Stundensatz Handwerk berechnen: Formel 2026
Was muss eine Handwerkerstunde wirklich kosten? Formel, Rechenbeispiel, Excel-Vorlage und die häufigsten Kalkulationsfehler – Schritt für Schritt erklärt.
Der Stundenverrechnungssatz ist die wichtigste Zahl in Ihrem Handwerksbetrieb. Kalkulieren Sie zu niedrig, arbeiten Sie unter Wert – kalkulieren Sie zu hoch, verlieren Sie Aufträge. Trotzdem kalkulieren erschreckend viele Betriebe ihren Stundensatz nach Bauchgefühl oder orientieren sich am Wettbewerb. Das ist gefährlich: Wer die eigenen Kosten nicht kennt, merkt oft erst am Jahresende, dass er draufzahlt.
Dieser Ratgeber zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihren Stundensatz sauber kalkulieren – mit Formel, vollständigem Rechenbeispiel für 2026 und einer Checkliste für die häufigsten Fehler.
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Die Formel: So berechnen Sie Ihren Stundensatz
Die Grundformel für den Stundenverrechnungssatz im Handwerk ist einfach:
📐 Grundformel Stundenverrechnungssatz
SVS = (Personalkosten + Gemeinkosten + Gewinn) ÷ Produktive Stunden
SVS = Stundenverrechnungssatz (netto, ohne MwSt.)
Klingt simpel – aber der Teufel steckt in jedem einzelnen Baustein. Gehen wir sie durch:
Baustein 1: Personalkosten – mehr als nur der Bruttolohn
Der Bruttostundenlohn Ihres Gesellens ist nur die halbe Wahrheit. Als Arbeitgeber zahlen Sie Lohnnebenkosten von rund 21–23 % oben drauf. Dazu kommen weitere Personalkosten, die viele vergessen:
| Position | Satz / Betrag | Bei 20 € Brutto/Std. |
|---|---|---|
| Bruttolohn | Vereinbart | 20,00 € |
| Krankenversicherung (AG-Anteil) | 7,3 % + Zusatzbeitrag (~1,0 %) | 1,66 € |
| Rentenversicherung (AG-Anteil) | 9,3 % | 1,86 € |
| Arbeitslosenversicherung (AG-Anteil) | 1,3 % | 0,26 € |
| Pflegeversicherung (AG-Anteil) | 1,7 % | 0,34 € |
| Berufsgenossenschaft | ~3–6 % (gewerbeabhängig) | 0,80 € |
| Umlage U1 + U2 + Insolvenzgeld | ~2–3 % | 0,50 € |
| 13. Gehalt / Urlaubsgeld | ~8 % (branchenabhängig) | 1,60 € |
| Gesamte Personalkosten/Std. | ~35–40 % Aufschlag | ~27,02 € |
⚠️ Häufigster Fehler Nr. 1: Bruttolohn = Kosten
Viele Betriebe kalkulieren mit dem Bruttolohn des Mitarbeiters. Ein Geselle mit 20 € Brutto/Std. kostet Sie aber 27 € pro Stunde – die Lohnnebenkosten machen 35 % Aufschlag aus. Wer das vergisst, verschenkt bei 1.600 produktiven Stunden/Jahr rund 11.200 € Marge.
Baustein 2: Produktive Stunden – die ehrliche Rechnung
Das ist der Baustein, bei dem sich die meisten Betriebe dramatisch verschätzen. Ein Mitarbeiter hat zwar 2.080 Arbeitsstunden pro Jahr (40h × 52 Wochen) – aber davon ist nur ein Bruchteil wirklich abrechenbar:
| Position | Stunden/Jahr |
|---|---|
| Brutto-Arbeitsstunden (40h × 52 Wo.) | 2.080 Std. |
| – Urlaub (30 Tage × 8h) | −240 Std. |
| – Feiertage (~10 Tage × 8h) | −80 Std. |
| – Krankheit (Ø 15 Tage × 8h) | −120 Std. |
| – Weiterbildung (~5 Tage) | −40 Std. |
| = Anwesenheitsstunden | 1.600 Std. |
| – Unproduktive Zeit (Fahrten, Materialholen, Aufräumen, Meetings: ~20 %) | −320 Std. |
| = Produktive (abrechenbare) Stunden | ~1.280 Std. |
⚠️ Häufigster Fehler Nr. 2: Mit 2.080 Stunden rechnen
Wer mit 2.080 statt 1.280 produktiven Stunden rechnet, kalkuliert seinen Stundensatz 38 % zu niedrig. Statt 65 € berechnen Sie nur 40 € – und wundern sich am Jahresende, warum kein Gewinn übrig bleibt. Die realistischen produktiven Stunden liegen je nach Gewerk bei 1.200 – 1.400 Stunden.
Baustein 3: Gemeinkosten – alles, was der Betrieb kostet
Die Gemeinkosten (auch Betriebskosten oder Overhead) sind alle Kosten, die anfallen, damit Ihr Betrieb überhaupt arbeiten kann – unabhängig vom einzelnen Auftrag:
| Kostenart | Typisch (Kleinbetrieb, 3–5 MA) | Monatsbeispiel |
|---|---|---|
| Werkstatt-/Büromiete | 300 – 2.000 € | 800 € |
| Fahrzeuge (Leasing, Versicherung, Kraftstoff) | 800 – 3.000 € | 1.500 € |
| Versicherungen (Betriebs-Haftpflicht, Rechtsschutz etc.) | 200 – 600 € | 350 € |
| Werkzeug & Maschinen (AfA + Reparatur) | 200 – 800 € | 400 € |
| Software, IT, Telefon | 100 – 400 € | 200 € |
| Steuerberater / Buchhaltung | 300 – 800 € | 500 € |
| Werbung, Website, Inserate | 100 – 500 € | 250 € |
| Büromaterial, Porto, Sonstiges | 50 – 200 € | 100 € |
| Unternehmerlohn (Meister/Inhaber) | 3.000 – 6.000 € | 4.500 € |
| Gesamt Gemeinkosten/Monat | ~8.600 € |
Pro Jahr sind das ~103.200 € Gemeinkosten. Diese müssen über die produktiven Stunden aller Mitarbeiter finanziert werden.
Baustein 4: Gewinnzuschlag – Ihr unternehmerisches Risiko
Nach Abzug aller Kosten muss ein Gewinn übrig bleiben. Dieser finanziert:
- Investitionen – Neue Werkzeuge, Fahrzeuge, Maschinen
- Rücklagen – Für schlechte Zeiten, Reparaturen, Forderungsausfälle
- Wachstum – Neue Mitarbeiter, größere Werkstatt
- Risikopuffer – Garantiefälle, Nacharbeiten, Rechtsstreitigkeiten
| Gewinnzuschlag | Typisch für | Empfehlung |
|---|---|---|
| 5 % | Harte Preiskämpfe, Ausschreibungen | ⚠️ Zu niedrig – kein Puffer |
| 10 % | Solide Betriebe mit stabiler Auftragslage | ✅ Minimaler Standard |
| 15 % | Wachsende Betriebe, Spezialisierung | ✅ Empfohlen |
| 20 %+ | Nischenkompetenz, hohe Nachfrage | ✅ Premium-Betriebe |
Vollständiges Rechenbeispiel 2026: SHK-Betrieb mit 3 Gesellen
📊 Stundensatz-Kalkulation: SHK-Meisterbetrieb, 3 Gesellen
Schritt 1: Personalkosten pro Geselle/Jahr
- Bruttolohn: 22,00 € × 2.080 Std. = 45.760 €
- Lohnnebenkosten (~37 %): 16.931 €
- Gesamt pro Geselle: 62.691 €/Jahr
- × 3 Gesellen = 188.074 €/Jahr
Schritt 2: Produktive Stunden pro Geselle/Jahr
- 2.080 − 240 (Urlaub) − 80 (Feiertage) − 120 (Krank) − 40 (Fortbildung) = 1.600 Anwesenheit
- × 80 % Produktivität = 1.280 produktive Std.
- × 3 Gesellen = 3.840 produktive Std./Jahr
Schritt 3: Gemeinkosten/Jahr
- Werkstatt + Büro: 12.000 €
- Fahrzeuge (3 Transporter): 36.000 €
- Versicherungen: 6.000 €
- Werkzeug & Maschinen: 8.000 €
- Software, Telefon, IT: 4.800 €
- Steuerberater: 6.000 €
- Werbung, Website: 3.600 €
- Sonstiges: 3.600 €
- Unternehmerlohn Meister: 60.000 €
- Gesamt: 140.000 €/Jahr
Schritt 4: Stundensatz berechnen
- Personalkosten: 188.074 €
- + Gemeinkosten: 140.000 €
- = Gesamtkosten: 328.074 €
- ÷ 3.840 Std. = 85,44 € Selbstkosten/Std.
Schritt 5: Gewinnzuschlag (12 %)
- 85,44 € × 1,12 = 95,69 € netto/Std.
- + 19 % MwSt. = 113,87 € brutto/Std.
Ergebnis: Stundenverrechnungssatz = 95,69 € netto (113,87 € brutto)
Bei 12 % Gewinnzuschlag erzielt der Betrieb ~39.369 € Gewinn/Jahr vor Steuern
Stundensätze 2026 nach Gewerk: Was verlangen die Kollegen?
| Gewerk | Geselle (netto) | Meister (netto) | Tendenz 2026 |
|---|---|---|---|
| SHK (Sanitär, Heizung) | 65 – 80 € | 80 – 100 € | ↑ Steigend |
| Elektriker | 60 – 75 € | 75 – 95 € | ↑ Steigend |
| Maler & Lackierer | 50 – 65 € | 65 – 80 € | → Stabil |
| Tischler / Schreiner | 55 – 70 € | 70 – 90 € | ↑ Steigend |
| Dachdecker | 65 – 85 € | 80 – 100 € | ↑ Steigend |
| Fliesenleger | 55 – 70 € | 70 – 85 € | → Stabil |
| Maurer / Betonbauer | 55 – 75 € | 70 – 90 € | → Stabil |
Netto-Stundensätze ohne MwSt. Regionale Unterschiede von ±15 % sind normal (München teurer, ländliche Gebiete günstiger). Stand: März 2026.
Excel-Vorlage: So bauen Sie Ihre eigene Kalkulation
Eine gute Stundensatz-Kalkulation in Excel besteht aus 4 Tabellenblättern:
Personalkosten
Bruttolohn pro Mitarbeiter, Lohnnebenkosten-Rechner (alle SV-Beiträge), Zuschläge, 13. Gehalt. Ergebnis: Kosten pro Stunde je Mitarbeiter.
Produktive Stunden
Jahresarbeitsstunden minus Urlaub, Feiertage, Krankheit, Weiterbildung. Dann Produktivitätsfaktor (70–85 %). Ergebnis: Abrechenbare Stunden pro Mitarbeiter.
Gemeinkosten
Alle Betriebskosten monatlich auflisten (Miete, Fahrzeuge, Versicherungen, Software, Unternehmerlohn etc.). Ergebnis: Gemeinkosten/Monat und /Jahr.
Stundensatz-Ergebnis
Zusammenführung: (Personal + Gemeinkosten) ÷ Produktive Stunden × (1 + Gewinnzuschlag). Mit Schieberegler für verschiedene Gewinnmargen.
Die 7 häufigsten Kalkulationsfehler
Bruttolohn = Kosten
Lohnnebenkosten (35–40 %) vergessen → 7–8 €/Std. zu billig.
2.080 statt 1.280 produktive Stunden
Urlaub, Krankheit und unproduktive Zeiten nicht abgezogen → 38 % zu niedrig.
Kein Unternehmerlohn einkalkuliert
Der Meister/Inhaber arbeitet „umsonst" – der Gewinn ist in Wahrheit sein Gehalt.
Fahrtzeiten nicht eingepreist
Fahrzeit = bezahlte Arbeitszeit, aber oft nicht an den Kunden abgerechnet.
Am Wettbewerb orientiert statt an eigenen Kosten
„Der Kollege nimmt 50 €, also nehme ich auch 50 €" – ohne zu wissen, ob 50 € die Kosten decken.
Keinen Gewinnzuschlag kalkuliert
Selbstkosten = Verkaufspreis → kein Gewinn, keine Rücklagen, kein Puffer.
Stundensatz seit Jahren nicht angepasst
Lohnsteigerungen, höhere Sozialabgaben, Inflation → der alte Stundensatz deckt die neuen Kosten nicht mehr.
Mindestlohn 2026: Auswirkungen auf den Stundensatz
Der gesetzliche Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2026 auf 13,90 € brutto/Std. (2025: 12,82 €). Für Handwerksbetriebe bedeutet das:
| Position | 2025 | 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Gesetzlicher Mindestlohn | 12,82 € | 13,90 € | +8,4 % |
| Mindestlohn Baugewerbe (Geselle) | 15,74 € | 16,50 €* | +4,8 % |
| Mindestlohn Elektrohandwerk | 14,50 € | 15,30 €* | +5,5 % |
*Branchenmindestlöhne sind Prognosen auf Basis der Tariftrendentwicklung. Exakte Werte je nach Tarifgebiet.
Wenn der Lohn Ihrer Mitarbeiter steigt, muss der Stundensatz proportional mit – sonst sinkt Ihr Gewinn. Bei einem Gesellen mit Mindestlohn-Steigerung von +1,08 €/Std. steigen die Personalkosten um ~2.250 €/Jahr (inkl. Lohnnebenkosten).
Häufige Fragen zur Stundensatz-Kalkulation
Wie viel muss eine Handwerkerstunde kosten?
Je nach Gewerk und Region 55 – 100 € netto (65 – 119 € brutto). Der durchschnittliche Stundenverrechnungssatz liegt 2026 bei ca. 70 – 85 € netto. Entscheidend sind Ihre individuellen Kosten, nicht der Marktdurchschnitt.
Warum ist die Handwerkerstunde so teuer?
Vom Stundenpreis gehen ab: ~30 % Personalnebenkosten, ~25 % Gemeinkosten (Werkstatt, Fahrzeuge, Versicherungen), ~10 % Gewinn, ~16 % MwSt. Dem Handwerker selbst bleiben vom Brutto-Kundenpreis nur ca. 19 % als Nettolohn.
Wie oft muss ich den Stundensatz anpassen?
Mindestens jährlich – idealerweise zum Jahreswechsel. Prüfen Sie bei Tariferhöhungen, Mietanpassungen oder neuen Mitarbeitern sofort, ob Ihr Stundensatz noch kostendeckend ist.
Gehört der Unternehmerlohn in die Kalkulation?
Ja, unbedingt! Der Meister/Inhaber, der im Betrieb mitarbeitet, braucht ein kalkulatorisches Gehalt (Unternehmerlohn). Sonst ist der „Gewinn" in Wahrheit sein unbezahltes Gehalt. Empfohlener Ansatz: 4.000 – 6.000 € brutto/Monat.
Was ist ein guter Gewinnzuschlag?
10–15 % auf die Selbstkosten. Das ergibt bei einem typischen Kleinbetrieb 30.000 – 50.000 € Gewinn pro Jahr vor Steuern. Bei Spezialisierung und hoher Nachfrage sind auch 20 %+ gerechtfertigt.
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Veröffentlicht: 5. März 2026
John Neufeldt ist Unternehmer im Handwerk und Inhaber von Meylen.de (Fenstersysteme) sowie Garten-Eifel.de (GaLaBau). Sein Werdegang führt von der Fenstermontage über Schüco-zertifizierte Fertigung bis zur Geschäftsführung eines Fensterproduktionswerks. Auf handwerk.cloud teilt er sein Praxiswissen zu Fenstern, Haustüren, Garagentoren und Betriebsführung im Handwerk.
