Druckprüfung
Druckprüfung – Verfahren zur Prüfung der Dichtheit von Rohrleitungssystemen (Wasser, Gas, Heizung) durch Aufbringen eines definierten Prüfdrucks über eine festgelegte Zeitdauer
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Was ist eine Druckprüfung?
Eine Druckprüfung (auch „Abdrücken") ist die Prüfung der Dichtheit von Rohrleitungen durch Aufbringen eines definierten Prüfdrucks. Sie gehört zu den Pflichtprüfungen vor der Inbetriebnahme von Trinkwasser-, Heizungs- und Gasleitungen.
Normen und Regelwerke
| System | Norm | Prüfdruck | Dauer |
|---|---|---|---|
| Trinkwasser | DIN EN 806-4 | 1,5 × Betriebsdruck, min. 15 bar | 30 Min. |
| Heizung | DIN EN 14336 | 1,3 × Betriebsdruck | 2 × 30 Min. |
| Fußbodenheizung | DIN EN 1264-4 | 6 bar (min.) | 24 h |
| Gas (Belastung) | TRGI 2018 | 1 bar | 10 Min. |
| Gas (Dichtheit) | TRGI 2018 | 150 mbar | 10 Min. |
| Abwasser | DIN EN 1610 | 0,5 bar (Wasser) oder 0,2 bar (Luft) | 30 Min. |
Ablauf einer Druckprüfung (Trinkwasser)
| Schritt | Aktion | Hinweis |
|---|---|---|
| 1 | System befüllen + entlüften | Alle Entlüfter öffnen |
| 2 | Prüfdruck aufbauen | Handprüfpumpe oder Kompressor |
| 3 | Vorprüfung (optional) | 30 Min. bei halbem Prüfdruck |
| 4 | Hauptprüfung | 30 Min. bei vollem Prüfdruck |
| 5 | Druckabfall ablesen | Max. 0,1 bar in 30 Min. zulässig |
| 6 | Sichtprüfung aller Verbindungen | Auf Tropfen und Feuchtigkeit prüfen |
| 7 | Protokoll erstellen | Prüfdruck, Dauer, Ergebnis, Unterschrift |
Prüfprotokoll — Pflichtangaben
- Datum und Uhrzeit
- Geprüftes System (Trinkwasser, Heizung, Gas)
- Prüfmedium (Wasser, Druckluft, Inertgas)
- Prüfdruck und Betriebsdruck
- Prüfdauer
- Druckabfall ja/nein → Ergebnis (dicht/undicht)
- Prüfendes Unternehmen + Unterschrift
Werkzeuge
| Werkzeug | Einsatz |
|---|---|
| Handprüfpumpe | Trinkwasser, kleine Systeme |
| Kompressor | Grote Systeme, Gasleitungen (mit Inertgas) |
| Manometer | Druckablesung während der Prüfung |
| Lecksuchspray | Lokalisierung von Undichtheiten |
Häufige Fehler
| Fehler | Folge | Vermeidung |
|---|---|---|
| Nicht entlüftet | Falscher Druckabfall durch Luft | Alle Entlüfter öffnen |
| Zu kurze Prüfzeit | Undichtheit nicht erkannt | Normvorgaben einhalten |
| Kein Protokoll | Haftungsproblem, kein Nachweis | Immer protokollieren + unterschreiben |
| Temperatureffekte ignoriert | Temperaturbedingte Druckschwankungen | Temperatur notieren, Korrektur beachten |
| Gasleitungen mit Luft prüfen | Explosionsgefahr bei Undichtheit | Mit Inertgas (N₂) prüfen |
Tipps vom Profi
- Immer vor dem Verschließen prüfen — nachträgliches Aufstehen kostet ein Vielfaches
- Protokoll fotografieren — Nachweis für Gewährleistung und Versicherung
- Fußbodenheizung 24 h unter Druck lassen — Estrichleger prüft vor dem Einbringen
- Bei Gasinstallation: Nur zertifizierte Fachbetriebe dürfen prüfen
- Manometer am System belassen — bis [Estrich](/lexikon/estrich-detail)/Putz fertig ist → jederzeit Druckabfall erkennbar
Häufige Fragen zu Druckprüfung
Was ist eine Druckprüfung?
Eine Druckprüfung (Dichtheitsprüfung, Abdrücken) ist ein genormtes Verfahren, bei dem Rohrleitungen mit erhöhtem Druck (Wasser oder Luft) beaufschlagt werden, um Undichtheiten zu erkennen, bevor die Leitungen verputzt oder eingebaut werden.
Welcher Druck bei der Druckprüfung?
Trinkwasser: 1,5-facher Betriebsdruck, min. 15 bar für 30 Min. Heizung: 1,3-facher Betriebsdruck. Gasleitungen: 1 bar über 10 Min. (Belastungsprüfung) + 150 mbar über 10 Min. (Dichtheitsprüfung).
Wann ist eine Druckprüfung Pflicht?
Bei jeder Neuinstallation und Änderung von Trinkwasser-, Heizungs- und Gasleitungen. Sie muss vor dem Verschließen (Verputzen, Einbau in Boden) erfolgen und wird protokolliert.
