Aufdachdämmung
Aufdachdämmung – Wärmedämmung, die oberhalb der Dachsparren angebracht wird – wärmebrückenfrei und ohne Verlust von Raumhöhe
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Was ist Aufdachdämmung?
Die Aufdachdämmung (auch Über-Sparren-Dämmung) ist eine Dachdämmung, bei der die Dämmplatten oberhalb der Sparren auf der Schalung verlegt werden. Der Dachstuhl bleibt innen sichtbar, es geht keine Raumhöhe verloren und die Dämmebene ist durchgehend — ohne Wärmebrücken an den Sparren.
Aufbau (Schichten von innen nach außen)
| Schicht | Material | Funktion |
|---|---|---|
| 1. Sparren (sichtbar) | Holz | Tragkonstruktion, sichtbar von innen |
| 2. Schalung | Holz (Nut-Feder) | Luftdichte Ebene |
| 3. PROTECTED_0 | Feuchtevariable Folie | Feuchteschutz |
| 4. Dämmplatten | PU, PIR, Holzfaser, EPS | Wärmedämmung |
| 5. Konterlattung | Holz | Hinterlüftung |
| 6. Lattung | Holz | Befestigung Eindeckung |
| 7. Eindeckung | Ziegel, Betondachstein, Schiefer | Wetterschutz |
Dämmstoffe im Vergleich
| Material | WLG | U-Wert bei 16 cm | Sommerl. Wärmeschutz | Ökologie | Kosten/m² |
|---|---|---|---|---|---|
| PU-Hartschaum | 024 | 0,14 W/m²K | ⚠️ Mittel | ⚠️ Kunststoff | 25–45 € |
| PIR | 023 | 0,13 W/m²K | ⚠️ Mittel | ⚠️ Kunststoff | 30–55 € |
| Holzfaser | 040–045 | 0,22 W/m²K | ✅ Sehr gut | ✅ Nachwachsend | 30–60 € |
| EPS | 035 | 0,19 W/m²K | ⚠️ Gering | ⚠️ Kunststoff | 15–30 € |
Aufdach- vs. Zwischensparrendämmung
| Kriterium | Aufdachdämmung | Zwischensparrendämmung |
|---|---|---|
| Wärmebrücken | ✅ Keine (durchgehende Ebene) | ⚠️ An jedem Sparren |
| Raumhöhe | ✅ Kein Verlust | ⚠️ Verlust (Sparrentiefe) |
| Sichtbarer Dachstuhl | ✅ Ja | ❌ Nein (verkleidet) |
| Eindeckung | ❌ Muss ab und neu | ✅ Bleibt erhalten |
| Kosten | 150–280 €/m² | 50–100 €/m² |
| Wann sinnvoll? | Neueindeckung geplant | Dach intakt, Dachausbau |
Kosten (Richtwerte 2026)
| Position | Kosten/m² |
|---|---|
| Dacheindeckung abnehmen | 15–30 € |
| Alte Lattung entfernen | 5–10 € |
| Dampfbremse + Verarbeitung | 5–10 € |
| Dämmplatten (PU 16 cm) | 30–50 € |
| Konterlattung + Lattung | 10–20 € |
| Neue Eindeckung (Ziegel) | 40–80 € |
| Gerüst | 8–15 € |
| Gesamt | 150–280 €/m² |
Häufige Fehler
| Fehler | Problem | Lösung |
|---|---|---|
| Dampfbremse vergessen | Tauwasser unter Dämmung | Immer Dampfbremse auf der Schalung |
| Konterlattung zu dünn | Keine Hinterlüftung → Feuchtestau | Min. 40 mm Konterlattung |
| PU-Platten nicht verklebt | Windunterdruck zieht Platten hoch | Platten vollflächig verkleben oder verschrauben |
| Alte Schalung nicht geprüft | Faule Stellen → instabile Grundlage | Schalung bei Bedarf erneuern |
👷♂️
Meister-Tipp
Aufdachdämmung ist technisch die beste Lösung — wärmebrückenfrei, der Dachstuhl bleibt sichtbar, und die Raumhöhe wird nicht beschnitten. Aber sie lohnt sich wirtschaftlich nur, wenn das Dach ohnehin neu eingedeckt wird. Dann sind die Mehrkosten gegenüber einer Zwischensparrendämmung überschaubar und der Effekt deutlich besser. Wenn die Ziegel noch 20 Jahre halten, ist Zwischen- oder Untersparrendämmung die pragmatische Wahl.
Häufige Fragen zu Aufdachdämmung
Was kostet eine Aufdachdämmung?
Aufdachdämmung kostet 150–280 €/m² (Dämmung + neue Eindeckung). Die Dämmplatten allein kosten 30–80 €/m². Da die Dacheindeckung ohnehin erneuert werden muss, ist die Aufdachdämmung bei geplanter Neueindeckung oft nur 30–50 €/m² teurer als eine reine Zwischensparrendämmung.
Aufdachdämmung oder Zwischensparrendämmung?
Aufdachdämmung: Wärmebrückenfrei, keine Raumhöhenverlust, sichtbarer Dachstuhl bleibt. Aber: Dacheindeckung muss ab. Zwischensparrendämmung: Günstiger, kein Gerüst nötig (von innen), aber Wärmebrücken an Sparren und Verlust von Sparrentiefe.
Welche Materialien werden für Aufdachdämmung verwendet?
PU-Hartschaum (WLG 024): Höchste Dämmleistung bei geringer Dicke. Holzfaser (WLG 040): Bester sommerlicher Wärmeschutz, ökologisch. EPS (WLG 035): Günstig, leicht. PIR (WLG 023): Premium-Dämmung, sehr dünn möglich. Mineralwolle ist für Aufdachdämmung unüblich.
Wie dick muss eine Aufdachdämmung sein?
Um den BEG-Förderwert U ≤ 0,14 W/m²K zu erreichen: PU/PIR ca. 14–16 cm, Holzfaser ca. 20–24 cm, EPS ca. 18–20 cm. Für KfW-55: 18–24 cm PU/PIR. Die DIN 4108 fordert bei Sanierung mindestens U ≤ 0,24 W/m²K.
Wird die Aufdachdämmung gefördert?
Ja, über die BEG-Einzelmaßnahmen (BAFA): 15 % Zuschuss, mit iSFP 20 %. Voraussetzung: U ≤ 0,14 W/m²K. Bei 100 m² Dachfläche und 200 €/m² = 20.000 € × 20 % = 4.000 € Zuschuss. Steuerliche Förderung (§ 35c EStG) alternativ 20 % über 3 Jahre.
