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allgemein14 Min. Lesezeit

Handwerk vs. Studium: Der ehrliche Karrierevergleich

Gehalt, Jobsicherheit, Zufriedenheit und Aufstiegschancen im Vergleich. Warum Handwerk oft die klügere Wahl ist.

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Redaktion handwerk.cloud

12. Februar 2026

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Ein 16-Jähriger steht vor der Entscheidung seines Lebens: Abitur und Studium — oder Handwerksausbildung? Seine Eltern raten zum Studium. Die Lehrer auch. Die Gesellschaft sowieso. Aber niemand hat nachgerechnet.

Wir haben nachgerechnet. Und die Zahlen erzählen eine andere Geschichte als Ihr Berufsberater.

Der Zeitstrahl: Wann verdient wer wie viel?

Stellen wir zwei junge Menschen vor. Beide sind 16, beide intelligent, beide fleißig. Luca beginnt eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK. Marie macht Abitur und studiert BWL.

Alter 🔧 Luca (SHK-Ausbildung) 🎓 Marie (BWL-Studium)
16 Ausbildung: +1.008 €/Monat Schule: 0 € / Kosten für Eltern
17 Ausbildung: +1.060 €/Monat Schule: 0 €
18 Ausbildung: +1.163 €/Monat Abitur: 0 €
19 Geselle: +2.800 €/Monat brutto Studium: –950 €/Monat (Kosten)
20–21 Geselle: +3.200 €/Monat brutto Studium: –950 €/Monat
22 Geselle mit Berufserfahrung: +3.500 €/Monat Bachelor fertig — Jobsuche
23–24 Meisterschule (berufsbegl.) + Geselle Einstieg: +3.400 €/Monat brutto
25 Meister: +4.500 €/Monat +3.800 €/Monat brutto
28 Option: Eigener Betrieb +4.200 €/Monat

Die große Rechnung: Was hat wer mit 25 verdient?

🔧 Luca (Handwerk) — Kumuliertes Einkommen bis 25

  • 3,5 Jahre Ausbildung (Ø 1.080 €/Monat): +45.360 €
  • 5,5 Jahre Geselle (Ø 3.200 €/Monat brutto): +211.200 € brutto

Kumuliertes Bruttoeinkommen mit 25: ~256.560 €

Dazu: Rentenansprüche seit dem 16. Lebensjahr, Berufserfahrung, praktisches Know-how

Schulden: 0 €

🎓 Marie (BWL-Studium) — Kumuliertes Einkommen bis 25

  • 2 Jahre Oberstufe (kein Einkommen): 0 €
  • 3 Jahre Studium (kein/wenig Einkommen, Kosten ~950 €/Monat): –34.200 € Kosten
  • 3 Jahre Berufseinstieg (Ø 3.600 €/Monat brutto): +129.600 € brutto

Kumuliertes Bruttoeinkommen mit 25: ~95.400 € (netto nach Studienkosten)

Dazu: möglicherweise BAföG-Schulden (max. 10.010 €), keine Berufserfahrung bis 22

Schulden: 0 – 10.010 €

Differenz mit 25 Jahren: ca. 161.000 € zugunsten des Handwerkers. Das ist kein Rundungsfehler. Das ist die Realität eines Systems, das Studieren glorifiziert und Handwerk unterschätzt.

Die Ausbildungsvergütung 2026: Ab Tag 1 verdienen

Während Studierende BAföG-Anträge ausfüllen und Minijobs suchen, verdient ein Auszubildender im Handwerk ab dem ersten Tag:

Gewerk 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr Summe 3 Jahre
SHK (Anlagenmechaniker) 1.008 € 1.060 € 1.163 € ~38.772 €
Elektroniker (Bayern) 1.303 € 1.365 € 1.444 € ~49.344 €
Dachdecker 1.050 € 1.200 € 1.460 € ~44.520 €
Maurer (Baugewerbe) 1.080 € 1.351 € 1.610 € ~48.492 €
Maler und Lackierer 900 € 985 € 1.150 € ~36.420 €

Ein Maurer-Azubi verdient in 3 Jahren Ausbildung über 48.000 €. Ein Student hat in derselben Zeit über 34.000 € ausgegeben — oder Schulden gemacht. Die Differenz: 82.000 €.

Meister = Bachelor: Die Gleichstellung, die niemand kennt

📋 Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR)

DQR-Stufe Berufliche Bildung Akademische Bildung
Stufe 4 Gesellenprüfung / Facharbeiter
Stufe 5 Techniker / Fachwirt (geprüft)
Stufe 6 Handwerksmeister ✅ Bachelor ✅
Stufe 7 Betriebswirt (HwO) Master
Stufe 8 Doktor / Promotion

Seit 2020 dürfen Handwerksmeister den Titel „Bachelor Professional" führen. Der Betriebswirt (HwO) ist dem Master gleichgestellt. Das ist keine Marketing-Aktion — es ist geltendes Recht.

Was Studieren wirklich kostet — die versteckten Ausgaben

Kostenposition Monatlich 3 Jahre
Miete (WG-Zimmer/Wohnheim) 420 € 15.120 €
Essen 250 € 9.000 €
Semesterbeitrag ~55 € (Ø 330 €/Semester) 1.980 €
Krankenversicherung (ab 25) 120 € 1.440 €
Bücher, Laptop, Software ~40 € 1.440 €
Freizeit, Handy, Kleidung ~150 € 5.400 €
Gesamtkosten Studium (3 Jahre) ~1.035 € ~34.380 €

34.380 € ausgegeben — oder als BAföG-Schulden angehäuft. Der Handwerker hat in derselben Zeit 38.000–49.000 € verdient. Die Differenz zwischen den beiden Lebenswegen beträgt schon nach 3 Jahren 72.000–83.000 €.

Der Meister-Gehaltslauf: Was man mit Handwerk wirklich verdienen kann

Gewerk Geselle Ø Meister (angestellt) Meister (selbstständig)
SHK 36.000 € 53.800–60.300 € 90.000–100.000 €+
Elektro 38.000 € 50.000–55.000 € 80.000–120.000 €+
Dachdecker 34.000 € 50.000–56.100 € 70.000–100.000 €+
Zimmerer 35.000 € 45.000–49.400 € 70.000–110.000 €+
BWL-Bachelor (Vergleich) 37.600–41.000 € Sehr selten selbstständig

Ein SHK-Meister verdient als angestellter Meister mehr als die meisten BWL-Bachelor-Absolventen. Als selbstständiger Meister mit eigenem Betrieb und 3–5 Mitarbeitern sind sechsstellige Jahresüberschüsse möglich — und das ist keine Ausnahme, sondern bei gut geführten Betrieben die Regel.

Das Lebenseinkommen: Die Überraschung

📊 Studie des IAW (Institut für angewandte Wirtschaftsforschung)

Meister und Techniker verdienen über ihr gesamtes Arbeitsleben (ca. 40 Jahre) in etwa so viel wie Personen mit abgeschlossenem Hochschulstudium: rund 1,4 Millionen Euro brutto.

Der Unterschied: Meister verdienen bis zum Alter von 36 Jahren oft mehr als Akademiker, weil sie 5–7 Jahre früher ins Berufsleben eingestiegen sind. Akademiker holen ab Mitte 30 auf — aber der Vorsprung des früheren Verdienstes (und dessen Zinseszinseffekt) ist schwer einzuholen.

Der unsichtbare Vorteil: Alles am eigenen Haus selbst machen

Über diesen Vorteil spricht kaum jemand — aber er ist finanziell gewaltig:

Wer eine Handwerksausbildung hat, kann am eigenen Haus fast alles selbst machen. Das spart nicht nur die Handwerkerkosten für Fremdfirmen, sondern ermöglicht auch eine ganz andere Lebensqualität:

Was der Handwerker selbst macht Was ein Akademiker dafür zahlt Ersparnis (Lifetime)
Heizung warten & kleinere Reparaturen 300–600 €/Jahr 12.000–24.000 €
Wände streichen (alle 5–7 Jahre) 2.500–4.000 € pro Mal 15.000–28.000 €
Bad renovieren (1–2 Mal) 12.000–20.000 € pro Mal 12.000–40.000 €
Garten anlegen und pflegen 15.000–35.000 € 15.000–35.000 €
Boden verlegen (2–3 Mal) 2.500–4.000 € pro Mal 5.000–12.000 €
Dachgeschoss ausbauen 15.000–30.000 € 10.000–25.000 €
Diverse Reparaturen (laufend) 500–2.000 €/Jahr 20.000–80.000 €
Gesamt (über 40 Jahre Eigenheim) 89.000–244.000 €

Ein Handwerker mit Eigenheim spart im Laufe seines Lebens mindestens 89.000 € — realistisch eher 150.000 € und mehr. Das ist ein Kleinwagen. Oder 5 Jahresurlaube. Oder die Ausbildung der eigenen Kinder. Diesen Vorteil hat kein BWL-Absolvent.

Jobsicherheit: Handwerker werden immer gebraucht

Fachkräftemangel = Jobgarantie

Dem Handwerk fehlen aktuell 250.000 Fachkräfte. Wer eine abgeschlossene Ausbildung hat, kann sich seinen Arbeitgeber aussuchen — nicht umgekehrt.

KI-sicher

ChatGPT kann Texte schreiben, aber keine Heizung installieren. Handwerk ist einer der wenigen Bereiche, der durch Automatisierung nicht bedroht ist.

Energiewende = Dauerboom

Wärmepumpen, Photovoltaik, E-Ladeinfrastruktur, Gebäudesanierung — die politischen Vorgaben (GEG, EU-Sanierungspflicht) sichern Jahrzehnte an Auftragslage.

Regionale Unabhängigkeit

Ein Handwerker kann überall in Deutschland arbeiten — Stadt, Land, Küste, Berge. Er ist nicht an einen Konzern-Standort oder eine Branche gebunden.

Die Karriereleiter im Handwerk: Mehr Stufen als Sie denken

1.

Ausbildung (3–3,5 Jahre)

Gesellenbrief, erstes Einkommen, praktische Fähigkeiten

2.

Geselle mit Berufserfahrung (2–5 Jahre)

Spezialisierung, höheres Gehalt, Verantwortung

3.

Meisterprüfung = Bachelor Professional (DQR 6)

Fachliche Spitze + betriebswirtschaftliche Kompetenz + Ausbildungsberechtigung

4.

Eigener Betrieb / Führungsposition

Selbstständigkeit, Mitarbeiterführung, unternehmerische Freiheit

5.

Betriebswirt (HwO) = Master (DQR 7)

Höchste kaufmännische Qualifikation im Handwerk, strategische Unternehmensführung

6.

Optional: Studium nach dem Meister

Mit Meistertitel allgemeine Hochschulzugangsberechtigung — studieren ohne Abitur

Der Weg vom Lehrling zum Unternehmer mit Master-Äquivalent ist im Handwerk klar vorgezeichnet — und an jeder Stufe verdient man Geld, statt welches auszugeben.

Was Ihnen niemand über das Studium sagt

  • 29 % der Bachelor-Studierenden brechen ab — und stehen dann mit 22–24 Jahren ohne Abschluss und ohne Berufserfahrung da. Ein Handwerksazubi hat mit 19 einen Gesellenbrief in der Tasche.
  • Die Regelstudienzeit ist eine Illusion: Nur 30–40 % der Studierenden schaffen den Bachelor in 6 Semestern. Jedes zusätzliche Semester kostet Geld und Zeit.
  • Nicht jeder Bachelor führt zum Traumjob: Mit einem BWL-Bachelor von einer durchschnittlichen FH steigt man bei 37.000 € brutto ein — weniger als ein Elektromeister.
  • Überqualifizierung: Immer mehr Akademiker arbeiten in Jobs, für die gar kein Studium nötig wäre. Ein SHK-Meister arbeitet als das, wofür er ausgebildet ist — und wird dafür auch angemessen bezahlt.

Fazit: Das Handwerk hat nicht nur goldenen Boden — es hat die bessere Rendite

Wer heute 16 ist und sich für eine Handwerksausbildung entscheidet, hat mit 25:

  • 256.000 € brutto verdient (statt 95.000 €)
  • 0 € Schulden (statt bis zu 10.010 € BAföG)
  • ✅ Einen Bachelor-äquivalenten Abschluss (Meister = DQR 6)
  • ✅ Die Option, einen eigenen Betrieb zu gründen
  • ✅ Die Fähigkeit, am eigenen Haus alles selbst zu machen (Ersparnis: 150.000 €+)
  • ✅ Einen Beruf, der nicht durch KI ersetzt werden kann
  • 9 Jahre Rentenansprüche mehr als der Akademiker
  • ✅ Einen krisensicheren Job mit 250.000 offenen Stellen

Studieren ist kein schlechter Weg. Aber Handwerk ist kein schlechterer. Und wer nur die Zahlen betrachtet, kommt zu einem klaren Ergebnis: Die Ausbildung im Handwerk ist für viele junge Menschen die finanziell klügste Entscheidung ihres Lebens.

Häufige Fragen

Ist der Meister wirklich dem Bachelor gleichgestellt?

Ja. Im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) sind beide auf Stufe 6 eingeordnet. Seit 2020 dürfen Meister den Titel „Bachelor Professional" führen. Der Betriebswirt (HwO) ist sogar dem Master gleichgestellt (DQR Stufe 7).

Wie viel verdient ein Handwerker mit Meister?

Angestellt: 48.000–60.000 € brutto/Jahr je nach Gewerk. Selbstständig mit eigenem Betrieb: 70.000–120.000 € Jahresüberschuss möglich. SHK-Meister und Elektromeister liegen am oberen Ende.

Wie viel verdient man in der Handwerksausbildung?

2026: je nach Gewerk 900–1.460 € brutto/Monat. Maurer und Elektroniker verdienen am meisten (bis 1.610 € im 3. Jahr). In 3 Jahren Ausbildung summiert sich das auf 36.000–49.000 €.

Kann ich nach dem Meister noch studieren?

Ja. Der Meisterbrief berechtigt zur allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung — Sie können damit jedes Fach an jeder Hochschule studieren, auch ohne Abitur. Und einige Hochschulen rechnen berufliche Kompetenzen auf das Studium an.

Studien und Quellen

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