Feuchtigkeitssperre
Feuchtigkeitssperre – Abdichtungsschicht gegen das Eindringen von Feuchtigkeit in Bauteile
1 Min. Lesezeit
Was ist eine Feuchtigkeitssperre?
Eine Feuchtigkeitssperre ist eine Abdichtungsschicht, die das Eindringen von Wasser und Feuchtigkeit in Bauteile verhindert. Sie ist eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen im Bau, besonders bei erdberührten Bauteilen (Keller, Fundament). Ohne funktionierende Feuchtigkeitssperre drohen Schimmel, Salzausblühungen und langfristige Bauschäden.
Arten von Feuchtigkeitssperren
| Art | Position | Funktion | Typisches Material |
|---|---|---|---|
| Horizontalsperre | Zwischen Fundament und Mauerwerk | Verhindert aufsteigende Feuchtigkeit | Bitumenbahn, PE-Folie, Injektionsharz |
| Vertikalsperre | Außenseite Kellerwand | Schützt gegen drückendes/stehendes Wasser | Bitumendickbeschichtung, HDPE-Bahnen |
| Dampfbremse | In Dach/Wand (warm) | Kontrolliert Diffusion von innen nach außen | PE-Folie, variable Dampfbremse |
| Dampfsperre | In Flachdach/Nassräumen | Verhindert Diffusion komplett | Alukaschierte Folie |
| Bauwerksabdichtung | Unter Bodenplatte | Schützt gegen Bodenfeuchte von unten | PE-Folie, Bitumenbahnen |
| Dichtschlämme | Bad, Küche, Balkon | Verbundabdichtung unter Fliesen | Zement-Kunststoff-Gemisch |
Schadensdiagnose: Ist die Feuchtigkeitssperre defekt?
Typische Anzeichen
| Anzeichen | Wahrscheinliche Ursache | Dringlichkeit |
|---|---|---|
| Salzausblühungen (weiße Kristalle an Wänden) | Aufsteigende Feuchtigkeit, fehlende Horizontalsperre | 🟡 Mittel |
| Abplatzender Putz im Sockelbereich | Aufsteigende Feuchtigkeit | 🟠 Hoch |
| Dunkle Flecken ab 30 cm über Boden, nach oben verlaufend | Defekte Horizontalsperre | 🔴 Sehr hoch |
| Wassereinbruch bei Starkregen | Fehlende/defekte Vertikalabdichtung | 🔴 Sofort handeln |
| Muffiger Geruch im Keller | Dauerfeuchtigkeit im Mauerwerk | 🟡 Mittel |
| Schimmel an Kellerwänden | Kombination Feuchtigkeit + mangelnde Lüftung | 🔴 Sehr hoch |
Feuchtemessung
| Methode | Genauigkeit | Kosten | Wer? |
|---|---|---|---|
| CM-Messung (Calciumcarbid) | ✅ Sehr genau | 50–100 € | Fachmann |
| Darr-Probe (Labor) | ✅ Exakt | 80–150 € | Labor |
| Elektronisches Messgerät | ⚠️ Orientierend | 30–200 € (Kauf) | DIY möglich |
| Infrarot-Thermografie | ✅ Flächig | 200–500 € | Energieberater |
Materialien im Detail
| Material | Anwendung | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Bitumenbahn | Horizontal + Vertikal | Klassiker, bewährt, langlebig | Nahtverbindungen nötig |
| PE-Folie | Horizontal, unter [Estrich](/lexikon/estrich-detail) | Günstig, dampfdicht | Kann bei Bauphase beschädigt werden |
| Flüssigkunststoff | Vertikal, Detailpunkte | Nahtlos, flexibel | Teurer |
| Injektionsharz | Nachträgliche Horizontalsperre | Ohne Aufgraben möglich | Wirksamkeit 80-95 % |
| Bentonitmatten | Bodenplatte, Kellerwand | Quillt bei Wasser, selbstdichtend | Benötigt Anpressdruck |
| Dichtschlämme | Bad, Küche, Balkon | Flexibel, unter Fliesen | Nur für Spritzwasser, nicht drückendes Wasser |
Nachrüstung Horizontalsperre (Altbau)
| Verfahren | Kosten/lfm | Eingriff | Wirksamkeit | Dauer (EFH) |
|---|---|---|---|---|
| Injektionsverfahren | 80 – 200 € | Gering (Bohrlöcher) | 80-95 % | 1–2 Tage |
| Mauersägeverfahren | 150 – 300 € | Mittel (Sägeschnitt) | 98-100 % | 2–4 Tage |
| Rammverfahren (Edelstahl) | 120 – 250 € | Gering | 95-100 % | 1–2 Tage |
| Elektroosmose | 100 – 200 € | Minimal | Umstritten (30-60 %) | 1 Tag |
Ablauf einer nachträglichen Horizontalsperre (Injektion)
| Schritt | Beschreibung |
|---|---|
| 1. Diagnose | Feuchtemessung, Schadensumfang ermitteln |
| 2. Bohrlöcher | Im Abstand von 10–15 cm, leicht fallend |
| 3. Injektion | Harz oder Silikon unter Druck einpressen |
| 4. Trocknung | 4–12 Wochen Trocknungszeit (beheizt ideal) |
| 5. Sanierputz | Erst nach Trocknung neuen Putz auftragen |
| 6. Kontrolle | Feuchtemessung nach 6–12 Monaten |
👷♂️
Meister-Tipp
Von innen abdichten ist Pfusch! Es gibt leider viele Firmen, die Kellerwände nur von innen mit Sperrputz oder Dichtschlämme behandeln. Das versteckt das Problem, aber die Feuchtigkeit bleibt im Mauerwerk und richtet langfristig Schaden an. Eine dauerhafte Lösung erfordert entweder eine Außenabdichtung (aufgraben + beschichten) oder eine fachgerechte Horizontalsperre (Injektion/Säge). Lasst euch nicht von billigen Innenangeboten locken – das wird doppelt teuer!
Typische Kosten (2026)
| Maßnahme | Kosten |
|---|---|
| Horizontalsperre nachrüsten (EFH, ~40 lfm) | 3.200 – 12.000 € |
| Kelleraußenwand abdichten (EFH, ~80 m²) | 10.000 – 30.000 € |
| Drainage verlegen (EFH) | 5.000 – 15.000 € |
| Sanierputz auftragen (Keller, ~60 m²) | 2.400 – 4.800 € |
| Dichtschlämme Badezimmer (10 m²) | 200 – 400 € |
| Gutachten Feuchteschaden | 500 – 1.500 € |
Checkliste: Feuchtigkeitsproblem im Keller
- ✅ Anzeichen dokumentieren (Fotos, Datum, Ausmaß)
- ✅ Fachmann für Feuchtemessung beauftragen (nicht nur visuell!)
- ✅ Ursache klären: Aufsteigende Feuchtigkeit oder drückendes Wasser?
- ✅ Angebote von mind. 3 spezialisierten Bautenschutz-Firmen einholen
- ✅ Referenzen und Mitgliedschaft im DHBV (Bautenschutz-Verband) prüfen
- ✅ Erst Ursache beheben, dann sanieren und trocknen
- ✅ Trocknungszeit einplanen (4–12 Wochen, je nach Schadenslage)
- ✅ Kontrollmessung nach 6–12 Monaten
Häufige Fragen zu Feuchtigkeitssperre
Was ist eine Horizontalsperre?
Eine Horizontalsperre unterbricht die kapillare Feuchtigkeit im Mauerwerk. Sie wird in der Regel zwischen Fundament und Mauerwerk eingebaut (Bitumenbahn oder Sperrfolie) und verhindert aufsteigende Feuchtigkeit.
Was kostet das Nachrüsten einer Horizontalsperre?
Injektionsverfahren: 80-200 €/lfm. Mauersägeverfahren: 150-300 €/lfm. Bei einem EFH (ca. 40 lfm) sind das 3.200-8.000 € für die Horizontalsperre allein.
Hilft ein Anstrich gegen Kellerfeuchtigkeit?
Nein! Ein Innenanstrich (z.B. Sperrputz) kaschiert nur das Problem. Die Feuchtigkeit staut sich hinter dem Anstrich und schädigt das Mauerwerk weiter. Die Abdichtung muss immer von außen oder durch eine Horizontalsperre erfolgen.
Woran erkenne ich, dass meine Feuchtigkeitssperre defekt ist?
Typische Anzeichen: Salzausblühungen an Innenwänden, abplatzender Putz im Sockelbereich, muffiger Geruch im Keller, dunkle Flecken ab ca. 30 cm über dem Boden (aufsteigende Feuchtigkeit), Schimmelbildung.