Dachentwässerung
Dachentwässerung – System aus Dachrinnen, Fallrohren und Ableitungen zum kontrollierten Ableiten von Regenwasser vom Dach in die Kanalisation oder eine Versickerungsanlage
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Was ist Dachentwässerung?
Dachentwässerung ist das System zur kontrollierten Ableitung von Regenwasser vom Dach über Rinnen und Fallrohre in die Kanalisation, eine Versickerungsanlage oder eine Regenwassernutzungsanlage.
Bestandteile
| Bauteil | Funktion |
|---|---|
| Dachrinne | Sammelt Wasser von der Dachfläche |
| Rinnenhalter | Befestigt die Rinne am Dachüberstand |
| Einhangstutzen | Verbindet Rinne mit Fallrohr |
| Fallrohr | Leitet Wasser senkrecht nach unten |
| Rohrschellen | Befestigt Fallrohre an der Fassade |
| Regenwasserklappe | Ermöglicht Wasserentnahme am Fallrohr |
| Grundleitung | Ableitung im/am Erdreich zum Kanal |
| Notüberlauf | Sicherheitsablauf bei Überlastung (Flachdach) |
Materialien
| Material | Lebensdauer | Kosten (Rinne/m) | Eigenschaften |
|---|---|---|---|
| Titanzink | 40–60 Jahre | 12–25 € | Standard, Patina, robust |
| Kupfer | 60–100 Jahre | 30–60 € | Premium, grüne Patina |
| Aluminium | 30–50 Jahre | 10–20 € | Leicht, farbbeschichtet |
| Kunststoff (PVC) | 15–25 Jahre | 5–12 € | Günstig, UV-empfindlich |
| Edelstahl | 50–80 Jahre | 25–45 € | Korrosionsfrei, hochwertig |
Rinnengrößen (halbrund)
| Nennweite | Fassungsvermögen | Geeignet für |
|---|---|---|
| NW 70 | ca. 1,5 l/s | Carport, Vordach |
| NW 100 | ca. 3,1 l/s | EFH-Standarddach |
| NW 125 | ca. 4,9 l/s | Größere Dachflächen |
| NW 150 | ca. 7,6 l/s | Gewerbe, große Hallen |
Berechnung nach DIN EN 12056-3
Formel: A_wirk = A × C
| Dachform | Neigungsfaktor C |
|---|---|
| Flachdach (< 3°) | 1,0 |
| Satteldach (3°–50°) | 1,0 |
| Steildach (> 50°) | 0,5 × (1 + sin α) |
| Fassadenfläche (Schlagregen) | 0,5 |
Praxisbeispiel: Satteldach 10 × 5 m (projiziert) = 50 m² pro Seite → NW 100 halbrund reicht aus bei r₅,₅ = 300 l/(s·ha).
Häufige Fehler
| Fehler | Folge | Vermeidung |
|---|---|---|
| Zu kleiner Rinnenquerschnitt | Überlauf bei Starkregen | Berechnung nach DIN |
| Zu wenig Rinnengefälle | Stehendes Wasser, Korrosion | 2–3 mm Gefälle pro Meter |
| Kein Laubschutz | Verstopfung, Überlauf | Laubschutzgitter einbauen |
| Falsche Zinkrinne an Kupferdach | Elektrochemische Korrosion | Materialien abstimmen |
| Fehlender Notüberlauf (Flachdach) | Einsturzgefahr bei Starkregen | Pflicht bei Flachdächern |
Kosten Richtwerte 2026
| Position | Kosten |
|---|---|
| Rinne Titanzink NW 100 | 12–25 €/m |
| Rinnenhalter | 3–8 €/Stück |
| Fallrohr DN 80 (3 m) | 20–40 € |
| Rohrschelle | 5–10 €/Stück |
| Regenwasserklappe | 15–30 € |
| Montage (komplett) | 30–50 €/m |
Tipps vom Profi
- Rinnen 1–2× jährlich reinigen — im Herbst und Frühjahr
- Laubschutzgitter sparen langfristig Wartungskosten
- Gefälle prüfen — Wasser muss zur Ablaufstelle fließen
- Materialien nicht mischen — Kupfer und Zink vertragen sich nicht
- Bei Neubauten: Regenwasserversickerung oder -nutzung prüfen (Abwassergebühren sparen)
Häufige Fragen zu Dachentwässerung
Wie dimensioniert man die Dachentwässerung?
Nach DIN EN 12056-3 und DIN 1986-100. Grundlage ist die projizierte Dachfläche × Regenspende (Bemessungsregen r₅,₅ des Standorts). Für ein Satteldach-EFH (100 m² Fläche) reichen halbrunde Rinnen NW 100 und Fallrohre DN 80 in der Regel aus.
Was kostet eine neue Dachentwässerung?
Für ein Einfamilienhaus (20–25 m Rinnenlänge + 4 Fallrohre) je nach Material: Zink 1.500–3.000 €, Kupfer 3.000–6.000 €, Kunststoff 800–1.500 € — jeweils inkl. Montage.
Wie oft muss man die Dachrinne reinigen?
Mindestens 1–2× jährlich (Herbst und Frühjahr). Bei Bäumen in der Nähe häufiger. Verstopfte Rinnen führen zu Fassadenschäden und Kellerüberflutung.
