Selbstständig als Gerüstbauer 2026: Meisterpflicht, Sicherheit & hohe Einstiegskosten
Gerüstbau-Betrieb gründen: Meisterpflicht seit 1998, Gerüstmaterial-Investition, TRBS-Vorschriften, Spezialisierungen im Spezialgerüstbau und Gründungs-Checkliste für das Hochrisiko-Handwerk.
Redaktion handwerk.cloud
23. Februar 2026
Gerüstbau ist eines der körperlich anspruchsvollsten und gleichzeitig lukrativsten Handwerke in Deutschland. Ob Fassadensanierung, Dacharbeiten, Industriemontage oder Eventbau – ohne Gerüst geht im Bauwesen fast nichts. Der Markt ist groß und die Nachfrage stabil. Aber: Die Gründung ist kapitalintensiv, das Risikomanagement anspruchsvoll und die Arbeitssicherheit hat absoluten Vorrang.
Gerüstbau ist kein Solo-Handwerk: Für den Auf- und Abbau von Gerüsten brauchen Sie mindestens 2–3 Mitarbeiter. Das unterscheidet die Gründung fundamental von den meisten anderen Handwerksbetrieben, bei denen ein Start als Ein-Mann-Betrieb möglich ist.
1. Meisterpflicht: Vollhandwerk seit 1998
Das Gerüstbauerhandwerk ist seit 1998 als Vollhandwerk in Anlage A der Handwerksordnung (HwO) gelistet – die Meisterpflicht bestand seitdem ununterbrochen. Der Gerüstbau gehört nicht zu den 12 Handwerken, deren Meisterpflicht 2020 wiedereingeführt wurde.
⚠️ Kein Solo-Betrieb möglich!
Im Gerüstbau können Sie nicht als Ein-Mann-Betrieb starten. Der Auf- und Abbau von Gerüsten erfordert mindestens 2–3 Personen (Handlanger, Gerüstbauer, Aufsicht). Das bedeutet: Sie brauchen von Tag 1 Mitarbeiter oder eine Kolonne. Das erhöht die Gründungskosten und das unternehmerische Risiko erheblich im Vergleich zu anderen Handwerken.
Drei Wege in die Selbstständigkeit
| Weg | Voraussetzungen | Kosten | Dauer |
|---|---|---|---|
| Gerüstbauermeister | Gesellenprüfung Gerüstbauer oder verwandte Ausbildung + Berufserfahrung | 7.000 – 12.000 € | 12–18 Monate (VZ) / 2–3 Jahre (TZ) |
| Altgesellenregelung (§ 7b HwO) | 6 Jahre Berufserfahrung, 4 in leitender Stellung | 500 – 1.500 € | 3–6 Monate |
| Technischer Betriebsleiter | Anstellung eines Gerüstbaumeisters (min. 80 Std./Monat) | 42.000 – 55.000 €/Jahr | Sofort möglich |
🔧 Praxis-Tipp: Befähigte Person nach TRBS 2121
Neben dem Meisterbrief ist die „Befähigte Person" nach TRBS 2121 (Technische Regeln für Betriebssicherheit) eine Schlüsselqualifikation. Diese Person prüft Gerüste nach der Montage auf Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit. Ohne diese Prüfung darf das Gerüst nicht freigegeben werden. Die Qualifikation kann durch den Meister selbst oder durch eine zusätzlich geschulte Fachkraft erfüllt werden.
2. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Gründung als Gerüstbauunternehmen
Die Gründung dauert 4–8 Monate – die Beschaffung des Gerüstmaterials und die Personalsuche bestimmen das Tempo.
Schritt 1: Meisterbrief & Zusatzqualifikationen
- Gerüstbauermeister-Kurs: Vollzeit 12–18 Monate, Teilzeit 2–3 Jahre
- Aufstiegs-BAföG: Bis 75 % Zuschuss auf Kursgebühren
- Zusatzqualifikationen: Befähigte Person nach TRBS 2121, SiGeKo (Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator), PSAgA-Trainerschein (Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz)
- Zulassung zur Meisterprüfung: Gesellenprüfung Gerüstbauer, oder verwandtes Handwerk (z. B. Zimmerer, Dachdecker) + 2–3 Jahre Berufserfahrung im Gerüstbau
Schritt 2: Businessplan & Kapitalbedarfsplanung
- Geschäftsmodell: Gerüstvermietung + Montage (häufigstes Modell), reine Gerüstmontage (fremdes Material), Spezialgerüstbau (Industrie, Event, Traggerüst)
- Stundensatz: Gerüstbau kalkuliert meist nach m² Gerüstfläche: 8–18 € netto/m² (Fassadengerüst), Spezialgerüst 15–40 €/m². Stundensatzrechner
- Personalplanung: Min. 2–3 Mitarbeiter ab Tag 1 – Lohnkosten dominieren die Betriebsausgaben (50–60 % vom Umsatz)
- Kapitalbedarf: Deutlich höher als in den meisten Handwerken – Gerüstmaterial bindet 100.000–300.000 € Kapital
- Finanzierung: KfW-ERP-Gründerkredit, Bürgschaftsbank, Leasing für Gerüstmaterial und Fahrzeuge
Schritt 3: Gerüstmaterial beschaffen
- Systemgerüste vs. Modulgerüste: Rahmengerüste (Layher, Plettac, MJ) sind günstiger im Einkauf. Modulgerüste (Layher Allround, Hünnebeck) sind flexibler, aber teurer
- Mindestbestand für den Start: 2.000–5.000 m² Gerüstfläche für einen Kleinbetrieb mit 3–5 MA
- Neupreis vs. gebraucht: Neues Systemgerüst 15–35 €/m², gebraucht ab 8–20 €/m² – Qualität und Zustand genau prüfen (Rost, Verformung, Prüfplaketten)
- Prüfung: Gerüstmaterial muss regelmäßig geprüft werden (UVV-Prüfung) – beschädigte Teile müssen sofort aussortiert werden
Schritt 4: Handwerkskammer – Handwerksrolle
- Meisterbrief und Personalausweis vorlegen
- Eintragung in die Handwerksrolle (120–300 €)
- Innungsmitgliedschaft im Bundesverband Gerüstbau (BIG) empfohlen
Schritt 5: Gewerbe, Finanzamt, BG BAU
- Gewerbeanmeldung: 20–65 €
- Finanzamt: Steuerliche Erfassung über ELSTER – Regelbesteuerung (Vorsteuerabzug auf Material!)
- BG BAU: Pflichtanmeldung bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft. Gerüstbau hat eine der höchsten BG-Beitragsklassen aufgrund des Unfallrisikos
- SOKA-BAU: Gerüstbaubetriebe sind SOKA-BAU-pflichtig (~15 % auf Bruttolöhne)
Schritt 6: Versicherungen
- Betriebshaftpflicht: Min. 5 Mio. € Deckung – bei Gerüstunfällen entstehen schnell Millionenschäden (Personenschäden, Gebäudeschäden)
- Produkthaftpflicht: Deckt Fehler am Gerüst, die zu Unfällen Dritter führen
- Transportversicherung: Gerüstmaterial auf dem LKW absichern
- Maschinenbruchversicherung: Für Gerüstaufzüge und Fahrzeugkräne
- BU-Versicherung: Absturz, schwere Lasten, Kälte/Hitze – Hochrisiko-Beruf
3. Gründungskosten: Die höchsten im Handwerk
Gerüstbau hat die höchsten Einstiegskosten aller Handwerksberufe – das Gerüstmaterial allein bindet sechsstelliges Kapital. Dazu kommen Fahrzeuge, Personal und hohe Versicherungskosten.
| Kostenposition | Kleinbetrieb (3–5 MA) | Mittlerer Betrieb (8–15 MA) |
|---|---|---|
| Meisterprüfung | 7.000 – 12.000 € (vor BAföG) | 7.000 – 12.000 € |
| Gerüstmaterial (2.000–5.000 m²) | 50.000 – 150.000 € | 150.000 – 500.000 € |
| Fahrzeuge (LKW mit Ladekran, Transporter) | 30.000 – 80.000 € | 80.000 – 250.000 € |
| Gerüstaufzug / Materialaufzug | 5.000 – 15.000 € | 15.000 – 50.000 € |
| Lagerplatz (befestigt, eingezäunt, 6 Mon.) | 3.000 – 10.000 € | 8.000 – 25.000 € |
| PSA (Helme, Gurte, Auffangnetze, Schuhe) | 2.000 – 5.000 € | 5.000 – 15.000 € |
| HWK + Gewerbe + BG BAU | 500 – 800 € | 500 – 800 € |
| Versicherungen (1. Jahr, inkl. 5 Mio. Haftpflicht) | 8.000 – 18.000 € | 18.000 – 45.000 € |
| Personal (3 Mon. Anlaufphase, 3–5 MA) | 30.000 – 60.000 € | 80.000 – 180.000 € |
| Software (Kalkulation, Logistik) | 1.000 – 3.000 € | 3.000 – 8.000 € |
| Website, Marketing, Beschriftung | 2.000 – 5.000 € | 5.000 – 12.000 € |
| Gesamt (ohne Meisterprüfung) | 140.000 – 360.000 € | 375.000 – 1.100.000 € |
💰 Kosten senken: Strategien für Gerüstbau-Gründer
- Gebrauchtes Gerüstmaterial: Seriöse Gebrauchthändler (z. B. Scaffolding Broker, ScaffoldMarkt) bieten geprüftes Material 30–50 % günstiger. Achten Sie auf: Verzinkungsqualität, gerade Rahmen, intakte Kupplungen, gültige Prüfplaketten
- Leasing statt Kauf: Gerüstmaterial und Fahrzeuge über Leasing finanzieren – schont die Liquidität, belastet aber die laufenden Kosten
- Betriebsübernahme: Gerüstbau-Betriebe mit Nachfolgeproblem bieten Gerüstmaterial, Kundenstamm und eingearbeitetes Personal im Paket. HWK-Betriebsbörse nutzen
- Subunternehmer-Start: Zunächst als Nachunternehmer für größere Gerüstbaufirmen arbeiten – die stellen das Material, Sie die Mannschaft. Geringere Investition, aber auch geringere Marge
4. Arbeitssicherheit: Das A und O im Gerüstbau
Gerüstbau ist ein Hochrisiko-Handwerk. Abstürze sind nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen auf Baustellen. Die Einhaltung der Arbeitssicherheitsvorschriften ist nicht nur gesetzliche Pflicht, sondern überlebenswichtig.
| Vorschrift | Inhalt | Konsequenz bei Verstoß |
|---|---|---|
| TRBS 2121 | Gefährdung durch Absturz – Gerüste müssen von befähigter Person geprüft werden | Bußgeld, Betriebsstilllegung |
| DIN EN 12810/12811 | Fassadengerüste: Anforderungen an Material, Aufbau, Belastung | Haftung bei Unfällen |
| BetrSichV | Betriebssicherheitsverordnung – regelmäßige Prüfung aller Arbeitsmittel | Bußgeld bis 25.000 € |
| ArbStättV | Arbeitsstättenverordnung – Anforderungen an Zugänge, Absturzsicherungen | Bußgeld, Strafverfahren |
| DGUV Vorschrift 38 | Bauarbeiten – spezifische Regeln für Gerüstbau und Höhenarbeit | BG-Regress, höhere Beiträge |
🚨 Pflicht: Aufbau- und Verwendungsanleitung (AuV)
Jedes aufgestellte Gerüst muss vor der Freigabe zur Nutzung von einer befähigten Person geprüft werden. Die Aufbau- und Verwendungsanleitung (AuV) des Gerüstherstellers muss auf der Baustelle vorliegen. Jede Abweichung von der AuV (z. B. Regelaufbau überschritten) erfordert eine statische Berechnung durch einen Ingenieur. Verstöße können bei einem Unfall zur persönlichen Haftung des Unternehmers führen – bis hin zum Strafverfahren.
5. Die 6 lukrativsten Spezialisierungen
1. Fassadengerüst für energetische Sanierung
Das Kerngeschäft mit dem größten Volumen: Fassadendämmung, Anstrich, Dachsanierung – all das braucht Gerüst. Der Boom der energetischen Sanierung (GEG, Förderprogramme) treibt die Nachfrage. Preise: 8–15 €/m² Gerüstfläche. Vorteil: Massengeschäft, gut planbar. Nachteil: Preisdruck durch Wettbewerb.
2. Industriegerüstbau
Spezialgerüste für Industrieanlagen, Raffinerien, Kraftwerke, Chemieanlagen. Deutlich höhere Preise (15–40 €/m²) und Margen. Erfordert: Spezialkenntnisse in Brandschutz, Schweißergerüsten, Einhausungen. Oft Rahmenverträge mit Industriebetrieben – planbare Einnahmen über Jahre.
3. Hängegerüste und Seilzugangstechnik
Hängegerüste, Hängebühnen und Seilzugangstechnik für Arbeiten an schwer zugänglichen Gebäudeteilen: Brücken, Türme, Hochhäuser, Denkmäler. Premium-Nische mit wenig Wettbewerb und höchsten Margen. Erfordert: Spezialausbildung, Höhenarbeit-Zertifikate (IRATA, FISAT).
4. Traggerüste und Schalungsgerüste
Unterstützungskonstruktionen für Betonbau: Brücken, Decken, Schalungen. Komplexe Statik, hohe Anforderungen – aber auch hohe Vergütung (20–50 €/m²). Kunden: Betonbauer, Brückenbauer, Tiefbauunternehmen. Meist Großprojekte mit langer Standzeit.
5. Eventgerüstbau (Bühnen, Tribünen)
Bühnen, Tribünen, Traversen für Festivals, Konzerte, Sportveranstaltungen. Saisonal (Frühjahr–Herbst), aber mit Premium-Preisen und schneller Abwicklung. Erfordert: Veranstaltungstechnik-Kenntnisse, schnelle Auf-/Abbauzeit. Kunden: Eventagenturen, Kommunen, Vereine.
6. Wetterschutzgerüste und Einhausungen
Einhausungen für Großbaustellen (Schall-, Staub-, Wetterschutz), Tunnelbau-Gerüste, Witterungsschutz bei Dachsanierungen. Aufwendigere Konstruktion, höhere Preise. Besonders gefragt bei innerstädtischen Baustellen (Lärmschutz, Staubschutz Pflicht).
6. Marketing & Kundengewinnung
GU- und Bauunternehmen-Netzwerk
Der wichtigste Kanal: Generalunternehmer, Bauunternehmen, Dachdecker, Maler und Fassadenbauer sind Ihre Hauptkunden. Bauen Sie persönliche Beziehungen auf – Gerüstbau wird selten über Google gebucht, sondern über Netzwerk und Empfehlung.
Schnelligkeit & Zuverlässigkeit
Im Gerüstbau entscheidet Verfügbarkeit: Wer schnell liefert (Gerüst in 24–48 Std. steht), gewinnt den Auftrag. Investieren Sie in Logistik (genug Material, genug Fahrer, genug Mannschaft) – Liefertreue ist das beste Marketing.
Website & Google Profil
Auch im B2B-Geschäft suchen Bauleiter nach „Gerüstbau + [Stadt]": Google Unternehmensprofil pflegen, Website mit Leistungsspektrum, Referenzen und Kontaktformular einrichten.
Innungsmitgliedschaft & Verband
Der Bundesverband Gerüstbau (BIG) bietet Netzwerk, Tarifverträge, Weiterbildung und politische Vertretung. Innungsmitgliedschaft stärkt das Vertrauen bei Auftraggebern und erleichtert die Personalsuche über Tarifbindung.
7. Die 7 häufigsten Fehler bei der Gerüstbau-Gründung
❌ Fehler 1: Arbeitssicherheit als Nebensache behandeln
Im Gerüstbau kann ein Sicherheitsverstoß tödlich enden. Fehlende PSA, mangelhafte Gerüstprüfung, überladene Beläge – Verstöße führen zu Arbeitsunfällen, BG-Regress, Strafverfahren und im schlimmsten Fall zum Verlust eines Menschenlebens. Arbeitssicherheit ist Chefsache – vom ersten Tag an.
❌ Fehler 2: Gerüstmaterial-Investition unterschätzen
Gerüstmaterial bindet 50.000–500.000 € Kapital. Viele Gründer kaufen zu wenig Material und können dann parallele Aufträge nicht bedienen – oder zu viel und haben Liquiditätsprobleme. Kalkulieren Sie Ihren Materialbedarf realistisch: Wie viele Baustellen parallel? Wie lange Standzeiten? Wie schnell dreht sich das Material?
❌ Fehler 3: Standzeiten nicht einkalkulieren
Gerüste stehen oft 4–12 Wochen oder länger. In dieser Zeit ist Ihr Material gebunden und erwirtschaftet nur die Standmiete. Wenn der Auftragger die Gerüststandzeit verlängert, sinkt Ihre Rendite. Vereinbaren Sie klare Standzeit-Regelungen mit Nachzuschlägen bei Überschreitung.
❌ Fehler 4: SOKA-BAU nicht einkalkulieren
Ca. 15 % auf Bruttolöhne gehen an die SOKA-BAU – bei lohnintensivem Gerüstbau ein enormer Kostenblock. Bei 5 Mitarbeitern à 3.500 € brutto: fast 2.600 €/Monat. Kalkulieren Sie die SOKA-BAU in jeden Quadratmeterpreis ein – sonst arbeiten Sie unter Selbstkosten.
❌ Fehler 5: Logistik unterschätzen
Gerüstbau ist Logistik-intensiv: LKW-Transport, Ladekran, Materialverwaltung, Baustellenplanung. Wer keinen LKW mit Ladekran hat, kann Gerüstmaterial nicht eigenständig liefern und aufbauen. LKW-Führerschein (C/CE) für mindestens einen Mitarbeiter ist Pflicht. Und: Gerüstmaterial muss systematisch inventarisiert werden – Schwund ist real.
❌ Fehler 6: Personalfluktuation ignorieren
Gerüstbau ist körperlich extrem anspruchsvoll – Höhenarbeit, schwere Lasten, Witterung. Die Fluktuation ist entsprechend hoch. Investieren Sie in gute Arbeitsbedingungen (faire Bezahlung, PSA, Pausenräume), sonst verlieren Sie ständig eingearbeitete Mitarbeiter. Und: Ohne Leute steht Ihr Betrieb still.
❌ Fehler 7: Haftungsrisiko nicht absichern
Ein Gerüstunfall kann Millionenforderungen nach sich ziehen: Personenschäden, Gebäudeschäden, Baustellenstillstand. Betriebshaftpflicht mit min. 5 Mio. € Deckung ist absolute Pflicht. Und: Die Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG muss für jede Baustelle erstellt und dokumentiert werden.
8. Verdienstpotenzial: Was verdient ein Gerüstbau-Unternehmer?
| Kennzahl | Kleinbetrieb (3–5 MA) | Mittlerer Betrieb (8–15 MA) |
|---|---|---|
| Preis pro m² (Fassadengerüst) | 8 – 14 € | 8 – 18 € |
| Durchschn. Auftragswert | 3.000 – 15.000 € | 8.000 – 80.000 € |
| Jahresumsatz | 250.000 – 600.000 € | 600.000 – 2.500.000 € |
| Gewinnmarge | 8 – 15 % | 6 – 12 % |
| Inhabereinkommen (netto, geschätzt) | 3.000 – 6.000 €/Monat | 5.000 – 15.000 €/Monat |
Die höchsten Margen erzielen: Industriegerüstbau (Rahmenverträge, Premium-Preise), Hängegerüste/Seilzugang (Spezialisierung = wenig Wettbewerb) und Eventgerüstbau (saisonal, aber hochpreisig). Standard-Fassadengerüst hat die niedrigsten Margen, aber das größte Volumen.
9. FAQ – Häufige Fragen zur Gerüstbau-Gründung
Kann ich als Ein-Mann-Betrieb im Gerüstbau starten?
Nein – Gerüstauf- und -abbau erfordert mindestens 2–3 Personen. Ein Solo-Betrieb ist im Gerüstbauhandwerk nicht realistisch. Sie brauchen von Tag 1 Mitarbeiter. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu den meisten anderen Handwerksberufen.
Was kostet Gerüstmaterial zum Start?
Für einen Kleinbetrieb mit 2.000–3.000 m² Gerüstfläche rechnen Sie mit 50.000–100.000 € (gebraucht) oder 80.000–150.000 € (neu). Modulgerüste (Layher Allround etc.) sind 30–50 % teurer als Rahmengerüste, bieten aber mehr Flexibilität bei Sonderkonstruktionen.
Brauche ich einen LKW mit Ladekran?
Ja – Gerüstmaterial muss transportiert und auf der Baustelle abgeladen werden. Ein LKW 7,5 t–18 t mit Ladekran ist Standard. Gebraucht ab 25.000–40.000 €. Mindestens ein Mitarbeiter braucht den LKW-Führerschein (C/CE). Alternative: Gebrauchte Fahrzeuge über Gerüstbau-Auflöser.
Wie hoch sind die BG-BAU-Beiträge im Gerüstbau?
Gerüstbau hat eine der höchsten Gefahrtarifstellen der BG BAU. Rechnen Sie mit ca. 8–12 % der Bruttolohnsumme als BG-Beitrag. Dazu kommen die SOKA-BAU-Abgaben (~15 %). Zusammen mit Sozialversicherung ergibt sich ein Lohn-Nebenkosten-Faktor von ca. 70–80 % auf den Bruttolohn.
Was ist ein guter Einstiegsweg in den Gerüstbau?
Der risikoärmste Einstieg: Als Subunternehmer mit eigener Mannschaft, aber fremdem Material (Gerüstvermietung + Montage durch GU). So bauen Sie Erfahrung und Kundenstamm auf, ohne 100.000+ € in Material zu investieren. Nachteil: Geringere Marge.
Welche Software brauche ich im Gerüstbau?
Gerüstbau-spezifische Software: Scaffmax, Layher Plan (3D-Gerüstplanung), allgemeine Handwerker-Software für Kalkulation und Rechnungsstellung. Für größere Betriebe: ERP-System mit Material- und Logistiksteuerung (wo ist welches Material?).
Ist Gerüstbau im Winter möglich?
Eingeschränkt – Gerüstmontage bei Sturm, Glatteis oder starkem Schneefall ist aus Sicherheitsgründen verboten. Die Wintermonate (Dez.–Feb.) sind oft schwach. Nutzen Sie die Winterausfallgeld-Regelung der SOKA-BAU (Schlechtwettergeld für Mitarbeiter). Industriegerüstbau ist weniger saisonabhängig.
10. Gründungs-Checkliste Gerüstbau
✅ Vollständige Checkliste für Gerüstbau-Gründer
Qualifikation & Formales
- ☐ Gerüstbauermeisterbrief / Ausübungsberechtigung
- ☐ Befähigte Person nach TRBS 2121
- ☐ SiGeKo-Qualifikation (optional)
- ☐ PSAgA-Trainerschein
- ☐ Eintragung Handwerksrolle (HWK)
- ☐ Gewerbeanmeldung
- ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
- ☐ BG BAU Pflichtanmeldung
- ☐ SOKA-BAU Anmeldung
- ☐ Betriebshaftpflicht (min. 5 Mio. €!)
- ☐ Produkthaftpflicht + Transportversicherung
- ☐ BU-Versicherung
Material, Personal & Marketing
- ☐ Gerüstmaterial (min. 2.000 m²)
- ☐ LKW mit Ladekran + Führerschein C/CE
- ☐ Lagerplatz (befestigt, eingezäunt)
- ☐ PSA (Helme, Gurte, Schuhe, Auffangnetze)
- ☐ Gerüstaufzug / Materialaufzug
- ☐ Personal (min. 2–3 MA ab Tag 1)
- ☐ LKW-Führerschein für min. 1 MA
- ☐ Gefährdungsbeurteilungen vorbereiten
- ☐ AuV-Vorlagen bereithalten
- ☐ Website
- ☐ Google Profil
- ☐ BIG-/Innungsmitgliedschaft prüfen
🏗️ Praxis-Beispiel: Baugerüste Sky (NRW)
Ein Beispiel für einen erfolgreichen Gerüstbaubetrieb in Nordrhein-Westfalen ist Baugerüste Sky – ein Unternehmen, das zeigt, wie professioneller Gerüstbau in der Praxis aussieht. Von Fassadengerüsten über Industriegerüstbau bis hin zu Sonderkonstruktionen – solche Betriebe demonstrieren, welches Potenzial im Gerüstbauhandwerk steckt, wenn Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit stimmen.
Gerüstbau ist nichts für Anfänger – es ist eines der kapitalintensivsten, personalintensivsten und risikoreichsten Handwerke. Aber: Wer es beherrscht, baut ein stabiles Unternehmen mit hohem Umsatzpotenzial. Der Schlüssel liegt in konsequenter Arbeitssicherheit, solider Kapitalausstattung und einem starken Netzwerk.
Starten Sie mit dem Stundensatzrechner und lesen Sie über Dachsanierung: Kosten – ein Kernmarkt für Gerüstbauer.