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Stundensatz Handwerk berechnen: Formel 2026

Was muss eine Handwerkerstunde wirklich kosten? Formel, Rechenbeispiel, Excel-Vorlage und die häufigsten Kalkulationsfehler – Schritt für Schritt erklärt.

John Neufeldt·5. März 2026
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Der Stundenverrechnungssatz ist die wichtigste Zahl in Ihrem Handwerksbetrieb. Kalkulieren Sie zu niedrig, arbeiten Sie unter Wert – kalkulieren Sie zu hoch, verlieren Sie Aufträge. Trotzdem kalkulieren erschreckend viele Betriebe ihren Stundensatz nach Bauchgefühl oder orientieren sich am Wettbewerb. Das ist gefährlich: Wer die eigenen Kosten nicht kennt, merkt oft erst am Jahresende, dass er draufzahlt.

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihren Stundensatz sauber kalkulieren – mit Formel, vollständigem Rechenbeispiel für 2026 und einer Checkliste für die häufigsten Fehler.

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Die Formel: So berechnen Sie Ihren Stundensatz

Die Grundformel für den Stundenverrechnungssatz im Handwerk ist einfach:

📐 Grundformel Stundenverrechnungssatz

SVS = (Personalkosten + Gemeinkosten + Gewinn) ÷ Produktive Stunden

SVS = Stundenverrechnungssatz (netto, ohne MwSt.)

Klingt simpel – aber der Teufel steckt in jedem einzelnen Baustein. Gehen wir sie durch:

Baustein 1: Personalkosten – mehr als nur der Bruttolohn

Der Bruttostundenlohn Ihres Gesellens ist nur die halbe Wahrheit. Als Arbeitgeber zahlen Sie Lohnnebenkosten von rund 21–23 % oben drauf. Dazu kommen weitere Personalkosten, die viele vergessen:

Position Satz / Betrag Bei 20 € Brutto/Std.
Bruttolohn Vereinbart 20,00 €
Krankenversicherung (AG-Anteil) 7,3 % + Zusatzbeitrag (~1,0 %) 1,66 €
Rentenversicherung (AG-Anteil) 9,3 % 1,86 €
Arbeitslosenversicherung (AG-Anteil) 1,3 % 0,26 €
Pflegeversicherung (AG-Anteil) 1,7 % 0,34 €
Berufsgenossenschaft ~3–6 % (gewerbeabhängig) 0,80 €
Umlage U1 + U2 + Insolvenzgeld ~2–3 % 0,50 €
13. Gehalt / Urlaubsgeld ~8 % (branchenabhängig) 1,60 €
Gesamte Personalkosten/Std. ~35–40 % Aufschlag ~27,02 €

⚠️ Häufigster Fehler Nr. 1: Bruttolohn = Kosten

Viele Betriebe kalkulieren mit dem Bruttolohn des Mitarbeiters. Ein Geselle mit 20 € Brutto/Std. kostet Sie aber 27 € pro Stunde – die Lohnnebenkosten machen 35 % Aufschlag aus. Wer das vergisst, verschenkt bei 1.600 produktiven Stunden/Jahr rund 11.200 € Marge.

Baustein 2: Produktive Stunden – die ehrliche Rechnung

Das ist der Baustein, bei dem sich die meisten Betriebe dramatisch verschätzen. Ein Mitarbeiter hat zwar 2.080 Arbeitsstunden pro Jahr (40h × 52 Wochen) – aber davon ist nur ein Bruchteil wirklich abrechenbar:

Position Stunden/Jahr
Brutto-Arbeitsstunden (40h × 52 Wo.) 2.080 Std.
– Urlaub (30 Tage × 8h) −240 Std.
– Feiertage (~10 Tage × 8h) −80 Std.
– Krankheit (Ø 15 Tage × 8h) −120 Std.
– Weiterbildung (~5 Tage) −40 Std.
= Anwesenheitsstunden 1.600 Std.
– Unproduktive Zeit (Fahrten, Materialholen, Aufräumen, Meetings: ~20 %) −320 Std.
= Produktive (abrechenbare) Stunden ~1.280 Std.

⚠️ Häufigster Fehler Nr. 2: Mit 2.080 Stunden rechnen

Wer mit 2.080 statt 1.280 produktiven Stunden rechnet, kalkuliert seinen Stundensatz 38 % zu niedrig. Statt 65 € berechnen Sie nur 40 € – und wundern sich am Jahresende, warum kein Gewinn übrig bleibt. Die realistischen produktiven Stunden liegen je nach Gewerk bei 1.200 – 1.400 Stunden.

Baustein 3: Gemeinkosten – alles, was der Betrieb kostet

Die Gemeinkosten (auch Betriebskosten oder Overhead) sind alle Kosten, die anfallen, damit Ihr Betrieb überhaupt arbeiten kann – unabhängig vom einzelnen Auftrag:

Kostenart Typisch (Kleinbetrieb, 3–5 MA) Monatsbeispiel
Werkstatt-/Büromiete 300 – 2.000 € 800 €
Fahrzeuge (Leasing, Versicherung, Kraftstoff) 800 – 3.000 € 1.500 €
Versicherungen (Betriebs-Haftpflicht, Rechtsschutz etc.) 200 – 600 € 350 €
Werkzeug & Maschinen (AfA + Reparatur) 200 – 800 € 400 €
Software, IT, Telefon 100 – 400 € 200 €
Steuerberater / Buchhaltung 300 – 800 € 500 €
Werbung, Website, Inserate 100 – 500 € 250 €
Büromaterial, Porto, Sonstiges 50 – 200 € 100 €
Unternehmerlohn (Meister/Inhaber) 3.000 – 6.000 € 4.500 €
Gesamt Gemeinkosten/Monat ~8.600 €

Pro Jahr sind das ~103.200 € Gemeinkosten. Diese müssen über die produktiven Stunden aller Mitarbeiter finanziert werden.

💡 Tipp: Berechnen Sie Ihre Gemeinkosten präzise mit unserem Stundenlohnrechner – er schlüsselt alle Kostenarten auf und zeigt Ihnen den exakten Gemeinkostenzuschlag pro Stunde.

Baustein 4: Gewinnzuschlag – Ihr unternehmerisches Risiko

Nach Abzug aller Kosten muss ein Gewinn übrig bleiben. Dieser finanziert:

  • Investitionen – Neue Werkzeuge, Fahrzeuge, Maschinen
  • Rücklagen – Für schlechte Zeiten, Reparaturen, Forderungsausfälle
  • Wachstum – Neue Mitarbeiter, größere Werkstatt
  • Risikopuffer – Garantiefälle, Nacharbeiten, Rechtsstreitigkeiten
Gewinnzuschlag Typisch für Empfehlung
5 % Harte Preiskämpfe, Ausschreibungen ⚠️ Zu niedrig – kein Puffer
10 % Solide Betriebe mit stabiler Auftragslage ✅ Minimaler Standard
15 % Wachsende Betriebe, Spezialisierung ✅ Empfohlen
20 %+ Nischenkompetenz, hohe Nachfrage ✅ Premium-Betriebe

Vollständiges Rechenbeispiel 2026: SHK-Betrieb mit 3 Gesellen

📊 Stundensatz-Kalkulation: SHK-Meisterbetrieb, 3 Gesellen

Schritt 1: Personalkosten pro Geselle/Jahr

  • Bruttolohn: 22,00 € × 2.080 Std. = 45.760 €
  • Lohnnebenkosten (~37 %): 16.931 €
  • Gesamt pro Geselle: 62.691 €/Jahr
  • × 3 Gesellen = 188.074 €/Jahr

Schritt 2: Produktive Stunden pro Geselle/Jahr

  • 2.080 − 240 (Urlaub) − 80 (Feiertage) − 120 (Krank) − 40 (Fortbildung) = 1.600 Anwesenheit
  • × 80 % Produktivität = 1.280 produktive Std.
  • × 3 Gesellen = 3.840 produktive Std./Jahr

Schritt 3: Gemeinkosten/Jahr

  • Werkstatt + Büro: 12.000 €
  • Fahrzeuge (3 Transporter): 36.000 €
  • Versicherungen: 6.000 €
  • Werkzeug & Maschinen: 8.000 €
  • Software, Telefon, IT: 4.800 €
  • Steuerberater: 6.000 €
  • Werbung, Website: 3.600 €
  • Sonstiges: 3.600 €
  • Unternehmerlohn Meister: 60.000 €
  • Gesamt: 140.000 €/Jahr

Schritt 4: Stundensatz berechnen

  • Personalkosten: 188.074 €
  • + Gemeinkosten: 140.000 €
  • = Gesamtkosten: 328.074 €
  • ÷ 3.840 Std. = 85,44 € Selbstkosten/Std.

Schritt 5: Gewinnzuschlag (12 %)

  • 85,44 € × 1,12 = 95,69 € netto/Std.
  • + 19 % MwSt. = 113,87 € brutto/Std.

Ergebnis: Stundenverrechnungssatz = 95,69 € netto (113,87 € brutto)

Bei 12 % Gewinnzuschlag erzielt der Betrieb ~39.369 € Gewinn/Jahr vor Steuern

Stundensätze 2026 nach Gewerk: Was verlangen die Kollegen?

Gewerk Geselle (netto) Meister (netto) Tendenz 2026
SHK (Sanitär, Heizung) 65 – 80 € 80 – 100 € ↑ Steigend
Elektriker 60 – 75 € 75 – 95 € ↑ Steigend
Maler & Lackierer 50 – 65 € 65 – 80 € → Stabil
Tischler / Schreiner 55 – 70 € 70 – 90 € ↑ Steigend
Dachdecker 65 – 85 € 80 – 100 € ↑ Steigend
Fliesenleger 55 – 70 € 70 – 85 € → Stabil
Maurer / Betonbauer 55 – 75 € 70 – 90 € → Stabil

Netto-Stundensätze ohne MwSt. Regionale Unterschiede von ±15 % sind normal (München teurer, ländliche Gebiete günstiger). Stand: März 2026.

Excel-Vorlage: So bauen Sie Ihre eigene Kalkulation

Eine gute Stundensatz-Kalkulation in Excel besteht aus 4 Tabellenblättern:

1

Personalkosten

Bruttolohn pro Mitarbeiter, Lohnnebenkosten-Rechner (alle SV-Beiträge), Zuschläge, 13. Gehalt. Ergebnis: Kosten pro Stunde je Mitarbeiter.

2

Produktive Stunden

Jahresarbeitsstunden minus Urlaub, Feiertage, Krankheit, Weiterbildung. Dann Produktivitätsfaktor (70–85 %). Ergebnis: Abrechenbare Stunden pro Mitarbeiter.

3

Gemeinkosten

Alle Betriebskosten monatlich auflisten (Miete, Fahrzeuge, Versicherungen, Software, Unternehmerlohn etc.). Ergebnis: Gemeinkosten/Monat und /Jahr.

4

Stundensatz-Ergebnis

Zusammenführung: (Personal + Gemeinkosten) ÷ Produktive Stunden × (1 + Gewinnzuschlag). Mit Schieberegler für verschiedene Gewinnmargen.

💡 Schneller als Excel: Unser Online-Stundenlohnrechner macht die gleiche Kalkulation in 2 Minuten – ohne Formeln, ohne Download. Einfach Werte eingeben und Ergebnis ablesen.

Die 7 häufigsten Kalkulationsfehler

1

Bruttolohn = Kosten

Lohnnebenkosten (35–40 %) vergessen → 7–8 €/Std. zu billig.

2

2.080 statt 1.280 produktive Stunden

Urlaub, Krankheit und unproduktive Zeiten nicht abgezogen → 38 % zu niedrig.

3

Kein Unternehmerlohn einkalkuliert

Der Meister/Inhaber arbeitet „umsonst" – der Gewinn ist in Wahrheit sein Gehalt.

4

Fahrtzeiten nicht eingepreist

Fahrzeit = bezahlte Arbeitszeit, aber oft nicht an den Kunden abgerechnet.

5

Am Wettbewerb orientiert statt an eigenen Kosten

„Der Kollege nimmt 50 €, also nehme ich auch 50 €" – ohne zu wissen, ob 50 € die Kosten decken.

6

Keinen Gewinnzuschlag kalkuliert

Selbstkosten = Verkaufspreis → kein Gewinn, keine Rücklagen, kein Puffer.

7

Stundensatz seit Jahren nicht angepasst

Lohnsteigerungen, höhere Sozialabgaben, Inflation → der alte Stundensatz deckt die neuen Kosten nicht mehr.

Mindestlohn 2026: Auswirkungen auf den Stundensatz

Der gesetzliche Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2026 auf 13,90 € brutto/Std. (2025: 12,82 €). Für Handwerksbetriebe bedeutet das:

Position 2025 2026 Veränderung
Gesetzlicher Mindestlohn 12,82 € 13,90 € +8,4 %
Mindestlohn Baugewerbe (Geselle) 15,74 € 16,50 €* +4,8 %
Mindestlohn Elektrohandwerk 14,50 € 15,30 €* +5,5 %

*Branchenmindestlöhne sind Prognosen auf Basis der Tariftrendentwicklung. Exakte Werte je nach Tarifgebiet.

Wenn der Lohn Ihrer Mitarbeiter steigt, muss der Stundensatz proportional mit – sonst sinkt Ihr Gewinn. Bei einem Gesellen mit Mindestlohn-Steigerung von +1,08 €/Std. steigen die Personalkosten um ~2.250 €/Jahr (inkl. Lohnnebenkosten).

Häufige Fragen zur Stundensatz-Kalkulation

Wie viel muss eine Handwerkerstunde kosten?

Je nach Gewerk und Region 55 – 100 € netto (65 – 119 € brutto). Der durchschnittliche Stundenverrechnungssatz liegt 2026 bei ca. 70 – 85 € netto. Entscheidend sind Ihre individuellen Kosten, nicht der Marktdurchschnitt.

Warum ist die Handwerkerstunde so teuer?

Vom Stundenpreis gehen ab: ~30 % Personalnebenkosten, ~25 % Gemeinkosten (Werkstatt, Fahrzeuge, Versicherungen), ~10 % Gewinn, ~16 % MwSt. Dem Handwerker selbst bleiben vom Brutto-Kundenpreis nur ca. 19 % als Nettolohn.

Wie oft muss ich den Stundensatz anpassen?

Mindestens jährlich – idealerweise zum Jahreswechsel. Prüfen Sie bei Tariferhöhungen, Mietanpassungen oder neuen Mitarbeitern sofort, ob Ihr Stundensatz noch kostendeckend ist.

Gehört der Unternehmerlohn in die Kalkulation?

Ja, unbedingt! Der Meister/Inhaber, der im Betrieb mitarbeitet, braucht ein kalkulatorisches Gehalt (Unternehmerlohn). Sonst ist der „Gewinn" in Wahrheit sein unbezahltes Gehalt. Empfohlener Ansatz: 4.000 – 6.000 € brutto/Monat.

Was ist ein guter Gewinnzuschlag?

10–15 % auf die Selbstkosten. Das ergibt bei einem typischen Kleinbetrieb 30.000 – 50.000 € Gewinn pro Jahr vor Steuern. Bei Spezialisierung und hoher Nachfrage sind auch 20 %+ gerechtfertigt.

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Fenster- & Bauelemente-Experte, Unternehmer

Veröffentlicht: 5. März 2026

John Neufeldt ist Unternehmer im Handwerk und Inhaber von Meylen.de (Fenstersysteme) sowie Garten-Eifel.de (GaLaBau). Sein Werdegang führt von der Fenstermontage über Schüco-zertifizierte Fertigung bis zur Geschäftsführung eines Fensterproduktionswerks. Auf handwerk.cloud teilt er sein Praxiswissen zu Fenstern, Haustüren, Garagentoren und Betriebsführung im Handwerk.

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