Selbstständig als Tischler / Schreiner 2026: Meisterpflicht, Werkstatt-Gründung & Premium-Nischen
Tischlerei gründen: Schritt-für-Schritt von der Meisterpflicht über die Werkstattplanung bis zum ersten Auftrag. Mit Kostentabellen, CNC-Strategie, Premium-Spezialisierungen und Gründungs-Checkliste.
Redaktion handwerk.cloud
20. Februar 2026
Tischler (Norddeutschland) oder Schreiner (Süddeutschland) – die offizielle Bezeichnung in der Handwerksordnung ist „Tischler". Der Beruf vereint Tradition und Hightech: Vom handgefertigten Massivholzmöbel bis zur CNC-gesteuerten Serienfertigung, vom individuellen Innenausbau bis zum energetischen Fensterbau. Kaum ein Handwerk bietet eine so breite Palette an Spezialisierungsmöglichkeiten.
Die Gründung einer Tischlerei ist allerdings kapitalintensiv: Werkstatt, Absauganlage, Maschinen und Holzlager treiben die Einstiegskosten nach oben. Dafür winken Premium-Margen, die andere Bauhandwerke selten erreichen – vorausgesetzt, Sie positionieren sich richtig. Dieser Leitfaden führt Sie durch den gesamten Gründungsprozess.
1. Meisterpflicht: Ununterbrochen geregelt
Das Tischlerhandwerk gehört zu den zulassungspflichtigen Gewerken nach Anlage A der Handwerksordnung (HwO). Die Meisterpflicht bestand ununterbrochen – sie wurde nie abgeschafft. Der Tischlermeister ist eine der vielseitigsten Meisterqualifikationen und berechtigt zu einem breiten Leistungsspektrum.
Was der Tischlermeister abdeckt
- Planung und Fertigung von Möbeln (Einbaumöbel, Maßanfertigungen, Küchen)
- Innenausbau (Wandverkleidungen, Decken, Einbauten)
- Fenster- und Türenbau (auch Haustüren)
- Treppenbau (Holztreppen, Geländer)
- Laden- und Messebau
- Restaurierung und Reparatur von Holzgegenständen
- Bestattungstischlerei (Sargbau)
- Holzoberflächen (Lackierung, Ölung, Beizen)
⚠️ Abgrenzung: Tischler vs. Zimmerer vs. Parkettleger
Tischler fertigen und montieren Holzprodukte (Möbel, Fenster, Türen, Treppen, Innenausbau). Der Zimmerer baut tragende Holzkonstruktionen (Dachstühle, Holzrahmenbau). Der Parkettleger verlegt Holzfußböden. In der Praxis bieten viele Tischlereien auch Parkettverlegung an – klären Sie mit der HWK, ob Ihr Meisterbrief das abdeckt.
Drei Wege in die Selbstständigkeit
| Weg | Voraussetzungen | Kosten | Dauer |
|---|---|---|---|
| Eigener Meisterbrief | Gesellenbrief Tischler | 7.000 – 13.000 € | 12–18 Monate (VZ) / 2–3 Jahre (TZ) |
| Altgesellenregelung (§ 7b HwO) | 6 Jahre Berufserfahrung, 4 in leitender Stellung | 500 – 1.500 € | 3–6 Monate |
| Technischer Betriebsleiter | Anstellung eines Tischlermeisters in Vollzeit | 42.000 – 55.000 €/Jahr | Sofort möglich |
🔧 Praxis-Tipp: Gestalter im Handwerk
Die Zusatzqualifikation „Gestalter im Handwerk" (12 Monate berufsbegleitend) stärkt Ihr Profil enorm: Design-Kompetenz, 3D-Rendering, Kundenansprache. Besonders wertvoll, wenn Sie sich auf Designermöbel oder hochwertigen Innenausbau spezialisieren. Kosten: 3.000–6.000 € (teils mit Aufstiegs-BAföG förderbar).
2. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Von der Gesellenprüfung zur eigenen Tischlerei
Die Gründung einer Tischlerei dauert typischerweise 4–8 Monate – die Werkstattsuche und Maschinenausstattung bestimmen das Tempo.
Schritt 1: Meisterbrief erwerben
- Tischlermeister-Kurs: Vollzeit 12–18 Monate, Teilzeit 2–3 Jahre
- Teil I (Fachpraxis): Meisterstück fertigen – hier zeigt sich Ihre handwerkliche Qualität
- Aufstiegs-BAföG: Bis 75 % Zuschuss auf Kursgebühren + Darlehen mit Teilerlass bei Bestehen
- Meistergründungsprämie: Je nach Bundesland 7.500–15.000 € Zuschuss (innerhalb 12 Monaten beantragen)
- Zusatzqualifikation: Gestalter im Handwerk, CNC-Techniker, Restaurator – je nach Spezialisierung
Schritt 2: Businessplan & Spezialisierung
Im Tischlerhandwerk ist die Spezialisierung besonders wichtig – der Markt ist vielfältig und die Nischen lukrativ:
- Zielgruppe definieren: Premium-Privatkundenmarkt? Ladenbau für Gewerbe? Fensterbau für den Bau? Die Zielgruppe bestimmt Werkstattgröße, Maschinenpark und Marketing
- Stundensatz: Tischlereien arbeiten mit 55–95 € netto/Stunde – je nach Spezialisierung und Region. Nutzen Sie den Stundensatzrechner
- Materialanteil: Stark variabel: 20–35 % bei Maßmöbeln (hoher Arbeitsanteil), 40–55 % bei Fensterbau und Türen
- Finanzierung: KfW-ERP-Gründerkredit bis 125.000 €. Maschinenleasing senkt den Eigenkapitalbedarf
Schritt 3: Werkstatt finden und einrichten
Die Werkstatt ist das Herzstück der Tischlerei – und der größte laufende Kostenfaktor:
- Größe: Min. 100 m² für Ein-Mann-Tischlerei, 200–400 m² für einen Betrieb mit 3–6 MA. Dazu: Holzlager, Büro, ggf. Ausstellungsraum
- Absauganlage: Gesetzlich vorgeschrieben! Holzstaub ist krebserregend (TRGS 553). Eine zentrale Absauganlage kostet 5.000–20.000 € und muss professionell installiert werden
- Stromanschluss: Starkstrom (400V/32A oder mehr) für Hobelmaschine, Formatkreissäge etc.
- Emissionsschutz: In Wohngebieten sind Tischlereien oft problematisch (Lärm, Späne). Gewerbegebiet empfohlen
- Miete: 4–10 €/m² in Gewerbegebieten. Alternative: Betriebsübernahme eines bestehenden Tischlerbetriebs
Schritt 4: Handwerkskammer – Handwerksrolle
- Meisterbrief, Personalausweis und Mietvertrag Werkstatt vorlegen
- Eintragung in die Handwerksrolle (Kosten: 120–300 €)
- Leistungsumfang klären: Möbelbau, Innenausbau, Fenster, Türen, Treppenbau etc.
Schritt 5: Gewerbeanmeldung
- Mit HWK-Bestätigung zum Gewerbeamt (Kosten: 20–65 €)
- Alle geplanten Leistungen angeben
Schritt 6: Finanzamt – Steuerliche Erfassung
- Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER
- Regelbesteuerung empfohlen (Vorsteuerabzug auf Maschinen und Holz!)
- Kleinunternehmerregelung nur für Solo-Restauratoren mit geringem Umsatz ggf. sinnvoll
Schritt 7: BG Holz und Metall & Versicherungen
- BG Holz und Metall: Pflichtanmeldung! (Nicht BG BAU – Tischler gehören zur BG HM). Unfallversicherung für Betriebsinhaber und Mitarbeiter
- Betriebshaftpflicht: Min. 3 Mio. € Deckung
- Werkstattversicherung: Feuer, Sturm, Einbruch – Holzwerkstätten haben ein erhöhtes Brandrisiko
- Maschinenbruchversicherung: Empfohlen bei hochwertigem CNC-Equipment
- Berufsunfähigkeit: Holzstaub + schwere Maschinen – BU ist Pflicht
Schritt 8: Betriebsaufbau & Marketing
- Maschinen beschaffen und in Betrieb nehmen (Sicherheitsprüfung!)
- Holzlieferanten verhandeln (Massivholz, Plattenwerkstoffe, Furniere)
- Beschläge-Händler und Oberflächenmittel-Lieferanten einrichten
- Website erstellen mit Projektgalerie
- Erste Referenzobjekte schaffen (ggf. Eigenprojekte zum Zeigen)
3. Gründungskosten: Realistisch kalkulieren
Die Tischlerei gehört zu den maschinenintensivsten Handwerksgründungen. Der Maschinenpark bestimmt maßgeblich die Investitionssumme. Mehr zu Maßmöbeln: Maßmöbel vom Tischler: Vorteile & Kosten.
| Kostenposition | Grundausstattung | Profi-Ausstattung |
|---|---|---|
| Meisterprüfung | 7.000 – 13.000 € (vor BAföG) | 7.000 – 13.000 € |
| Werkstatt (Herrichtung + 6 Mon. Miete) | 6.000 – 15.000 € | 12.000 – 35.000 € |
| Absauganlage | 5.000 – 10.000 € | 10.000 – 25.000 € |
| Stationärmaschinen (Kreissäge, Hobel, Fräse, Bandsäge) | 15.000 – 40.000 € | 40.000 – 120.000 € |
| CNC-Bearbeitungszentrum (optional) | — | 60.000 – 200.000 € |
| Handmaschinen & Elektrowerkzeuge | 3.000 – 8.000 € | 8.000 – 20.000 € |
| Fahrzeug (Transporter/Kastenwagen) | 8.000 – 25.000 € | 20.000 – 45.000 € |
| Holzlager (Grundstock) | 3.000 – 8.000 € | 8.000 – 25.000 € |
| HWK + Gewerbe + BG HM | 500 – 800 € | 500 – 800 € |
| Versicherungen (1. Jahr) | 2.500 – 5.000 € | 5.000 – 12.000 € |
| Software (CAD, CNC, Büro) | 1.500 – 4.000 € | 4.000 – 12.000 € |
| Website, Marketing, Fahrzeugbeschriftung | 2.000 – 5.000 € | 4.000 – 10.000 € |
| Gesamt (ohne Meisterprüfung + ohne CNC) | 47.000 – 125.000 € | 112.000 – 305.000 € |
💰 Kosten senken: Strategien für Tischler-Gründer
- Gebrauchte Maschinen: Formatkreissägen, Hobelmaschinen und Fräsen sind auf Maschinenauktionen (Surplex, TradeMachines) oft für 40–60 % des Neupreises erhältlich. Achten Sie auf den CE-Zustand
- Betriebsübernahme: Viele Tischlermeister gehen in Rente – Werkstatt, Maschinen und Kundenstamm im Paket. Die HWK und Innungen vermitteln Betriebsübernahmen
- CNC als Dienstleistung: Statt ein eigenes CNC-Bearbeitungszentrum zu kaufen (60k–200k €), vergeben Sie CNC-Fräsarbeiten extern. Das kostet pro Auftrag, eliminiert aber die größte Einzelinvestition
- Coworking-Werkstatt: In Großstädten entstehen Gemeinschaftswerkstätten für Tischler – Maschinennutzung gegen Stundengebühr oder Monatsmiete
4. Die 6 lukrativsten Spezialisierungen
1. Design-Möbel & Maßanfertigung
Die Premium-Nische: Individuelle Möbel nach Kundenwunsch, oft in Zusammenarbeit mit Innenarchitekten. Auftragswerte: 2.000–30.000 € pro Möbelstück. Kunden sind wenig preissensibel und zahlen für Design, Material und Handwerkskunst. Erfordert: Designkompetenz, 3D-Rendering, exzellentes Holz-Know-how. Details: Maßmöbel vom Tischler: Vorteile & Kosten.
2. Hochwertiger Innenausbau
Kompletter Innenausbau für Wohnungen, Arztpraxen, Hotels und Restaurants: Wandverkleidungen, Einbaumöbel, begehbare Kleiderschränke, Raumteiler. Auftragswerte: 10.000–80.000 €. Besonders Hotels und Gastronomie investieren in individuelle Inneneinrichtung. Kombination mit hochwertiger Oberfläche (Lack, Furnier, Linoleum).
3. Fenster- und Türenbau
Holzfenster und Haustüren aus Holz – ein stabiler Markt durch den Fokus auf Nachhaltigkeit und Denkmalschutz. Erfordert spezialisierte Maschinen (Fensterrahmen-Fräse, Verglasung). Hohe Wiederholbarkeit durch standardisierte Prozesse. Kosten-Info: Fenster austauschen: Kosten und Haustür einbauen: Kosten.
4. Laden- und Messebau
Inneneinrichtung für Einzelhandel, Gastro und Messestände. Schnelle Projekte mit hohen Auftragswerten: 5.000–50.000 € pro Projekt. Zeitdruck ist hoch (Messebau: oft Wochenendmontage), aber die Margen sind es auch. Erfordert: CNC-Fähigkeiten, Terminzuverlässigkeit und Flexibilität.
5. Treppenbau
Holztreppen sind Premium-Produkte: Einläufig ab 3.000 €, Wendeltreppe ab 8.000 €, Designtreppe bis 25.000 €. Spezialisierung mit wenig Konkurrenz – Treppenbau erfordert hohe Präzision und statisches Verständnis. Kombination mit Geländer-/Glasdesign steigert den Auftragswert. Info: Tür einbauen: Kosten (Innenausbau-Themen).
6. Restaurierung & Antik-Möbel
Die Nische für Handwerkspuristen: Restaurierung von Antiquitäten, historischem Mobiliar und denkmalgeschützten Interieurs. Wenig Maschineneinsatz, hoher Arbeitsanteil, Premium-Preise. Kunden: Museen, Denkmalpflege, wohlhabende Privatsammler. Zusatzqualifikation „Restaurator im Handwerk" empfohlen.
5. CNC: Lohnt sich die Investition?
Die CNC-Frage spaltet das Tischlerhandwerk: Traditionalisten setzen auf Handwerk, Modernisierer auf Technologie. Beide Wege funktionieren – die richtige Wahl hängt von Ihrer Spezialisierung ab.
| Kriterium | Ohne CNC | Mit CNC |
|---|---|---|
| Investition | 15.000 – 40.000 € | 75.000 – 200.000 € |
| Ideal für | Einzelstücke, Restaurierung, Massivholz | Serien, Ladenbau, Plattenverarbeitung |
| Produktivität | Handwerkergebunden | 2–3× bei Serienprodukten |
| Mitarbeiter-Skill | Hohe Handwerksqualität nötig | CNC-Bediener + Programmierer nötig |
| Break-even | Schnell (niedrige Fixkosten) | Ab 200.000+ € Umsatz/Jahr sinnvoll |
Empfehlung für Gründer: Ohne CNC starten, CNC-Arbeiten extern vergeben. Eigene CNC erst anschaffen, wenn der Umsatz stabil über 200.000 €/Jahr liegt und die Werkstatt Platz bietet (min. 50 m² extra).
6. Marketing & Kundengewinnung
Im Tischlerhandwerk ist visuelles Marketing entscheidend – Ihre Arbeit spricht durch Bilder.
Website mit Projektgalerie
Ihre Website ist Ihr Showroom. Zeigen Sie jedes Projekt mit professionellen Fotos: Material, Detail, Gesamtansicht, Einbausituation. Potenzielle Kunden entscheiden emotional – ein Bild einer maßgefertigten Eichenküche überzeugt mehr als jeder Text. Anleitung: Handwerker-Website erstellen.
Instagram & Pinterest
Die wichtigsten Kanäle für Tischler: Instagram für Werkstatt-Einblicke und fertige Projekte, Pinterest für Inspirationsbilder (werden bei Google Bildersuche hoch gerankt). Regelmäßig posten: Vorher/Nachher, Holzauswahl, Werkstattprozess, fertiges Möbelstück. Details: Social Media für Handwerker.
Google Unternehmensprofil
„Tischler + [Stadt]", „Schreiner + [Region]" und „Einbauschrank nach Maß + [Stadt]" sind die relevantesten Suchbegriffe. Google Profil mit Projektfotos und Bewertungen pflegen.
Empfehlungsmarketing & Innenarchitekten
- Innenarchitekten: Der wichtigste Empfehlungskanal für Premium-Tischler. Bauen Sie aktiv Beziehungen auf – eine Referenzmappe mit gemeinsamen Projekten wirkt Wunder
- Küchenstudios: Kooperation für individuelle Küchenlösungen, die Küchenstudios nicht selbst fertigen können
- Immobilienmakler: Empfehlen Tischler für Einbaumöbel bei Immobilienaufwertung
7. Die 7 häufigsten Fehler bei der Tischler-Gründung
❌ Fehler 1: Absauganlage unterschätzen
Holzstaub ist krebserregend (TRGS 553) – die BG HM kontrolliert streng. Eine professionelle zentrale Absauganlage kostet 5.000–20.000 €, ist aber gesetzlich vorgeschrieben. Keine mobile Billiglösung, keine Improvisation. Der Staubgrenzwert für Holzstaub liegt bei 2 mg/m³. Verstöße führen zu Bußgeldern und Betriebsschließung.
❌ Fehler 2: Zu breit aufstellen
Der häufigste strategische Fehler: Alles anbieten (Möbel, Fenster, Treppen, Ladenbau, Bestattung). Das Ergebnis: Keine Kompetenz in nichts, keine USP, Preiskampf. Spezialisieren Sie sich auf 1–2 Bereiche und werden Sie darin exzellent. Generalistenbetriebe haben die schwächsten Margen.
❌ Fehler 3: Keine 3D-Visualisierung anbieten
Kunden können sich Möbel und Innenausbauten nicht vorstellen. Wer nur 2D-Zeichnungen oder gar nur Beschreibungen liefert, verliert Aufträge an Wettbewerber mit fotorealistischen 3D-Renderings. Investieren Sie in CAD-Software mit Rendering-Funktion (SketchUp, Pytha, IMOS). Die Investition zahlt sich über höhere Abschlussquoten sofort aus.
❌ Fehler 4: Werkstattlayout nicht planen
Das Werkstattlayout bestimmt die Produktivität: Materialfluss von Holzlager → Zuschnitt → Bearbeitung → Oberfläche → Montage/Verpackung sollte logisch und ohne Kreuzwege verlaufen. Eine schlecht geplante Werkstatt kostet Sie 15–25 % Produktivität durch unnötige Wege und Umstapeln.
❌ Fehler 5: Montage schlecht kalkulieren
Viele Tischler kalkulieren die Werkstattarbeit genau, unterschätzen aber die Montagezeit vor Ort. Anfahrt, Schutz der Kundenräume, Einpassen, Nacharbeit und Reinigung kosten oft 30–50 % mehr Zeit als geplant. Regel: Geschätzten Montageaufwand immer mit Faktor 1,5 multiplizieren.
❌ Fehler 6: Oberflächenqualität vernachlässigen
Die Oberfläche entscheidet über den Gesamteindruck – und damit über Empfehlungen. Schleifriefen, Laufnasen im Lack oder ungleichmäßige Ölungen zerstören den wertvollsten Rohstoff: Ihren Ruf. Investieren Sie in eine separate Lackier-/Oberflächenkabine (staubfrei!) und lernen Sie moderne Oberflächensysteme (Wasserlacke, Hardwachsöle, Naturharzlacke).
❌ Fehler 7: Aufmaß-Fehler bei Einbaumöbeln
Ein falsches Aufmaß beim Kunden bedeutet: Möbel passt nicht, Nacharbeit in der Werkstatt, zweite Anfahrt, frustrierter Kunde. Nutzen Sie digitale Aufmaß-Tools (Laser, Leica), messen Sie dreimal, und dokumentieren Sie Besonderheiten (schiefe Wände, Leitungen, Rohre) fotografisch.
8. Verdienstpotenzial: Was verdient ein selbstständiger Tischler?
| Kennzahl | Solo-Tischler | Betrieb mit 3–8 MA |
|---|---|---|
| Stundensatz (netto) | 55 – 75 € | 65 – 95 € |
| Durchschn. Auftragswert | 1.500 – 8.000 € | 5.000 – 80.000 € |
| Jahresumsatz | 80.000 – 180.000 € | 250.000 – 1.000.000 € |
| Gewinnmarge | 18 – 30 % | 10 – 18 % |
| Inhabereinkommen (netto, geschätzt) | 2.500 – 5.000 €/Monat | 4.000 – 10.000 €/Monat |
Der Schlüssel zum hohen Verdienst: Spezialisierung + Premium-Positionierung. Design-Tischler mit Innenarchitekten-Netzwerk erreichen die höchsten Stundensätze (80–95 €). Generalist-Tischlereien liegen oft unter 60 €/Std. – bei höheren Kosten durch breitere Maschinenpark-Anforderungen.
9. FAQ – Häufige Fragen zur Tischler-Gründung
Brauche ich einen Meister, um Möbel zu verkaufen?
Ja, wenn Sie Möbel selbst fertigen. Das Herstellen von Möbeln aus Holz fällt unter das zulassungspflichtige Tischlerhandwerk. Ausnahme: Rein handwerklicher Verkauf von unbearbeiteten Materialien oder importierten Fertigmöbeln erfordert keinen Meister – aber das ist Handel, nicht Handwerk.
Was kostet eine Tischler-Werkstatt?
Grundausstattung (1-Mann-Werkstatt): 47.000–125.000 € (ohne Meisterprüfung und ohne CNC). Profi-Werkstatt mit CNC: 170.000–500.000+ €. Die größten Posten: Stationärmaschinen (15k–120k €), Absauganlage (5k–25k €) und Werkstatt-Miete. Gebrauchte Maschinen senken die Kosten um 40–60 %.
Gehöre ich zur BG BAU oder BG Holz und Metall?
Als Tischler sind Sie bei der BG Holz und Metall (BG HM) pflichtversichert – nicht bei der BG BAU. Das ist ein häufiger Irrtum. Nur Zimmerleute und Bauschreiner gehören zur BG BAU. Die BG HM hat andere Beitragssätze und Gefahrenklassen.
Lohnt sich CNC für Einzelstücke?
In der Regel nicht. CNC-Bearbeitungszentren sind für Serien und standardisierte Produkte (Ladenbau, Plattenverarbeitung) ausgelegt. Für individuelle Massivholz-Einzelstücke ist Handarbeit oft schneller und kreativer. CNC lohnt sich ab ca. 200.000 € Jahresumsatz und bei wiederholbaren Produkten.
Wie finde ich als Neugründer schnell Aufträge?
Drei Strategien: 1) Instagram mit hochwertigen Projektbildern (funktioniert überraschend gut für Tischler). 2) Innenarchitekten kontaktieren und Referenzmappe vorlegen. 3) Eigenprojekte fertigen und auf der Website als Showcase zeigen – auch wenn sie nicht bezahlt sind, dienen sie als Portfolio.
Wie wichtig ist Design-Kompetenz?
Zunehmend entscheidend. Kunden erwarten nicht nur handwerkliche Qualität, sondern auch ästhetische Beratung. Die Zusatzqualifikation „Gestalter im Handwerk" oder ein Design-Kurs stärkt Ihr Profil und ermöglicht Premium-Preise. 3D-Visualisierungen (SketchUp, Pytha) sind heute Standard bei anspruchsvollen Kunden.
Was ist mit Holzstaub – wie gefährlich ist das?
Holzstaub, besonders von Hartholz (Eiche, Buche), ist als krebserregend eingestuft (TRGS 553). Der Grenzwert liegt bei 2 mg/m³. Eine zentrale Absauganlage ist gesetzlich vorgeschrieben. Die BG HM kontrolliert regelmäßig. Zusätzlich: FFP2-Masken bei staubintensiven Arbeiten, regelmäßige arbeitsmedizinische Vorsorge.
10. Gründungs-Checkliste Tischlerei
✅ Vollständige Checkliste für Tischler-Gründer
Qualifikation & Formales
- ☐ Tischlermeisterbrief / Ausübungsberechtigung
- ☐ Zusatzqualifikation (Gestalter, Restaurator, CNC)
- ☐ Eintragung Handwerksrolle (HWK)
- ☐ Gewerbeanmeldung
- ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
- ☐ BG Holz und Metall (nicht BG BAU!)
- ☐ Betriebshaftpflicht (min. 3 Mio. €)
- ☐ Werkstattversicherung (Feuerrisiko!)
- ☐ Berufsunfähigkeitsversicherung
- ☐ Rechtsform festlegen
Werkstatt & Marketing
- ☐ Werkstatt finden (Gewerbegebiet, Starkstrom)
- ☐ Absauganlage installieren (TRGS 553!)
- ☐ Stationärmaschinen beschaffen
- ☐ Werkstattlayout nach Materialfluss planen
- ☐ Transportfahrzeug (Kastenwagen)
- ☐ CAD-Software anschaffen
- ☐ Holzlieferanten verhandeln
- ☐ Website mit Projektgalerie
- ☐ Google Profil einrichten
- ☐ Instagram-/Pinterest-Kanal starten
- ☐ Innenarchitekten-Netzwerk aufbauen
- ☐ Innungsmitgliedschaft prüfen
Das Tischlerhandwerk bietet eine einzigartige Kombination aus Kreativität, handwerklicher Perfektion und unternehmerischem Potenzial. Wer sich auf Premium-Nischen spezialisiert und visuelles Marketing beherrscht, kann überdurchschnittliche Margen erzielen – bei einem Beruf, der tägliche Erfüllung bringt.
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