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Digitaler Produktpass für Fenster & Türen 2028

Fenster und Türen gehören zur ersten DPP-Welle der EU. Was Fensterbauer ab 2028 dokumentieren müssen, welche Daten der Pass enthält und wie man sich vorbereitet.

John Neufeldt·4. Mai 2026
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🪟 Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Wann: Delegierte Rechtsakte für Fenster und Türen werden 2027–2028 erarbeitet. Erste DPP-pflichtige Produkte ab Ende 2028 / Lauf 2029 realistisch.
  • Wer erstellt den DPP: Fenster- und Türenhersteller – nicht der Montagebetrieb.
  • Was Fensterbauer müssen: DPP-Daten bei Einbau abrufen, in die Bauakte integrieren und an Bauherrn weitergeben.
  • Was im DPP steht: U-Wert, Rahmenwerkstoffe, Beschlagdaten, CO₂-Fußabdruck, Recyclingfähigkeit.
  • Besonderheit: Fenster-Produzenten, die eigene Produkte verkaufen, können als Hersteller gelten – dann trifft sie die Erstellungspflicht.

Wenn die EU-Kommission von der „ersten Welle" der DPP-pflichtigen Bauprodukte spricht, stehen Fenster und Türen ganz oben auf der Liste – und das aus gutem Grund.

Fenster gehören zu den energetisch und materialintensivsten Bauprodukten in einem Gebäude. Ein Fenster mit schlechtem U-Wert kostet über seine Lebensdauer mehr Energie als seine Herstellung. Ein Fensterrahmen aus PVC enthält Kunststoffe, die recyclebar, aber kaum recycelt werden. Und eine schlecht dokumentierte Dreifachverglasung gibt dem nächsten Handwerker Rätsel auf, wenn sie zwanzig Jahre später getauscht werden soll.

Genau hier setzt der Digitale Produktpass an. Dieser Artikel erklärt, welche Produktgruppen betroffen sind, was im Fenster-DPP stehen wird, und was Montage- und Fensterbau-Betriebe konkret vorbereiten sollten.


Welche Produkte sind betroffen?

Die EU-Bauprodukteverordnung (CPR 2024/3110) fasst unter der Produktfamilie „Türen, Fenster und zugehörige Baubeschläge" eine breite Gruppe zusammen:

Produktgruppe Typische Anwendung DPP-Priorität
Fenster (Wohn- und Gewerbebau) Einfach-, Doppelt-, Dreifachverglasung 🔴 Erste Welle
Außentüren Haustüren, Terrassentüren, Balkontüren 🔴 Erste Welle
Innentüren (feuerhemmend) T30, T90-Türen in gewerblichen Bauten 🟡 Erste oder zweite Welle
Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) Fassadendämmung mit Putzträger 🔴 Erste Welle
Flachglasprodukte Float-, ESG-, VSG-Glas 🔴 Erste Welle
Baubeschläge Scharniere, Schlösser, Griffe mit Funktion 🟡 Wahrscheinlich erste Welle

Nicht direkt betroffen (voraussichtlich):

  • Innentüren ohne Brandschutzfunktion → eher zweite/dritte Welle
  • Rollladen und Sonnenschutzsysteme → noch keine Priorisierung
  • Garagentore → noch keine Priorisierung

Was steht im Fenster-DPP?

Der genaue Datensatz wird erst durch den delegierten Rechtsakt für die Produktgruppe festgelegt. Basierend auf dem Entwurfsrahmen der EU und bestehenden CE-Kennzeichnungsanforderungen ist mit folgenden Pflichtfeldern zu rechnen:

Technische Leistungsdaten

Datenpunkt Beispielwert Bereits heute in Leistungserklärung?
Wärmedurchgangskoeffizient Uw 0,82 W/(m²K) ✅ Ja (CE-Pflicht)
Schallschutzklasse Rw 34 dB ✅ Ja
Luftdurchlässigkeit Klasse 4 ✅ Ja
Schlagregendichtheit 9A ✅ Ja
Widerstandsklasse (Einbruchschutz) RC 2 ✅ Ja
Feuerwiderstandsklasse EI30 (falls zutreffend) ✅ Ja

Neue DPP-spezifische Daten

Datenpunkt Beispielwert Neu durch DPP
Rahmenwerkstoffe PVC-U (86 %), Stahlverstärkung (14 %) ✅ Neu
CO₂-Fußabdruck (GWP A1–A3) 187 kg CO₂-eq pro m² ✅ Neu
Recyclinganteil Rahmen 28 % Rezyklat ✅ Neu
Recyclingfähigkeit am Lebensende Rahmen: 90 %, Glas: 95 % ✅ Neu
Gefahrstoffe (SVHC) Pb-Stabilisatoren: ja/nein ✅ Neu
Demontagehinweise Schraubentypen, Dichtungstypen ✅ Neu
Wartungsintervalle Beschlagölung: jährlich ✅ Neu
Ersatzteilverfügbarkeit Garantiert bis: 2040 ✅ Neu

🔍 Warum CO₂-Daten für Fenster relevant sind

Der CO₂-Fußabdruck eines Fensters (Herstellung, Transport, Einbau) liegt je nach Rahmentyp zwischen 120 und 260 kg CO₂-eq pro m². Bei einem typischen Einfamilienhaus mit 20 m² Fensterfläche sind das 2,4 bis 5,2 Tonnen CO₂ – allein für die Fenster.

Öffentliche Auftraggeber werden diese Daten zunehmend in Ausschreibungen fordern. Wer die Zahlen aus dem Produktpass direkt in sein Angebot einbauen kann, hat einen messbaren Vorteil.


Rahmenwerkstoffe im Vergleich: Was der DPP sichtbar macht

Bisher war der Vergleich zwischen PVC-, Holz-, Alu- und Holz-Alu-Fenstern für Bauherren schwer greifbar. Der DPP schafft erstmals echte Vergleichbarkeit:

Rahmentyp Typischer CO₂-Fußabdruck (A1–A3) Recyclingfähigkeit Lebensdauer
PVC-U 130–180 kg CO₂/m² 85–90 % (technisch), ~25 % real 30–40 Jahre
Holz 50–90 kg CO₂/m² (oft negativ durch CO₂-Bindung) 100 % (Verbrennung/Wertstoff) 40–60 Jahre
Aluminium 180–260 kg CO₂/m² 95–100 % 50+ Jahre
Holz-Alu 80–140 kg CO₂/m² 80–90 % 40–60 Jahre

Diese Daten existieren heute schon in EPDs (Umweltproduktdeklarationen), sind aber für die meisten Bauherren und Handwerker nicht zugänglich. Der DPP macht sie per QR-Code abrufbar – und damit zum Standard, nicht zur Ausnahme.


Wer muss den DPP für Fenster erstellen?

Hier kommt eine wichtige Differenzierung, die für viele Fensterbaubetriebe direkt relevant ist:

Szenario 1: Montagebetrieb (kauft Fenster ein und baut ein)

Ein Fensterbauer, der Fenster von Schüco, Rehau, Veka oder anderen Herstellern bezieht und montiert, ist Verarbeiter – kein Hersteller. Er muss keinen DPP erstellen.

Seine Pflichten: DPP-Daten bei Lieferung abrufen, in Bauakte integrieren, an Bauherrn weitergeben.

Szenario 2: Tischlerei oder Fensterbaubetrieb mit eigener Produktion

Ein Betrieb, der Fenster unter eigenem Namen produziert und verkauft – auch wenn nur für lokale Kunden – wird unter der neuen CPR als Hersteller eingestuft. In diesem Fall:

  • Muss der Betrieb einen DPP für seine Produkte erstellen und bereitstellen
  • Muss eine eindeutige digitale Kennung (QR-Code) am Produkt anbringen
  • Ist für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Passdaten verantwortlich

Handlungsempfehlung: Wenn Ihr Betrieb Fenster unter eigenem Namen produziert, wenden Sie sich jetzt an Ihre Innung (Bundesverband Tischler / Fachverband Glas Fenster Fassade) und Ihre Handwerkskammer. Die Anforderungen für kleine Serienhersteller sind noch nicht final – aber frühzeitige Einbindung in die Normungsarbeit ist möglich.

👷‍♂️

Meister-Tipp

Wir bauen jährlich etwa 200 Sonderfenster in der eigenen Werkstatt. Die Frage, ob wir damit als Hersteller im Sinne der DPP-Verordnung gelten, ist für uns existenziell. Meine Empfehlung: Jetzt mit der Innung Kontakt aufnehmen, nicht warten bis die Fristen kommen.

Glas: Was der DPP für Verglasungen bedeutet

Neben dem Rahmen enthält ein Fenster typischerweise eine Isolierverglasung aus zwei bis drei Glasscheiben mit Edelgasfüllung und Wärmeschutzschicht. Auch für Flachglasprodukte ist eine erste DPP-Welle geplant.

Was im Glas-DPP voraussichtlich steht:

  • Glastyp (Float, ESG, VSG, Schallschutzglas)
  • Beschichtung (Sonnenschutz, Wärmeschutz – Low-E-Beschichtung)
  • Scheibenzwischenraum und Gasfüllung (Argon, Krypton)
  • g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad)
  • Ug-Wert (Wärmedurchgang der Verglasung)
  • CO₂-Fußabdruck der Glasproduktion

Für Glasereien und Fensterbauer mit eigenem Zuschnitt und Veredelung gilt dieselbe Unterscheidung: Wer zugekauftes Glas einbaut, ist Verarbeiter. Wer Glas unter eigenem Namen veredelt und verkauft, tendiert zur Herstellereigenschaft.


WDVS: Warum Fassadendämmung im DPP zusammen mit Fenstern betrachtet wird

Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) werden in der EU-Priorisierung als eigene Produktgruppe gelistet, gehören aber für viele Fensterbau- und Fassadenspezialisten zum gleichen Arbeitsbereich.

Der WDVS-DPP wird voraussichtlich folgende Daten enthalten:

  • Dämmstofftyp (EPS, Mineralwolle, Holzfaser) und Lambda-Wert
  • Gesamtdicke und Wärmedurchgangskoeffizient des Systems
  • CO₂-Fußabdruck aller Schichten zusammen
  • Brandklasse des Gesamtsystems
  • Anteil Rezyklat / Recyclingfähigkeit

Praktischer Hinweis für kombinierte Aufträge: Wenn ein Betrieb gleichzeitig Fenster tauscht und WDVS anbringt, wird er mit mehreren Produktpässen gleichzeitig arbeiten. Sinnvoll ist, diese schon jetzt als separate Positionen in der Bauakte zu denken.


Bestandsgebäude: Kommt der DPP für alte Fenster?

Nein. Für vor dem Stichtag eingebaute Fenster gibt es keine rückwirkende DPP-Pflicht. Wer heute ein Altgebäude aus den 1990ern saniert, muss für die alten Holzfenster keinen Pass nachreichen.

Was aber gilt: Wenn Sie im Zuge der Sanierung neue Fenster einbauen – also DPP-pflichtige Produkte, die nach dem Stichtag in Verkehr gebracht werden –, müssen für diese neuen Fenster Pässe vorhanden sein und dokumentiert werden.

Das ist für die Praxis eigentlich einfach: Altes raus, Neues rein mit Pass. Die Dokumentation betrifft nur das neue Material.


Was sollten Fensterbau-Betriebe jetzt tun?

✅ Konkrete Schritte für Fensterbau-Betriebe

Zeitraum Maßnahme
Jetzt (2026) Klären, ob eigene Produktion → Herstellerrolle? Innung / HWK befragen. Digitale Bauakte einrichten.
2027 Profilsystem-Hersteller (Schüco, Rehau, Veka etc.) befragen: Ab wann mit DPP? Software-Anbieter ansprechen.
2028 DPP-Daten bei Lieferung scannen, Pilotprojekt mit vollständiger Passdoku durchführen.
Ab 2029 CO₂-Daten und Produktpass-Links als Teil der Angebots- und Übergabedokumentation etablieren.
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Meister-Tipp

Ich habe mit unserem Profillieferanten gesprochen. Die sagen, sie werden ab 2028 vollständige EPD-Daten und DPP-konforme Dokumentation für alle Systeme liefern. Das hilft uns, weil wir die Daten dann direkt übernehmen können – wir müssen nur noch die Installation dokumentieren.

Fazit: Fenster werden zum Datenpunkt

Der Digitale Produktpass wird das Fenster von einem simplen „Loch in der Wand mit Rahmen" zu einem dokumentierten Bauprodukt mit vollständigem Lebenslauf machen. Das klingt abstrakt – ist aber eine echte Verbesserung für alle Beteiligten.

Für Bauherren: endlich klare Vergleichbarkeit zwischen Produkten, echte Umweltdaten, sichere Wartungsplanung.

Für Fensterbaubetriebe: weniger Rückfragen, bessere Ausschreibungschancen, klarere Haftungssituation.

Für Betriebe mit eigener Produktion: neue Anforderungen, aber auch die Chance, Qualität und Transparenz als Wettbewerbsvorteil zu positionieren.


Häufige Fragen zum DPP für Fenster

Wann gilt der Digitale Produktpass für Fenster?

Fenster und Türen stehen in der ersten Prioritätswelle der neuen EU-Bauprodukteverordnung. Der delegierte Rechtsakt wird 2027–2028 erwartet, mit DPP-pflichtigen Produkten realistisch ab Ende 2028 / Lauf 2029.

Welche Daten enthält der Fenster-Produktpass?

Klassische Leistungsdaten (U-Wert, Schallschutz, Luftdurchlässigkeit, Einbruchschutz) plus neue DPP-Daten: Rahmenwerkstoffe, CO₂-Fußabdruck (GWP A1–A3), Recyclinganteil, Recyclingfähigkeit, Schadstoffe (SVHC), Demontagehinweise und Ersatzteilverfügbarkeit.

Bin ich als Fensterbauer Hersteller oder Verarbeiter?

Wer Fenster bei Profillieferanten wie Schüco, Rehau oder Veka einkauft und montiert, ist Verarbeiter. Wer Fenster unter eigenem Namen produziert und verkauft – auch in kleiner Serie –, gilt unter der neuen CPR als Hersteller und unterliegt den vollen DPP-Pflichten.

Was passiert mit alten Fenstern bei Sanierung?

Für vor dem Stichtag eingebaute Fenster gibt es keine rückwirkende DPP-Pflicht. Bei Sanierungsaufträgen müssen nur die neuen DPP-pflichtigen Fenster dokumentiert werden – die alten nicht.

Welcher Rahmentyp hat den kleinsten CO₂-Fußabdruck?

Holz und Holz-Alu schneiden in EPDs typischerweise am besten ab (50–140 kg CO₂/m²), oft sogar mit negativen Werten durch CO₂-Bindung. PVC liegt bei 130–180 kg CO₂/m², Aluminium am höchsten bei 180–260 kg CO₂/m². Der DPP wird diese Daten standardisiert ausweisen.


🔗 Weiterführende Artikel auf handwerk.cloud


Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Die genauen DPP-Anforderungen für Fenster und Türen werden erst durch delegierte Rechtsakte nach der neuen EU-Bauprodukteverordnung (CPR 2024/3110) festgelegt. Für Betriebe mit eigener Fensterproduktion empfehlen wir eine frühzeitige Beratung durch die zuständige Handwerkskammer oder Innung.

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Fenster- & Bauelemente-Experte, Unternehmer

Veröffentlicht: 4. Mai 2026

John Neufeldt ist Unternehmer im Handwerk und Inhaber von Meylen.de (Fenstersysteme) sowie Garten-Eifel.de (GaLaBau). Sein Werdegang führt von der Fenstermontage über Schüco-zertifizierte Fertigung bis zur Geschäftsführung eines Fensterproduktionswerks. Auf handwerk.cloud teilt er sein Praxiswissen zu Fenstern, Haustüren, Garagentoren und Betriebsführung im Handwerk.

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