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allgemein14 Min. Lesezeit

Selbstständig als Estrichleger 2026: Wiedereingeführte Meisterpflicht, Estricharten & Gründungskosten

Estrichleger-Betrieb gründen 2026: Die seit 2020 wiedereingeführte Meisterpflicht, Bestandsschutz, Estricharten von Zement bis Gussasphalt, SOKA-BAU, Fließestrich als Wachstumsmarkt und Gründungs-Checkliste.

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Redaktion handwerk.cloud

23. Februar 2026

Geprüfte Fachbetriebe🔒Sichere Daten (SSL)💯Kostenlos & unverbindlich4,8/5 Kundenbewertung

Estrich ist die unsichtbare Grundlage jedes Bodens – und trotzdem eines der am meisten unterschätzten Handwerke. Ohne Estrich kein Parkett, keine Fliesen, keine Fußbodenheizung. Der Estrichleger sorgt dafür, dass jeder Boden eben, tragfähig und belegreif wird. Seit 2020 ist das Estrichlegerhandwerk wieder meisterpflichtig – ein Wendepunkt für die Branche.

Estrichleger haben einen enormen Hebel: In einem Einfamilienhaus werden 100–200 m² Estrich verlegt, in einem Mehrfamilienhaus 500–2.000 m². Wer mit einer Fließestrich-Pumpe arbeitet, schafft 200–400 m² am Tag – ein erheblicher Umsatz pro Arbeitstag. Mehr: Estrich verlegen: Kosten im Überblick.

1. Meisterpflicht: Seit 2020 wiedereingeführt

Das Estrichlegerhandwerk gehört seit dem 14. Februar 2020 wieder zu den zulassungspflichtigen Gewerken nach Anlage A der Handwerksordnung (HwO). Es war eines der 12 Handwerke, deren Meisterpflicht nach der Abschaffung 2004 wiedereingeführt wurde – um Qualität und Verbraucherschutz zu sichern.

⚠️ Bestandsschutz für Alt-Betriebe

Betriebe, die zwischen 2004 und Februar 2020 ohne Meister als Estrichleger gegründet wurden, genießen Bestandsschutz. Sie dürfen weiterhin ohne Meisterbrief arbeiten. Wer nach dem 14. Februar 2020 gründen will, braucht den Meister oder eine der Ausnahmen. Nutzen Sie diese Regelung, falls Sie in diesem Zeitraum gegründet haben!

Vier Wege in die Selbstständigkeit

Weg Voraussetzungen Kosten Dauer
Estrichlegermeister Gesellenprüfung Estrichleger oder verwandter Beruf 5.000 – 10.000 € 12–18 Monate (VZ) / 2–3 Jahre (TZ)
Altgesellenregelung (§ 7b HwO) 6 Jahre Berufserfahrung, 4 in leitender Stellung 500 – 1.500 € 3–6 Monate
Technischer Betriebsleiter Anstellung eines Estrichleger-Meisters 38.000 – 48.000 €/Jahr Sofort möglich
Bestandsschutz Gründung zwischen 2004 und 14.02.2020 nachweisbar Keine Zusatzkosten Sofort

🔧 Praxis-Tipp: Estrichleger + Bodenleger = Komplett-Paket

Einige Betriebe kombinieren Estrichlegen mit Bodenlegen (Bodenleger ist zulassungsfrei nach Anlage B1). Das ermöglicht: Estrich → Schleifen → Bodenbelag – alles aus einer Hand. Der Kunde spart sich die Koordination und Sie erhöhen Ihren Auftragswert pro Baustelle erheblich. Mehr: Bodenbelag Vergleich & Kosten.

2. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Gründung als Estrichleger

Die Gründung dauert 2–5 Monate – die Meisterfrage und die Anschaffung einer Estrichpumpe/-maschine sind die entscheidenden Faktoren.

Schritt 1: Meisterbrief oder Ausnahme sichern

  • Estrichlegermeister-Kurs: Vollzeit 12–18 Monate, Teilzeit 2–3 Jahre
  • Aufstiegs-BAföG: Bis 75 % Zuschuss auf Kursgebühren
  • Meistergründungsprämie: 7.500–15.000 € je nach Bundesland
  • Altgesellenregelung: Arbeitszeugnisse und Nachweise 4 Jahre leitende Stellung sammeln – die HWK prüft genau

Schritt 2: Businessplan & Geschäftsmodell wählen

  • Geschäftsmodelle im Estrichbau:
  • – Klassischer Estrichleger (Zement, Anhydrit, konventionell mit Putzmaschine)
  • – Fließestrich-Spezialist (Pumpen-Verlegung, Calcium-Sulfat, große Flächen)
  • – Design-Estrich / Sichtestrich (Premium-Segment, Wohnungsbau)
  • – Industrieestrich (Hallen, Logistik, Hochbelastungsflächen)
  • Stundensatz: 48–65 € netto/Stunde, bei Fließestrich eher nach m² (20–40 €/m²). Stundensatzrechner
  • Finanzierung: KfW-ERP-Gründerkredit, Bürgschaftsbank, Meistergründungsprämie

Schritt 3: Maschinen & Ausstattung beschaffen

  • Estrichpumpe / Fördermaschine: Die Kernmaschine – konventionell (Putzmaschine, z. B. PFT, Brinkmann) oder Fließestrichpumpe
  • Mischpumpe (Putzmaschine): Gebraucht ab 3.000 €, neu 8.000–25.000 €
  • Fließestrich-Silopumpe: Gebraucht ab 15.000 €, neu 40.000–80.000 €
  • Estrichschleifer / Absaugung: Für Sichtestrich und Nachbearbeitung, 2.000–8.000 €
  • Feuchtemessgerät (CM-Messung): Pflicht für die Belegreifprüfung, 200–800 €
  • Laser-Nivelliergerät: Für exakte Höhenpunkte, 500–2.000 €

Schritt 4: Handwerkskammer – Handwerksrolle

  • Meisterbrief / Ausübungsberechtigung und Personalausweis vorlegen
  • Eintragung in die Handwerksrolle (120–300 €)
  • Innungsmitgliedschaft im Bundesverband Estrich und Belag (BEB) empfohlen

Schritt 5: Gewerbe, Finanzamt, BG BAU, SOKA-BAU

  • Gewerbeanmeldung: 20–65 €
  • Finanzamt: Steuerliche Erfassung über ELSTER
  • BG BAU: Pflichtmitgliedschaft bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft
  • SOKA-BAU: Estrichleger sind SOKA-BAU-pflichtig. Beiträge: ~15 % auf Bruttolöhne (bei Mitarbeitern). Solo-Selbstständige: Mindestbeitrag Berufsbildung ca. 900 €/Jahr

Schritt 6: Versicherungen

  • Betriebshaftpflicht: Min. 3 Mio. € – Estrichschäden (zu früh belegt, falsche Mischung) können teuer werden
  • Gewährleistungsversicherung: Besonders wichtig im Estrichbau – Risse, Hohllagen und Feuchtigkeitsschäden treten oft erst Monate nach der Verlegung auf
  • Maschinenbruchversicherung: Estrichpumpen (40.000–80.000 €) absichern
  • BU-Versicherung: Schwere körperliche Arbeit, Kniebelastung, Staubbelastung

3. Gründungskosten: Moderate Einstiegskosten – außer bei Fließestrich

Die Gründungskosten hängen stark vom Geschäftsmodell ab: Konventioneller Estrich mit Putzmaschine ist günstig, Fließestrich mit Silopumpe deutlich teurer.

Kostenposition Konventionell (1–3 MA) Fließestrich (3–8 MA)
Meisterprüfung 5.000 – 10.000 € (vor BAföG) 5.000 – 10.000 €
Estrichmaschine / Pumpe 3.000 – 15.000 € 25.000 – 80.000 €
Schleifmaschine + Absaugung 1.000 – 4.000 € 3.000 – 10.000 €
Messgeräte (CM, Laser, Feuchte) 500 – 2.000 € 1.500 – 4.000 €
Handwerkzeug (Kellen, Reibebretter, Profilschienen) 500 – 2.000 € 1.500 – 5.000 €
Fahrzeug (Transporter / LKW) 8.000 – 22.000 € 20.000 – 50.000 €
Lager / Werkstatt (6 Mon.) 2.000 – 6.000 € 5.000 – 15.000 €
HWK + Gewerbe + BG BAU 400 – 700 € 400 – 700 €
Versicherungen (1. Jahr) 2.500 – 5.000 € 5.000 – 12.000 €
Software (Kalkulation, Büro) 500 – 1.500 € 1.500 – 4.000 €
Website, Marketing, Beschriftung 1.500 – 4.000 € 3.000 – 8.000 €
Gesamt (ohne Meisterprüfung) 22.000 – 65.000 € 70.000 – 200.000 €

💰 Kosten senken: Strategien für Estrichleger-Gründer

  • Gebrauchte Putzmaschine: PFT G4/G5, Brinkmann und ähnliche Maschinen halten Jahre – gebraucht ab 3.000–8.000 € auf Maschinenbörsen
  • Fließestrich-Einstieg über Kooperation: Statt eigene Silopumpe: Kooperation mit einem Estrichwerk, das Pumpe + Material liefert. Sie bringen die Mannschaft und Verlegeexpertise
  • Betriebsübernahme: Ältere Estrichleger-Meister suchen Nachfolger – Maschinen, Kundenstamm und Mitarbeiter im Paket
  • Sichtestrich ohne große Maschine: Designestrich und Sichtestrich ist ein Premium-Segment, das auch mit minimaler Maschinenausstattung möglich ist

4. Estricharten: Welcher Estrich für welchen Einsatz?

Die Wahl der Estrichart bestimmt Ihr Geschäftsmodell, Ihre Maschinenausstattung und Ihre Kundengruppe.

Estrichart Einsatz Preis ca. (€/m²) Trocknungszeit
Zementestrich (ZE) Universell, Nassräume, Außen, Heizestrich 20 – 35 € 20–30 Tage
Anhydritestrich / Calciumsulfat (CAF) Wohnbau, Heizestrich, ideal für FBH 22 – 40 € 14–21 Tage
Fließestrich (CA oder CT) Große Flächen, Heizestrich, schnelle Verlegung 25 – 45 € 7–28 Tage
Gussasphaltestrich (GE) Industrie, Kalt-Verlegung möglich, schnell 35 – 60 € Sofort begehbar
Trockenestrich Sanierung, Altbau, geringe Aufbauhöhe 18 – 30 € Sofort belegreif
Sichtestrich / Designestrich Premium-Wohnbau, Gastronomie, Showrooms 60 – 150 € 21–35 Tage

Vertiefen Sie Ihr Wissen: Lexikon: Estrich | Trockenestrich | Verbundestrich

5. Die 6 lukrativsten Spezialisierungen

1. Fließestrich (Calciumsulfat-Fließestrich)

Der Wachstumsmarkt Nr. 1: Fließestrich wird per Pumpe verlegt, ist selbstnivellierend und ideal für Fußbodenheizungen. 200–400 m² pro Tag möglich – enorme Produktivität. Erfordert: Silopumpe (40.000–80.000 €) oder Kooperation mit Estrichwerk. Kunden: Bauträger, GU, Neubau.

2. Sichtestrich / Designestrich

Premium-Segment mit den höchsten Margen: Geschliffener, polierter oder eingefärbter Estrich als endgültiger Bodenbelag. 60–150 €/m² – also 3–5x mehr als Standard-Estrich. Erfordert: Schleiftechnik (Diamant-Bodenschleifer), Versiegelungskenntnisse, ästhetisches Verständnis. Kunden: Architekten, Designer, Gastronomen, gehobenere Privatkunden.

3. Heizestrich für Fußbodenheizung

Jede Fußbodenheizung braucht Heizestrich – und der muss exakt verlegt werden: gleichmäßige Überdeckung der Heizrohre, korrekte Dämmung, normgerechter Aufbau. Mit der Wärmepumpen-Offensive (GEG 2024) steigt die Nachfrage nach Fußbodenheizungen massiv. Mehr: Fußbodenheizung nachrüsten.

4. Industrieestrich (Hochbelastungsflächen)

Logistikzentren, Produktionshallen, Kühlhäuser – Industrieestrich muss extremen Belastungen standhalten (Hartstoffestrich, Faserbewehrung). Auftragswerte: 10.000–100.000+ €. Erfordert: Spezialwissen in Hartstoffen, Fugentechnik, Stahlbetonbewehrung. Hohe Margen, langfristige Kundenbeziehungen.

5. Sanierungsestrich (Altbau)

Im Altbaubestand muss oft der alte Estrich raus und neuer rein – oder Trockenestrich bei geringer Aufbauhöhe. Komplexe Situationen (unebene Böden, Höhenunterschiede, Feuchtigkeit) erfordern Erfahrung. Kunden: Privat-Sanierer, Hausverwaltungen, Wohnungsbaugesellschaften.

6. Gussasphaltestrich

Nische mit wenig Wettbewerb: Gussasphalt ist sofort begehbar, witterungsunabhängig verlegbar und extrem belastbar. Ideal für Brücken, Parkhäuser, Industriebauten. Erfordert: Spezialausrüstung (Gussasphalttransportmischer, Heizkessel). Kleine Nische, aber kaum Konkurrenz.

6. Marketing & Kundengewinnung

Bauträger & Generalunternehmer

Der wichtigste Kanal: Estrichleger arbeiten überwiegend im B2B-Bereich für Bauträger, Generalunternehmer und größere Baufirmen. Persönliche Kontakte, Messebesuche (BAU, Estrich-Fachkongresse) und Innungsarbeit sind die besten Wege zu Neukunden.

Architekten & Planer

Besonders für Sichtestrich/Designestrich: Architekten sind die Entscheidungsträger. Erstellen Sie ein Portfolio mit Referenzprojekten und Materialmustern – Architekten spezifizieren konkrete Produkte und Betriebe in ihren Leistungsverzeichnissen.

Google & lokale Suche

Auch Privatkunden suchen nach „Estrich verlegen [Stadt]": Google Unternehmensprofil pflegen, Website mit Estricharten-Vergleich und Referenzfotos einrichten. Plus: Branchenportale nutzen.

Kooperation mit Heizungsbauern

Fußbodenheizung + Estrich gehören zusammen. Kooperationen mit SHK-Betrieben schaffen Win-Win: Der Heizungsbauer verlegt die Rohre, Sie den Heizestrich. Empfehlungen in beide Richtungen.

7. Die 7 häufigsten Fehler bei der Estrichleger-Gründung

❌ Fehler 1: Trocknungszeiten nicht kommunizieren

Estrich braucht Zeit zum Trocknen – Zementestrich 3–4 Wochen bis zur Belegreife. Wenn der Bodenleger zu früh kommt, entstehen Feuchteschäden unter dem Belag. Kommunizieren Sie klare Trocknungszeiten, dokumentieren Sie die CM-Messung (Calciumcarbid-Methode) und geben Sie den Boden erst schriftlich zur Belegung frei. So schützen Sie sich vor Gewährleistungsansprüchen.

❌ Fehler 2: SOKA-BAU-Beiträge vergessen

Estrichleger sind als Bauhauptgewerbe SOKA-BAU-pflichtig. Ca. 15 % auf Bruttolöhne – bei 3 Mitarbeitern schnell 1.500+ €/Monat. Auch Solo-Selbstständige zahlen einen Mindestbeitrag (~900 €/Jahr). Kalkulieren Sie die SOKA-BAU in jeden m²-Preis ein!

❌ Fehler 3: Falsche Estrichart wählen

Anhydritestrich im Nassbereich = Schadenfall. Zementestrich ohne ausreichende Trocknungszeit = Risse. Jede Estrichart hat spezifische Einsatzgrenzen: Anhydrit nicht in Feuchträumen, Zement nicht bei kurzen Bauzeiten, Fließestrich nicht ohne korrekte Randdämmstreifen. Beraten Sie den Kunden aktiv – und dokumentieren Sie die Entscheidung.

❌ Fehler 4: Staubschutz unterschätzen

Das Schleifen und Fräsen von Estrich erzeugt extremen Feinstaub. Ohne professionelle Absaugung (HEPA-Filter, Industriestaubsauger) gefährden Sie Ihre Gesundheit und die Ihrer Mitarbeiter. TRGS 559 (Quarzfeinstaub) gilt – Verstöße werden kontrolliert und bestraft. Investieren Sie von Tag 1 in professionelle Absaugung.

❌ Fehler 5: Fugenplanung vernachlässigen

Estrich ohne korrekte Fugenplanung = Risse. Bewegungsfugen, Randfugen und Scheinfugen müssen vor der Verlegung geplant und während der Ausführung korrekt umgesetzt werden. Besonders bei beheizten Estrichen (thermische Ausdehnung) und großen Flächen (> 40 m²) ist die Fugenplanung entscheidend.

❌ Fehler 6: Nur Neubau – Sanierung ignorieren

Viele Estrichleger konzentrieren sich auf den Neubau (Bauträger, GU). Dort herrscht aber auch der größte Preisdruck. Der Sanierungsmarkt (Altbau, Bestandsimmobilien) bietet oft höhere Margen, weil die Arbeit anspruchsvoller ist und erfahrene Fachleute gefragt sind.

❌ Fehler 7: Keine CM-Messung dokumentieren

Die CM-Messung (Calciumcarbid-Methode) ist der Goldstandard für die Restfeuchte-Bestimmung. Ohne dokumentierte CM-Messung vor der Bodenbelag-Freigabe haften Sie im Schadensfall. Protokollieren Sie jede Messung mit Datum, Messstelle und Ergebnis – das ist Ihre Lebensversicherung gegen Gewährleistungsklagen.

8. Verdienstpotenzial: Was verdient ein selbstständiger Estrichleger?

Kennzahl Konventionell (1–3 MA) Fließestrich (3–8 MA)
Stundensatz / m²-Preis 48 – 65 € / Std. 25 – 45 € / m²
Durchschn. Auftragswert 2.000 – 8.000 € 5.000 – 40.000 €
Jahresumsatz 80.000 – 200.000 € 250.000 – 1.000.000 €
Gewinnmarge 15 – 25 % 8 – 18 %
Inhabereinkommen (netto, geschätzt) 2.500 – 4.500 €/Monat 4.000 – 10.000 €/Monat

Die höchsten Margen erzielen: Sichtestrich/Designestrich (60–150 €/m², kaum Materialkosten-Steigerung), Industrieestrich (große Flächen, langfristige Verträge) und Gussasphaltestrich (Nische, wenig Konkurrenz).

9. FAQ – Häufige Fragen zur Estrichleger-Gründung

Ist Estrichleger noch meisterfrei?

Nein! Seit dem 14. Februar 2020 ist das Estrichlegerhandwerk wieder meisterpflichtig (Anlage A HwO). Betriebe, die zwischen 2004 und 2020 ohne Meister gegründet wurden, genießen Bestandsschutz. Neugründungen brauchen den Meisterbrief oder eine Ausnahme (Altgesellenregelung, technischer Betriebsleiter).

Was ist der Unterschied zwischen Estrichleger und Bodenleger?

Der Estrichleger verlegt den Unterboden (Estrich) – meisterpflichtig seit 2020. Der Bodenleger verlegt den Oberbelag (Parkett, Vinyl, Laminat, Teppich) auf den fertigen Estrich – zulassungsfrei (Anlage B1). Beide Handwerke ergänzen sich perfekt und können in einem Betrieb kombiniert werden.

Wie lange trocknet Estrich?

Zementestrich: 20–30 Tage bis Belegreife (0,5 CM-% bei beheiztem Estrich). Anhydritestrich: 14–21 Tage. Fließestrich (CAF): 7–28 Tage. Trockenestrich: sofort belegreif. Immer CM-Messung durchführen und dokumentieren!

Was verdient man mit Sichtestrich?

Sichtestrich/Designestrich: 60–150 €/m² – damit 3–5x mehr als Standard-Estrich. Ein Solo-Estrichleger, der sich auf Sichtestrich spezialisiert, kann 4.000–6.000 € netto/Monat erreichen. Voraussetzung: Schleiftechnik, Versiegelungskenntnisse und ein Portfolio für Architekten.

Muss ich SOKA-BAU-Beiträge zahlen?

Ja – Estrichleger gehören zum Bauhauptgewerbe und sind SOKA-BAU-pflichtig. Mit Mitarbeitern: ~15 % auf Bruttolöhne. Solo-Selbstständige: Mindestbeitrag Berufsbildung (~900 €/Jahr). Eine Befreiungsprüfung lohnt sich – die SOKA-BAU prüft die Zugehörigkeit betriebsbezogen.

Was ist eine CM-Messung?

Die CM-Messung (Calciumcarbid-Methode) bestimmt die Restfeuchte im Estrich. Dabei wird eine Estrichprobe zerkleinert, mit Calciumcarbid in einem Druckbehälter gemischt und der entstehende Gasdruck gemessen. Ohne dokumentierte CM-Messung keine Freigabe zur Boden-Belegung – Ihre Absicherung gegen Haftungsklagen.

Lohnt sich eine eigene Fließestrich-Pumpe?

Erst ab ca. 300–500 m² pro Woche regelmäßig. Die Pumpe (40.000–80.000 €) muss ausgelastet sein. Für den Einstieg: Kooperation mit einem Estrichwerk (die liefern Material + Pumpe, Sie das Personal). Ab 5+ MA und regelmäßigen Großaufträgen lohnt sich die Eigeninvestition.

10. Gründungs-Checkliste Estrichleger

✅ Vollständige Checkliste für Estrichleger-Gründer

Qualifikation & Formales

  • ☐ Estrichlegermeister / Ausübungsberechtigung
  • ☐ Bestandsschutz-Nachweis (falls 2004–2020)
  • ☐ Eintragung Handwerksrolle (HWK)
  • ☐ Gewerbeanmeldung
  • ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
  • ☐ BG BAU Pflichtanmeldung
  • ☐ SOKA-BAU Anmeldung
  • ☐ Betriebshaftpflicht (min. 3 Mio. €)
  • ☐ Gewährleistungsversicherung
  • ☐ BU-Versicherung
  • ☐ BEB-/Innungsmitgliedschaft prüfen

Maschinen & Marketing

  • ☐ Estrichmaschine / Pumpe (PFT, Brinkmann)
  • ☐ Ggf. Fließestrich-Silopumpe
  • ☐ Schleifmaschine + HEPA-Absaugung
  • ☐ CM-Messgerät (Pflicht!)
  • ☐ Laser-Nivelliergerät
  • ☐ Transporter / LKW
  • ☐ Kooperation mit Heizungsbauern
  • ☐ Kooperation mit Bodenlegern
  • Website
  • Google Profil
  • ☐ Referenzprojekte dokumentieren

Der Estrichleger ist ein Handwerk mit stabiler Nachfrage und gutem Verdienstpotenzial – besonders in den Nischen Fließestrich, Sichtestrich und Industrieestrich. Die wiedereingeführte Meisterpflicht schützt den Markt vor Billigkonkurrenz und wertet das Handwerk auf.

Starten Sie mit dem Stundensatzrechner und lesen Sie über Estrich verlegen: Kosten – eine wichtige Orientierung für Ihre Kalkulation.

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