Skonto gewähren als Handwerker: Ein kluger Schachzug oder Geldverschwendung?
Skonto für Handwerker erklärt: Lohnt sich der Nachlass für schnellere Zahlung? Mit Rechenbeispielen, Liquiditätsanalyse, cleveren Teilzahlungsmodellen und Tipps für die Praxis 2026.
Finanz- und Handwerksexperte handwerk.cloud
27. Januar 2026
Sie kennen das Spiel: Rechnung raus, warten, warten, warten. Kunden zahlen spät, die Liquidität leidet, und Sie müssen Ihre eigenen Rechnungen trotzdem pünktlich bezahlen. Ist Skonto – also ein Preisnachlass für schnelle Zahlung – die Lösung? Oder verschenken Sie damit nur Geld? In diesem Ratgeber analysieren wir das Skonto-Prinzip aus Handwerker-Sicht, zeigen clevere Strategien und rechnen vor, wann sich der Nachlass wirklich lohnt.
Das Wichtigste in Kürze
- Skonto ist ein Preisnachlass (meist 2-3%) für Zahlung innerhalb einer kurzen Frist (z.B. 10 Tage)
- Vorteil: Deutlich schnellerer Geldeingang = bessere Liquidität
- Nachteil: Gewinnminderung durch den Nachlass
- Win-Win-Strategie: Schnellerer Geldeingang ermöglicht Ihnen, selbst Skonto bei Lieferanten zu nutzen
- Clever: Gestaffelte Skonto-Modelle motivieren auch zu Teilzahlungen
Was ist Skonto genau?
Skonto (von italienisch „sconto" = Abzug) ist ein Preisnachlass, den Sie Ihren Kunden gewähren, wenn diese besonders schnell zahlen. Typische Formulierung auf Rechnungen:
Zahlungsbedingungen:
Bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen: 2% Skonto
Bei Zahlung innerhalb von 30 Tagen: netto (ohne Abzug)
Der Kunde hat also die Wahl: Schnell zahlen und sparen oder die volle Frist ausnutzen und den vollen Betrag zahlen.
💡 Typische Skonto-Konditionen
- 2% Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen
- 3% Skonto bei Zahlung innerhalb von 7 Tagen
- Netto (ohne Abzug) bei Zahlung innerhalb von 30 Tagen
Warum Skonto überhaupt anbieten?
Die durchschnittliche Zahlungsdauer im Handwerk beträgt oft 30-45 Tage – manchmal sogar länger. Das bedeutet: Sie haben die Arbeit erledigt, Material bezahlt und Löhne ausgezahlt, aber das Geld vom Kunden kommt erst Wochen später. Das belastet Ihre Liquidität erheblich.
Das Liquiditätsproblem im Handwerk
| Position | Zeitpunkt | Cashflow |
|---|---|---|
| Material einkaufen | Tag 1 | – 3.000 € |
| Arbeit ausführen | Tag 1-5 | – 2.000 € (Lohn) |
| Rechnung stellen | Tag 5 | ± 0 € |
| Kunde zahlt (ohne Skonto) | Tag 35-45 | + 8.000 € |
| Zwischenfinanzierung nötig | Tag 1-45 | 5.000 € für 45 Tage! |
Bei mehreren parallelen Baustellen summiert sich das schnell auf fünfstellige Beträge, die Sie vorfinanzieren müssen. Hier kommt Skonto ins Spiel: Es beschleunigt den Geldeingang erheblich.
Der große Vorteil: Schnellerer Geldeingang
Skonto wirkt wie ein Turbo für Ihre Liquidität. Statt nach 30-45 Tagen haben Sie das Geld schon nach 7-10 Tagen auf dem Konto.
| Szenario | Zahlungseingang | Liquiditätsvorteil |
|---|---|---|
| Ohne Skonto | Ø 35 Tage | – |
| Mit 2% Skonto (10 Tage) | Ø 8 Tage | 27 Tage früher! |
Diese 27 Tage früher bedeuten:
- Weniger Kontokorrent-Kreditzinsen (oft 8-12% p.a.)
- Kein Überziehen des Geschäftskontos
- Schneller investieren können
- Selbst Skonto bei Lieferanten nutzen!
Die Win-Win-Strategie: Skonto-Kette nutzen
Hier liegt der eigentliche Clou: Wenn Ihre Kunden schneller zahlen, können Sie selbst ebenfalls Skonto bei Ihren Lieferanten in Anspruch nehmen. Das macht den vermeintlichen "Verlust" auf Ihrer Seite oft wieder wett.
💰 Rechenbeispiel: Win-Win durch Skonto-Kette
Ausgangssituation:
- Ihre Rechnung an den Kunden: 10.000 €
- Sie gewähren 2% Skonto bei Zahlung in 10 Tagen: – 200 €
- Ihre Materialrechnung beim Lieferanten: 4.000 €
- Lieferant bietet Ihnen 3% Skonto: + 120 € Ersparnis
Ergebnis:
- Skonto-Kosten (Kunde): – 200 €
- Skonto-Ersparnis (Lieferant): + 120 €
- Netto-Kosten: nur 80 €
- Bonus: Geld 27 Tage früher auf dem Konto!
Der echte Skonto-Profi denkt also in Zahlungsketten: Schneller Eingang ermöglicht schnelleren Ausgang – und so profitieren alle.
Clevere Staffelung: Teilzahlungen motivieren
Eine besonders schlaue Strategie ist die Staffelung des Skontos nach Zahlungshöhe. So motivieren Sie Kunden, zumindest einen Teil schnell zu zahlen – was Ihre Liquidität bereits verbessert.
| Zahlungsmodell | Skonto | Frist |
|---|---|---|
| 50% Anzahlung | 2% Skonto auf die Anzahlung | Bei Auftragserteilung |
| 100% Zahlung | 4% Skonto auf die Gesamtsumme | Innerhalb von 10 Tagen |
| Reguläre Zahlung | Netto (ohne Abzug) | Innerhalb von 30 Tagen |
Warum funktioniert das so gut?
- 50% bei 2% Skonto: Der Kunde spart Geld, Sie haben die Hälfte sofort sicher
- 100% bei 4% Skonto: Größerer Anreiz für Vollzahlung = kein Zahlungsausfallrisiko
- Psychologie: 4% klingt nach mehr Ersparnis und motiviert
- Absicherung: Bei Anzahlung haben Sie bereits Ihr Material gedeckt
📝 Formulierungsbeispiel für Ihre Rechnung
Zahlungsbedingungen:
• Bei 50% Anzahlung innerhalb von 7 Tagen: 2% Skonto auf Anzahlung
• Bei 100% Zahlung innerhalb von 10 Tagen: 4% Skonto auf Gesamtbetrag
• Reguläre Zahlung: 30 Tage netto
Die andere Seite: Wann Skonto NICHT sinnvoll ist
Skonto ist kein Allheilmittel. Es gibt Situationen, in denen Sie darauf verzichten sollten:
1. Bei ohnehin guter Zahlungsmoral
Wenn Ihre Kunden sowieso in 10-14 Tagen zahlen, verschenken Sie mit Skonto nur Geld. Prüfen Sie Ihre durchschnittliche Zahlungsdauer über die letzten 12 Monate.
2. Bei sehr geringen Margen
Wenn Ihre Gewinnmarge unter 10% liegt, können 2-3% Skonto Ihren Gewinn drastisch reduzieren:
| Gewinnmarge | Ohne Skonto | Mit 3% Skonto | Gewinnverlust |
|---|---|---|---|
| 20% Marge | 2.000 € Gewinn | 1.700 € Gewinn | – 15% |
| 10% Marge | 1.000 € Gewinn | 700 € Gewinn | – 30% |
| 5% Marge | 500 € Gewinn | 200 € Gewinn | – 60% |
3. Bei Kunden, die nicht ziehen
Manche Kunden zahlen trotz Skonto-Angebot erst nach 30+ Tagen – und ziehen trotzdem Skonto ab. Das müssen Sie konsequent ablehnen und nachfordern.
4. Wenn Sie keine Liquiditätsprobleme haben
Wer über ausreichende finanzielle Reserven verfügt, braucht den schnelleren Geldeingang nicht – und kann das Skonto sparen.
⚠️ Vorsicht: Skonto-Missbrauch
Etwa 30% der Kunden, die Skonto ziehen, halten die Frist nicht ein – zahlen also nach 20 oder 30 Tagen, ziehen aber trotzdem den Nachlass ab.
Ihre Reaktion sollte sein:
- Freundlich, aber bestimmt auf Einhaltung der Frist hinweisen
- Differenzbetrag nachfordern
- Bei Wiederholung: Skonto für diesen Kunden streichen
Skonto richtig kalkulieren: Was kostet es wirklich?
Die wahren Kosten von Skonto werden oft unterschätzt. Denn 2% Nachlass für 20 Tage frühere Zahlung entspricht einem effektiven Jahreszins:
📊 Effektiver Jahreszins von Skonto
Formel: (Skonto% / (100% – Skonto%)) × (365 / Tage früher) × 100
- 2% Skonto, 20 Tage früher: (2/98) × (365/20) = 37,2% p.a.
- 3% Skonto, 23 Tage früher: (3/97) × (365/23) = 49,1% p.a.
Das klingt viel – aber: Wenn Ihre Alternative ein Kontokorrent mit 10% Zinsen wäre, ist Skonto immer noch günstiger als gar kein Geld zu haben.
Umgekehrt bedeutet das für Ihre Kunden: Skonto zu ziehen ist hochprofitabel – daher nutzen es preisbewusste Einkäufer immer.
Praxistipps: Skonto richtig einsetzen
1. Dokumentieren Sie alles
Notieren Sie genauer, wann ein Kunde zahlt und ob die Skonto-Frist eingehalten wurde. Nur so können Sie Missbrauch nachweisen und die Differenz einfordern.
2. Klare Kommunikation auf der Rechnung
Formulieren Sie Ihre Skonto-Bedingungen eindeutig:
- Exaktes Datum statt „innerhalb von X Tagen"
- „Zahlungseingang" statt „Überweisung"
- Bei Teilzahlung: anteiliges Skonto
3. Konsequent sein
Wenn ein Kunde die Frist nicht einhält, fordern Sie die Differenz freundlich, aber bestimmt nach. Sonst spricht sich herum, dass man bei Ihnen auch verspätet noch Skonto bekommt.
4. Verschiedene Kundengruppen unterscheiden
- Privatkunden: Zahlen oft sofort oder gar nicht – Skonto weniger relevant
- Geschäftskunden: Nutzen Skonto gezielt – hier lohnt es sich
- Öffentliche Auftraggeber: Langsame Bürokratie – Skonto meist wirkungslos
5. Skonto von Ihren Lieferanten nutzen
Prüfen Sie die Konditionen Ihrer Lieferanten. Viele bieten 2-3% Skonto. Nutzen Sie es – das refinanziert Ihren eigenen Skonto teilweise oder vollständig.
🧾 Skonto-Fristen automatisch überwachen
Clean Invoice überwacht die Zahlungsziele für Sie und zeigt Ihnen sofort an, ob ein Kunde die Skonto-Frist eingehalten hat. So können Sie unberechtigte Skontoabzüge sofort erkennen und nachfordern.
Skonto-Alternativen: Andere Wege zu schnellerem Geld
Skonto ist nicht der einzige Weg zu besserer Liquidität. Alternativen:
1. Anzahlungen / Abschlagszahlungen
Bei größeren Aufträgen: 30-50% Anzahlung bei Auftragsvergabe, Restzahlung nach Fertigstellung. Das ist im Handwerk üblich und nach § 632a BGB sogar Ihr gesetzliches Recht bei bereits erbrachten Leistungen.
Tipp: Kombinieren Sie Abschlagszahlungen mit Skonto-Angeboten – so sichern Sie doppelt Ihre Liquidität.
Ausführliche Informationen: Anzahlung, Vorkasse & Abschlagsrechnung im Handwerk 2026
2. Kürzere Zahlungsziele
Statt „30 Tage netto" einfach „14 Tage netto" auf die Rechnung schreiben. Viele Kunden zahlen dann automatisch schneller.
3. Factoring
Ein Factoring-Unternehmen kauft Ihre Forderungen und zahlt sofort (abzüglich Gebühr). Teurer als Skonto, aber garantiert sofortige Liquidität.
4. Lastschriftverfahren
Bieten Sie Stammkunden an, per SEPA-Lastschrift zu zahlen. Sie bestimmen den Zeitpunkt der Abbuchung selbst.
Fazit: Lohnt sich Skonto für Handwerker?
Die Antwort: Es kommt darauf an. Hier die Entscheidungshilfe:
✅ Skonto lohnt sich, wenn...
- Ihre durchschnittliche Zahlungsdauer über 25 Tage liegt
- Sie regelmäßig Liquiditätsengpässe haben
- Sie selbst Skonto bei Lieferanten nutzen können
- Ihre Gewinnmarge über 15% liegt
- Sie viele Geschäftskunden haben
❌ Skonto lohnt sich NICHT, wenn...
- Ihre Kunden sowieso schnell zahlen
- Sie ausreichend finanzielle Reserven haben
- Ihre Gewinnmarge unter 10% liegt
- Kunden den Skonto missbrauchen (Fristen ignorieren)
- Sie hauptsächlich Privatkunden bedienen
Die goldene Mitte: Probieren Sie Skonto bei ausgewählten Kunden oder Projekten aus. Messen Sie nach 6 Monaten, wie sich die durchschnittliche Zahlungsdauer und Ihre Liquidität entwickelt haben. So finden Sie heraus, ob es sich für Ihren Betrieb lohnt.
Häufige Fragen zum Thema Skonto
Was bedeutet 2% Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen?
Der Kunde darf 2% vom Rechnungsbetrag abziehen, wenn er innerhalb von 10 Tagen nach Rechnungsdatum zahlt. Bei einer Rechnung über 1.000 € spart er also 20 € und zahlt nur 980 €.
Lohnt sich Skonto für Handwerker wirklich?
Bei Liquiditätsproblemen und langen Zahlungszielen: ja. Die 2-3% Nachlass werden oft durch schnelleren Geldeingang, eigene Skonto-Nutzung bei Lieferanten und vermiedene Bankzinsen ausgeglichen oder überkompensiert.
Was tun, wenn ein Kunde Skonto zieht, aber zu spät zahlt?
Den Differenzbetrag nachfordern. Formulieren Sie freundlich, aber bestimmt: „Die Skonto-Frist endete am [Datum]. Bitte überweisen Sie den Restbetrag von [X €]." Bei Wiederholung: künftig kein Skonto mehr anbieten.
Wie hoch sollte der Skonto-Satz sein?
Üblich sind 2-3% bei 7-14 Tagen Zahlungsziel. Mehr als 5% ist unüblich und schmälert Ihren Gewinn zu stark. Weniger als 1,5% motiviert Kunden kaum zur schnellen Zahlung.
Kann ich auch gestaffelte Skonto-Modelle anbieten?
Ja, das ist sogar sehr sinnvoll: z.B. 2% bei 50% Anzahlung, 4% bei 100% Zahlung in 10 Tagen. So motivieren Sie auch Teilzahlungen, was Ihr Ausfallrisiko senkt.
Muss ich Skonto auf der Rechnung vermerken?
Ja, Skonto-Bedingungen müssen klar auf der Rechnung stehen. Am besten mit konkretem Datum: „2% Skonto bei Zahlungseingang bis [Datum]". Pauschalangaben wie „10 Tage" führen oft zu Streit.
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Quelle: handwerk.cloud – Das Handwerker-Portal | Stand: Januar 2026. Die Informationen dienen als Orientierung und ersetzen keine individuelle Beratung.