Digitalen Produktpass scannen: Anleitung für die Baustelle
In 5 Schritten: QR-Code des DPP scannen, Daten prüfen, in der Bauakte speichern und an den Bauherrn übergeben. Praktische Anleitung für Handwerker.
📱 Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Was brauche ich? Ein Smartphone mit Kamera – keine Spezial-App notwendig. Die Standard-Kamera-App der meisten Smartphones erkennt QR-Codes direkt.
- Ab wann relevant? Für Batteriespeicher ab Februar 2027. Für Bauprodukte (Beton, Fenster, Stahl, Dämmung) ab 2028.
- Zeitaufwand? Scannen + Prüfen: 1–2 Minuten pro Produkt. Dokumentation: 2–3 Minuten pro Auftrag.
- Was tun, wenn kein QR-Code vorhanden? Lieferant schriftlich anfragen. Einbau bei DPP-pflichtigen Produkten erst nach Klärung.
Der QR-Code am Produkt – das ist das sichtbarste Element des Digitalen Produktpasses. Auf der Baustelle wird er in ein paar Jahren so selbstverständlich sein wie der Lieferschein heute. Aber wie funktioniert das eigentlich konkret?
Dieser Artikel ist bewusst als Praxis-Anleitung aufgebaut, nicht als Erklärtext. Wenn Sie wissen wollen, was der DPP ist und warum er kommt, lesen Sie zuerst Was ist der Digitale Produktpass?. Hier geht es um das Wie.
Was Sie brauchen – und was nicht
Benötigt:
- Smartphone oder Tablet mit Kamera
- Internetverbindung (für den Abruf der Passdaten – der QR-Code führt zu einer Online-Seite)
Nicht benötigt:
- Spezielle DPP-Scanner-App
- Neue Hardware
- Anmeldung bei einem Portal
Die Kamera-App von iOS (ab iOS 11) und Android (ab Android 8) erkennt QR-Codes direkt im Sucherfenster – ohne Umweg über eine separate App. Ein Tippen auf den erkannten Code öffnet die Passseite im Browser.
Hinweis für schlechten Empfang: Wer auf Baustellen mit schlechter Verbindung arbeitet, kann die Passseite im Browser als Lesezeichen oder Screenshot sichern, sobald er einmal guten Empfang hat. Ob Offline-Varianten der Passseite geplant sind, hängt von der finalen CIRPASS-Infrastruktur ab.
Schritt für Schritt: DPP auf der Baustelle
Schritt 1: QR-Code am Produkt lokalisieren
Der QR-Code befindet sich je nach Produkttyp:
| Produkttyp | Typische Position des QR-Codes |
|---|---|
| Batteriespeicher / PV-Speicher | Typenschild auf der Rückseite oder im Innern der Tür |
| Fenster / Türen | Aufkleber auf dem Rahmen (Profilseite), Glasrandverbund oder Lieferschein |
| Dämmstoffe (Platten/Rollen) | Verpackungsaufdruck oder Aufkleber auf der Folie |
| Säcke Zement / Trockenmörtel | Seitenaufdruck auf dem Sack |
| Betonfertigteile | Eingeprägtes oder aufgeklebtes QR-Etikett am Bauteil |
| Bewehrungsstahl (Bund/Stab) | Anhänger am Bund, Barcode-Etikett an der Rolle |
| Wärmepumpe / Heizgerät | Typenschild innen im Gerät (hinter Wartungsdeckel) |
Falls der QR-Code beim Auspacken nicht sofort sichtbar ist: Lieferschein und Verpackung aufbewahren – oft ist der Code dort aufgedruckt.
Schritt 2: QR-Code scannen
- Kamera-App öffnen (kein QR-Scanner nötig, Standard-Kamera reicht)
- Code anvisieren – er muss vollständig im Bild sein, gleichmäßig beleuchtet
- Auf die eingeblendete URL tippen – der Pass öffnet sich im Browser
- Kurz prüfen: Stimmt die Seriennummer mit dem gelieferten Gerät überein?
Häufige Fehler:
- Zu wenig Licht → Taschenlampe dazunehmen
- Beschädigter Code (Kratzer, Aufkleber darüber) → Lieferant kontaktieren, Ersatzdokument anfordern
- Kein Internetsignal → Scan merken, später im Büro aufrufen
Schritt 3: Was auf der Passseite prüfen?
Sie müssen nicht jeden Datenpunkt im Detail lesen. Eine Schnellprüfung in 60 Sekunden genügt:
| Was prüfen | Wo finden | Warum wichtig |
|---|---|---|
| Seriennummer | Oben im Pass | Stimmt mit Gerät/Lieferschein überein? |
| Hersteller und Modell | Produktdaten | Richtige Ware geliefert? |
| Produktgruppe / Typ | Klassifizierung | Passt zur Bestellung? |
| Pass-Status | Header | Ist der Pass aktiv/gültig? |
| Letztes Update | Metadaten | Ist der Pass aktuell gepflegt? |
Wenn etwas nicht stimmt: Lieferant schriftlich kontaktieren und das Abweichung dokumentieren. Kein Einbau ohne Klärung bei DPP-pflichtigen Produkten.
Schritt 4: Daten in die Bauakte übertragen
Hier gibt es verschiedene Wege, je nach Digitalisierungsgrad des Betriebs:
Option A – Link speichern (empfohlen) URL der Passseite kopieren und in die digitale Bauakte einfügen (z.B. in einer Notiz-App, im Auftrags-Ordner, in der Handwerkersoftware). Der Link bleibt dauerhaft abrufbar.
Option B – Screenshot Screenshot der Passseite machen und im Bauakte-Ordner des jeweiligen Auftrags speichern. Schnell, aber der Screenshot ist statisch und zeigt nicht eventuelle spätere Updates im Pass.
Option C – QR-Code exportieren Manche Passseiten bieten eine Exportfunktion für den QR-Code als Bild. Diesen in die Übergabedokumentation einbetten.
Option D – Handwerkersoftware mit DPP-Import (ab 2027) Wenn Ihr ERP oder Ihre Branchensoftware eine DPP-Schnittstelle anbietet, können Produktdaten direkt in den Auftrag importiert werden. Stand 2026 noch kaum verfügbar – aber auf den Roadmaps vieler Anbieter.
📁 Empfohlene Ordnerstruktur für Produktpässe
📁 Auftrag-2027-047-Müller
📁 Fotos
📁 Lieferscheine
📁 Produktpässe
📄 Batteriespeicher_SN-12345_Pass-Link.txt
📄 Fenster-Nord_SN-67890_Pass-Link.txt
📄 Daemmstoff_SN-11111_Screenshot.png
📁 Übergabe
📄 Uebergabeprotokoll.pdf
Einfach, aber ausreichend: Eine Textdatei mit dem Passlink und der Seriennummer pro Produkt – in einem Ordner je Auftrag.
Schritt 5: Übergabe an den Bauherrn
Bei Abnahme des Auftrags gehören die Produktpass-Informationen zur vollständigen Übergabe. Praktisch:
Einfachste Methode: QR-Code-Aufkleber (vom Lieferanten) in die Übergabemappe kleben. Der Bauherr kann ihn jederzeit selbst scannen.
Digital: Link zur Passseite in die Übergabedokumentation (Protokoll, E-Mail, digitale Bauakte des Bauherrn).
Im Gespräch erklären: „Dieser QR-Code führt zum Digitalen Produktpass Ihres Speichers. Dort finden Sie jederzeit alle technischen Daten, Wartungsintervalle und Recyclinghinweise."
Was tun, wenn kein QR-Code vorhanden ist?
Nach dem jeweiligen Stichtag dürfen Produkte nur noch mit gültigem Produktpass in Verkehr gebracht werden. Was also, wenn ein Produkt keinen Pass hat?
Mögliche Ursachen:
- Lagerware vor dem Stichtag – hat Bestandsschutz, darf noch verbaut werden. Prüfen: Wann wurde das Produkt produziert?
- Hersteller nicht DPP-konform – ein Problem des Herstellers/Lieferanten, nicht Ihres. Trotzdem sollten Sie es dokumentieren.
- QR-Code beschädigt oder falsch platziert – Ersatzdoku beim Lieferanten anfordern.
Vorgehen:
- Situation schriftlich dokumentieren (Lieferschein, Datum, Produkt, fehlender Pass)
- Lieferant schriftlich kontaktieren und Passlink oder Ersatzdokument anfordern
- Einbau erst nach Klärung bei eindeutig DPP-pflichtigen Produkten nach Stichtag
Meister-Tipp
Wie lange sind Produktpässe abrufbar?
Die EU hat festgelegt, dass Produktpässe über den gesamten Lebenszyklusdes Produkts – und darüber hinaus für eine sinnvolle Nachlaufzeit – abrufbar bleiben müssen.
In der Praxis bedeutet das:
- Der Pass muss auch dann noch abrufbar sein, wenn der Hersteller das Modell aus dem Sortiment nimmt
- Bei Insolvenz des Herstellers übernimmt das zentrale EU-Register (CIRPASS) die Datenpflege
- Die genauen Fristen werden im delegierten Rechtsakt pro Produktgruppe festgelegt – für langlebige Bauprodukte wird von 30+ Jahren ausgegangen
Das ist ein wichtiger Unterschied zur heutigen Situation: Wenn heute ein kleiner Fensterhersteller insolvent geht, sind seine Datenblätter oft nicht mehr abrufbar. Mit dem DPP-System soll das der Vergangenheit angehören.
Häufige Fragen aus der Praxis
Brauche ich eine besondere App zum Scannen?
Nein. Die Standard-Kamera von iOS (ab iOS 11) und Android (ab Android 8) reicht vollständig. Eine spezielle DPP-App ist nicht erforderlich – der QR-Code wird direkt im Sucherfenster erkannt und führt zur Passseite im Browser.
Was, wenn die Passseite auf Englisch ist?
Die EU-Vorgabe sieht vor, dass Passseiten in allen EU-Amtssprachen verfügbar sein müssen. In der Praxis werden manche Hersteller-Pässe anfangs nur auf Englisch vorliegen. Gängige Browser übersetzen automatisch per Klick.
Kann ich den Pass auch ohne Smartphone abrufen?
Ja. Die QR-Code-URL lässt sich auch manuell im Browser am Computer eingeben. Besser: URL einmal am Smartphone scannen und per E-Mail an den Büroplatz schicken.
Muss ich alle Daten im Pass verstehen?
Nein. Für die meisten Baustellen-Situationen reicht die Schnellprüfung (Seriennummer, Hersteller, Modell) und das Speichern des Links. Die detaillierten Materialdaten sind eher für Planer, Recycler und Behörden relevant.
Was ist, wenn der Link nicht lädt?
Erst warten – Serverprobleme sind kurzfristig möglich. Dann Screenshot machen und den Lieferanten informieren. Bei dauerhafter Nichtverfügbarkeit ist das ein Problem des Herstellers – dokumentieren und eskalieren.
Fazit: Einfacher als gedacht
Das Scannen eines Produktpasses dauert auf der Baustelle in der Praxis weniger als zwei Minuten. Es ist kein neues System, keine neue Software, keine neue Hardware. Es ist ein QR-Code – und den können die meisten Smartphones schon seit Jahren lesen.
Der eigentliche Aufwand liegt woanders: in der Entscheidung, wie Daten abgelegt werden, wer im Betrieb dafür zuständig ist, und wie die Übergabe an den Bauherrn aussieht. Das sind Fragen, die sich am besten jetzt beantworten lassen – bevor die ersten DPP-pflichtigen Produkte 2027 und 2028 auf der Baustelle ankommen.
🔗 Weiterführende Artikel auf handwerk.cloud
- 📋 DPP-Checkliste – Betrieb Schritt für Schritt vorbereiten
- ⚒️ DPP für Handwerker – Pflichten als Verarbeiter im Detail
- ⚡ DPP für Elektriker & PV – Batteriepass ab Februar 2027
- 📦 Was ist der Digitale Produktpass? – Grundlagen
Quellen und weiterführende Links
- CIRPASS-Projekt – EU-weite Infrastruktur für Produktpässe, technische Details
- Verordnung (EU) 2023/1542 – EU-Batterieverordnung mit Stichtag 18.02.2027
- buildingSMART International – offene Standards für Bauprodukt-Daten und IFC
Dieser Artikel basiert auf dem Stand der CIRPASS-2-Planung und den veröffentlichten Entwürfen der EU-Batterieverordnung (Stand: Mai 2026). Technische Details der Passinfrastruktur können sich noch ändern.
handwerk.cloud: Die Betriebssoftware für dein Handwerk
Plantafel, Monteur-App, Baudokumentation und automatische Arbeitsberichte – alles in einer Software. Für die ersten 50 Betriebe komplett kostenlos.
Für die ersten 50 Betriebe
Fenster- & Bauelemente-Experte, Unternehmer
Veröffentlicht: 4. Mai 2026
John Neufeldt ist Unternehmer im Handwerk und Inhaber von Meylen.de (Fenstersysteme) sowie Garten-Eifel.de (GaLaBau). Sein Werdegang führt von der Fenstermontage über Schüco-zertifizierte Fertigung bis zur Geschäftsführung eines Fensterproduktionswerks. Auf handwerk.cloud teilt er sein Praxiswissen zu Fenstern, Haustüren, Garagentoren und Betriebsführung im Handwerk.
