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Fachkräftemangel im Handwerk: Zahlen & Lösungen

250.000 offene Stellen, steigende Löhne, überalterte Belegschaften. Ursachen, betroffene Gewerke und 7 Strategien für Betriebe.

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Redaktion handwerk.cloud

12. Februar 2026

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Es gibt Probleme im Handwerk, über die viel geredet wird. Und dann gibt es den Fachkräftemangel — über den so viel geredet wird, dass man ihn fast nicht mehr hören kann. Aber die Zahlen sind alarmierend: 250.000 offene Stellen. 20.000 unbesetzte Ausbildungsplätze pro Jahr. 125.000 Betriebe, die in den nächsten 5 Jahren einen Nachfolger suchen.

Dieser Artikel liefert die Fakten — ohne Beschönigung, aber auch mit konkreten Lösungsansätzen.

Die Zahlen: So groß ist das Problem wirklich

Kennzahl Wert (2025/2026) Quelle
Offene Stellen im Handwerk ~250.000 ZDH, BA für Arbeit
Davon nicht besetzbar ~50 % (125.000) ZDH Konjunkturbericht
Unbesetzte Ausbildungsplätze / Jahr ~20.000 BIBB, ZDH
Betriebe, die Nachfolger suchen (5 Jahre) ~125.000 ZDH
Erwerbspersonenlücke bis 2035 -7 Mio. Personen IAB, Destatis
Handwerksbetriebe gesamt ~1 Mio. ZDH

Das bedeutet: Jeder achte Handwerksbetrieb wird in den nächsten 5 Jahren aufgeben oder verkauft werden müssen, weil kein Nachfolger da ist. Nicht, weil es keine Aufträge gibt — sondern weil niemand die Arbeit machen kann.

Die 5 Ursachen: Warum fehlen die Fachkräfte?

1

Demografischer Wandel: Die Babyboomer gehen

Die geburtenstarken Jahrgänge (1955–1969) gehen jetzt in Rente. Bis 2035 scheiden 7 Millionen Menschen mehr aus dem Arbeitsmarkt aus, als nachrücken. Das trifft das Handwerk besonders hart, weil es überproportional viele ältere Inhaber hat.

2

Akademisierungswahn: Alle wollen studieren

Die Studierquote liegt bei über 50 %. An Gymnasien und Gesamtschulen wird das Handwerk kaum als Karriereoption vorgestellt. Die Botschaft an Jugendliche ist seit 20 Jahren: „Studier was, dann wird's was." Das Ergebnis: 20.000 leere Ausbildungsplätze pro Jahr.

3

Image-Problem: „Handwerk ist was für die, die nichts anderes können"

Das Vorurteil hält sich hartnäckig — obwohl ein Handwerksmeister im Schnitt zufriedener ist als viele Akademiker. Die Kampagne „Das Handwerk" hat viel getan, aber gegen 20 Jahre Akademisierungsdruck reicht das nicht.

4

Energiewende & Wohnungsbau: Die Nachfrage explodiert

Wärmepumpen, Photovoltaik, energetische Sanierung, Neubau — der Staat will bis 2030 Millionen Gebäude modernisieren. Nur: Wer soll die Arbeit machen? Allein für die Energiewende fehlen laut ZVEH 60.000 Elektriker.

5

Bürokratie: Kleine Betriebe ertrinken im Papierkram

GoBD, DSGVO, E-Rechnung, Zeiterfassungspflicht, Mindestlohndokumentation — viele Inhaber verbringen mehr Zeit mit Bürokratie als mit dem eigentlichen Handwerk. Das schreckt potenzielle Gründer und Nachfolger ab.

Welche Gewerke am stärksten betroffen sind

Gewerk Mangel Treiber
⚡ Elektro Sehr hoch Energiewende, Wallboxen, Smart Home, PV
🔧 SHK (Sanitär/Heizung) Sehr hoch Wärmepumpenpflicht, Heizungstausch, Badsanierung
🧱 Bau / Maurer Sehr hoch Neubau, Sanierung, Infrastruktur
🏠 Dachdecker Hoch Dämmung, PV-Montage, Sturmschäden
🎨 Maler Hoch Sanierungswelle, WDVS, Fassadenarbeiten
🚗 KFZ Mittel E-Mobilität verändert Anforderungen

Was Handwerksbetriebe jetzt tun können: 7 konkrete Strategien

1

Social Media für Azubi-Gewinnung nutzen

Junge Menschen suchen Arbeitgeber auf Instagram und TikTok — nicht in der Zeitung. Zeigen Sie den Berufsalltag authentisch: Teamspirit, coole Projekte, Spaß bei der Arbeit. → Social Media für Handwerker

2

Gehälter transparent und wettbewerbsfähig machen

Der Fachkräftemangel treibt Gehälter nach oben. Wer immer noch Mindestlohn zahlt, verliert Mitarbeiter an Betriebe, die 500 € mehr zahlen. Transparenz hilft: Zeigen Sie auf Ihrer Google-Seite, was Sie bieten.

3

Digitalisierung als Wettbewerbsvorteil

Junge Fachkräfte wollen nicht in einem Betrieb arbeiten, der noch mit Fax und Zettelwirtschaft operiert. Digitale Zeiterfassung, moderne Apps und ein professionelles Auftreten machen Sie attraktiver. → Handwerker-Apps 2025

4

4-Tage-Woche testen

Immer mehr Handwerksbetriebe testen die 4-Tage-Woche — und berichten von mehr Bewerbungen, weniger Krankenstand und gleicher Produktivität. In Zeiten des Mangels kann das DER Hebel sein.

5

Quereinsteiger und Umschüler gezielt ansprechen

Nicht jeder muss mit 16 eine Ausbildung beginnen. Viele Studienabbrecher und Umschüler suchen eine Alternative — und bringen oft hohe Motivation mit.

6

Internationale Fachkräfte gewinnen

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz 2025 erleichtert den Zugang. Handwerkskammern unterstützen bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen und der Integration in den Betrieb.

7

Betriebsnachfolge frühzeitig planen

Wer in 5 Jahren aufhört, muss JETZT anfangen, einen Nachfolger aufzubauen. Die Handwerkskammern bieten kostenlose Beratung zur Betriebsübergabe.

FAQ: Fachkräftemangel im Handwerk

Wie viele Fachkräfte fehlen im Handwerk?

Aktuell sind rund 250.000 Stellen im Handwerk unbesetzt. Rund die Hälfte davon kann rechnerisch nicht besetzt werden, weil es schlicht nicht genug Bewerber gibt.

Welche Handwerksberufe sind am stärksten betroffen?

Am stärksten betroffen sind Elektro, SHK (Sanitär/Heizung/Klima) und Bau. Haupttreiber sind die Energiewende und der Sanierungsstau.

Was können Handwerksbetriebe gegen den Fachkräftemangel tun?

Die wirksamsten Hebel: Social Media für Azubi-Gewinnung, wettbewerbsfähige Gehälter, Digitalisierung des Betriebs, 4-Tage-Woche testen und frühzeitige Nachfolgeplanung.

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