Digitaler Produktpass für Wärmepumpen & Heizungen
Was der DPP für SHK-Betriebe ab 2029 bedeutet: Wärmepumpen, Gasheizungen und Sanitärarmaturen mit Produktpass. Plus Sonderfall Batteriespeicher ab Februar 2027.
🔧 Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Wann: Raumheizgeräte stehen in der zweiten Prioritätswelle der EU-Bauprodukteverordnung – realistischer DPP-Stichtag ab 2029.
- Ausnahme Batterien: Wärmepumpen-Pufferspeicher ≥ 2 kWh fallen unter die Batterieverordnung – DPP-Pflicht bereits ab Februar 2027.
- Wer erstellt den DPP: Die Heizgerätehersteller (Viessmann, Vaillant, Buderus, Stiebel Eltron etc.) – nicht der SHK-Installateur.
- Was SHK-Betriebe müssen: DPP-Daten bei Einbau dokumentieren, Kältemitteldaten erfassen, Übergabedokumentation anpassen.
- Kältemittel-Besonderheit: Für F-Gas-Kältemittel in Wärmepumpen gelten bereits heute Pflichten (F-Gase-Verordnung). Der DPP ergänzt diese.
Für SHK-Betriebe ist der Digitale Produktpass eine Frage des Timings. Die gute Nachricht zuerst: Heizungen, Wärmepumpen und Sanitärarmaturen stehen nicht in der ersten Prioritätswelle. Wer heute hauptsächlich Heizsysteme installiert, hat noch Zeit bis 2029 – vorausgesetzt, er baut keine Batteriespeicher ein, denn dann gilt das Datum Februar 2027 bereits.
Die Herausforderung für das SHK-Gewerk liegt in seiner technischen Vielfalt: Eine Wärmepumpe ist ein deutlich komplexeres System als ein Fenster oder ein Sack Beton. Sie enthält Kältemittel, Elektronik, Hydraulikkomponenten, Wärmetauscher – und damit potentiell mehrere Produktpässe in einem Gerät.
Dieser Artikel erklärt, was auf SHK-Betriebe zukommt, welche Produkte wann betroffen sind, und warum die Kältemitteldokumentation eine Brücke zwischen bestehender Pflicht und kommendem DPP ist.
Welche Heizprodukte sind wann betroffen?
Die EU trennt bei Heizsystemen nach Verordnung und Produkttyp:
| Produkt | Rechtsgrundlage | Voraussichtlicher DPP-Stichtag |
|---|---|---|
| Pufferbatterien in Wärmepumpen-Systemen (≥ 2 kWh) | EU-Batterieverordnung | 🔴 18. Februar 2027 |
| Wärmepumpen (Luft/Wasser, Sole/Wasser, Wasser/Wasser) | CPR / ESPR | 🟡 2029–2030 |
| Gasheizungen, Ölheizungen | CPR (Raumheizgeräte) | 🟡 2029–2030 |
| Brennwertkessel | CPR / ESPR | 🟡 2029–2030 |
| Fernwärme-Übergabestationen | CPR | 🟠 2030+ |
| Sanitärarmaturen (Armaturen, Ventile) | CPR | 🟡 2029–2030 |
| Trinkwasser-Rohre und -Formteile | CPR | 🟠 2030+ |
Wichtigste Erkenntnis: Für die meisten Heizprodukte bleibt die zweite Hälfte des Jahrzehnts. Einzige echte Ausnahme sind integrierte oder separate Batteriespeicher – die fallen schon 2027 unter die Batterieverordnung.
Der Batteriepass in Wärmepumpen-Systemen: Jetzt Handeln
Viele moderne Wärmepumpen-Installationen umfassen einen stationären Stromspeicher zur Eigenverbrauchsoptimierung. Sobald dieser Speicher ≥ 2 kWh Kapazität hat, gilt er als Industriebatterie nach der EU-Batterieverordnung – und braucht ab dem 18. Februar 2027 einen Batteriepass.
Das betrifft konkret:
- Integrierte Hybrid-Systeme (z.B. mit SMA Sunny Home Manager + Speicher)
- Separate Heimspeicher als Ergänzung zur Wärmepumpe (z.B. SENEC, BYD, Sonnen)
- Größere Puffer- oder Notstromspeicher in gewerblichen Anlagen
Was SHK-Betriebe, die solche Systeme installieren, tun müssen: Batteriepass bei Lieferung scannen, in Bauakte speichern, bei Übergabe an Bauherrn weitergeben. Mehr dazu im Artikel: DPP für Elektriker und PV – die Anforderungen sind identisch.
Was steht im Wärmepumpen-DPP?
Auf Basis des ESPR-Rahmens und bestehender Ökodesign-Anforderungen (ErP-Richtlinie) ist mit folgenden Datensätzen im Wärmepumpen-DPP zu rechnen:
Technische Leistungsdaten
| Datenpunkt | Beispielwert | Heute schon verfügbar? |
|---|---|---|
| COP / SCOP | 4,2 bei A7/W35 / SCOP 4,8 | ✅ Pflicht (ErP-Label) |
| Heizleistung | 12 kW bei A7/W35 | ✅ Pflicht |
| Schallleistungspegel | 58 dB(A) | ✅ Pflicht |
| Betriebsbereich | –20 °C bis +43 °C | ✅ Pflicht |
| Vorlauftemperatur max. | 65 °C | ✅ Pflicht |
Neue DPP-spezifische Daten
| Datenpunkt | Beispielwert | Neu durch DPP |
|---|---|---|
| Kältemitteltyp und -menge | R290 (Propan), 1,5 kg | ✅ Neu (ergänzt F-Gas-Doku) |
| GWP des Kältemittels | R290: GWP = 3 (sehr gut) | ✅ Neu |
| CO₂-Fußabdruck (Produktion A1–A3) | 1.850 kg CO₂-eq | ✅ Neu |
| Materialzusammensetzung | Gehäuse: 78 % Stahl, 12 % Kupfer, 10 % Kunststoff | ✅ Neu |
| Recyclingfähigkeit | Metallteile: 95 %, Elektronik: 68 % | ✅ Neu |
| Reparierbarkeit | Kompressor tauschbar: ja; Verdampfer: nein | ✅ Neu |
| Ersatzteilgarantie | Verfügbar bis: 2042 | ✅ Neu |
| Wartungsintervalle | Filtertausch jährlich, Kältemittelcheck alle 2 Jahre | ✅ Neu |
Kältemittel: Die Brücke zwischen F-Gas-Pflicht und DPP
SHK-Betriebe, die Wärmepumpen oder Kälteanlagen installieren, kennen die F-Gase-Verordnung bereits. Sie schreibt vor:
- Kältemittel müssen bei Einbau, Wartung und Entsorgung dokumentiert werden
- Nur zertifizierte Fachkräfte dürfen F-Gase handhaben
- Leckageprüfungen in festgelegten Intervallen
Der Digitale Produktpass ergänzt diese bestehenden Pflichten, ersetzt sie aber nicht. Was neu hinzukommt:
- Der GWP-Wert (Global Warming Potential) des Kältemittels wird standardisiert ausgewiesen
- Die Kältemitteldaten sind erstmals für Bauherren und Recycler einfach abrufbar
- Die Entsorgungshinweise für das Kältemittel am Lebensende des Geräts sind direkt im Pass enthalten
🌡️ Kältemittel-Entwicklung und DPP
Der Branchentrend geht klar in Richtung natürlicher Kältemittel mit niedrigem GWP: R290 (Propan, GWP = 3) und R744 (CO₂, GWP = 1) verdrängen schrittweise ältere F-Gase wie R410A (GWP = 2.088) oder R32 (GWP = 675).
Der DPP wird diesen Trend sichtbar machen: Produkte mit natürlichen Kältemitteln haben einen deutlich kleineren CO₂-Fußabdruck und werden bei Ausschreibungen bevorzugt. SHK-Betriebe, die heute schon auf R290-Geräte setzen, haben einen dokumentierbaren Nachhaltigkeitsvorteil.
Gasheizungen und Hybridheizungen im DPP
Auch wenn Gasheizungen durch die Energiewende an Bedeutung verlieren – viele SHK-Betriebe installieren noch Jahre lang Hybridheizungen (Gas + Wärmepumpe) und Bestandsanlagen. Was kommt hier auf die Branche zu?
Für Gasheizungen werden im DPP voraussichtlich folgende Daten erfasst:
- Jahresnutzungsgrad (ηs) nach ErP
- NOₓ-Emissionsklasse
- CO₂-Fußabdruck der Produktion
- Kompatibilität mit Wasserstoff-Beimischungen (H2-ready: ja/nein)
Für Hybridheizungen ist die Datenlage komplexer: Zwei Heizsysteme, zwei potentielle Produktpässe, ein Gesamtsystem. Die EU wird hier voraussichtlich das Hauptgerät als DPP-Träger definieren – aber die Details sind noch nicht final.
Meister-Tipp
Sanitärarmaturen: Was auf Badmonteure zukommt
Sanitärarmaturen – Mischbatterien, Thermostate, Unterputzsysteme – stehen ebenfalls auf der EU-Prioritätsliste, allerdings etwas weiter hinten. Für SHK-Betriebe mit Badsanierungsschwerpunkt ist das beruhigend: Hier bleibt mehr Vorbereitungszeit.
Was im Sanitärarmatur-DPP voraussichtlich steht:
- Materialzusammensetzung (Messing, Chrom, Kunststoffe)
- Blei- und Schwermetallgehalt (trinkwasserhygienisch relevant)
- Wasserdurchfluss und Durchflussklasse (Wassereffizienz)
- Ersatzteilgarantie und Reparierbarkeit
- CO₂-Fußabdruck
Der Bleigehalt in Trinkwasserarmaturen ist bereits heute ein reguliertes Thema (EU-Trinkwasserrichtlinie 2020/2184). Der DPP wird diese Information standardisieren und für Bauherren transparent machen.
Was sollten SHK-Betriebe jetzt tun?
Verglichen mit Elektrobetrieben (Batteriepass ab Feb 2027) haben SHK-Installateure für die meisten Produkte mehr Zeit. Trotzdem ist „abwarten" keine gute Strategie.
✅ Konkrete Schritte für SHK-Betriebe
| Zeitraum | Maßnahme |
|---|---|
| Jetzt (2026) | Prüfen: Werden Batteriespeicher ≥ 2 kWh eingebaut? Falls ja → Batteriepass-Prozess bis Feb 2027 einrichten. |
| Jetzt (2026) | Kältemitteldokumentation prüfen: Ist die F-Gas-Doku aktuell und digital? Das ist die Basis für spätere DPP-Integration. |
| 2027–2028 | Heizgerätehersteller befragen: „Wann kommen Ihre Produkte mit DPP?" Viessmann, Vaillant, Bosch Thermotechnik etc. werden eigene Roadmaps haben. |
| 2028 | Software-Anbieter ansprechen: Wann gibt es eine DPP-Import-Funktion? Übergabeprotokoll für Heizungsanlagen anpassen. |
| Ab 2029 | DPP-Scan bei Heizungseinbau als fester Prozessschritt einführen. CO₂-Daten aus Wärmepumpen-Pass in Angebote integrieren. |
Der Vorteil für Wärmepumpen-Installateure
Wer Wärmepumpen mit niedrigen GWP-Kältemitteln installiert und das in der Kundendokumentation belegt, hat ab 2029 ein messbares Alleinstellungsmerkmal. Die CO₂-Daten aus dem Produktpass lassen sich direkt in Förderanträge (BEG, KfW) und Nachhaltigkeitsnachweise für Auftraggeber übersetzen.
Dass handwerk.cloud dafür auch einen Förderrechner und einen Wärmepumpenrechner anbietet, ist kein Zufall: Die Kombination aus Förderprogramm-Daten und DPP-Dokumentation wird zum Standard bei anspruchsvollen Kunden.
Fazit: SHK hat Zeit – aber nicht unbegrenzt
Für den Kern des SHK-Geschäfts – Wärmepumpen, Heizkessel, Armaturen – bleibt bis 2029 Vorlaufzeit. Das ist genug, um in Ruhe die digitale Grundlage zu legen, Lieferanten zu befragen und Prozesse anzupassen.
Was jetzt zählt: die Ausnahme (Batteriespeicher ab Feb 2027) nicht übersehen, die F-Gas-Dokumentation digital aufzustellen, und das Thema nicht erst 2028 aus der Schublade zu ziehen.
Häufige Fragen zum DPP für Heizung und Wärmepumpe
Wann gilt der Digitale Produktpass für Wärmepumpen?
Wärmepumpen und Heizgeräte stehen in der zweiten Welle der EU-Bauprodukteverordnung. Realistischer DPP-Stichtag ist 2029–2030. Ausnahme: Wenn ein integrierter Stromspeicher ≥ 2 kWh enthalten ist, gilt für diesen bereits der 18. Februar 2027 (EU-Batterieverordnung).
Was steht im Wärmepumpen-Produktpass?
COP, SCOP und Schallleistungspegel (heute schon Pflicht via ErP-Label) plus neu: Kältemitteltyp und GWP-Wert, CO₂-Fußabdruck der Produktion, Materialzusammensetzung, Recyclingfähigkeit, Reparierbarkeit, Ersatzteilgarantie und Wartungsintervalle.
Ersetzt der DPP die F-Gas-Dokumentation?
Nein. Die F-Gase-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/573) gilt unabhängig weiter. Der DPP ergänzt sie um standardisierte GWP-Werte und macht die Daten für Bauherren und Recycler einfach zugänglich.
Welche Wärmepumpen haben den kleinsten CO₂-Fußabdruck?
Geräte mit natürlichen Kältemitteln wie R290 (Propan, GWP = 3) oder R744 (CO₂, GWP = 1) schneiden im DPP deutlich besser ab als Geräte mit synthetischen F-Gasen wie R410A (GWP = 2.088).
Müssen SHK-Betriebe Sanitärarmaturen mit Pass einbauen?
Sanitärarmaturen folgen voraussichtlich 2029–2030 der DPP-Pflicht. Bis dahin gelten weiterhin die bestehenden Trinkwasser- und Bleigrenzwerte (EU-Trinkwasserrichtlinie 2020/2184).
Quellen und weiterführende Links
- Verordnung (EU) 2024/573 – F-Gase-Verordnung – Pflichten für Kältemittel
- Verordnung (EU) 2023/1542 – EU-Batterieverordnung – Batteriepass ab 2027
- Bundesverband Wärmepumpe (BWP) – Branchenverband mit Praxisinformationen
- Zentralverband SHK Deutschland (ZVSHK) – Innungs- und Kammerinformationen
- BAFA – Heizungsförderung – Förderprogramm für effiziente Heizsysteme
🔗 Weiterführende Artikel auf handwerk.cloud
- 📦 Was ist der Digitale Produktpass? – Grundlagen für alle Gewerke
- 📅 DPP-Zeitplan 2026–2030 – Alle Fristen im Überblick
- ⚡ DPP für Elektriker & PV – Batteriepass ab Feb 2027
- 📋 DPP-Checkliste – Betrieb vorbereiten
- 🧮 Wärmepumpenrechner – Wirtschaftlichkeit berechnen
- 💡 Förderrechner – BEG & KfW-Zuschüsse berechnen
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Die genauen DPP-Anforderungen für Raumheizgeräte und Sanitärarmaturen werden erst durch delegierte Rechtsakte nach der EU-Bauprodukteverordnung (CPR 2024/3110) und ESPR-Durchführungsverordnungen festgelegt. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an Ihre Handwerkskammer.
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Veröffentlicht: 4. Mai 2026
John Neufeldt ist Unternehmer im Handwerk und Inhaber von Meylen.de (Fenstersysteme) sowie Garten-Eifel.de (GaLaBau). Sein Werdegang führt von der Fenstermontage über Schüco-zertifizierte Fertigung bis zur Geschäftsführung eines Fensterproduktionswerks. Auf handwerk.cloud teilt er sein Praxiswissen zu Fenstern, Haustüren, Garagentoren und Betriebsführung im Handwerk.
