Kapitalanlage Immobilie: Checkliste für Einsteiger (2026)
Immobilie als Kapitalanlage kaufen: Standort-Analyse, Rendite-Kennzahlen, Finanzierung, Steuern und Due-Diligence-Checkliste – mit Praxis-Tipps für Erstinvestoren.
Finanzexperte handwerk.cloud
15. Februar 2026
Kurz & knapp: Immobilie als Kapitalanlage
Zielwerte für Einsteiger: Bruttomietrendite ≥ 4,5 %, Nettomietrendite ≥ 3 %, Kaufpreisfaktor ≤ 22. Mindestens 20 % Eigenkapital, 2-3-Zimmer-Wohnung (50–75 m²) in wachsender B-Stadt, WEG-Protokolle lesen und 15-Punkte-Checkliste vor dem Kauf abarbeiten.
Eine vermietete Eigentumswohnung für 180.000 € bringt nach Steuern +211 € monatlichen Überschuss – und baut gleichzeitig Vermögen auf. Aber wer falsch kauft, steckt Zehntausende Euro in Sonderumlagen, ärgert sich mit Leerstand und verkauft am Ende unter Kaufpreis. Der Unterschied: eine systematische Vorgehensweise.
In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen den 7-Schritte-Prozess erfahrener Investoren: Von der Standortanalyse über die Renditeberechnung bis zur konkreten 15-Punkte-Due-Diligence-Checkliste – damit Ihre erste Kapitalanlage ein Erfolg wird.
Für wen lohnt sich eine Kapitalanlage-Immobilie?
Eine Immobilie als Geldanlage ist nicht für jeden sinnvoll. Prüfen Sie zunächst, ob die Voraussetzungen stimmen:
| Voraussetzung | Empfehlung |
|---|---|
| Eigenkapital | Min. 20–30 % des Kaufpreises (inkl. Kaufnebenkosten) |
| Nettoeinkommen | Stabil, unbefristetes Arbeitsverhältnis, min. 3.000 €/Monat |
| Notreserve | 3–6 Monatsgehälter nach Kauf (nicht ins Objekt stecken!) |
| Zeithorizont | Mindestens 10 Jahre, idealerweise 15–20 Jahre |
| Risikobereitschaft | Bereit für mögliches Klumpenrisiko und Illiquidität |
Nicht geeignet, wenn: Sie kurz vor einer großen Lebensveränderung stehen (Jobwechsel, Selbständigkeit), bereits hochverschuldet sind oder das Eigenkapital komplett aus Krediten stammt.
Schritt 1: Standort-Analyse — Makro- und Mikrolage
Die alte Immobilien-Weisheit „Lage, Lage, Lage" gilt für Kapitalanleger sogar doppelt: Eine gute Lage sichert stabile Mieten, geringe Leerstände und langfristige Wertsteigerung.
Makrolage prüfen: Die Stadt/Region
- Bevölkerungsentwicklung: Wächst die Stadt? Prüfen Sie die Prognosen des statistischen Landesamts
- Arbeitsmarkt: Gibt es starke Arbeitgeber, Universitäten, Kliniken?
- Infrastruktur: ÖPNV, Autobahnanschluss, ICE-Anbindung
- Mietpreisentwicklung: Steigen die Mieten? Mietspiegel der letzten 5 Jahre vergleichen
- Leerstandsquote: Unter 3 % = Vermietermarkt, über 5 % = Mietermarkt
Mikrolage analysieren: Die Nachbarschaft
- Entfernung zur Innenstadt: Unter 15 Minuten ÖPNV = Premiumlage
- Einkaufsmöglichkeiten: Supermarkt, Apotheke, Bäcker fußläufig?
- Schulen und Kitas: Familien zahlen höhere Mieten für gute Schulbezirke
- Straßenbild: Gepflegt? Grünflächen? Bauvorhaben in der Nachbarschaft?
- Sozialstruktur: Einkommensniveau, soziale Brennpunkte vermeiden
💡 Meister-Tipp: B-Städte bieten oft die bessere Rendite
In den Top-7-Städten (München, Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Stuttgart) liegen die Bruttomietrenditen oft unter 3,5 %. In wachsenden B-Städten wie Leipzig, Dresden, Hannover, Nürnberg oder Braunschweig bekommen Sie 4–5 % Bruttorendite bei niedrigem Leerstandsrisiko. Die beste Balance aus Rendite und Sicherheit.
Schritt 2: Rendite-Kennzahlen verstehen
Drei Kennzahlen entscheiden, ob sich ein Objekt lohnt. Berechnen Sie alle drei, bevor Sie ein Angebot machen:
| Kennzahl | Formel | Zielwert |
|---|---|---|
| Bruttomietrendite | Jahresmiete ÷ Kaufpreis × 100 | ≥ 4,5 % |
| Nettomietrendite | (Jahresmiete − Kosten) ÷ Gesamtkosten × 100 | ≥ 3,0 % |
| Kaufpreisfaktor | Kaufpreis ÷ Jahresmiete | ≤ 22 |
Detaillierte Erklärungen und Beispielrechnungen finden Sie in unserem Ratgeber: Mietrendite berechnen: Brutto, Netto & Eigenkapitalrendite.
🧮 Rendite schnell berechnen
Unser kostenloser Mietrendite-Rechner berechnet automatisch Bruttomietrendite, Nettomietrendite, Cashflow und eine 10-Jahres-Prognose – inklusive aller Kaufnebenkosten.
Schritt 3: Finanzierung richtig strukturieren
Die Finanzierungsstruktur entscheidet maßgeblich über Ihre Eigenkapitalrendite und Ihr Risiko:
Eigenkapital-Quote bei Kapitalanlagen
| EK-Quote | Risiko | Cashflow | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| 30 % + | Gering | Positiv | Ideal für Einsteiger |
| 20 % | Moderat | Knapp positiv | Guter Kompromiss |
| Nur NK (~12 %) | Hoch | Negativ | Nur für Erfahrene |
| 110 % Finanzierung | Sehr hoch | Stark negativ | Nicht empfohlen |
Tilgung bei Kapitalanlagen: Niedrig oder hoch?
Bei Kapitalanlage-Immobilien gibt es eine andere Denkweise als bei der Eigenheim-Finanzierung:
- Steuerlich sind Zinsen absetzbar, Tilgung nicht → niedrige Tilgung senkt die Steuerlast
- Finanziell spart hohe Tilgung langfristig Zinskosten → mehr Vermögensaufbau
- Empfehlung für Einsteiger: Mindestens 2 % Tilgung + Sondertilgungsoption, um flexibel zu bleiben
Detaillierte Informationen zur Finanzierungsstruktur finden Sie in: Baufinanzierung für Einsteiger.
Schritt 4: Steuern optimieren — AfA, Werbungskosten & § 7b
Der steuerliche Vorteil ist einer der stärksten Argumente für Immobilien als Kapitalanlage. Diese Positionen können Sie von steuerlichen Mieteinnahmen abziehen:
| Steuerlicher Vorteil | Höhe / Regelung | Auswirkung (bei 42 % Steuersatz) |
|---|---|---|
| Gebäude-AfA (linear) | 2 % p. a. (Baujahr ab 1925), 2,5 % (vor 1925) | Bei 200.000 € Gebäudewert: 1.680 € Steuerersparnis/Jahr |
| Denkmalschutz-AfA | 9 % × 8 Jahre + 7 % × 4 Jahre (Sanierungskosten) | Extreme Steuervorteile für Spitzenverdiener |
| Darlehenszinsen | Voll absetzbar als Werbungskosten | Bei 8.000 € Zinsen/Jahr: 3.360 € Steuerersparnis |
| Hausverwaltung | 20–35 €/Monat – voll absetzbar | Ca. 150 € Steuerersparnis/Jahr |
| Instandhaltung | Sofort absetzbar (erhaltend) oder AfA (herstellend) | Variiert stark nach Maßnahme |
| Fahrtkosten | 0,30 €/km für regelmäßige Besichtigungen | Ca. 50–100 € Steuerersparnis/Jahr |
⚠️ 15-%-Grenze beachten!
Wenn Sie innerhalb der ersten 3 Jahre nach Kauf mehr als 15 % des Gebäudewerts in Modernisierung investieren, werden diese Kosten als anschaffungsnahe Herstellungskosten behandelt. Dann können Sie nicht sofort absetzen, sondern müssen über die reguläre AfA (50 Jahre!) abschreiben. Planen Sie größere Sanierungen deshalb erst nach der 3-Jahres-Frist.
Schritt 5: Das Objekt richtig bewerten
Wohnungsgröße und Zielmieter
Für Kapitalanleger sind kleine bis mittelgroße Wohnungen (40–75 m²) ideal:
- 1–2-Zimmer-Wohnungen (30–50 m²): Höchste Rendite, aber höhere Fluktuation
- 2–3-Zimmer-Wohnungen (50–75 m²): Bester Kompromiss → breite Nachfrage, moderate Fluktuation
- 4-Zimmer+ (ab 80 m²): Niedrigere Rendite, aber sehr stabile Mieter (Familien)
Baujahr und Zustand
| Baujahr | Typische Merkmale | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Vor 1949 | Altbau-Charme, hohe Decken, 2,5 % AfA | Sanierungsstau, Leitungen, evtl. Denkmalschutz |
| 1950–1979 | Massivbau, oft unsaniert, günstig | Asbest, Dämmung, Fenster, Heizung |
| 1980–2000 | Solider Standard, teilweise modernisiert | Elektrik, Bäder, Dach |
| Ab 2000 | Moderne Haustechnik, Energiestandards | Höherer Preis, niedrigere Rendite |
Schritt 6: Hausgeld & WEG prüfen
Das Hausgeld ist bei Eigentumswohnungen einer der wichtigsten Kostenfaktoren — und einer, den Anfänger regelmäßig unterschätzen.
Hausgeld verstehen
- Umlagefähiger Teil: Betriebskosten, die der Mieter über die Nebenkostenabrechnung zahlt (Wasser, Müll, Versicherung, Hausmeister)
- Nicht umlagefähiger Teil: Instandhaltungsrücklage + Verwaltung — das zahlen Sie!
- Typisch: 3,00–5,00 €/m²/Monat Gesamt-Hausgeld, davon 30–40 % nicht umlagefähig
WEG-Protokolle lesen
Vor dem Kauf unbedingt die letzten 3–5 WEG-Protokolle (Eigentümerversammlungen) anfordern und prüfen:
- Stehen Sonderumlagen an? (Dachsanierung, Fassade, Aufzug)
- Ist die Instandhaltungsrücklage ausreichend? (Mindestens 7 €/m²/Jahr)
- Gibt es Konflikte innerhalb der WEG?
- Wie professionell ist die Hausverwaltung?
🚨 Warnung: Die Sonderumlage-Falle
Eine bevorstehende Sonderumlage für Dachsanierung, Fassadendämmung oder Aufzugseinbau kann schnell 10.000–30.000 € pro Wohnung kosten. Diese Information steht in den WEG-Protokollen — lesen Sie sie vor dem Kauf! Fordernfalls sind Sie einen Monat nach Kaufvertrag zur Zahlung verpflichtet.
Schritt 7: Due-Diligence-Checkliste (15 Punkte)
Bevor Sie ein Kaufangebot abgeben, gehen Sie diese 15 Punkte systematisch durch:
Finanzen & Rendite
- ☐ Bruttomietrendite berechnet (Ziel: ≥ 4,5 %)
- ☐ Nettomietrendite berechnet (Ziel: ≥ 3,0 %)
- ☐ Kaufpreisfaktor geprüft (Ziel: ≤ 22)
- ☐ Mietspiegel verglichen — ist die aktuelle Miete marktgerecht?
- ☐ Mieterhöhungspotenzial analysiert
Objekt & Zustand
- ☐ Baujahr, Sanierungsstand und anstehende Maßnahmen geprüft
- ☐ Energieausweis eingesehen (Energieklasse D oder besser)
- ☐ Grundriss besichtigt — ist die Wohnung gut vermietbar?
- ☐ Substanz geprüft (Dach, Fassade, Leitungen, Fenster)
- ☐ Feuchtigkeitsschäden, Schimmel, Risse ausgeschlossen
WEG & Verwaltung
- ☐ Hausgeldabrechnung der letzten 2 Jahre eingesehen
- ☐ WEG-Protokolle der letzten 3 Jahre gelesen
- ☐ Instandhaltungsrücklage geprüft (mind. 7 €/m²/Jahr)
- ☐ Bevorstehende Sonderumlagen ausgeschlossen
- ☐ Teilungserklärung gelesen (insb. Sondernutzungsrechte)
Risiken kennen und absichern
Jede Kapitalanlage hat Risiken. Die wichtigsten bei Immobilien und wie Sie damit umgehen:
| Risiko | Auswirkung | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Mietausfall | Kein Cashflow, Rate läuft weiter | 3 Monatsmieten Rücklage, gute Mieterauswahl |
| Zinswende | Höhere Rate bei Anschlussfinanzierung | Lange Zinsbindung (15+ Jahre), hohe Tilgung |
| Wertverlust | Objekt unter Kaufpreis verkaufbar | Gute Lage wählen, langfristiger Horizont |
| Sonderumlage | Ungeplante 5.000–30.000 € Ausgabe | WEG-Protokolle lesen, Rücklage prüfen |
| Regulierung | Mietpreisbremse, Mietendeckel | Aktuelle Miete unter Mietspiegel = Puffer |
💡 Meister-Tipp: Die „Miete-unter-Mietspiegel"-Strategie
Kaufen Sie bewusst Wohnungen, deren aktuelle Miete 10–15 % unter dem Mietspiegel liegt. Sie haben dann einen eingebauten Puffer nach oben: Sie können die Miete nach dem Kauf schrittweise anpassen (max. 20 % in 3 Jahren laut Mietrecht) und erhöhen so Ihre Rendite, ohne den Mieter zu verlieren.
Cashflow-Planung: Monatliche Kalkulation
Beispiel: Monatliche Kalkulation einer 65-m²-Wohnung
Kaufpreis: 180.000 €, Finanzierung: 80 % (144.000 €), Zins: 3,5 %, Tilgung: 2 %
Einnahmen:
- Kaltmiete: +680 €
Ausgaben:
- Kreditrate (Zins + Tilgung): −660 €
- Nicht umlagefähiges Hausgeld: −85 €
- Instandhaltungsrücklage (eigene Reserve): −54 €
- Mietausfallrücklage (3 %): −20 €
Ergebnis vor Steuern:
- Monatlicher Cashflow: −139 €
- Steuerersparnis (AfA + Zinsen, bei 42 %): ca. +350 € / Monat
- Effektiver monatlicher Überschuss: ca. +211 €
🧮 Finanzierung durchrechnen
Unser Baufinanzierungsrechner erstellt Ihren individuellen Tilgungsplan mit Zins, Tilgung und Restschuld – für jedes Laufzeitjahr.
Häufige Fragen zur Immobilie als Kapitalanlage
Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Kapitalanlage-Immobilie?
Empfohlen werden 20–30 % des Kaufpreises inklusive Kaufnebenkosten. Mindestens sollten Sie die Kaufnebenkosten (8–12 %) selbst bezahlen können. Behalten Sie zusätzlich 3–6 Monatsgehälter als Notreserve.
Welche Wohnungsgröße eignet sich am besten als Kapitalanlage?
2–3-Zimmer-Wohnungen (50–75 m²) bieten den besten Kompromiss: breite Nachfrage, moderate Fluktuation und gute Rendite. 1-Zimmer-Apartments haben höhere Renditen, aber mehr Mieterwechsel.
Kann ich eine Kapitalanlage-Immobilie steuerfrei verkaufen?
Ja – nach 10 Jahren Haltefrist (§ 23 EStG) ist der Veräußerungsgewinn komplett steuerfrei. Innerhalb der 10 Jahre müssen Sie den Gewinn mit Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern.
Was ist wichtiger: hohe Rendite oder gute Lage?
Für Einsteiger ist die Lage wichtiger. Eine hohe Rendite in schlechter Lage bringt höheres Leerstandsrisiko und Wertverlust. Lieber 3,5 % Rendite in wachsender B-Stadt als 7 % in einer schrumpfenden Region.
Lohnt sich eine Immobilie bei negativem Cashflow?
Ja – wenn der monatliche Zuschuss unter 200–300 € liegt und die Gesamtrendite (Cashflow + Tilgung + Wertsteigerung + Steuervorteil) stimmt. Langfristig gleichen Mietsteigerungen und Tilgung den negativen Cashflow aus.
Fazit: Systematisch statt emotional kaufen
Der größte Fehler bei Kapitalanlage-Immobilien: emotional statt systematisch entscheiden. Prüfen Sie jedes Objekt anhand der 15-Punkte-Checkliste, rechnen Sie mit der Nettomietrendite und planen Sie einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren ein.
Nutzen Sie unseren Mietrendite-Rechner für den Rendite-Check und den Baufinanzierungsrechner für die Finanzierungsstruktur – zusammen haben Sie in 5 Minuten alle Kennzahlen, die Sie für eine fundierte Entscheidung brauchen.
Weiterführende Artikel
- Mietrendite berechnen: Brutto, Netto & Eigenkapitalrendite
- Baufinanzierung für Einsteiger – Rate, Tilgung & typische Fehler
- Hausbau Nebenkosten 2026 – Alle versteckten Kosten im Überblick
- Handwerkerrechnung absetzen – Steuern sparen bei Sanierung
Verwandte Begriffe im Lexikon
- Steuerbonus Handwerkerleistungen – Absetzbarkeit bei vermieteten Immobilien
- Kostenvoranschlag – Bei Sanierungen wichtig