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Baustoffe & Materialien

Dampfsperre

DampfsperreWasserdampfundurchlässige Folie (sd > 1.500 m) auf der warmen Seite der Dämmung zum Schutz vor Kondensation

1 Min. Lesezeit

Was ist eine Dampfsperre?

Eine Dampfsperre ist eine Folie mit sehr hohem Diffusionswiderstand (sd-Wert > 1.500 m), die den Durchtritt von Wasserdampf nahezu vollständig verhindert. Sie wird auf der warmen (inneren) Seite der Dämmung eingebaut und verhindert, dass feuchte Raumluft in die Dämmkonstruktion gelangt und dort kondensiert.

Dampfsperre vs. Dampfbremse

MerkmalDampfsperreDampfbremseFeuchtevariable Dampfbremse
sd-Wert> 1.500 m2–100 m0,25–10 m (variabel)
MaterialPE-Folie, Alu-KaschierungPA-Folie, KraftpapierPolyamid-Folie
DampfdurchgangNahezu nullKontrolliert reduziertPasst sich Feuchte an
Rücktrocknung❌ Nicht möglich⚠️ Begrenzt✅ Ja
Fehlertoleranz❌ Gering (jedes Loch = Schaden)⚠️ Mittel✅ Hoch
Typischer EinsatzFlachdach, Nassraum, KühlhausSteildach (Neubau)Steildach (Sanierung), Innendämmung
Kosten/m²0,50–2 €1–4 €2–6 €

Moderne Empfehlung: In 90 % aller Steildach-Sanierungen ist eine feuchtevariable Dampfbremse (z. B. Intello, Vario) die bessere Wahl als eine starre Dampfsperre — weil sie Verarbeitungsfehler toleriert und Rücktrocknung ermöglicht.

sd-Wert erklärt

sd-WertKlassifikationMaterial (Beispiele)
0–0,5 mDiffusionsoffenHolzfaserplatte, Unterspannbahn
0,5–2 mDiffusionshemmendOSB-Platte, Kraftpapier
2–100 mDampfbremsePA-Folie, Variobahn
> 1.500 mDampfsperrePE-Folie (0,2 mm), Alu-Kaschierung

Grundregel: Der sd-Wert der Innenseite muss mindestens 6× höher sein als der sd-Wert der Außenseite. Sonst entsteht Tauwasser in der Konstruktion.

Wann Dampfsperre, wann Dampfbremse?

SituationEmpfehlungGrund
Steildach (Neubau)Dampfbremse (sd 2–5 m)Standard, Rücktrocknung möglich
Steildach (Sanierung von außen)Feuchtevariable DampfbremseVerzeiht Fehler bei unzugänglicher Innenseite
Flachdach (Warmdach)✅ DampfsperreKein Austrocknungspotenzial nach oben
PROTECTED_2Feuchtevariable DampfbremseErmöglicht Rücktrocknung nach innen
Nassraum (Dampfbad, Pool)✅ Dampfsperre + Alu-KaschierungExtrem hohe Feuchtelast
Kühlraum✅ DampfsperreDampfdiffusion von außen nach innen

Einbau: Schritt für Schritt

  1. Folie ausrollen — auf der warmen Seite der Dämmung, mit 10 cm Überlappung
  2. Stöße verkleben — mit Dampfbremsband (Spezialklebeband), nicht normales Klebeband!
  3. Anschlüsse an Bauteile — Anschlusskleber oder Manschetten an Sparren, Pfetten, Wand
  4. Durchdringungen abdichten — Kabel, Rohre mit Manschetten oder Dichtmasse
  5. Lattung montieren — Konterlattung drückt Folie an, schafft Installationsebene
  6. Blower-Door-Test — Dichtigkeit prüfen (im Neubau nach EnEV/GEG ohnehin Pflicht)

Kosten (Richtwerte 2026)

MaterialKosten/m²
PE-Folie (0,2 mm) – Dampfsperre0,50–1,50 €
Alu-Kaschierung – Dampfsperre1–3 €
PA-Dampfbremse (sd 2–5 m)1–4 €
Feuchtevariable Bremse (Intello, Vario)2–6 €
Dampfbremsband (Stöße)0,50–1 €/lfm
Anschlusskleber10–25 €/Kartusche
Einbau (Profi)5–12 €/m²

Häufige Fehler

FehlerProblemLösung
Normales Klebeband statt DampfbremsbandLöst sich nach 1–2 Jahren, undichtSystemklebeband vom Hersteller verwenden
Kabel-Durchführung nicht abgedichtetKonvektionsöffnung → massive FeuchteschädenManschette oder Dichtmasse verwenden
Dampfsperre statt Dampfbremse im SteildachKeine Rücktrocknung bei kleinen FehlernFeuchtevariable Dampfbremse wählen
Stöße nur überlappt, nicht verklebtLuft strömt durch, Kondensat hinter DämmungJeden Stoß lückenlos verkleben
Innendämmung ohne DampfbremseTaupunkt in/hinter der Dämmung → SchimmelTauwassernachweis + Dampfbremse
👷‍♂️

Meister-Tipp

Die Dampfsperre ist das Bauteil, bei dem die meisten Schäden durch Pfusch entstehen — und zwar verdeckt. Ein kleines Loch oder ein schlecht verklebter Stoß sorgt 3 Jahre nach der Sanierung für verfaulte Sparren. Mein wichtigster Rat: Nehmen Sie eine feuchtevariable Dampfbremse statt einer starren Sperre. Die kostet 2 Euro mehr pro Quadratmeter und verzeiht genau die kleinen Fehler, die im Baustellenalltag passieren.

Häufige Fragen zu Dampfsperre

Was ist der Unterschied zwischen Dampfsperre und Dampfbremse?
Eine Dampfsperre ist nahezu dampfdicht (sd-Wert > 1.500 m, z. B. PE-Folie, Alu-Kaschierung). Eine Dampfbremse lässt kontrolliert etwas Dampf durch (sd-Wert 2–100 m). Dampfbremsen sind heute in den meisten Fällen vorzuziehen, weil sie Rücktrocknung ermöglichen.
Wann braucht man eine Dampfsperre?
Eine echte Dampfsperre (sd > 1.500 m) ist nötig bei: Flachdächern (Warmdach), Nassräumen (Schwimmbad, Dampfbad), Kühlräumen und Dachkonstruktionen ohne Hinterlüftung. In den meisten Steildach-Sanierungen reicht eine feuchtevariable Dampfbremse.
Was bedeutet sd-Wert?
Der sd-Wert (diffusionsäquivalente Luftschichtdicke) gibt an, wie stark ein Material den Wasserdampf-Durchgang bremst. sd 0,5 m = sehr diffusionsoffen. sd 2-100 m = Dampfbremse. sd > 1.500 m = Dampfsperre. Grundregel: Innen mindestens 6× dichter als außen.
Kann man eine Dampfsperre selber einbauen?
Technisch ja, aber Fehler führen zu verdeckten Feuchteschäden und Schimmel — oft erst nach Jahren sichtbar. Kritisch sind: luftdichte Verklebung aller Stöße (Dampfbremsband, nicht Klebeband!), Anschlüsse an Balken, Durchdringungen (Rohre, Kabel). Ein Blower-Door-Test prüft die Dichtigkeit.
Was passiert bei einer fehlerhaften Dampfsperre?
Warme, feuchte Raumluft dringt in die Dämmung und kondensiert an der kalten Seite. Die Folge: durchfeuchtete Dämmung (Wirkungsverlust), Schimmel auf Holzkonstruktionen, Fäulnis an Sparren und im schlimmsten Fall konstruktive Schäden. Schäden treten oft erst nach 2–5 Jahren auf.

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