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allgemein16 Min. Lesezeit

Selbstständig als Friseur 2026: Meisterpflicht, Salonkosten, Stuhlmiete & Schwarzarbeit-Gesetz

Friseursalon eröffnen 2026: Meisterpflicht, Stuhlmiete, Barbershop-Recht, neues Schwarzarbeitsgesetz (Sofortmeldepflicht), Salonkosten, BGW und Gründungs-Checkliste.

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Redaktion handwerk.cloud

23. Februar 2026

Geprüfte Fachbetriebe🔒Sichere Daten (SSL)💯Kostenlos & unverbindlich4,8/5 Kundenbewertung

Friseurmeister ist einer der beliebtesten Wege in die Selbstständigkeit im deutschen Handwerk – und zugleich einer der anspruchsvollsten. Hohe Personalkosten, harter Wettbewerb, dünne Margen und ein wachsendes Schwarzarbeitsproblem prägen die Branche. Wer trotzdem erfolgreich sein will, braucht klare Positionierung, saubere Kalkulation und modernes Marketing.

Besonders brisant 2026: Das neue Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz bringt für Friseursalons, Barbershops und Kosmetikstudios erstmals Sofortmeldepflicht, Ausweispflicht und verschärfte Zoll-Kontrollen. In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie für eine erfolgreiche Gründung wissen müssen.

1. Meisterpflicht: Vollhandwerk ohne Ausnahme

Das Friseurhandwerk gehört zu den zulassungspflichtigen Gewerken nach Anlage A der Handwerksordnung (HwO). Die Meisterpflicht bestand durchgehend – es gab nie eine meisterfreie Phase. Das gilt auch für Barbershops: Haareschneiden ist Kernbereich des Friseurhandwerks und erfordert immer den Meisterbrief.

⚠️ Barbershop = Friseursalon = Meisterpflicht!

Ein weit verbreiteter Irrtum: „Ich mache ja nur Herrenfrisuren, da brauche ich keinen Meister." Falsch. Die Handwerkskammern stellen klar: Haareschneiden – egal ob Herren oder Damen – ist Kernbereich des Friseurhandwerks und unterliegt der Meisterpflicht. Reine Bartpflege oder Flechtfrisuren können als abgrenzbare Teiltätigkeit ohne Meister möglich sein (Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO), aber sobald Haare geschnitten werden, gilt die volle Meisterpflicht.

Vier Wege in die Selbstständigkeit

Weg Voraussetzungen Kosten Dauer
Friseurmeister Gesellenprüfung Friseur 4.000 – 9.000 € 6–12 Monate (VZ) / 1,5–2 Jahre (TZ)
Altgesellenregelung (§ 7b HwO) 6 J. Berufserfahrung, 4 in leitender Stellung + kfm. Kenntnisse 800 – 1.500 € 3–6 Monate
Techn. Betriebsleiter Anstellung eines Friseurmeisters (Vollzeit!) 30.000 – 42.000 €/Jahr Sofort möglich
Ausnahmebewilligung (§ 8 HwO) Nur für abgrenzbare Teiltätigkeiten (z. B. reine Bartpflege) 100 – 500 € Selten erteilt, Einzelfallprüfung

2. NEU 2026: Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz für Friseure

Ab dem 1. Januar 2026 zählt das Friseur- und Kosmetikgewerbe offiziell zu den sogenannten Schwarzarbeitsbranchen nach dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz. Das bedeutet massiv verschärfte Pflichten:

📋 Sofortmeldepflicht

Jeder neue Mitarbeiter (auch Auszubildende!) muss spätestens bei Arbeitsaufnahme elektronisch bei der Deutschen Rentenversicherung gemeldet werden. Nicht erst zum 15. des Folgemonats!

🪪 Ausweispflicht

Alle Arbeitnehmer müssen während der Arbeitszeit einen amtlichen Lichtbildausweis mitführen. Der Arbeitgeber muss seine Mitarbeiter schriftlich auf diese Pflicht hinweisen.

⏱️ Lückenlose Arbeitszeitdokumentation

Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit müssen am Tag der Arbeitsleistung dokumentiert und 2 Jahre aufbewahrt werden.

📝 Schriftform für Arbeitsverträge

Neue Arbeitsverträge und wesentliche Vertragsänderungen müssen in Papierform mit Unterschrift vorliegen. Die elektronische Form reicht nicht!

🔍 Zoll-Kontrollen

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls darf ohne Vorankündigung in Ihren Salon kommen und Personalien, Arbeitsverträge, Arbeitszeiten und Lohnabrechnungen prüfen. Mitwirkungs- und Duldungspflicht!

Im ersten Halbjahr 2025 wurden in der Friseur- und Kosmetikbranche bereits 886 Arbeitgeberprüfungen und 9.196 Personenüberprüfungen durchgeführt – Tendenz stark steigend.

3. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Friseursalon eröffnen

Die Gründung dauert 2–6 Monate, abhängig von der Standortsuche und dem Umbau. Der Salon-Umbau ist der zeitintensivste Schritt.

Schritt 1: Friseurmeister oder Ausnahme sichern

  • Meisterkurs: Vollzeit 6–12 Monate, Teilzeit 1,5–2 Jahre; Kosten 4.000–9.000 €
  • Aufstiegs-BAföG: Bis 75 % Zuschuss auf Kursgebühren
  • Meistergründungsprämie: 7.500–15.000 € je nach Bundesland (NRW: 7.500 €)
  • Zentralverband: Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV)

Schritt 2: Businessplan & Positionierung

  • Positionierungsentscheidung: Damen-Salon (Volumen)? Herrensalon / Barbershop (Trend)? Premium-Salon (Luxus-Positionierung)? Spezialist (Farbe, Afro-Hair, Brautfrisuren)? Oder Stuhlmiete-Modell?
  • Preiskalkulation: Durchschnittlicher Herrenschnitt: 22–35 €, Damenschnitt: 45–85 €, Coloration: 60–150+€. Berechnen Sie Ihren Mindestumsatz pro Stuhl und Tag, um Ihre Kosten zu decken
  • Zielgröße: Kleiner Salon (2–3 Stühle, Solo + 1–2 MA) oder mittlerer Salon (4–8 Stühle, 3–7 MA)?
  • Öffnungszeiten: Dienstag–Samstag ist Standard. Montag geschlossen (Branchentradition). Samstag ist der umsatzstärkste Tag – nie schließen!

Schritt 3: Standort finden

  • Lage: Fußgängerzone / Innenstadtlage (teuer, aber hohe Laufkundschaft) vs. Stadtteil-Lage (günstiger, Stammkunden-Modell) vs. Einkaufszentrum (hohe Frequenz, hohe Miete)
  • Fläche: Min. 40 m² (2–3 Stühle), ideal 60–120 m² (4–8 Stühle). Pro Stuhl ca. 8–12 m² einplanen (inkl. Wartebereich, Waschplatz, Lager)
  • Wasser-/Abwasseranschlüsse: Waschplätze brauchen Warm-/Kaltwasser + Abwasser. Prüfen Sie die vorhandene Installation – Nachrüstung kann 3.000–10.000+ € kosten!
  • Belüftung: Chemische Behandlungen (Coloration, Dauerwelle) erfordern gute Be- und Entlüftung (Gesundheitsamt)
  • Miete: Rechnen Sie mit 10–25 €/m² in Stadtlagen, 5–12 €/m² in Stadtteil-Lagen. Die Miete sollte max. 10–15 % des Umsatzes betragen

Schritt 4: Salon einrichten

Ausstattung Preis pro Stück Benötigt (4-Stuhl-Salon)
Friseurstuhl (hydraulisch) 250 – 850 € 4 Stück = 1.000 – 3.400 €
Waschplatz (Stuhl + Becken) 1.200 – 2.500 € 2 Stück = 2.400 – 5.000 €
Spiegel + Bedienplätze 300 – 1.200 € 4 Stück = 1.200 – 4.800 €
Empfangstheke 500 – 2.500 € 1 Stück
Wartebereich (Sitze) 200 – 800 € 1 Set
Trocknerhauben / Climazone 300 – 2.000 € 1–2 Stück
Kassensystem (TSE-konform) 300 – 1.500 € 1 System
Werkzeug (Scheren, Kämme, Rasierer) 500 – 3.000 € (Set) 1 Set pro Friseur
Umbau/Renovierung 5.000 – 30.000 € Boden, Wände, Elektro, Wasser

Schritt 5: Formale Gründung

  • Handwerksrolle: Eintragung bei der HWK (120–300 €)
  • Gewerbeanmeldung: 20–65 €
  • Finanzamt: Steuerliche Erfassung (Elster)
  • BGW: Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege – Pflichtanmeldung
  • Gesundheitsamt: Je nach Kommune – Hygieneplan vorlegen
  • Kassensystem: TSE-zertifiziert (technische Sicherheitseinrichtung) – Pflicht!
  • Registrierkassenpflicht: Friseursalons müssen ein elektronisches Kassensystem mit TSE führen (Finanzamt prüft!)

Schritt 6: Versicherungen

  • Betriebshaftpflicht: Min. 3 Mio. € – Haarschäden, Allergien auf Haarfarbe, Verbrennungen durch Föhn/Glätteisen
  • BGW-Unfallversicherung: Pflicht – auch für den Inhaber selbst (Besonderheit im Friseurhandwerk!)
  • Rechtsschutzversicherung: Arbeitgeber-Rechtsschutz bei Personalstreitigkeiten
  • Inhaltsversicherung: Für Saloneinrichtung, Werkzeug, Produktlager
  • BU-Versicherung: Handdermatitis (häufigstes Berufskrankheit bei Friseuren!), Rückenprobleme durch Stehen

4. Gründungskosten: 15.000 – 100.000 € je nach Konzept

Kostenposition Kleiner Salon (2–3 Stühle) Mittl. Salon (4–8 Stühle)
Meisterprüfung 4.000 – 9.000 € (vor BAföG) 4.000 – 9.000 €
Umbau / Renovierung 3.000 – 15.000 € 10.000 – 40.000 €
Saloneinrichtung (Stühle, Waschplätze etc.) 5.000 – 15.000 € 15.000 – 50.000 €
Miete (3 Mon. Kaution + 3 Mon. Vorlauf) 3.000 – 10.000 € 8.000 – 25.000 €
Produkte (Erstbevorratung) 1.000 – 3.000 € 3.000 – 8.000 €
Kassensystem (TSE) + Software 500 – 1.500 € 500 – 2.000 €
Marketing + Website + Eröffnungswerbung 1.000 – 3.000 € 3.000 – 10.000 €
HWK + Gewerbe + BGW + Versicherungen 1.000 – 3.000 € 2.000 – 5.000 €
Gesamt (ohne Meisterprüfung) 15.000 – 50.000 € 45.000 – 140.000 €

5. Stuhlmiete: Selbstständig ohne eigenen Salon

Die Stuhlmiete (Rent a Chair) ist eine Alternative zur eigenen Salongründung: Sie mieten einen Arbeitsplatz in einem bestehenden Salon und arbeiten als selbstständiger Friseur.

Aspekt Stuhlmiete Eigener Salon
Investition 800 – 1.300 €/Monat 15.000 – 100.000+ €
Risiko Gering – monatlich kündbar Hoch – langfristige Miet- und Kreditbindung
Meisterpflicht Ja – auch als Stuhlmieter! Ja
Eigene Kunden Müssen selbst aufgebaut werden Laufkundschaft + Stammkunden
Skalierung Begrenzt (1 Stuhl = 1 Friseur) Unbegrenzt (mehr Stühle, mehr Personal)

💡 Stuhlmiete: Die wichtigsten Regeln

  • Eigenes Gewerbe anmelden – Sie sind Unternehmer, nicht Angestellter!
  • Meisterpflicht gilt auch für Stuhlmieter – ohne Meister keine Stuhlmiete
  • Mietvertrag statt Arbeitsvertrag – klare Abgrenzung von Scheinselbstständigkeit
  • Eigene Arbeitszeiten, eigene Preise, eigenes Material – Sie bestimmen selbst!
  • Scheinselbstständigkeits-Risiko: Wenn der Salon-Betreiber Arbeitszeiten vorgibt, Preise diktiert oder Weisungen erteilt, droht eine Umqualifizierung zum Arbeitsverhältnis – mit Sozialabgaben-Nachzahlung!

6. Die 6 lukrativsten Spezialisierungen

1. Coloration & Balayage (Premium-Farbe)

Farbspezialist ist die profitabelste Spezialisierung im Friseurhandwerk: Balayage, Ombré, Babylights, Color Correction. Auftragswerte: 80–250+ € pro Termin (vs. 25 € Herrenschnitt). Zeitaufwand: 2–4 Stunden. Materialkosten: gering. Hohe Marge, hoher Wiederholungsbedarf (Ansatz alle 6–8 Wochen). Instagram als idealer Showcase-Kanal.

2. Barbershop (Herren-Premium)

Der Trend-Markt: Herrenhaarschnitt + Bartpflege + Hot-Towel-Rasur in maskulinem Ambiente. Auftragswerte: 25–60 € (+ Produkt-Upselling). Hohe Frequenz (alle 3–4 Wochen). Aufwand pro Kunde: 30–45 Min. Zielgruppe: Männer 18–45, die Pflege-Erlebnis suchen. Cave: Meisterpflicht gilt!

3. Brautfrisuren & Event-Styling

Hochprofitable Nische mit saisonaler Spitzen (Mai–September): Brautfrisur + Probestyling + Bridesmaid-Frisuren. Preise: 150–500+ € pro Braut (Probe + Tag). Mobiler Service möglich. Marketing: Hochzeitsmessen, Instagram, Kooperation mit Fotografen und Wedding-Plannern.

4. Haarverlängerung / Extensions

Extensions (Tape-Ins, Bondings, Microlinks): Materialkosten 200–800 €, Arbeit 2–4 Stunden, Preise: 400–1.500+ €. Sehr hohe Margen. Nacharbeiten alle 6–8 Wochen = wiederkehrender Umsatz. Erfordert Spezialschulung (z. B. Great Lengths, Hairdreams).

5. Afro-Hair / Textured Hair

In Deutschland eine unterversorgte Nische: Pflege, Schnitt und Styling von krausem und lockigem Haar. Wenige spezialisierte Salons = hohe Nachfrage, wenig Wettbewerb. Kunden reisen oft 50+ km für einen guten Afro-Salon. Produkte (Cantu, SheaMoisture, Olaplex Curly) als Zusatzumsatz.

6. Produktverkauf als zweite Umsatzsäule

Professionelle Haarpflege-Produkte (Olaplex, Kevin.Murphy, Aveda, Wella) im Salon verkaufen. Marge: 40–55 % auf Einkaufspreis. Ziel: 10–15 % des Salonertrags über Produktverkauf. Kunden kaufen, was ihr Friseur empfiehlt – Vertrauen = Umsatz.

7. Marketing & Kundengewinnung

Instagram & Social Media: Der Nr.-1-Kanal

Friseurarbeit ist visuell – Instagram, TikTok und Pinterest sind die wichtigsten Marketing-Kanäle. Vorher/Nachher-Fotos, Reels von Colorationen, Styling-Tutorials. 90 % der unter-35-jährigen Kunden suchen ihren Friseur über Social Media. Regelmäßig posten, Hashtags nutzen, Stories für Authentizität.

Online-Terminbuchung

Ein Online-Terminbuchungssystem (z. B. Treatwell, Planity, Shore) ist 2026 Pflicht. Kunden wollen 24/7 buchen, nicht anrufen. Zusatzeffekt: Weniger No-Shows durch automatische Erinnerungen (SMS/WhatsApp). Kosten: 30–100 €/Monat.

Google & lokale Suche

„Friseur in der Nähe", „Balayage [Stadt]", „Barbershop [Stadtteil]" – extrem hohes, ganzjähriges Suchvolumen. Google Unternehmensprofil mit professionellen Fotos und Bewertungen ist essenziell. 4,5+ Sterne = Volumen. Website mit Online-Buchung. Branchenportale nutzen.

8. Die 7 häufigsten Fehler bei der Friseur-Gründung

❌ Fehler 1: Zu günstige Preise

Die Gewinnmarge im Friseurhandwerk liegt bei nur ~8,8 % – eine der niedrigsten aller Handwerke. Wer 18 € für einen Herrenschnitt nimmt, kann nach Miete, Personal, Material und Abgaben nicht überleben. Kalkulieren Sie rückwärts: Was müssen Sie pro Stuhl und Tag mindestens umsetzen? In den meisten Städten: mindestens 300–450 €/Stuhl/Tag.

❌ Fehler 2: Kein TSE-konformes Kassensystem

Friseursalons stehen im Fokus des Finanzamts (bargeldintensive Branche!). Ein Kassensystem ohne TSE-Zertifizierung = potenziell Hinzuschätzung durch das Finanzamt. Investieren Sie sofort in ein TSE-konformes Kassensystem (ab 300 €) – das spart Ihnen im Zweifel Zehntausende Euro bei einer Betriebsprüfung.

❌ Fehler 3: Standort überteuert oder falsch

Miete ist der größte Fixkostentreiber nach Personal. Ein Salon in A-Lage (25 €/m²) für 100 m² = 2.500 €/Monat Miete. Können Sie das mit 3 Stühlen erwirtschaften? Rechnen Sie: Miete max. 10–15 % des Bruttoumsatzes. Stadtteil-Lagen (10–15 €/m²) sind oft die bessere Wahl.

❌ Fehler 4: Kein Fokus auf Stammkunden

Laufkundschaft ist schön, aber 80 % Ihres Umsatzes kommen von Stammkunden. Investieren Sie in Kundenbindung: Kundenkartei, persönliche Ansprache, Geburtstags-Rabatte, Terminerinnerungen per SMS. Ein verlorener Stammkunde = 500–1.500 €/Jahr Umsatzverlust.

❌ Fehler 5: Schwarzarbeitsgesetz ignorieren

Ab 2026 gilt: Sofortmeldepflicht, Ausweispflicht, Arbeitszeitdokumentation, Schriftform für Verträge. Wer diese Pflichten ignoriert, riskiert Bußgelder von 5.000–500.000 € und im schlimmsten Fall strafrechtliche Konsequenzen. Setzen Sie alle neuen Pflichten sofort um!

❌ Fehler 6: Berufskrankheit Handdermatitis übersehen

Handdermatitis (Kontaktekzem) ist die häufigste Berufskrankheit im Friseurhandwerk – durch ständigen Kontakt mit Wasser, Shampoo, Haarfarbe und Chemikalien. Ohne Schutzhandschuhe bei Nassarbeiten riskieren Sie Ihre Arbeitsfähigkeit. BGW bietet kostenlose Hautschutzberatung!

❌ Fehler 7: Kein Produktverkauf

Viele Friseure verschenken 10–15 % zusätzlichen Umsatz, weil sie keine Produkte verkaufen. Ihr Kunde vertraut Ihnen – empfehlen Sie das richtige Shampoo, Styling-Produkt oder Treatment. Marge 40–55 %. Ein Salon mit 4 Stühlen kann 500–1.500 €/Monat Zusatzumsatz allein durch Produktverkauf erzielen.

9. Verdienstpotenzial: Was verdient ein selbstständiger Friseur?

Kennzahl Kleiner Salon (2–3 Stühle) Mittl. Salon (4–8 Stühle)
Durchschn. Jahresumsatz 80.000 – 180.000 € 180.000 – 500.000 €
Branchendurchschnitt ~142.000 €/Salon/Jahr (2023)
Gewinnmarge (Durchschnitt) ~8,8 % (eine der niedrigsten im Handwerk)
Personalkosten-Quote 45 – 55 % des Umsatzes
Inhabereinkommen (netto, geschätzt) 2.000 – 3.500 €/Monat 3.500 – 7.000 €/Monat

💡 So steigern Sie Ihren Gewinn

  • Produktverkauf: 10–15 % Zusatzumsatz mit 40–55 % Marge
  • Upselling: Treatment, Kur, Pflegeserie zum Schnitt anbieten
  • Spezialisierung (Coloration): Durchschnittlicher Bon steigt von 35 € auf 100+ €
  • Samstags-Aufschlag: 10–20 % höhere Preise am umsatzstärksten Tag
  • Online-Terminbuchung: Weniger No-Shows = mehr Auslastung
  • Auslastungsoptimierung: Lücken im Terminkalender aktiv mit kurzfristigen Angeboten füllen

10. FAQ – Häufige Fragen zur Friseur-Gründung

Brauche ich den Meister für einen Barbershop?

Ja! Haareschneiden – auch nur bei Herren – ist Kernbereich des Friseurhandwerks und erfordert den Meisterbrief. Eine Ausnahmebewilligung für reine Bartpflege (ohne Schneiden) ist theoretisch möglich, wird aber selten erteilt.

Was kostet ein Friseursalon?

Kleiner Salon (2–3 Stühle): 15.000–50.000 €. Mittlerer Salon (4–8 Stühle): 45.000–140.000 €. Größte Posten: Saloneinrichtung (30 %), Umbau (25 %), Mietkaution (15 %). Tipp: Gebrauchte Saloneinrichtung spart 50–70 % gegenüber Neuware.

Welche BG ist zuständig?

Die BGW (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege) – nicht BG BAU, nicht BGHM! Besonderheit: Im Friseurhandwerk ist auch der Unternehmer selbst persönlich bei der BGW versichert (in vielen anderen Handwerken ist die Unternehmer-Versicherung freiwillig).

Was ist Stuhlmiete und lohnt sie sich?

Stuhlmiete = einen Arbeitsplatz in einem bestehenden Salon mieten (800–1.300 €/Monat). Ideal als Einstieg: geringes Investitionsrisiko, eigene Kunden aufbauen, als Selbstständiger arbeiten. Achtung: Meisterpflicht gilt auch für Stuhlmieter! Und: Klare Abgrenzung zur Scheinselbstständigkeit beachten.

Was ändert sich 2026 durch das Schwarzarbeitsgesetz?

Ab 01.01.2026: Sofortmeldepflicht für neue Mitarbeiter, Ausweispflicht während der Arbeit, lückenlose Arbeitszeitdokumentation, Schriftform für Arbeitsverträge und verschärfte Zoll-Kontrollen. Bußgelder bei Verstößen: 5.000–500.000 €.

Brauche ich ein Kassensystem?

Ja – ein TSE-zertifiziertes Kassensystem ist Pflicht! Friseursalons sind bargeldintensive Betriebe und stehen im Fokus des Finanzamts. Ein Kassensystem ohne TSE kann bei einer Betriebsprüfung zu Hinzuschätzungen von Umsatz und Steuern führen. Kosten: ab 300 €.

Wie hoch ist der Mindestlohn für Friseure?

Es gilt der gesetzliche Mindestlohn: 12,82 €/Std. (2025), steigt auf 13,90 €/Std. (2026). Tarifgebundene Betriebe (z. B. NRW) zahlen mehr: ab 15,17 €/Std. (LG 3, ab 2026). Ausbildungsvergütung: 750 €/Monat (1. Lehrjahr, ab 08/2025).

11. Gründungs-Checkliste Friseursalon

✅ Vollständige Checkliste für Friseur-Gründer

Qualifikation & Formales

  • ☐ Friseurmeister / Ausübungsberechtigung
  • ☐ Eintragung Handwerksrolle (HWK)
  • ☐ Gewerbeanmeldung
  • ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
  • ☐ BGW Anmeldung (Pflicht für Unternehmer!)
  • ☐ Gesundheitsamt – Hygieneplan
  • ☐ Betriebshaftpflicht (min. 3 Mio. €)
  • ☐ BU-Versicherung (Handdermatitis!)
  • ☐ Innungsmitgliedschaft prüfen
  • ☐ Schwarzarbeitsgesetz-Pflichten umsetzen

Salon & Marketing

  • ☐ Standort finden (Wasser/Abwasser prüfen!)
  • ☐ Salon einrichten (Stühle, Waschplätze, Spiegel)
  • ☐ TSE-konformes Kassensystem
  • ☐ Online-Terminbuchungssystem
  • ☐ Produktsortiment festlegen (Retail)
  • ☐ Sofortmeldung neuer MA einrichten
  • ☐ Arbeitszeitdokumentation einrichten
  • ☐ Instagram-Profil mit Portfolio aufbauen
  • Website mit Buchungsfunktion
  • Google Profil mit Fotos + Bewertungen

Das Friseurhandwerk ist persönlich, emotional und kreativ – aber auch eines der wirtschaftlich anspruchsvollsten Handwerke. Mit einer Gewinnmarge von nur ~8,8 % ist Kalkulation Pflicht, Spezialisierung der Schlüssel und das neue Schwarzarbeitsgesetz ab 2026 eine zusätzliche Hürde. Wer Qualität liefert, sich digital präsentiert und seine Zahlen kennt, kann einen erfolgreichen Salon aufbauen.

Starten Sie mit dem Stundensatzrechner – gerade im Friseurhandwerk ist die Kalkulation der wichtigste Erfolgsfaktor.

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