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Selbstständig als Metallbauer 2026: Meisterpflicht, Schweißtechnik & Stahlbau-Nischen

Metallbau-Betrieb gründen: Schritt-für-Schritt von der Meisterpflicht über die Werkstattausstattung bis zur Spezialisierung. Mit Kostentabellen, Schweißverfahren-Vergleich, 6 Premium-Nischen und Gründungs-Checkliste.

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Redaktion handwerk.cloud

20. Februar 2026

Geprüfte Fachbetriebe🔒Sichere Daten (SSL)💯Kostenlos & unverbindlich4,8/5 Kundenbewertung

Metallbauer – das ist weit mehr als der klassische „Schlosser". Das moderne Metallbauhandwerk umfasst Stahlkonstruktionen, Fassadenbau, architektonische Sonderlösungen, Edelstahl-Design und zunehmend die Kombination von Stahl mit Glas. Von der Treppe über den Wintergarten bis zur Industriehalle – der Metallbauer ist ein Schlüsselgewerk am Bau.

Die Gründung eines Metallbaubetriebs ist kapitalintensiv: Schweißtechnik, Sägen, ggf. CNC-Plasma oder Laser – die Maschinenkosten sind hoch. Dafür winken stabile Margen, denn qualifizierte Metallbauer sind knapp. Dieser Leitfaden führt Sie durch den gesamten Gründungsprozess.

1. Meisterpflicht: Ununterbrochen geregelt

Das Metallbauerhandwerk gehört zu den zulassungspflichtigen Gewerken nach Anlage A der Handwerksordnung (HwO). Die Meisterpflicht bestand ununterbrochen – sie wurde nie abgeschafft. Der Metallbauermeister (früher „Schlossermeister") hat drei Schwerpunkte:

Die drei Fachrichtungen des Metallbaumeisters

Fachrichtung Typische Arbeiten Marktpotenzial
Konstruktionstechnik Treppen, Geländer, Balkone, Vordächer, Stahlbau, Fassaden, Fenster/Türen aus Stahl und Alu Größtes Segment, stärkste Nachfrage
Metallgestaltung Kunstschmiedearbeiten, Designgeländer, Tore, Gitter, Skulpturen, Restaurierung Premium-Nische, höchste Margen
Nutzfahrzeugbau Aufbauten für Lkw, Anhänger, Spezialumbau, Pritschen, Kranaufbauten Industrie-Nische, planbare Aufträge

⚠️ Abgrenzung: Metallbauer vs. Feinwerkmechaniker vs. Klempner

Der Metallbauer arbeitet mit Stahl, Edelstahl und Aluminium in der Bau- und Konstruktionstechnik. Der Feinwerkmechaniker fertigt Präzisionsteile und Werkzeuge. Der Klempner/Spengler arbeitet mit Dünnblech (Dachrinnen, Blechverkleidungen). Die Grenzen sind fließend – klären Sie Überschneidungen mit der HWK.

Drei Wege in die Selbstständigkeit

Weg Voraussetzungen Kosten Dauer
Eigener Meisterbrief Gesellenbrief Metallbauer 7.000 – 12.000 € 12–18 Monate (VZ) / 2–3 Jahre (TZ)
Altgesellenregelung (§ 7b HwO) 6 Jahre Berufserfahrung, 4 in leitender Stellung 500 – 1.500 € 3–6 Monate
Technischer Betriebsleiter Anstellung eines Metallbaumeisters in Vollzeit 42.000 – 55.000 €/Jahr Sofort möglich

🔧 Praxis-Tipp: Schweißzertifikate

Schweißzertifikate nach DIN EN ISO 9606-1 (Stahl) und ISO 9606-2 (Aluminium) sind für tragende Konstruktionen gesetzlich vorgeschrieben. Die Zertifizierung kostet 300–800 € pro Verfahren und muss alle 2 Jahre erneuert werden. Ohne gültige Schweißzertifikate dürfen Sie keine tragenden Stahlbauteile fertigen – der TÜV oder Prüfstatiker wird dies kontrollieren.

2. Schritt-für-Schritt-Anleitung: Von der Gesellenprüfung zum eigenen Metallbaubetrieb

Die Gründung eines Metallbaubetriebs dauert typischerweise 4–8 Monate – Werkstattsuche und Maschinenausstattung bestimmen das Tempo.

Schritt 1: Meisterbrief erwerben

  • Metallbauermeister-Kurs: Vollzeit 12–18 Monate oder Teilzeit 2–3 Jahre
  • Fachrichtung wählen: Konstruktionstechnik (breitestes Einsatzfeld), Metallgestaltung (Premium-Nische) oder Nutzfahrzeugbau
  • Aufstiegs-BAföG: Bis 75 % Zuschuss auf Kursgebühren
  • Meistergründungsprämie: 7.500–15.000 € je nach Bundesland
  • Zusatzqualifikationen: DVS-Schweißzertifikate, Edelstahlverarbeitung, CAD/CAM, EN 1090 (CE-Kennzeichnung für tragende Bauteile)

Schritt 2: Businessplan & Spezialisierung

  • Zielmarkt definieren: Bau-Zulieferer (Treppen, Geländer)? Architektur-Einzelstücke? Industriemontage? Die Ausrichtung bestimmt Maschinenpark und Marketing
  • Stundensatz: Metallbauer kalkulieren mit 55–85 € netto/Stunde (Werkstatt), Montage vor Ort 10–20 € Aufschlag. Stundensatzrechner
  • Materialanteil: 30–50 % des Auftragswertes – Stahl, Alu, Edelstahl sind Börsenpreise ausgesetzt (Preisgleitklauseln vereinbaren!)
  • Finanzierung: KfW-ERP-Gründerkredit, Bürgschaftsbank, Investitionszulage (förderfähig laut Regionalförderung)

Schritt 3: Werkstatt finden und einrichten

  • Größe: Min. 150 m² für einen Solo-Betrieb (Konstruktionstechnik), 300–600 m² für 3–8 MA. Hallenhöhe min. 4 m (Kranarbeit, lange Werkstücke)
  • Krananlage: Bei Stahlbau unverzichtbar – Hallenkran 1–5 t (8.000–25.000 €, gebraucht 3.000–12.000 €)
  • Schweißtechnik: MIG/MAG, WIG, ggf. Elektrodenschweißen – mehrere Geräte erforderlich (je 2.000–8.000 €)
  • Absaugung: Schweißrauch ist krebserregend (TRGS 528) – Schweißrauchabsaugung ist gesetzlich vorgeschrieben
  • Standort: Gewerbegebiet Pflicht (Lärm, Funkenflug). LKW-Zufahrt für Materiallieferung und Abtransport

Schritt 4: Handwerkskammer – Handwerksrolle

  • Meisterbrief, Personalausweis und Werkstattnachweis vorlegen
  • Eintragung in die Handwerksrolle (Kosten: 120–300 €)
  • Fachrichtung und Leistungsumfang klären

Schritt 5: Gewerbeanmeldung

  • Mit HWK-Bestätigung zum Gewerbeamt (Kosten: 20–65 €)
  • Leistungen angeben: Metallbau, Stahlbau, Montage, ggf. Handel

Schritt 6: Finanzamt – Steuerliche Erfassung

  • Fragebogen über ELSTER ausfüllen
  • Regelbesteuerung (Vorsteuerabzug auf Maschinen und Material!)

Schritt 7: BG Holz und Metall & Versicherungen

  • BG Holz und Metall (BG HM): Pflichtanmeldung – Metallbauer gehören zur BG HM
  • Betriebshaftpflicht: Min. 3 Mio. €, bei tragenden Konstruktionen 5 Mio. € empfohlen
  • Werkstattversicherung: Feuer, Sturm, Einbruch – Metallwerkstätten haben erhöhtes Brandrisiko (Schweißfunken)
  • Montageversicherung: Deckt Schäden auf Großbaustellen ab
  • Berufsunfähigkeit: Schweißrauchbelastung, Lärm, schwere Lasten – BU ist Pflicht

Schritt 8: EN 1090 Zertifizierung – der Gamechanger

  • EN 1090 (Ausführung von Stahltragwerken und Aluminiumtragwerken): Für tragende Metallbauprodukte, die CE-kennzeichnungspflichtig sind, ist eine werksseitige Produktionskontrolle (WPK) nach EN 1090 zwingend erforderlich
  • Ohne EN 1090 dürfen Sie keine tragenden Geländer, Treppen, Balkone oder Stahlbauten herstellen
  • Zertifizierung durch externe Stelle (z. B. TÜV, SLV): 2.000–5.000 € + jährliche Überwachung 1.000–3.000 €
  • Erfordert: Schweißaufsicht (SFI/Schweißfachingenieur oder IWS/International Welding Specialist – ggf. extern beauftragen)

3. Gründungskosten: Realistisch kalkulieren

Die Gründung eines Metallbaubetriebs ist kapitalintensiv – Schweißtechnik, Sägen, Krananlage und Materiallager treiben die Kosten. Mehr zu Metallbau am Haus: Metallbau: Sicherheit & Design am Haus.

Kostenposition Kleinbetrieb (1–2 MA) Mittlerer Betrieb (4–8 MA)
Meisterprüfung 7.000 – 12.000 € (vor BAföG) 7.000 – 12.000 €
Werkstatt/Halle (Herrichtung + 6 Mon. Miete) 8.000 – 20.000 € 15.000 – 45.000 €
Schweißtechnik (MIG/MAG, WIG) 5.000 – 15.000 € 15.000 – 40.000 €
Metallbandsäge / Kaltkreissäge 3.000 – 10.000 € 8.000 – 25.000 €
Krananlage (Hallenkran 1–5 t) 3.000 – 12.000 € (gebr.) 8.000 – 25.000 €
Bohrmaschine, Schleifer, Handwerkzeug 3.000 – 8.000 € 8.000 – 20.000 €
CNC-Plasmaschneidanlage (optional) 20.000 – 80.000 €
Abkantpresse / Biegemaschine 5.000 – 15.000 € 15.000 – 50.000 €
Fahrzeug (Transporter + Anhänger) 10.000 – 25.000 € 20.000 – 50.000 €
Materiallager (Grundstock) 3.000 – 8.000 € 8.000 – 25.000 €
EN 1090 Zertifizierung + Schweißzertifikate 3.000 – 6.000 € 5.000 – 10.000 €
HWK + Gewerbe + BG HM 500 – 800 € 500 – 800 €
Versicherungen (1. Jahr) 3.000 – 6.000 € 6.000 – 15.000 €
Software (CAD, Kalkulation, Büro) 1.500 – 4.000 € 4.000 – 10.000 €
Website, Marketing, Fahrzeugbeschriftung 2.000 – 5.000 € 5.000 – 12.000 €
Gesamt (ohne Meisterprüfung, ohne CNC) 50.000 – 140.000 € 138.000 – 330.000 €

💰 Kosten senken: Strategien für Metallbau-Gründer

  • Gebrauchte Maschinen: Metallbearbeitungsmaschinen (Sägen, Schweißgeräte, Abkantpressen) auf Industrieauktionen (Surplex, TradeMachines) sind 40–60 % günstiger. Metallbandsägen halten bei Wartung Jahrzehnte
  • Betriebsübernahme: Viele Metallbauermeister (60+) suchen Nachfolger – Halle, Maschinen, EN-1090-Zertifikat und Kundenstamm im Paket. HWK-Betriebsbörse nutzen
  • CNC-Plasma extern vergeben: Statt eigene Plasmaschneidanlage (20k–80k €) lassen Sie Zuschnitte bei Lohnschneid-Betrieben fertigen. Just-in-Time-Lieferung, keine Investition
  • Materialkalkulatoren nutzen: Werkstoffpreise schwanken – nutzen Sie Stahlpreisindizes und vereinbaren Sie Preisgleitklauseln mit Kunden

4. Die 6 lukrativsten Spezialisierungen

1. Edelstahl-Design (Treppen, Geländer, Vordächer)

Premium-Segment: Treppen, Geländer und Vordächer aus geschliffenem oder gebürstetem Edelstahl – oft in Kombination mit Glas. Auftragswerte: 3.000–25.000 € pro Projekt. Kunden: Architekten, gehobene Privatkunden, Hotels. Erfordert: WIG-Schweißen auf höchstem Niveau (sichtbare Nähte!), präzise Verarbeitung. Mehr dazu: Metallbau: Sicherheit & Design und Treppe renovieren: Kosten.

2. Stahl-Glas-Konstruktionen

Wintergärten, Glasfassaden, Stahl-Glas-Trennwände im Loft-Stil – ein boomender Markt, getrieben durch architektonische Trends. Auftragswerte: 5.000–50.000+ €. Kombination aus Metallbau und Verglasung erfordert Kenntnisse in Wärmeschutz und Glasstatik.

3. Architektonische Sonderkonstruktionen

Einzelstücke für Architekturprojekte: Frei geformte Metallskulpturen, künstlerische Fassadenelemente, Sonderkonstruktionen für Museen und öffentliche Gebäude. Höchste Margen im Metallbau – Stundensätze von 80–120 € sind möglich. Erfordert: CAD-Kompetenz, 3D-Modellierung, Prototypenbau.

4. Balkon- und Terrassenbau (Stahl/Alu)

Vorstellbalkone und Balkonanlagen sind ein wachsender Markt – besonders in der energetischen Sanierung (Anbaubalkone bei Aufstockungen). Auftragswerte: 3.000–15.000 € pro Balkon. Serienfertigung möglich = hohe Effizienz. Erfordert: Statik-Kenntnisse und EN 1090.

5. Industrie- und Gewerbemontage

Stahlkonstruktionen für Industriehallen, Lagerbühnen, Treppen und Laufstege, Maschinengestelle, Schutzzäune. Große Auftragswerte (10.000–200.000+ €) mit Firmenkunden. Planbare Aufträge durch Rahmenverträge mit Industriebetrieben. Erfordert: EN 1090, Kranschein, Arbeitssicherheit auf Großbaustellen.

6. Restaurierung & Denkmalschutz-Metallbau

Restaurierung historischer Metallarbeiten: Schmiedeeiserne Tore, Gitter, Geländer, Zierornamente. Nischen-Markt mit wenig Wettbewerb und hohen Stundensätzen (70–100 €). Kunden: Denkmalschutzbehörden, Kirchen, historische Gebäude, Privatsammler. Zusatzqualifikation „Restaurator im Handwerk" empfohlen.

5. Schweißtechnik: Quick-Guide für Gründer

Die Schweißtechnik ist das Herzstück jedes Metallbaubetriebs. Hier ein Überblick über die wichtigsten Verfahren:

Verfahren Ideal für Gerätekosten Zertifikat
MIG/MAG (135/136) Stahl, hohe Geschwindigkeit 2.000 – 6.000 € ISO 9606-1
WIG (141) Edelstahl, Alu, sichtbare Nähte 3.000 – 8.000 € ISO 9606-1/2
Elektrode (111) Baustelle, Reparatur, wetterfest 500 – 2.000 € ISO 9606-1
Plasma-Schneiden Zuschnitt, CNC-Brennschneiden 3.000 – 15.000 € (Hand) Kein Zertifikat nötig

Empfehlung für Gründer: MIG/MAG + WIG sind Pflicht. Elektrodenschweißen für Baustelleneinsätze. Investieren Sie in Top-Marken (Fronius, EWM, Kemppi, Miller) – billige Schweißgeräte kosten langfristig mehr durch schlechtere Nähte und höheren Gas-/Drahtverbrauch.

6. Marketing & Kundengewinnung

Architekten-Netzwerk

Der wichtigste Kanal für hochwertigen Metallbau: Architekten spezifizieren Metallbauprodukte und empfehlen Betriebe. Bauen Sie aktiv Beziehungen auf: Referenzmappe mit Fotos einreichen, Architektenbüros besuchen, gemeinsame Projekte dokumentieren.

Website mit technischem Portfolio

Eine professionelle Website mit hochwertigen Projektfotos, technischen Details und Referenzen. Zeigen Sie Ihre Spezialisierung: Edelstahl? Stahl-Glas? Industriebau? Potenzielle Kunden müssen auf den ersten Blick erkennen, was Sie besonders gut können.

Google & Branchenportale

Google Unternehmensprofil pflegen: „Metallbauer + [Stadt]", „Stahltreppe + [Region]", „Edelstahl Geländer + [Ort]". Eintragung auf Branchenportalen (MyHammer, Bauunternehmen-Datenbanken).

Bauträger & Generalunternehmer

  • Bauträger: Regelmäßige Aufträge für Standardprodukte (Balkongeländer, Treppenhäuser) – planbare Einnahmen, aber Preisdruck
  • Generalunternehmer: Subunternehmer-Aufträge bei Großprojekten – hohe Auftragswerte, aber oft längere Zahlungsziele

7. Die 7 häufigsten Fehler bei der Metallbau-Gründung

❌ Fehler 1: EN 1090 ignorieren

Ohne EN 1090-Zertifizierung dürfen Sie keine tragenden Metallbauprodukte (Treppen, Geländer, Balkone, Stahlbauten) herstellen. Das ist keine Option – es ist gesetzliche Pflicht. Ohne EN 1090 schließen Sie sich vom größten und lukrativsten Marktsegment des Metallbaus aus. Investieren Sie 3.000–6.000 € in die Zertifizierung direkt bei Gründung.

❌ Fehler 2: Materialpreis-Schwankungen ignorieren

Stahl- und Edelstahlpreise schwanken stark – 2021/2022 haben sich die Preise teilweise verdreifacht. Wer Festpreise ohne Preisgleitklausel anbietet, riskiert massive Verluste. Vereinbaren Sie Preisgleitklauseln, die an den Stahlpreisindex gekoppelt sind. Alternativ: Kurze Angebotsbindefrist (max. 2 Wochen).

❌ Fehler 3: Schweißrauchabsaugung vernachlässigen

Schweißrauch enthält krebserregende Stoffe (Chrom-VI bei Edelstahl, Mangan, Nickeloxide). TRGS 528 schreibt eine technische Absaugung vor. Die BG HM kontrolliert regelmäßig. Eine professionelle Absaugung kostet 3.000–15.000 € – eine Investition in Ihre Gesundheit und die Ihrer Mitarbeiter.

❌ Fehler 4: Montagezeit unterschätzen

Metallbau = 50 % Werkstatt + 50 % Montage. Viele Gründer kalkulieren die Werkstattzeit genau, vergessen aber: Anfahrt, Aufstellzeit, Vermassung vor Ort, Anpassungen, Oberflächennacharbeit. Besonders bei Treppen und Geländern: Montage kostet oft mehr Zeit als Fertigung. Faktor 1,5 auf geschätzte Montagezeit.

❌ Fehler 5: Korrosionsschutz vernachlässigen

Stahl rostet – und Kunden erwarten dauerhaften Schutz. Die richtige Beschichtung (Feuerverzinkung, Pulverbeschichtung, Nasslack) hängt vom Einsatzort ab. Kalkulieren Sie Korrosionsschutz als eigenständige Position – nicht als Nebensache. Feuerverzinkung extern: 3–8 €/kg, Pulverbeschichtung: 15–40 €/m².

❌ Fehler 6: Keine CAD-Kompetenz

Ohne CAD (SolidWorks, Inventor, BricsCAD, AutoCAD) verlieren Sie Aufträge an Wettbewerber, die professionelle technische Zeichnungen und 3D-Modelle liefern. Architekten und Bauherren erwarten heute digitale Planungsunterlagen. CAD-Software: 1.500–5.000 €/Jahr – aber unersetzlich für präzise Fertigung und professionellen Auftritt.

❌ Fehler 7: Arbeitssicherheit unterschätzen

Metallbau ist ein Hochrisiko-Handwerk: Schweißen (Funkenflug, UV-Strahlung, Rauch), schwere Lasten (Kran!), Schneidwerkzeuge, Höhenarbeit bei Montage. Arbeitsunfälle verursachen hohe Kosten (BG-Umlagen, Ausfallzeiten). Investieren Sie in PSA, Schulungen und Gefährdungsbeurteilungen – von Anfang an.

8. Verdienstpotenzial: Was verdient ein selbstständiger Metallbauer?

Kennzahl Kleinbetrieb (1–2 MA) Mittlerer Betrieb (4–8 MA)
Stundensatz (netto) 55 – 75 € 65 – 95 €
Durchschn. Auftragswert 2.000 – 12.000 € 5.000 – 80.000 €
Jahresumsatz 100.000 – 250.000 € 350.000 – 1.500.000 €
Gewinnmarge 15 – 25 % 8 – 15 %
Inhabereinkommen (netto, geschätzt) 2.500 – 5.000 €/Monat 4.000 – 12.000 €/Monat

Die höchsten Margen erzielen: Edelstahl-Design (sichtbare, hochwertige Arbeit = Premium-Preis), architektonische Sonderkonstruktionen und Restaurierung. Industriemontage bietet hohe Umsätze mit geringeren Margen, aber planbaren Aufträgen.

9. FAQ – Häufige Fragen zur Metallbau-Gründung

Was ist EN 1090 und brauche ich das wirklich?

EN 1090 regelt die Ausführung von Stahltragwerken und Aluminiumtragwerken. Wenn Sie tragende Bauteile herstellen (Geländer, Treppen, Balkone, Stahlbauten), ist eine EN 1090-Zertifizierung mit werksseitiger Produktionskontrolle (WPK) gesetzlich vorgeschrieben. Ohne EN 1090 dürfen Sie diese Produkte nicht CE-kennzeichnen und nicht verkaufen.

Welche Schweißzertifikate brauche ich?

Für tragende Konstruktionen: ISO 9606-1 (Stahl) und/oder ISO 9606-2 (Aluminium). Zertifizierung pro Schweißverfahren (MIG/MAG, WIG, Elektrode) und Werkstoff. Kosten: 300–800 € pro Verfahren. Erneuerung alle 2 Jahre durch Prüfung (oder alle 6 Monate durch Arbeitgeberbestätigung). Ohne Zertifikat keine tragenden Schweißnähte.

Was verdient ein Metallbauer mit Edelstahl-Spezialisierung?

Edelstahl-Speziallisten erzielen die höchsten Stundensätze im Metallbau: 70–95 € netto. Ein Edelstahl-Treppengeländer bringt 3.000–15.000 € Auftragswert bei 40–60 % Arbeitsanteil. Solo-Spezialisten mit Architekten-Netzwerk erreichen 4.000–6.000 € netto/Monat.

Brauche ich eine Krananlage?

Für Konstruktionstechnik mit Stahlprofilen und schweren Werkstücken: ja. Ein Hallenkran (1–3 t) ist fast unverzichtbar. Gebrauchte manuelle Kräne ab 3.000 €, Elektrokettenzüge ab 1.500 €. Ohne Kran sind Sie auf Werkstücke unter 50 kg beschränkt – das limitiert Ihr Leistungsspektrum erheblich.

Gehöre ich zur BG BAU oder BG Holz und Metall?

Als Metallbauer sind Sie bei der BG Holz und Metall (BG HM) pflichtversichert. Die BG BAU ist für Bauhauptgewerbe zuständig (Maurer, Zimmerer etc.). Ausnahme: Wenn Sie ausschließlich Montagearbeiten auf Baustellen durchführen, kann im Einzelfall die BG BAU zuständig sein – klären Sie das bei der Anmeldung.

Ist CNC-Plasmaschneiden für den Anfang sinnvoll?

Für Gründer: Nein. Eine eigene CNC-Plasmaschneidanlage (20.000–80.000 €) lohnt sich erst ab hohem Zuschnittvolumen. Lassen Sie Zuschnitte bei Lohnschneid-Betrieben fertigen – oft günstiger und flexibler. Eigene CNC-Plasma ab ca. 300.000+ € Jahresumsatz sinnvoll.

Wie gehe ich mit Materialpreisschwankungen um?

Drei Strategien: 1) Preisgleitklausel im Angebot (gekoppelt an Stahlpreisindex). 2) Kurze Angebotsbindefrist (max. 2 Wochen). 3) Just-in-Time-Beschaffung statt großem Materiallager. Vermeiden Sie langfristige Festpreise bei steigenden Rohstoffmärkten.

10. Gründungs-Checkliste Metallbau

✅ Vollständige Checkliste für Metallbau-Gründer

Qualifikation & Formales

  • ☐ Metallbauermeisterbrief / Ausübungsberechtigung
  • ☐ Schweißzertifikate (ISO 9606-1/2)
  • ☐ EN 1090 Zertifizierung (WPK)
  • ☐ Schweißaufsicht (SFI/IWS) klären
  • ☐ Eintragung Handwerksrolle (HWK)
  • ☐ Gewerbeanmeldung
  • ☐ Steuerliche Erfassung (Finanzamt)
  • ☐ BG Holz und Metall
  • ☐ Betriebshaftpflicht (min. 3–5 Mio. €)
  • ☐ Montageversicherung
  • ☐ Berufsunfähigkeitsversicherung

Werkstatt & Marketing

  • ☐ Werkstatt/Halle finden (min. 4m Höhe)
  • ☐ Schweißtechnik (MIG/MAG + WIG)
  • ☐ Absauganlage (TRGS 528!)
  • ☐ Metallbandsäge / Kaltkreissäge
  • ☐ Abkantpresse / Biegemaschine
  • ☐ Krananlage (1–5 t)
  • ☐ Transportfahrzeug + Anhänger
  • ☐ CAD-Software
  • Website mit Portfolio
  • Google Profil
  • ☐ Architekten-Netzwerk aufbauen
  • ☐ Innungsmitgliedschaft prüfen

Der Metallbau bietet eine spannende Kombination aus technischem Handwerk, Design und Konstruktion. Wer sich auf Premium-Nischen spezialisiert (Edelstahl-Design, Stahl-Glas, Architektur-Sonderbau) und die EN-1090-Hürde meistert, baut ein stabiles, margenstarkes Unternehmen auf.

Starten Sie mit dem Stundensatzrechner, informieren Sie sich über Metallbau am Haus und lesen Sie über Metalldächer: Vorteile & Kosten.

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