Zum Inhalt springen
allgemein11 Min. Lesezeit

Werkzeugkosten als eigene Position berechnen: So geht's richtig

Sollten Handwerker Werkzeugkosten als separate Rechnungsposition ausweisen? Vorteile, Nachteile und die clevere Mietpreis-Methode für die Kalkulation. Mit Rechenbeispielen und Branchenvergleich.

K

Kalkulations-Experte handwerk.cloud

27. Januar 2026

Geprüfte Fachbetriebe🔒Sichere Daten (SSL)💯Kostenlos & unverbindlich4,8/5 Kundenbewertung

Die meisten Handwerker verstecken ihre Werkzeugkosten im Stundensatz – ein betriebswirtschaftlicher Fehler, der langfristig teuer werden kann. Denn wenn Werkzeuge unsichtbar bleiben, werden sie selten gezielt refinanziert. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, warum eine separate Werkzeugposition sinnvoll sein kann, wie Sie die Kosten fair kalkulieren und welche Vor- und Nachteile das Modell hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Werkzeugkosten sind real: Anschaffung, Wartung, Reparatur, Ersatz – das summiert sich auf tausende Euro pro Jahr
  • Klassisch: Werkzeugkosten fließen in die Gemeinkosten und werden über den Stundensatz verrechnet
  • Alternative: Werkzeuge als eigene Position berechnen – transparent und planbar
  • Clever: Mietpreis-Methode – kalkulieren Sie, was die Werkzeugmiete kosten würde
  • Ergebnis: Konstante Refinanzierung ermöglicht regelmäßige Neuanschaffungen

Das Problem: Werkzeuge sind teuer – aber unsichtbar

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen einen Profi-Akkuschrauber für 600 €. Nach 3 Jahren ist er verschlissen, Sie brauchen einen neuen. Woher kommt das Geld? Wenn die Werkzeugkosten nirgendwo auftauchen, fehlt auch das Budget für den Ersatz.

Die meisten Handwerker rechnen so:

  • Stundensatz = Lohnkosten + Gemeinkosten + Gewinn
  • Werkzeuge sind Teil der „Gemeinkosten"
  • Problem: „Gemeinkosten" ist ein Sammeltopf – niemand weiß, wie viel davon für Werkzeuge gedacht ist

Das Ergebnis: Werkzeuge werden aus dem laufenden Gewinn oder privat finanziert – ein klassisches Anzeichen für mangelnde Kalkulation.

🔧 Die ehrliche Werkzeugrechnung

Ein typischer Handwerksbetrieb investiert jährlich:

  • Kleinwerkzeug (Schraubendreher, Zangen): 500-1.000 €
  • Elektrowerkzeug (Akkuschrauber, Winkelschleifer): 1.000-3.000 €
  • Spezialwerkzeug (je nach Gewerk): 500-2.000 €
  • Ersatzteile, Akkus, Verschleißteile: 500-1.500 €
  • Wartung und Reparaturen: 300-800 €

Summe: 2.800-8.300 € pro Jahr – und das bei nur einem Mitarbeiter!

Die zwei Kalkulationsmodelle im Vergleich

Modell A: Werkzeugkosten im Stundensatz (klassisch)

Die traditionelle Methode: Alle Werkzeugkosten werden als Teil der Gemeinkosten kalkuliert und über den Stundensatz verrechnet.

Vorteile Nachteile
Einfache Rechnungsstellung Werkzeugkosten „verschwinden" im Stundensatz
Keine Diskussionen mit Kunden Keine gezielte Refinanzierung möglich
Weniger Positionen auf der Rechnung Unflexibel bei unterschiedlichem Werkzeugeinsatz
Branchenüblich, Kunden gewohnt Stundensatz muss alle Kosten tragen – wird hoch

Modell B: Werkzeugkosten als eigene Position (transparent)

Die Alternative: Werkzeuge werden als separate Rechnungsposition ausgewiesen – ähnlich wie Anfahrt oder Material.

Vorteile Nachteile
Transparente Kostendarstellung Kunde könnte Werkzeugkosten hinterfragen
Gezielte Refinanzierung des Werkzeugparks Mehr Positionen auf der Rechnung
Niedrigerer Stundensatz wirkt günstiger Nicht branchenüblich
Flexibel: Mehr Werkzeugeinsatz = höhere Position Kalkulation aufwändiger
Werkzeugbudget wächst mit dem Umsatz Erklärungsbedarf bei Kunden

Die Mietpreis-Methode: So kalkulieren Sie Werkzeugkosten fair

Die cleverste Methode, Werkzeugkosten zu berechnen: Fragen Sie sich, was die Miete kosten würde. Baumarkt-Vermietungen zeigen Ihnen, was der Markt für zeitweise Werkzeugnutzung zahlt.

Aktuelle Mietpreise für Werkzeuge (2026)

Werkzeug Kaufpreis (Profi) Mietpreis pro Tag Amortisation
Akkuschrauber (Profi) 400-600 € 15-20 € ~30 Tage
Bohrhammer 300-800 € 15-30 € ~25 Tage
Handkreissäge 200-500 € 15-25 € ~20 Tage
Stichsäge 150-400 € 10-18 € ~20 Tage
Winkelschleifer 100-300 € 12-20 € ~15 Tage
Tischkreissäge 500-1.500 € 30-50 € ~30 Tage
Schlagbohrmaschine 100-300 € 15-25 € ~12 Tage
Paneelsäge 400-1.000 € 25-35 € ~25 Tage

Die Logik: Mietpreis als Maßstab

Wenn ein Bohrhammer 25 € Tagesmiete kostet, dann ist genau das der Wert, den der Markt für seine Nutzung ansetzt. Als Handwerker mit eigenem Werkzeug können Sie:

  • Diesen Preis 1:1 ansetzen (Sie haben ja auch Kapital gebunden)
  • Einen reduzierten Satz berechnen (z.B. 50-70% der Mietkosten)
  • Einen pauschalen Zuschlag für „Werkzeugeinsatz" nehmen

💰 Rechenbeispiel: Werkzeugpauschale pro Auftrag

Typischer Kleinauftrag (4 Stunden):

  • Akkuschrauber (Mietwert 15 €/Tag × 50%): 7,50 €
  • Bohrhammer (Mietwert 25 €/Tag × 50%): 12,50 €
  • Kleinwerkzeug-Pauschale: 5,00 €
  • Werkzeugpauschale gesamt: 25,00 €

Bei 200 Aufträgen pro Jahr ergibt das 5.000 € Werkzeugbudget – genug für Ersatz und Neuanschaffungen!

Die AfA-Methode: Steuerlich korrekt kalkulieren

Eine alternative Kalkulation basiert auf der steuerlichen Abschreibung (AfA). Das Bundesfinanzministerium gibt Nutzungsdauern für Werkzeuge und Maschinen vor:

Werkzeug/Maschine AfA-Nutzungsdauer Jährliche Abschreibung (Beispiel)
Bohrhammer, Presslufthammer 7 Jahre 86 € (bei 600 € Kaufpreis)
Mobile Bohrmaschine 8 Jahre 50 € (bei 400 € Kaufpreis)
Stationäre Bohrmaschine 16 Jahre 94 € (bei 1.500 € Kaufpreis)
Biegemaschine 13 Jahre 115 € (bei 1.500 € Kaufpreis)
Schweißgerät 10 Jahre 200 € (bei 2.000 € Kaufpreis)

Sonderregel: Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

Werkzeuge bis 800 € netto können im Anschaffungsjahr sofort vollständig abgeschrieben werden. Das bedeutet: Sie bekommen die Steuerersparnis sofort – aber Sie sollten trotzdem über die echte Nutzungsdauer refinanzieren.

📊 Kalkulation mit AfA-Methode

Beispiel: Werkzeugpark im Wert von 15.000 €

  • Durchschnittliche Nutzungsdauer: 7 Jahre
  • Jährliche Abschreibung: 15.000 € ÷ 7 = 2.143 €
  • Dazu Wartung und Reparaturen: ca. 500 €
  • Jährliche Werkzeugkosten: 2.643 €

Bei 200 Arbeitstagen: 13,21 € pro Arbeitstag oder ca. 1,65 € pro Arbeitsstunde.

Branchenvergleich: Wer berechnet wie?

Die Praxis variiert stark je nach Gewerk:

Branche Übliche Praxis Empfehlung
Elektro Meist im Stundensatz enthalten Pauschale bei viel Maschinenarbeit
SHK Meist im Stundensatz enthalten Spezialwerkzeug extra berechnen
Tischler / Schreiner Oft Maschinenstundensatz separat Separate Position empfohlen
Zimmerer / Dachdecker Oft Gerätezulage bei Großgeräten Bei teuren Maschinen extra
Maler Meist im Stundensatz enthalten Gerüst/Hebebühne extra
Metallbau / Schweißer Schweißerkosten oft separat Maschinenstundensatz sinnvoll

Wann lohnt sich eine separate Position besonders?

  • Bei teuren Spezialwerkzeugen: Schweißgeräte, Rohrkameras, Messgeräte
  • Bei Maschinen mit hohem Verschleiß: Kreissägen, Schleifmaschinen
  • Bei unterschiedlichem Werkzeugeinsatz: Manche Aufträge brauchen viel, andere wenig
  • Bei langen Einsätzen: Tage- oder wochenweise Nutzung

Praktische Umsetzung: Drei Modelle

Modell 1: Die Tagespauschale

Sie berechnen eine feste Pauschale pro Arbeitstag, unabhängig vom konkreten Werkzeugeinsatz.

Rechnung:

Arbeitszeit: 6 Stunden × 55 € = 330,00 €

Material lt. Aufstellung: 180,00 €

Werkzeugpauschale: 25,00 €

Anfahrt: 35,00 €

Gesamt netto: 570,00 €

Vorteile: Einfach, planbar, keine Diskussionen über einzelne Werkzeuge.

Modell 2: Der Maschinenstundensatz

Sie berechnen pro eingesetzter Maschine einen Stundensatz. Besonders bei Tischlern und im Metallbau üblich.

Rechnung (Tischler):

Arbeitszeit: 8 Stunden × 50 € = 400,00 €

Maschinenstunden Tischkreissäge: 3h × 12 € = 36,00 €

Maschinenstunden Oberfräse: 2h × 8 € = 16,00 €

Material: 250,00 €

Gesamt netto: 702,00 €

Vorteile: Fair, weil auftragsabhängig. Transparent für den Kunden.

Modell 3: Die prozentuale Zuschlagsmethode

Sie berechnen einen prozentualen Aufschlag auf die Arbeitskosten für Werkzeugeinsatz.

Rechnung:

Arbeitszeit: 5 Stunden × 55 € = 275,00 €

Werkzeugzuschlag (8% auf Arbeitskosten): 22,00 €

Material: 120,00 €

Anfahrt: 30,00 €

Gesamt netto: 447,00 €

Vorteile: Skaliert automatisch mit dem Arbeitsaufwand.

So kommunizieren Sie Werkzeugkosten

Kunden könnten fragen: „Warum zahle ich für Ihre Werkzeuge?" So antworten Sie professionell:

❌ Nicht sagen:

„Meine Werkzeuge kosten Geld, das müssen Sie mitbezahlen."

✅ Besser sagen:

„Die Werkzeugpauschale deckt den Einsatz professioneller Geräte ab. Würden Sie die mieten, wären Sie bei 40-50 € am Tag. Mit meiner Pauschale von 25 € sparen Sie, und ich kann in hochwertige Ausrüstung investieren."

Formulierung auf der Rechnung

Nennen Sie die Position nicht einfach „Werkzeug", sondern machen Sie den Nutzen deutlich:

  • „Einsatz Profi-Werkzeug und Maschinen"
  • „Maschineneinsatz inkl. Wartung und Verschleiß"
  • „Gerätepauschale (Akkuwerkzeuge, Messgeräte)"

Die Vorteile der separaten Werkzeugposition

✅ Warum Sie Werkzeuge separat berechnen sollten

  • Planbare Refinanzierung: Sie wissen genau, wie viel Werkzeugbudget Sie pro Jahr generieren
  • Niedrigerer Stundensatz: Wirkt für preisbewusste Kunden attraktiver
  • Faire Kalkulation: Wer viel Maschineneinsatz braucht, zahlt mehr
  • Investitionsfähigkeit: Werkzeugbudget wächst mit dem Umsatz
  • Transparenz: Kunde sieht, wofür er zahlt
  • Argument für Qualität: „Sie zahlen für Profi-Werkzeug, nicht Baumarkt-Ware"

Die Nachteile und Gegenargumente

⚠️ Was dagegen spricht

  • Nicht branchenüblich: Kunden erwarten Werkzeuge oft „inklusive"
  • Erklärungsbedarf: Sie müssen die Position rechtfertigen können
  • Preisvergleich: Ihre Rechnung hat mehr Positionen, wirkt komplexer
  • Kalkulationsaufwand: Sie müssen Ihre Werkzeugkosten genau kennen
  • Risiko der Ablehnung: Manche Kunden wollen diese Position nicht

Die Kompromisslösung

Viele Handwerker fahren gut mit einem hybriden Ansatz:

  • Kleinaufträge: Werkzeugkosten im Stundensatz lassen
  • Größere Aufträge: Werkzeugpauschale separat ausweisen
  • Spezialmaschinen: Immer extra berechnen (Schweißgerät, Rohrkamera, Hebebühne)

Praxisbeispiel: So refinanzieren Sie Ihren Werkzeugpark

Nehmen wir einen Elektriker-Betrieb mit einem Werkzeugbestand im Wert von 12.000 €:

Position Berechnung Jahresbetrag
Abschreibung (7 Jahre) 12.000 € ÷ 7 1.714 €
Wartung und Reparaturen 5% des Werkzeugwerts 600 €
Ersatzteile (Akkus, Kohlen) Erfahrungswert 400 €
Neubeschaffung Kleinwerkzeug Erfahrungswert 800 €
Gesamt Werkzeugkosten/Jahr 3.514 €

Ziel: Diese 3.514 € über die Aufträge refinanzieren.

Berechnungsmodell Berechnung Pauschale/Position
Pro Arbeitstag (200 Tage) 3.514 € ÷ 200 17,57 € → 18-20 €
Pro Arbeitsstunde (1.400 h) 3.514 € ÷ 1.400 2,51 € → 2,50-3,00 €
Pro Auftrag (Ø 4h, 350 Aufträge) 3.514 € ÷ 350 10,04 € → 10-12 €

Ergebnis: Mit einer Pauschale von 10-20 € pro Auftrag (je nach Größe) refinanzieren Sie Ihren kompletten Werkzeugpark – und haben ein planbares Budget für Neuanschaffungen.

🧾 Werkzeugpauschale automatisch hinzufügen

In Clean Invoice können Sie Ihre Werkzeugpauschale als Standard-Position hinterlegen. So wird sie automatisch auf jede Rechnung gesetzt – und Sie vergessen nie wieder, Ihre Werkzeugkosten zu refinanzieren.

→ Jetzt Clean Invoice testen

Häufige Fragen zu Werkzeugkosten

Darf ich Werkzeugkosten dem Kunden berechnen?

Ja, absolut. Werkzeugkosten sind ein legitimer Teil Ihrer Leistung. Sie können sie im Stundensatz verstecken oder als eigene Position ausweisen – beides ist rechtlich zulässig und marktüblich.

Wie hoch sollte eine Werkzeugpauschale sein?

Eine faire Pauschale liegt bei 10-25 € pro Arbeitstag oder 10-15 € pro durchschnittlichem Auftrag. Die genaue Höhe hängt von Ihrem Werkzeugbestand und der Nutzungsintensität ab.

Warum nicht einfach den Stundensatz erhöhen?

Das können Sie, aber dann „verschwinden" die Werkzeugkosten im Stundensatz. Eine separate Position macht die Kosten transparent und ermöglicht eine gezielte Budgetplanung für Ihren Werkzeugpark.

Was sage ich Kunden, die die Position ablehnen?

Erklären Sie den Mietpreis-Vergleich: „Wenn Sie die Geräte im Baumarkt mieten würden, wären Sie bei 40-60 € am Tag. Meine Pauschale von 15 € ist deutlich günstiger – und ich kann in Profi-Ausrüstung investieren, die schneller und besser arbeitet."

Wie berechne ich den Maschinenstundensatz?

Formel: (Anschaffung ÷ Nutzungsdauer + Wartung + Energie) ÷ jährliche Nutzungsstunden. Beispiel: Tischkreissäge für 1.000 €, 10 Jahre Nutzung, 50 € Wartung/Jahr, bei 200 Stunden Nutzung = (100 + 50) ÷ 200 = 0,75 € pro Stunde.

Muss ich die Werkzeugkosten vorher ankündigen?

Ja, wie alle Kostenbestandteile müssen auch Werkzeugpauschalen im Angebot oder vor Auftragsvergabe genannt werden. Nachträgliche Forderungen sind nicht zulässig.

Fazit: Werkzeuge sichtbar machen zahlt sich aus

Ob Sie Werkzeugkosten als eigene Position ausweisen oder im Stundensatz belassen, ist letztlich Ihre Entscheidung. Aber eines ist klar: Die Kosten sind real – und sollten bewusst kalkuliert werden.

Die Vorteile der separaten Werkzeugposition:

  • Sie wissen genau, wie viel Werkzeugbudget Sie pro Jahr generieren
  • Ihr Stundensatz wirkt günstiger
  • Sie können in hochwertige Ausrüstung investieren
  • Die Kalkulation ist fair: Viel Maschineneinsatz = mehr Kosten

Die Mietpreis-Methode gibt Ihnen einen einfachen Maßstab: Was würde der Kunde für die Miete zahlen? Berechnen Sie 50-70% davon, und Sie sind auf der sicheren Seite.

Testen Sie das Modell bei einigen Aufträgen und beobachten Sie die Kundenreaktionen. In vielen Fällen werden Sie feststellen: Kunden akzeptieren eine faire Werkzeugpauschale, wenn sie den Nutzen verstehen.

Weiterführende Artikel

Unsere kostenlosen Tools

Quelle: handwerk.cloud – Das Handwerker-Portal | Stand: Januar 2026. Die Informationen dienen als Orientierung und ersetzen keine individuelle betriebswirtschaftliche Beratung.

📤 Artikel teilen: