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Bautechnik & Normen

Tauwassernachweis

TauwassernachweisRechnerischer Nachweis, dass in einem Bauteil keine schädliche Kondenswassermenge anfällt – vorgeschrieben nach DIN 4108-3

1 Min. Lesezeit

Was ist der Tauwassernachweis?

Der Tauwassernachweis ist eine rechnerische Überprüfung, ob in einem Bauteilaufbau (Wand, Dach, Decke) Kondenswasser anfällt und ob dieses in der Trocknungsperiode (Sommer) vollständig wieder austrocknen kann. Er ist nach DIN 4108-3 und dem GEG für jeden Neubau und jede energetische Sanierung vorgeschrieben und schützt vor Feuchteschäden, Schimmel und Bausubstanzschäden.

Warum entsteht Tauwasser?

Warme Raumluft enthält Feuchtigkeit. Wenn diese Luft durch ein Bauteil diffundiert, kühlt sie sich auf dem Weg zur Außenseite ab. An einer bestimmten Stelle unterschreitet die Temperatur den Taupunkt — die Feuchtigkeit kondensiert. Wenn mehr Kondensat anfällt als im Sommer austrocknen kann, entstehen Feuchteschäden.

Verfahren im Vergleich

VerfahrenNormTypGenauigkeitEinsatz
Glaser-VerfahrenDIN 4108-3StationärStandard90 % aller Nachweise
WUFI-SimulationDIN EN 15026InstationärSehr hochInnendämmung, Holzbau, Sonderfälle
U-Wert.net (Online)OrientierungStationärOrientierungVorabcheck, Planung

Grenzwerte nach DIN 4108-3

KriteriumGrenzwert
Max. Tauwassermenge (kapillarfähige Schicht)≤ 1,0 kg/m²
Max. Tauwassermenge (nicht kapillarfähig)≤ 0,5 kg/m²
Verdunstungsmenge im Sommer> Tauwassermenge
Feuchtegehalt Holz (Zunahme)< 5 Masse-%
Feuchtegehalt Holzwerkstoff< 3 Masse-%

Grundregel: Es darf im Winter Tauwasser anfallen — aber nur so viel, wie im Sommer wieder austrocknet. Die Netto-Feuchtebilanz muss null oder negativ sein.

Wann ist der Nachweis Pflicht?

SituationPflicht?
Neubau (alle Außenbauteile)✅ Ja
Energetische Sanierung (neue Dämmung)✅ Ja
Innendämmung✅ Ja (WUFI empfohlen)
Dachdämmung (Zwischen-/Aufsparren)✅ Ja
Fensteraustausch (ohne Wanddämmung)⚠️ Empfohlen
Innenputz erneuern❌ Nein

Typische Bauteilaufbauten und Ergebnisse

AufbauTauwasser?Lösung
Mauerwerk + WDVS (EPS) außen❌ Kein TauwasserStandardaufbau, unproblematisch
Mauerwerk + Innendämmung (Kalziumsilikat)⚠️ WenigKapillarleitfähiges Material entscheidend
Mauerwerk + Innendämmung (EPS)❌ ProblematischDampfbremse nötig
Holzständerwand mit Dampfbremse❌ OK wenn fachgerechtsd-Wert Dampfbremse > 100 × sd außen
Flachdach (Warmdach)⚠️ KritischDampfsperre auf Warmseite Pflicht

Kosten

LeistungPreis
Tauwassernachweis (pro Bauteil, Glaser)50–150 €
WUFI-Simulation (pro Bauteil)150–400 €
EFH komplett (4–6 Bauteile)200–900 €
Im Rahmen EnergieberatungOft inklusive

Häufige Fehler

FehlerProblemLösung
Dampfbremse vergessen (Holzbau)Tauwasser im Dämm-/HolzbereichDampfbremse auf der Warmseite einplanen
Dampfsperre statt DampfbremseKeine Rücktrocknung möglichFeuchtevariable Dampfbremse verwenden
Innendämmung ohne NachweisSchimmel hinter DämmungImmer rechnerisch nachweisen (WUFI)
Schichten falsch angeordnetsd-Wert innen < außen = TauwasserRegel: innen dichter als außen
👷‍♂️

Meister-Tipp

Der Tauwassernachweis ist wie eine Versicherung: Keiner macht ihn gern, aber ohne wird's teuer. Ich sehe regelmäßig Innendämmungen, die ohne Nachweis eingebaut wurden — und nach 2 Jahren schimmelt es hinter der Dämmung. Die 150 Euro für einen vernünftigen Nachweis sparen Ihnen im schlimmsten Fall 15.000 Euro Schimmelsanierung. Und bei Innendämmung: Glaser reicht nicht, nehmen Sie WUFI.

Häufige Fragen zu Tauwassernachweis

Wann ist ein Tauwassernachweis Pflicht?
Der Tauwassernachweis ist nach GEG (Gebäudeenergiegesetz) und DIN 4108-3 bei jedem Neubau und jeder energetischen Sanierung Pflicht. Er muss für alle Außenbauteile (Wände, Dach, Kellerdecke) erstellt werden und nachweisen, dass kein schädliches Kondenswasser anfällt.
Was ist das Glaser-Verfahren?
Das Glaser-Verfahren ist ein vereinfachtes, stationäres Rechenverfahren nach DIN 4108-3. Es berechnet schichtweise den Diffusionsstrom durch ein Bauteil und ermittelt, ob und wo Taupunkte entstehen. Es setzt konstante Winter-/Sommerklimadaten an und ist der Standard für den Tauwassernachweis.
Was kostet ein Tauwassernachweis?
Ein Tauwassernachweis durch einen Energieberater oder Architekten kostet 50–150 € pro Bauteil. Bei einem Einfamilienhaus mit 4–6 verschiedenen Bauteilaufbauten also 200–900 €. Die Kosten sind im Energieberatungshonorar häufig enthalten.
Was passiert wenn der Tauwassernachweis nicht bestanden wird?
Wenn der Nachweis zeigt, dass schädliches Kondenswasser anfällt, muss der Bauteilaufbau geändert werden — z. B. durch eine Dampfbremse auf der Warmseite, einen diffusionsoffeneren Aufbau außen oder eine andere Dämmstoffwahl. Die Baugenehmigung wird ohne bestandenen Nachweis nicht erteilt.
Was ist der Unterschied zwischen Glaser und WUFI?
Das Glaser-Verfahren (DIN 4108-3) ist eine vereinfachte, stationäre Berechnung — ausreichend für Standardaufbauten. WUFI (DIN EN 15026) ist eine instationäre Simulation, die Regen, Kapillartransport und tatsächliche Klimadaten berücksichtigt. WUFI ist bei Innendämmung und Holzbau empfehlenswert.