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allgemein14 Min. Lesezeit

Selbstständig als Gebäudereiniger 2026: Ohne Meisterpflicht gründen – Kalkulation, Lohndumping & Spezialisierung

Reinigungsfirma gründen 2026: keine Meisterpflicht (Anlage B1), branchenspezifischer Mindestlohn, Unterhaltsreinigung vs. Sonderreinigung, Kalkulation und Gründungs-Checkliste.

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Redaktion handwerk.cloud

23. Februar 2026

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Die Gebäudereinigung ist das beschäftigungsstärkste Handwerk Deutschlands: Über 700.000 Beschäftigte, mehr als 27 Milliarden Euro Jahresumsatz und einer der niedrigsten Gründungs-Einstiege überhaupt. Denn als zulassungsfreies Handwerk (Anlage B1 HwO) ist keine Meisterpflicht erforderlich – jeder darf gründen.

Das klingt verlockend, hat aber eine Schattenseite: Der Markt ist extrem kompetitiv, von Preisdruck und Lohndumping geprägt. Wer langfristig erfolgreich sein will, braucht eine klare Spezialisierung, saubere Kalkulation und professionelle Strukturen. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie es richtig geht.

1. Keine Meisterpflicht – aber trotzdem Handwerk

Die Gebäudereinigung gehört zu den zulassungsfreien Handwerken nach Anlage B1 der Handwerksordnung (HwO). Das bedeutet:

  • Kein Meisterbrief erforderlich
  • Keine Gesellenprüfung erforderlich
  • Keine Berufserfahrung formal nötig (aber dringend empfohlen!)
  • Eintragung in die Handwerksrolle als zulassungsfreies Handwerk (keine Genehmigung, nur Anzeige)

⚠️ Niedrige Hürde ≠ einfaches Geschäft

Die fehlende Meisterpflicht lockt jährlich Tausende Gründer in die Branche – und die meisten scheitern innerhalb von 3 Jahren. Die Gründe: zu niedrige Preise, fehlende Fachkenntnisse (Chemie, Materialverträglichkeit, Arbeitssicherheit), mangelnde Kalkulation. Der Meistertitel ist freiwillig, aber ein enormer Wettbewerbsvorteil – Großkunden und öffentliche Auftraggeber verlangen ihn häufig.

Warum der Meistertitel trotzdem Gold wert ist

Aspekt Ohne Meister Mit Meister
Gründung erlaubt? ✅ Ja ✅ Ja
Ausbildungsberechtigung ❌ Nein ✅ Ja – bilden Sie eigene Fachkräfte aus
Öffentliche Ausschreibungen ⚠️ Oft ausgeschlossen ✅ Vollzugang
Großkunden-Vertrauen ⚠️ Muss erst aufgebaut werden ✅ Sofortige Glaubwürdigkeit
Sonderreinigungen ⚠️ Eingeschränkt (fehlende Fachkunde) ✅ Alle Bereiche
Meistergründungsprämie ❌ Kein Anspruch ✅ 7.500–15.000 € je nach Land

2. Die Branche in Zahlen: 27 Milliarden Euro Markt

Die Gebäudereinigung ist ein Wirtschaftsgigant:

  • Jahresumsatz: >27 Milliarden Euro (2024)
  • Beschäftigte: ca. 700.000 (davon >60 % in Teilzeit/Minijob)
  • Betriebe: ca. 35.000 – von Ein-Mann-Firmen bis zu Konzernen
  • Marktstruktur: Top 10 Unternehmen (Piepenbrock, Gegenbauer, Dussmann, Wisag) halten ca. 15 % Marktanteil – der Rest ist stark fragmentiert
  • Wachstum: 3–5 % p.a. – getrieben durch Outsourcing, Hygienestandards und Facility Management

3. Branchenspezifischer Mindestlohn: Die wichtigste Zahl

Die Gebäudereinigung hat einen eigenen tariflichen Mindestlohn, der über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt. Diese Zahlen sind die Basis Ihrer gesamten Kalkulation:

Lohngruppe Tätigkeit Ab 01.02.2025 Ab 01.01.2026
LG 1 Innen- und Unterhaltsreinigung 14,25 €/Std. 15,00 €/Std.
LG 6 Glas- und Fassadenreinigung 17,65 €/Std. 18,40 €/Std.

🚨 Lohndumping: Das größte Problem der Branche

Lohndumping ist weit verbreitet in der Gebäudereinigung. Viele Billiganbieter unterlaufen den Mindestlohn durch: Scheinselbstständigkeit, unbezahlte Überstunden, falsche Lohngruppen-Einstufung, schwarze Kassen. Wer seriös kalkuliert, verliert gegen Dumper bei öffentlichen Ausschreibungen – deshalb: spezialisieren, Qualität kommunizieren, nicht über den Preis konkurrieren. Der Bundesinnungsverband bekämpft Lohndumping aktiv.

4. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Reinigungsfirma gründen

Die Gründung dauert nur 1–4 Wochen – die geringste aller Handwerksgründungen. Aber: Schnelle Gründung ≠ schneller Erfolg.

Schritt 1: Fachkenntnisse sichern

  • Ideal: Ausbildung zum Gebäudereiniger (3 Jahre) oder Gebäudereiniger-Meister (12–24 Monate)
  • Minimum: Branchenerfahrung (mindestens 1–2 Jahre als Angestellter) – Material- und Chemiekenntnisse sind essenziell
  • Ohne jede Erfahrung: Machbar, aber extrem riskant – zumindest Grundkurse bei der Innung oder HWK (2–5 Tage) besuchen
  • Spezialschulungen: Reinraumreinigung, Steinpflege, Schadensanierung (DGSV-Zertifizierung) für Premium-Segmente

Schritt 2: Businessplan & Positionierung

  • Positionierung entscheiden: Unterhaltsreinigung (Volumen, niedrige Margen)? Glas-/Fassadenreinigung (höhere Preise, anspruchsvoller)? Sonderreinigung (Premium-Nische)?
  • Stundenverrechnungssatz berechnen: Kosten pro Stunde (Lohn + Lohnnebenkosten + Material + Gemeinkosten + Gewinn) = mindestens 30–45 € netto/Stunde für Unterhaltsreinigung, 50–80 € für Glasreinigung. Stundensatzrechner
  • Kalkulationsfalle: Wer nur den Mindestlohn x 1,2 als Stundenpreis ansetzt, ist nach Lohnnebenkosten, Material, Fahrt und Gemeinkosten im Minus! Mindestens Faktor 2,0–2,5 auf den Bruttolohn

📊 Kalkulation Stundenverrechnungssatz (Beispiel LG 1)

Bruttolohn: 14,25 €/Std. (Mindestlohn LG 1, ab 02/2025)

+ Lohnnebenkosten (ca. 45 %): 6,41 €

+ Urlaubsgeld, 13. Gehalt anteilig: 1,50 €

= Personalkosten/Std.: ca. 22,16 €

+ Material (ca. 2 €/Std.): 2,00 €

+ Fahrtkosten anteilig: 1,50 €

+ Gemeinkosten (Büro, Versicherung, Maschinen anteilig): 4,00 €

+ Gewinn (15 %): 4,47 €

= Stundenverrechnungssatz: ca. 34,13 € netto

⚠️ Wer unter 30 €/Std. anbietet, arbeitet in der Regel im Minus oder drückt Löhne

Schritt 3: Gewerbe anmelden

  • Gewerbeanmeldung: 20–65 €
  • Handwerksrolle: Anzeige als zulassungsfreies Handwerk bei der HWK (100–200 €)
  • Finanzamt: Steuerliche Erfassung über ELSTER
  • BG BAU: Zuständige Berufsgenossenschaft – Pflichtanmeldung für Arbeitgeber
  • Rechtsform: Einzelunternehmen (Einstieg), UG (ab 1 € Stammkapital, Haftungsbeschränkung) oder GmbH (25.000 €, für Großkunden-Vertrauenswürdigkeit)

Schritt 4: Ausstattung beschaffen

  • Reinigungswagen mit Grundausstattung: 300–800 € pro Set
  • Staubsauger (Gewerbe): 300–1.000 € (Kärcher, Nilfisk)
  • Scheuersaugmaschine: 1.500–8.000 € (für größere Flächen)
  • Hochdruckreiniger: 500–3.000 € (Lexikon: Hochdruckreiniger)
  • Glasreinigungssystem: Einwascher, Abzieher, Teleskopstangen – 200–1.000 €
  • Osmose-Anlage (Glasreinigung): 1.000–5.000 € – für streifenfreie Glasreinigung mit entmineralisiertem Wasser
  • Fahrzeug: Kleinwagen oder Transporter – 5.000–20.000 €
  • Reinigungsmittel (Erstausstattung): 200–500 €
  • PSA (Persönliche Schutzausrüstung): 100–300 €

Schritt 5: Versicherungen

  • Betriebshaftpflicht: Min. 3 Mio. € – Schäden an Kundenobjekten (Kratzer auf Marmor, Wasser an Parkett, Fensterrahmen beschädigt)
  • Schlüsselversicherung: 50.000–150.000 € – Sie haben Kundenschlüssel! Bei Verlust haften Sie für den Schließanlagentausch
  • Inhaltsversicherung: Maschinen (Scheuersauger) und Lagerbestand
  • BU-Versicherung: Körperliche Arbeit, Chemikalien-Kontakt, Allergien – BU ist essenziell

5. Gründungskosten: Der niedrigste Einstieg

Kostenposition Solo-Gründer (Einstieg) Betrieb mit 5–10 MA
Gewerbe + HWK + BG BAU 200 – 400 € 200 – 400 €
Reinigungsausrüstung 1.000 – 3.000 € 5.000 – 20.000 €
Maschinen (Staubsauger, Scheuermaschine) 500 – 3.000 € 5.000 – 25.000 €
Fahrzeug 0 – 10.000 € (eigenes Auto reicht) 10.000 – 40.000 €
Versicherungen (1. Jahr) 500 – 1.500 € 3.000 – 10.000 €
Software + Marketing 500 – 2.000 € 2.000 – 8.000 €
Reinigungsmittel (3 Mon.) 200 – 500 € 500 – 2.000 €
Gesamt 3.000 – 20.000 € 25.000 – 105.000 €

💰 Der 3.000-€-Einstieg: So starten Sie minimal

  • Solo starten: Eigenes Auto, Grundausstattung (Reinigungswagen, Staubsauger, Reinigungsmittel), Gewerbeanmeldung
  • Erste Kunden: Privathaushalte, kleine Büros, Arztpraxen – persönlich akquirieren
  • Minijobber hinzunehmen: Ab 5+ regelmäßige Kunden 520-€-Kräfte einsetzen
  • Maschinen mieten: Scheuersaugmaschinen für Sonderreinigungen tageweise leihen (30–100 €/Tag)
  • Hochskalieren: Erst Personal, dann Maschinen, dann Fahrzeuge – immer nur mit gesichertem Auftragsbestand

6. Die 6 lukrativsten Spezialisierungen

1. Unterhaltsreinigung (Büro/Gewerbe)

Das Brot-und-Butter-Geschäft: Regelmäßige Reinigung von Büros, Arztpraxen, Kanzleien, Einzelhandel. Verträge laufen 1–3 Jahre mit monatlicher Abrechnung. Preise: 25–40 €/Stunde oder nach m². Vorteil: Planbare, wiederkehrende Einnahmen. Nachteil: Dünne Margen, hoher Wettbewerb, Personalintensiv.

2. Glas- und Fassadenreinigung

Höhere Preise (45–80 €/Stunde), aber auch höhere Anforderungen: Arbeit in der Höhe (Hebebühne, Leiter, Seilzugangstechnik), Osmose-Technik für streifenfreie Ergebnisse, branchenspezifischer Mindestlohn LG 6 (17,65 €/h). Kunden: Hausverwaltungen, Bürogebäude, Hotels. Saisonale Spitze im Frühjahr.

3. Sonderreinigung / Grundreinigung

Einmalige Intensivreinigungen: Grundreinigung nach Bauarbeiten (Baufeinreinigung), Entrümpelung, Brandschaden-Sanierung, Wasserschaden-Trocknung. Preise: 40–100+ €/Stunde. Unregelmäßig, aber hohe Margen. Kunden: Versicherungen, Hausverwaltungen, Bauunternehmen.

4. Steinpflege und Bodensanierung

Natursteinpflege (Marmor, Granit), Steinbodensanierung, Hochdruckreinigung von Außenanlagen, PVC- und Linoleum-Beschichtung. Premium-Nische mit Preisen von 5–25 €/m² und Margen von 40–60 %. Erfordert Fachkenntnisse (Steinchemie, Versiegelung). Wenig Wettbewerb.

5. Hygiene-Reinigung (Medizin, Lebensmittel)

Reinigung von Arztpraxen, Krankenhäusern, OP-Räumen, Lebensmittelbetrieben, Laboren. Höchste Anforderungen (Desinfektionspläne, HACCP, Hygienezertifizierung), aber auch höchste Preise und stabilste Verträge. Einmal qualifiziert, wird selten gewechselt.

6. Photovoltaik-Reinigung

Ein stark wachsendes Zukunftssegment: PV-Anlagen verlieren 5–15 % Ertrag durch Verschmutzung. Professionelle Reinigung mit entmineralisiertem Wasser und Teleskopbürsten. Preise: 1,50–3,00 €/m². Geringe Materialkosten, aber Investition in Osmose-Anlage und Teleskopsystem. Perfekte Ergänzung zur Glasreinigung.

7. Marketing & Kundengewinnung

Hausverwaltungen: Der Schlüsselkunde

Hausverwaltungen vergeben Treppenhaus-Reinigung, Glasreinigung und Außenanlagenpflege für Dutzende bis Hunderte Objekte. Ein Vertrag mit einer Hausverwaltung kann Ihren gesamten Betrieb tragen. Persönlich ansprechen, Probereinigung anbieten, dann über Qualität überzeugen.

Google & lokale Suche

„Gebäudereinigung [Stadt]", „Büroreinigung [Region]", „Glasreinigung Firma [Ort]" – hohes Suchvolumen, ganzjährig stabil. Google Unternehmensprofil mit Bewertungen ist essenziell. Professionelle Website mit Leistungsübersicht und Referenzen.

Empfehlungsmarketing

Zufriedene Kunden sind der stärkste Vertriebskanal: Ein gereinigtes Büro fällt auf, Kollegen fragen „Wer macht bei euch sauber?". Aktiv nach Empfehlungen fragen, Empfehlungsprämien (Gutschrift auf nächste Rechnung) anbieten. Branchenportale nutzen.

Öffentliche Ausschreibungen

Kommunen, Schulen, Behörden schreiben regelmäßig Reinigungsleistungen aus. Große, planbare Aufträge – aber: strenges Vergaberecht, oft Billigstbieter-Prinzip (niedrigster Preis gewinnt). Ohne Innungsmitgliedschaft und/oder Meistertitel oft chancenlos. Tipp: Landesvergabeportale prüfen.

8. Die 7 häufigsten Fehler bei der Gründung einer Reinigungsfirma

❌ Fehler 1: Zu niedrige Stundenpreise

Der häufigste Todesursache für Reinigungsfirmen. Wer Unterhaltsreinigung für 20 €/Stunde anbietet, ist nach Lohn, Lohnnebenkosten, Fahrt, Material und Versicherung im Minus. Mindestens 30–35 €/Stunde für LG 1, 50+ € für Glasreinigung. Kalkulieren Sie mit dem vollständigen Stundenverrechnungssatz (siehe oben)!

❌ Fehler 2: Keine Schlüsselversicherung

Sie haben Schlüssel zu Büros, Praxen, Wohnungen. Geht ein Schlüssel verloren, muss die gesamte Schließanlage getauscht werden – Kosten: 5.000–50.000+ € (je nach Objekt). Ohne Schlüsselversicherung zahlen Sie das aus eigener Tasche. Schlüsselversicherung ist Pflicht!

❌ Fehler 3: Falsche Reinigungsmittel = Materialschäden

Saurer Reiniger auf Marmor = dauerhafte Ätzschäden. Alkalischer Reiniger auf Linoleum = Oberfläche zerstört. Scheuermittel auf Edelstahl = Kratzer. Materialverträglichkeit ist die wichtigste Fachkenntnis! Ein einziger Materialschaden kann Tausende Euro kosten und den Ruf zerstören.

❌ Fehler 4: Kein schriftlicher Vertrag mit Leistungsverzeichnis

Ohne genaues Leistungsverzeichnis (welche Räume, welche Flächen, welche Häufigkeit, welche Qualität) gibt es endlose Diskussionen mit Kunden. „Das war aber nie sauber" vs. „Das ist nicht im Vertrag". Immer schriftlich: m²-Angaben, Reinigungsintervalle, Qualitätsstandards, Reklamationsverfahren.

❌ Fehler 5: Personal ohne Kontrolle einsetzen

Reinigungskräfte arbeiten oft unbeaufsichtigt in Kundenräumen – nachts, am Wochenende, alleine. Ohne Qualitätskontrollen und Einarbeitung sinkt die Leistung rapide. Regelmäßige Vor-Ort-Kontrollen (mindestens 2×/Monat pro Objekt), Checklisten und Feedback-Routine einführen.

❌ Fehler 6: Scheinselbstständigkeit bei „subunternehmer"

Viele Reinigungsfirmen setzen „Subunternehmer" ein, die faktisch wie Angestellte arbeiten. Das Risiko: Scheinselbstständigkeit – Deutsche Rentenversicherung und Zoll prüfen regelmäßig. Nachzahlung von Sozialabgaben (bis 4 Jahre rückwirkend!) + Bußgelder. Subunternehmer nur einsetzen, wenn sie eigenes Gewerbe, eigene Kunden und eigene Betriebsmittel haben.

❌ Fehler 7: Nur Preis verkaufen, nicht Qualität

Im Preiskampf gegen Dumper verlieren Sie immer. Differenzierung über Qualität: Zertifizierungen (RAL-Gütezeichen, ISO 9001), Innungsmitgliedschaft, geschultes Personal, transparente Dokumentation, feste Ansprechpartner. Kunden, die nur den billigsten Preis suchen, sind keine guten Kunden.

9. Verdienstpotenzial: Was verdient man mit einer Reinigungsfirma?

Kennzahl Solo-Reiniger Betrieb mit 10–30 MA
Stundenverrechnungssatz (netto) 25 – 45 € 30 – 80 €
Jahresumsatz 30.000 – 80.000 € 200.000 – 1.500.000 €
Gewinnmarge 20 – 35 % 5 – 15 %
Inhabereinkommen (netto, geschätzt) 1.500 – 3.500 €/Monat 3.000 – 10.000 €/Monat

Wichtig: Die Gebäudereinigung ist ein Personalgeschäft – Ihr Gewinn kommt aus der Marge auf die Arbeitsleistung Ihrer Mitarbeiter (Differenz zwischen Kundenpreis und Personalkosten). Als Solo-Reiniger ist Ihr Verdienst durch die eigene Arbeitszeit begrenzt. Skalierung funktioniert nur über Personal. Die höchsten Gewinne erzielen Betriebe mit Spezialisierung (Sonderreinigung, Steinpflege, Hygiene) und effizienter Personalorganisation.

10. FAQ – Häufige Fragen zur Reinigungsfirma-Gründung

Brauche ich einen Meister für eine Reinigungsfirma?

Nein. Die Gebäudereinigung ist ein zulassungsfreies Handwerk (Anlage B1 HwO) – keine Meisterpflicht. Aber: Der Meistertitel bringt enorme Wettbewerbsvorteile (Ausbildungsberechtigung, öffentliche Aufträge, Kundenvertrauen).

Was ist der Mindestlohn in der Gebäudereinigung?

Es gibt einen branchenspezifischen Mindestlohn, der über dem gesetzlichen liegt: LG 1 (Unterhaltsreinigung): 14,25 €/Std. (ab 02/2025), steigt auf 15,00 € (01/2026). LG 6 (Glas-/Fassade): 17,65 €/Std. (ab 02/2025), steigt auf 18,40 € (01/2026). Tariflich sind außerdem 30 Tage Urlaub und Nacht-/Wochenendzuschläge vorgesehen.

Welche BG ist zuständig?

Die BG BAU (Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft) ist die zuständige Berufsgenossenschaft für Gebäudereiniger. Arbeitgeber müssen sich dort anmelden.

Wie viel muss ich pro Stunde verlangen?

Mindestens 30–35 €/Stunde netto für Unterhaltsreinigung, 50–80 € für Glas-/Fassadenreinigung, 60–100+ € für Sonderreinigung. Alles unter 28 €/Stunde deckt bei seriöser Kalkulation nicht die Kosten (Lohn + Lohnnebenkosten + Material + Gemeinkosten + Gewinn).

Kann ich als Reinigungsfirma auch mit Minijobs arbeiten?

Ja – Minijobs (520 €/Monat) sind in der Gebäudereinigung weit verbreitet, besonders für die Unterhaltsreinigung abends/nachts. Beachten Sie: pauschale Abgaben (ca. 30 % auf den Lohn), Mindestlohn gilt trotzdem, Arbeitszeit dokumentieren (Mindestlohngesetz).

Lohnt sich die Innungsmitgliedschaft?

Ja, besonders wenn Sie über die Einstiegsphase hinaus wachsen wollen. Die Innung bietet: Tarifvertragsberatung, Schulungen, Netzwerk, Rechtsberatung, RAL-Gütezeichen und Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen. Kosten: 300–1.500 €/Jahr je nach Betriebsgröße.

Wie schütze ich mich vor Scheinselbstständigkeit?

Wenn Sie Subunternehmer einsetzen, müssen diese eigenes Gewerbe, eigene Betriebsmittel, mehrere Auftraggeber und unternehmerische Freiheit (Arbeitszeit, -ort selbst bestimmen) haben. Im Zweifel: Statusfeststellungsverfahren bei der DRV beantragen. Tipp: Im Zweifel lieber anstellen als Sub beauftragen.

11. Gründungs-Checkliste Gebäudereinigung

✅ Vollständige Checkliste für Reinigungsfirma-Gründer

Formales & Versicherungen

  • ☐ Gewerbeanmeldung
  • ☐ HWK-Anzeige (zulassungsfreies Handwerk)
  • ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
  • ☐ BG BAU Anmeldung
  • ☐ Rechtsform wählen (Einzelunternehmen/UG/GmbH)
  • ☐ Betriebshaftpflicht (min. 3 Mio. €)
  • ☐ Schlüsselversicherung (!)
  • ☐ BU-Versicherung
  • ☐ Innungsmitgliedschaft prüfen
  • ☐ Stundenverrechnungssatz kalkulieren

Ausstattung & Marketing

  • ☐ Reinigungswagen + Grundausstattung
  • ☐ Gewerbe-Staubsauger
  • ☐ Reinigungsmittel (pH-neutral, sauer, alkalisch)
  • ☐ PSA (Handschuhe, Schuhe, ggf. Mundschutz)
  • ☐ Fahrzeug (ggf. mit Branding)
  • ☐ Leistungsverzeichnis-Vorlage erstellen
  • ☐ Qualitätskontroll-System aufsetzen
  • Website
  • Google Profil
  • ☐ Hausverwaltungen ansprechen

Die Gebäudereinigung ist der einfachste Einstieg ins Handwerk – keine Meisterpflicht, geringe Gründungskosten, riesiger Markt. Aber: Der Wettbewerb ist brutal, die Margen dünn, und Lohndumping drückt die Preise. Wer sich differenziert – durch Spezialisierung (Steinpflege, Hygiene, PV-Reinigung), Qualitätszertifizierungen und professionelle Strukturen – kann ein stabiles, skalierbares Unternehmen aufbauen.

Starten Sie mit dem Stundensatzrechner – die saubere Kalkulation ist der wichtigste Erfolgsfaktor in der Gebäudereinigung.

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