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Bautechnik & Normen

Kernbohrung

KernbohrungVerfahren zum kreisrunden Bohren durch Beton, Mauerwerk und Stahlbeton mit diamantbesetzter Bohrkrone

1 Min. Lesezeit

Was ist eine Kernbohrung?

Eine Kernbohrung ist ein Verfahren zum kreisrunden Bohren durch Beton, Stahlbeton, Mauerwerk und Naturstein mit einer diamantbesetzten Bohrkrone. Im Gegensatz zum Abbruchhammer entsteht ein sauberes, maßgenaues Loch ohne Erschütterungen und Rissbildung. Kernbohrungen werden für Kabeldurchführungen, Lüftungsrohre, Abwasserleitungen und Schornsteindurchführungen eingesetzt.

Verfahren

VerfahrenMediumMaterialStaubEignung
NassbohrungWasserBeton, Stahlbeton, Naturstein✅ MinimalStandard für Beton
TrockenbohrungLuft (Absaugung)Mauerwerk, Kalksandstein⚠️ Stark (Absaugung nötig)Wenn kein Wasser möglich

Durchmesser und Anwendungen

DurchmesserTypische AnwendungKosten (20 cm Beton)
Ø 20–40 mmElektroleerrohre, Satellitenkabel30–50 €
Ø 50–60 mmLeerrohre, Klimaschlauch40–80 €
Ø 80 mmDunstabzug Abluft, Rauchmelder-Kabel50–100 €
Ø 100 mmKaminzuluft, Klimaanlage, Lüftung60–120 €
Ø 125–150 mmDN 100 Abwasser, Ofenrohr80–160 €
Ø 200 mmSchornstein, große Leitungen100–200 €
Ø 250–500 mmDurchbruch, Lüftungsschacht150–500 €

Kosten (Richtwerte 2026)

PositionKosten
Kernbohrung Ø 100 mm (20 cm Beton)60–120 €
Zuschlag Stahlbeton+30–50 %
Zuschlag Decke (über Kopf)+20–40 %
Anfahrtspausche30–60 €
Mindestauftragswert100–150 €
Mietgerät (Kernbohrständer + Krone)80–150 €/Tag

Ablauf

SchrittBeschreibung
1. OrtungLeitungen und Bewehrung mit Detektor suchen
2. BohrständerStänder an Wand/Decke dübeln oder Vakuumplatte
3. BohrkronePassenden Durchmesser einspannen
4. WasseranschlussKühlwasser anschließen (Nassbohren)
5. BohrenLangsam anbohren, dann mit konstantem Druck
6. Kern entfernenBohrkern aus dem Loch herausschlagen
7. AbdichtenBrandschotts, Manschetten oder Mörtel

Häufige Fehler

FehlerProblemLösung
Leitungen nicht geortetStrom-/Wasserleitung getroffenImmer Leitungssuchgerät verwenden
Tragende Bewehrung durchtrenntStatische SchwächungFerroscan + Statiker bei tragenden Bauteilen
Kein Auffangbehälter (Nassbohren)Wasserschaden am BodenAuffangring oder Absaugung verwenden
Bohrkrone überhitztDiamantsegmente lösen sichWasserzufuhr sicherstellen, nicht drücken
Zu viel DruckKrone verklemmt, Motor überlastetGleichmäßig, ohne Druck bohren lassen
👷‍♂️

Meister-Tipp

Kernbohrungen sind die sauberste Methode für Durchbrüche — kein Hämmern, keine Risse, maßgenaue Löcher. Für eine einzelne Ø-100-Bohrung lohnt sich kein eigenes Gerät (Miete: 100 €, Fachbetrieb: 80–120 €). Ab 3 Bohrungen wird die Eigenleistung interessant. Aber Finger weg von Stahlbeton ohne Erfahrung — wenn Sie die Hauptbewehrung einer Decke durchtrennen, haben Sie ein Statik-Problem, das schnell fünfstellig wird.

Häufige Fragen zu Kernbohrung

Was kostet eine Kernbohrung?
Richtwerte: Ø 50 mm durch 20 cm Beton: 40–80 €. Ø 100 mm: 60–120 €. Ø 150 mm: 80–160 €. Ø 200 mm: 100–200 €. Stahlbeton ist 30–50 % teurer als unbewehrter Beton. Mindestauftragswert oft 100–150 €. Anfahrt: 30–60 €.
Kann man Kernbohrungen selbst machen?
Kleine Durchmesser (bis 80 mm) in Mauerwerk: Ja, mit Mietgerät möglich. Ab 100 mm oder bei Stahlbeton: Fachbetrieb empfohlen (Gefahr von Bewehrungstreffern, Wasserversorgung nötig). Bei tragenden Bauteilen: IMMER Statiker + Fachbetrieb.
Nass- oder Trockenbohren?
Nassbohren (Standard): Wasser kühlt die Krone, bindet Staub, verlängert die Lebensdauer. Für Beton und Stahlbeton. Trockenbohren: Ohne Wasser, nur für Mauerwerk und weicheres Material. Vorteil: Kein Wasserschaden an Böden/Decken. Nachteil: Starke Staubentwicklung.
Welche Durchmesser sind bei Kernbohrungen möglich?
Standard: Ø 20–500 mm. Häufigste Durchmesser: Ø 50 mm (Elektroleerrohre), Ø 80 mm (Abluft Dunstabzug), Ø 100 mm (Kaminzuluft, Klimaanlage), Ø 150 mm (Abwasserrohre), Ø 200+ mm (Schornstein, große Leitungen).
Darf man durch Bewehrung bohren?
Im Prinzip ja — Diamantkronen schneiden durch Bewehrungsstahl. ABER: Bei tragenden Bauteilen darf die Statik nicht geschwächt werden. Vorher mit Bewehrungssuchgerät (Ferroscan) prüfen und bei kritischen Bauteilen Statiker konsultieren.

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