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Bautechnik & Normen

EPD (Umweltproduktdeklaration)

EPD (Umweltproduktdeklaration)Environmental Product Declaration – ein standardisiertes, verifiziertes Datenblatt, das Umweltauswirkungen eines Produkts über seinen Lebenszyklus dokumentiert. Wichtige Datenquelle für den Digitalen Produktpass.

2 Min. Lesezeit

Was ist eine EPD?

Eine EPD (Environmental Product Declaration, deutsch: Umweltproduktdeklaration) ist ein standardisiertes, verifiziertes Datenblatt, das die Umweltauswirkungen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus quantifiziert. Sie ist das wichtigste Werkzeug, um die Nachhaltigkeit von Bauprodukten objektiv vergleichbar zu machen.

EPDs werden nach den internationalen Normen ISO 14025 und (für Bauprodukte) EN 15804 erstellt und müssen durch einen unabhängigen Programmbetreiber verifiziert werden. In Deutschland ist das Institut Bauen und Umwelt (IBU) der wichtigste Programmbetreiber.

Welche Daten enthält eine EPD?

Eine EPD ist deutlich umfangreicher als ein klassisches Datenblatt. Sie dokumentiert die Umweltwirkungen typischerweise in folgenden Kategorien:

WirkungskategorieWas sie misstEinheit
Treibhauspotenzial (GWP)CO₂-Äquivalent über 100 Jahrekg CO₂-eq
Ozonabbaupotenzial (ODP)Wirkung auf Ozonschichtkg CFC11-eq
Versauerungspotenzial (AP)Beitrag zu saurem Regenkg SO₂-eq
Eutrophierungspotenzial (EP)Überdüngung von Gewässernkg PO₄-eq
Photochemisches Oxidantienpotenzial (POCP)Sommersmog-Bildungkg C₂H₄-eq
PrimärenergieverbrauchErneuerbar/nicht erneuerbarMJ
WasserverbrauchÜber alle Phasen
AbfallmengenGefährlich/nicht gefährlichkg

Lebenszyklusphasen nach EN 15804

EN 15804 strukturiert Bauprodukt-EPDs nach Lebenszyklusphasen:

  • A1–A3 Herstellung (Rohstoffe, Transport, Produktion)
  • A4–A5 Bauphase (Transport zur Baustelle, Einbau)
  • B1–B7 Nutzungsphase (Wartung, Reparatur, Energiebedarf)
  • C1–C4 Entsorgung (Demontage, Transport, Verarbeitung, Deponierung)
  • D Wiederverwendung/Recycling (Gutschriften für vermiedene Produktion)

Bei den meisten Produkten dominieren A1–A3 den ökologischen Fußabdruck. Bei Holzprodukten kann der Wert in A1–A3 sogar negativ sein (CO₂-Bindung im Wachstum).

EPD und Digitaler Produktpass

EPDs und der Digitale Produktpass sind eng verknüpft, aber nicht identisch:

AspektEPDDPP
FormatPDF, statischDigital, maschinenlesbar
InhaltHauptsächlich UmweltdatenUmweltdaten + Produktidentität, Reparatur, Recycling
VerfügbarkeitProgrammdatenbanken (IBU, ÖKOBAUDAT)QR-Code direkt am Produkt
Pflicht?Heute meist freiwilligSchrittweise verpflichtend ab 2027/2028
Lebensdauer5 Jahre, dann AktualisierungÜber gesamten Produktlebenszyklus

Wichtig: EPD-Daten werden eine zentrale Datenquelle für den DPP sein. Wer als Hersteller heute schon EPDs hat, ist gut auf die DPP-Pflicht vorbereitet.

Anwendung im Bauwesen

EPDs werden im Bauwesen für mehrere Zwecke genutzt:

  • Berechnung der Grauen Energie und Lebenszyklus-CO₂-Bilanz von Gebäuden
  • Nachhaltigkeitszertifizierungen (DGNB, BNB, LEED, BREEAM)
  • Öffentliche Ausschreibungen mit Nachhaltigkeitskriterien
  • Bauproduktauswahl durch Architekten und Planer
  • Klimaberichte und Nachhaltigkeitsberichterstattung

Wo finde ich EPDs?

In Deutschland sind die wichtigsten Datenbanken:

  • ÖKOBAUDAT – staatliche Datenbank des BMWSB (kostenlos)
  • IBU-EPD-Datenbank – Verband der EPD-Programmbetreiber
  • Datenbanken großer Hersteller – viele veröffentlichen EPDs auf ihren Webseiten

Die EU plant mit dem CIRPASS-2-Projekt eine zentrale, EU-weite Infrastruktur, die EPD-Daten mit dem DPP verbinden wird.

Bedeutung für Handwerksbetriebe

Für Handwerksbetriebe sind EPDs heute vor allem dann relevant, wenn sie an öffentlichen Ausschreibungen mit Nachhaltigkeitskriterien teilnehmen. Ab 2028 mit der vollen DPP-Einführung werden EPD-basierte Daten Standard.

Praxis-Tipp: Fragen Sie Ihre Hauptlieferanten gezielt nach EPDs für ihre Produkte. Wer Lieferanten mit guter EPD-Abdeckung hat, ist beim DPP automatisch besser vorbereitet.

Weiterführende Informationen

Mehr zur Verbindung von EPD und DPP finden Sie in unserem Artikel DPP für Baustoffe.

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Häufige Fragen zu EPD (Umweltproduktdeklaration)

Was ist eine EPD?
Eine EPD (Environmental Product Declaration / Umweltproduktdeklaration) ist ein standardisiertes Datenblatt, das die Umweltwirkungen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus dokumentiert. Sie wird nach ISO 14025 und EN 15804 erstellt und durch unabhängige Programmbetreiber (z.B. das Institut Bauen und Umwelt) verifiziert.
Welche Daten enthält eine EPD?
Eine EPD enthält Daten zum CO₂-Fußabdruck (Global Warming Potential), Versauerungspotenzial, Eutrophierungspotenzial, Ressourcenverbrauch (Energie, Wasser, Mineralien), Schadstoffemissionen und Recyclingpotenzial. Sie deckt typischerweise die Lebenszyklusphasen A1–A3 (Herstellung) ab, optional auch A4–A5 (Transport, Einbau), B (Nutzung) und C (Entsorgung).
Brauchen alle Bauprodukte eine EPD?
Nicht zwingend. EPDs sind aktuell freiwillig, werden aber zunehmend in Ausschreibungen gefordert. Mit der neuen EU-Bauprodukteverordnung (CPR 2024/3110) und der Einführung des Digitalen Produktpasses werden EPD-Daten schrittweise zur Pflicht – sie bilden die Datengrundlage für den DPP.

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