kostenlos & unverbindlich4,8/5 Kundenbewertung

Es gibt einen Satz, den jeder Handwerker in den letzten Jahren gehört hat: „Handwerk hat goldenen Boden." Aber stimmt das wirklich — für alle Gewerke? Oder boomen nur bestimmte Bereiche, während andere schrumpfen?

Wir haben uns die Daten angeschaut: Auftragslage, politische Treiber, Fachkräftemangel, Gehaltstabellen und Automatisierungsrisiko. Das Ergebnis: 10 Gewerke, die in den nächsten 10 Jahren nicht nur überleben, sondern boomen werden.

Warum gerade jetzt die goldene Ära des Handwerks beginnt

Drei Megatrends treffen gleichzeitig aufeinander — und alle drei sind gut fürs Handwerk:

🌍

1. Die Energiewende

6 Millionen Wärmepumpen bis 2030, 215 GW Photovoltaik, 15 Millionen E-Autos. Für jedes einzelne dieser Ziele braucht Deutschland Handwerker — und zwar hunderttausende.

👴

2. Der Babyboomer-Abgang

20 % der Handwerker sind zwischen 55 und 64 Jahren alt. Bis 2030 gehen sie in Rente — und hinterlassen 250.000+ offene Stellen, die besetzt werden müssen.

🏚️

3. Der Sanierungsstau

Über 40 Millionen Wohneinheiten in Deutschland, davon über 70 % vor 1990 gebaut. Die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) verlangt die Sanierung der schlechtesten 15 % bis 2033. Das sind Millionen von Aufträgen.

Wer jetzt ins Handwerk geht oder sich spezialisiert, steigt in einen Markt ein, der jahrzehntelang wachsen wird. Hier sind die 10 Gewerke mit dem größten Potenzial:

🥇 Platz 1: Anlagenmechaniker SHK — der Klimaretter

Zukunfts-Score ⭐⭐⭐⭐⭐ (10/10)
Gehalt (Meister, angestellt) 53.800–60.300 € brutto/Jahr
Gehalt (selbstständig) 90.000–100.000 €+ Jahresüberschuss
Fehlende Fachkräfte 60.000 Monteure allein für Wärmepumpen
KI-Risiko Annähernd 0 %
Politische Treiber GEG, 6 Mio. Wärmepumpen bis 2030, CO₂-Preis, EU-Sanierungspflicht

Der SHK-Bereich ist das Klimahandwerk Nr. 1. Die Bundesregierung will 500.000 neue Wärmepumpen pro Jahr installieren. Aktuell liegen wir bei ~300.000. Gleichzeitig gehen 20 % der bestehenden SHK-Fachkräfte bis 2030 in Rente. Das Ergebnis: Wer SHK lernt, hat lebenslange Jobgarantie.

Studien prognostizieren, dass allein der Wärmepumpen-Ausbau über 1 Million zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland schaffen könnte.

🥈 Platz 2: Elektroniker — der Alleskönner der Zukunft

Zukunfts-Score ⭐⭐⭐⭐⭐ (10/10)
Gehalt (Meister, angestellt) 50.000–55.000 € brutto/Jahr
Gehalt (selbstständig) 80.000–120.000 €+ Jahresüberschuss
Wachstumstreiber E-Mobilität, PV, Wallboxen, Smart Home, Gebäudeautomation
KI-Risiko Annähernd 0 %
PV-Ziel Bund 215 GW bis 2030 (aktuell: ~107 GW – muss sich verdoppeln)

Der Elektroniker ist das vielseitigste Zukunftsgewerk. Jede Wärmepumpe braucht einen Elektriker. Jede Wallbox. Jede PV-Anlage. Jedes Smart-Home-System. Die Bundesregierung will 15 Millionen E-Autos bis 2030 — für jedes braucht es Ladeinfrastruktur. Und der Smart-Home-Markt wächst von 3 % auf 30 % Marktdurchdringung bis 2030.

Die Digital- und Elektroindustrie könnte bis 2035 ihre Wertschöpfung verdoppeln. Wer heute Elektroniker lernt, lernt den Beruf der Zukunft.

🥉 Platz 3: Dachdecker — Sanierung + Solar = Dauerboom

Zukunfts-Score ⭐⭐⭐⭐⭐ (9/10)
Gehalt (Meister, angestellt) 50.000–56.100 € brutto/Jahr
Gehalt (selbstständig) 70.000–100.000 €+ Jahresüberschuss
Azubi-Trend Steigend — eines der wenigen Gewerke mit Wachstum
KI-Risiko 0 %
Politische Treiber EU-EPBD Sanierungspflicht, PV-Ausbau, NRW-Solarpflicht

Das Dachdeckerhandwerk erlebt einen stillen Boom. Während der Neubau stagniert, explodiert die Sanierungsnachfrage: Jedes Dach, das gedämmt oder erneuert wird, braucht einen Dachdecker. Jede PV-Anlage auf einem Bestandsdach braucht einen Dachdecker. Die Ausbildung wurde 2025 um Klimaanpassung und erneuerbare Energien erweitert — das Gewerk hat sich klar für die Zukunft aufgestellt.

4. Zimmerer — Holzbau als Antwort auf die Klimakrise

Zukunfts-Score ⭐⭐⭐⭐ (9/10)
Gehalt (Meister) 45.000–49.400 € / selbstständig: 70.000–110.000 €+
Wachstumstreiber CO₂-Bilanz Holz, serielles Sanieren, Aufstockung, Nachhaltigkeit
KI-Risiko 0 %

Holz bindet CO₂, ist nachwachsend und wird als Baustoff politisch massiv gefördert. Serielles Sanieren — vorgefertigte Holzrahmen-Fassadenelemente, die alte Gebäude in wenigen Tagen dämmen — wird in den nächsten Jahren zum Standardverfahren. Zimmerer, die CNC-gesteuerte Abbundmaschinen bedienen und Holzrahmenbau beherrschen, sind bereits jetzt kaum zu bekommen.

5. Kälte- und Klimatechnik — der unsichtbare Wachstumsmarkt

Zukunfts-Score ⭐⭐⭐⭐ (8/10)
Gehalt (Meister) 50.000–58.000 € / selbstständig: 80.000–100.000 €+
Wachstumstreiber Klimawandel, Hitzewellen, Wärmepumpen (= Kältemaschinen), Rechenzentren
KI-Risiko 0 %

Die Sommer in Deutschland werden heißer. 2025 hatte Deutschland den zweitheißesten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Klimaanlagen in Wohngebäuden explodieren als Markt — und wer eine Wärmepumpe installieren kann, kann auch Klimatechnik. Dazu kommen Rechenzentren, die riesige Kühlanlagen brauchen. Ein Nischengewerk, das zum Mainstream wird.

6. Gerüstbauer — ohne sie geht nichts

Zukunfts-Score ⭐⭐⭐⭐ (8/10)
Gehalt 38.000–48.000 € / Meister: 55.000 €+ / selbstständig: 80.000 €+
Wachstumstreiber Sanierungswelle — jede Fassaden-, Dach- und PV-Arbeit braucht ein Gerüst
KI-Risiko 0 %

Ein Gewerk, an das niemand denkt — das aber für jede Sanierung unverzichtbar ist. Keine Fassadendämmung ohne Gerüst. Keine PV-Installation auf Steildächern ohne Gerüst. Keine Dachsanierung ohne Gerüst. Die Sanierungswelle, die durch die EU-EPBD kommt, wird Gerüstbauer zu den am meisten gefragten Handwerkern machen. Und: Die Einstiegshürde ist niedrig — die Ausbildung dauert nur 3 Jahre.

7. Maler und Lackierer — Energetische Sanierung als neues Kerngeschäft

Zukunfts-Score ⭐⭐⭐⭐ (7/10)
Gehalt (Meister) 42.000–50.000 € / selbstständig: 60.000–90.000 €+
Wachstumstreiber WDVS (Wärmedämmverbundsysteme), Fassadensanierung, Bestandsschutz
KI-Risiko 0 %

Maler und Lackierer sind längst mehr als „Wände streichen". Wer sich auf Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) spezialisiert, erledigt einen der wichtigsten Teile der energetischen Sanierung — die Außendämmung. Mit der EU-Sanierungspflicht für die schlechtesten Gebäude wird dieses Spezialgebiet auf Jahre ausgebucht sein.

8. Maurer und Betonbauer — Infrastruktur + Sanierung

Zukunfts-Score ⭐⭐⭐⭐ (7/10)
Ausbildungsvergütung Bis 1.610 €/Mo im 3. Jahr — höchste aller Gewerke
Wachstumstreiber Brücken-Sanierung, Infrastruktur-Investitionsstau, sozialer Wohnungsbau
KI-Risiko ~5 % (Drohnenaufnahmen für Inspektion, sonst manuell)

Deutschland hat einen Infrastruktur-Investitionsstau von über 150 Milliarden Euro. Tausende Brücken müssen saniert werden, der soziale Wohnungsbau soll massiv ausgeweitet werden, und die Sanierung von Bestandsgebäuden erfordert oft Rohbauarbeiten. Maurer und Betonbauer verdienen in der Ausbildung am besten von allen Gewerken — bis zu 1.610 € im dritten Lehrjahr.

9. Mechatroniker für Kältetechnik — die Nische mit Explosionspotenzial

Zukunfts-Score ⭐⭐⭐⭐ (8/10)
Gehalt 40.000–55.000 € / Spezialist: 60.000 €+
Wachstumstreiber Wärmepumpen-Wartung, Supermarkt-Kühlung, Industrie-Klima, Rechenzentren
KI-Risiko ~5 % (Monitoring ja, Reparatur nein)

6 Millionen Wärmepumpen bis 2030 — die müssen alle auch gewartet und repariert werden. Ein Mechatroniker für Kältetechnik ist der „Arzt der Wärmepumpe". Aktuell gibt es in Deutschland viel zu wenige Fachkräfte in diesem Bereich. Wer diese Nische besetzt, hat die Auftragsbücher auf Jahre voll.

10. Garten- und Landschaftsbau — Klimaanpassung im Freien

Zukunfts-Score ⭐⭐⭐ (7/10)
Gehalt (Meister) 40.000–50.000 € / selbstständig: 60.000–100.000 €+
Wachstumstreiber Entsiegelung, Schwammstadt, Dachbegrünung, Regenwassermanagement
KI-Risiko ~5 % (Planungs-KI möglich, Ausführung manuell)

Der GaLaBau profitiert von einem neuen Megatrend: Klimaanpassung in Städten. Entsiegelung von Flächen, Schwammstadt-Konzepte, Dachbegrünungen (teils Pflicht bei Neubauten), Fassadenbegrünungen und Regenwassermanagement — all das sind Aufgaben für Landschaftsgärtner. Kommunen investieren Milliarden. Dazu kommt der klassische Privatkundenmarkt, der stabil bleibt.

Die große Übersicht: 10 Zukunftsgewerke im Vergleich

Rang Gewerk Haupttreiber Meister-Gehalt KI-Risiko Score
🥇 SHK (Anlagenmechaniker) Wärmepumpe, GEG, Sanierung 53–60k ~0 % 10/10
🥈 Elektroniker E-Mobilität, PV, Smart Home 50–55k ~0 % 10/10
🥉 Dachdecker PV-Montage, Sanierungspflicht 50–56k 0 % 9/10
4 Zimmerer Holzbau, serielles Sanieren 45–49k 0 % 9/10
5 Kälte-/Klimatechnik Klimawandel, Rechenzentren 50–58k 0 % 8/10
6 Gerüstbauer Sanierungswelle, PV-Montage 48–55k 0 % 8/10
7 Maler/Lackierer WDVS, Fassadensanierung 42–50k 0 % 7/10
8 Maurer/Betonbauer Infrastruktur, Wohnungsbau 45–55k ~5 % 7/10
9 Mechatroniker Kälte WP-Wartung, Industrie 40–55k ~5 % 8/10
10 GaLaBau Entsiegelung, Schwammstadt 40–50k ~5 % 7/10

Was alle 10 Gewerke gemeinsam haben

  • KI kann sie nicht ersetzen: Man kann keine Heizung per Algorithmus installieren, kein Dach per Chatbot decken und keinen Garten per KI anlegen. Handwerk bleibt manuell — und genau das macht es zukunftssicher.
  • Politische Rückendeckung: GEG, EU-EPBD, CO₂-Preis, Masterplan Ladeinfrastruktur, KfW-Förderung — die Politik hat sich festgelegt. Diese Gewerke werden jahrzehntelang gefördert und gebraucht.
  • Fachkräftemangel = Verhandlungsmacht: Wer eine Ausbildung in diesen Bereichen hat, kann sich seinen Arbeitgeber aussuchen, über Gehalt verhandeln und hat die Sicherheit, dass er immer einen Job findet.
  • Selbstständigkeit möglich: In jedem dieser 10 Gewerke kann man mit dem Meisterbrief (oder in manchen ohne) einen eigenen Betrieb gründen — mit sechsstelligem Einkommenspotenzial.

Was Sie tun können — egal in welchem Alter

🎓

Schulabgänger (15–18):

Eine Ausbildung in einem der 10 Gewerke starten. Ab Tag 1 Geld verdienen, nach 3 Jahren Gesellenbrief, nach 5–6 Jahren Meister möglich. Warum das oft klüger ist als Studium →

🔄

Quereinsteiger (25–45):

Umschulung über die Agentur für Arbeit (wird oft komplett gefördert). Besonders SHK und Elektro suchen händeringend auch Quereinsteiger mit technischem Verständnis.

📈

Bestehende Handwerker:

Spezialisierung auf Zukunftsthemen: Wärmepumpen-Zertifizierung, PV-Installation, Smart-Home-Integration, F-Gase-Schein. Jede Spezialisierung erhöht den Stundensatz um 10–20 €.

🏠

Eigenheimbesitzer:

Einen dieser Berufe lernen heißt auch: Am eigenen Haus alles selbst machen können. Heizung, Elektrik, Dach, Garten — Lifetime-Ersparnis: 150.000 €+. Mehr dazu →

Häufige Fragen

Welches Handwerk hat die beste Zukunft?

SHK (Anlagenmechaniker) und Elektroniker haben das höchste Zukunftspotenzial. Beide werden durch Energiewende, GEG, E-Mobilität und Smart Home angetrieben. Allein für den Wärmepumpen-Ausbau fehlen 60.000 Monteure.

Kann KI Handwerker ersetzen?

Nein. KI kann bei Planung, Kalkulation und Dokumentation unterstützen, aber keine Heizung installieren, kein Dach decken und keine Wand mauern. Handwerk ist eine der KI-sichersten Berufsgruppen überhaupt.

Wie viel verdient man in Zukunftsgewerken?

Als angestellter Meister 45.000–60.000 € brutto/Jahr. Selbstständig mit eigenem Betrieb: 70.000–120.000 €+ Jahresüberschuss, je nach Gewerk und Region.

Wie viele Handwerker fehlen in Deutschland?

Aktuell fehlen rund 250.000 Fachkräfte im Handwerk. Bis 2030 wird sich die Lücke durch den Babyboomer-Abgang weiter vergrößern — allein für die Energiewende werden hunderttausende zusätzliche Fachkräfte benötigt.

Externe Quellen

Weiterführende Artikel

📤 Artikel teilen:

📚 Weiterlesen