DIN 18008: Sicherheitsglas-Pflicht 2025 – Was Bauherren wissen müssen
Glasbruch kann lebensgefährlich sein. Die DIN 18008 schreibt vor, wo Sicherheitsglas (ESG/VSG) Pflicht ist. Wir erklären die Regeln für bodentiefe Fenster, Türen und Dächer.
Redaktion handwerk.cloud
15. März 2025
Glas ist aus der modernen Architektur nicht mehr wegzudenken. Große Panoramafenster, Ganzglastüren und Wintergärten bringen Licht und Weite ins Haus. Doch Glas birgt auch Gefahren. Wenn eine normale Fensterscheibe bricht, entstehen messerscharfe Scherben, die zu schwersten Verletzungen führen können. Um dies zu verhindern, regelt die DIN 18008 "Glas im Bauwesen – Bemessungs- und Konstruktionsregeln" verbindlich, wo und wie Sicherheitsglas eingesetzt werden muss. Für Bauherren und Renovierer ist die Kenntnis dieser Norm essenziell, um Haftungsrisiken zu vermeiden.
1. Warum gibt es die DIN 18008?
Früher gab es nur Empfehlungen (TRAV). Seit einigen Jahren ist die DIN 18008 jedoch bauaufsichtlich eingeführt und damit Gesetz. Ziel ist der Schutz von Personen vor:
- Schnittverletzungen: Durch scharfkantige Scherben bei Glasbruch.
- Absturz: Durch das Hindurchfallen durch eine gebrochene Scheibe (z.B. bei bodentiefen Fenstern im Obergeschoss).
- Erschlagen werden: Durch herabfallende Glassplitter (bei Überkopfverglasungen).
2. Die zwei Helden der Sicherheit: ESG und VSG
Die Norm unterscheidet im Wesentlichen zwei Arten von Sicherheitsglas, die unterschiedliche Schutzziele erfüllen.
Einscheibensicherheitsglas (ESG)
ESG wird thermisch vorgespannt (erhitzt und schockgekühlt). Dadurch steht es unter hoher Spannung.
- Bruchbild: Zerfällt bei Bruch in tausende kleine, stumpfe Krümel (wie eine Autoscheibe).
- Schutzwirkung: Minimiert das Risiko von Schnittverletzungen.
- Einsatzbereich: Ganzglastüren, Duschwände, Tischplatten.
Verbundsicherheitsglas (VSG)
VSG besteht aus zwei Scheiben (meist Floatglas oder ESG), die durch eine reißfeste Folie (PVB) miteinander verklebt sind.
- Bruchbild: Die Scheibe bricht ("Spinnennetz"), aber die Scherben haften an der Folie. Die Öffnung bleibt verschlossen.
- Schutzwirkung: Verhindert das Hindurchfallen (absturzsicher) und bindet Splitter (Überkopf).
- Einsatzbereich: Windschutzscheiben, Absturzsicherungen, Terrassendächer, Einbruchschutz.
3. Wo ist Sicherheitsglas Pflicht? (Die wichtigsten Fälle)
Die DIN 18008 definiert verschiedene Einbausituationen. Hier sind die häufigsten Fälle im Wohnbau:
Fall A: Bodentiefe Verglasungen (ohne Absturzgefahr)
Beispiel: Terrassentür im Erdgeschoss oder Fenster zum Balkon.
Vorschrift: Wenn die Scheibe unterhalb einer Brüstungshöhe von 80 cm liegt, muss auf der zugänglichen Seite Sicherheitsglas (ESG oder VSG) verwendet werden. Bei Isolierglas (Mehrscheibenaufbau) muss die jeweilige Seite (innen/außen) sicher sein.
Tipp: Bei einer Terrassentür, die von beiden Seiten zugänglich ist, müssen BEIDE Scheiben aus Sicherheitsglas sein!
Fall B: Absturzsichernde Verglasungen
Beispiel: Bodentiefes Fenster im 1. Stock ohne Balkon davor (Französischer Balkon aus Glas).
Vorschrift: Hier ist zwingend VSG aus ESG vorgeschrieben. Die Scheibe muss auch im zerstörten Zustand noch eine gewisse Resttragfähigkeit besitzen ("Resttragfähigkeit"), um das Hindurchfallen einer Person zu verhindern.
Fall C: Überkopfverglasungen
Beispiel: Wintergartendach oder Vordach über der Haustür.
Vorschrift: Die untere Scheibe (die zum Kopf zeigt) muss aus VSG aus Floatglas bestehen. Warum kein ESG? Weil ESG-Krümel herabfallen könnten. VSG hält die Splitter oben.
4. Bestandsschutz: Muss ich alte Fenster tauschen?
Grundsätzlich gilt für bestehende Gebäude Bestandsschutz. Sie müssen nicht sofort alle Fenster austauschen.
ABER: Sobald ein Fenster ausgetauscht wird (Reparatur oder energetische Sanierung), muss das neue Fenster den aktuellen Normen (DIN 18008) entsprechen. Ein Glaser darf Ihnen heute keine normale Floatglas-Scheibe mehr in eine Bodentief-Tür einbauen!
Haftungsfalle Vermieter: Wenn sich ein Mieter an einer alten, nicht sicheren Scheibe verletzt, kann der Vermieter unter Umständen wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht haftbar gemacht werden. Eine Nachrüstung (z.B. mit Splitterschutzfolien) wird empfohlen.
5. Kostenanalyse: Was kostet Sicherheit?
Sicherheitsglas ist teurer als normales Floatglas, aber der Aufpreis ist oft geringer als gedacht.
| Glasart | Aufpreis pro m² (ca.) | Empfohlen für |
|---|---|---|
| ESG (Einscheibensicherheitsglas) | + 20 € - 40 € | Innentüren, Duschwände |
| VSG (Verbundsicherheitsglas) 6mm | + 40 € - 60 € | Bodentiefe Fenster (innen) |
| VSG (Verbundsicherheitsglas) 8mm+ | + 60 € - 100 € | Absturzsicherung, Einbruchschutz |
| Splitterschutzfolie (Nachrüstung) | 40 € - 70 € (inkl. Montage) | Bestandsfenster |
6. Checkliste: Ist mein Haus sicher?
Sicherheits-Check
- Bodentiefe Fenster: Haben alle Fenster, die tiefer als 80 cm beginnen, einen Stempel im Glas (z.B. "ESG" oder "VSG")?
- Türen: Sind Ganzglastüren aus ESG? (Erkennt man am Stempel in der Ecke).
- Kinder: Spielen Kinder im Haus? Dann ist VSG innen immer die bessere Wahl (auch wenn nicht zwingend vorgeschrieben), da ESG bei Bruch komplett zerfällt und eine Öffnung freigibt.
- Dach: Hat das Terrassendach eine Zulassung (Z-Nummer) für Überkopfverglasung?
7. FAQ - Häufige Fragen zur DIN 18008
Gilt die DIN 18008 auch für Einfamilienhäuser?
Ja, uneingeschränkt. Die Unterscheidung zwischen privat und öffentlich gibt es in der neuen Norm so nicht mehr. Die Verkehrssicherungspflicht gilt für jeden Eigentümer.
Kann ich VSG nachträglich einbauen?
Ja, meistens. Da VSG etwas dicker und schwerer ist als normales Glas, muss geprüft werden, ob der Rahmenfalz tief genug ist und die Beschläge das Gewicht tragen. Ein Glastausch ist oft problemlos möglich.
Schützt VSG auch vor Einbrechern?
Ja! VSG ist die Basis für einbruchhemmende Verglasung (P2A, P4A). Die Folie erschwert das Durchschlagen der Scheibe erheblich. "Normales" VSG bietet bereits einen guten Grundschutz.
8. Experten-Tipp vom Glaser
"Sparen Sie nicht am falschen Ende. Der Aufpreis für eine VSG-Scheibe auf der Innenseite eines bodentiefen Fensters beträgt oft nur 30-50 Euro. Ein Betrag, der im Verhältnis zum Sicherheitsgewinn – besonders wenn Kinder im Haus sind – verschwindend gering ist. Fragen Sie Ihren Fensterbauer aktiv nach 'VSG innen'."
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