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allgemein5 Min. Lesezeit

Mein bester Mitarbeiter hat gekündigt. Und jetzt?

Es ist Freitagabend, und Thomas steht in seiner Werkstatt. In der Hand hält er ein Blatt Papier. Die Kündigung seines besten Mannes. Nach 12 Jahren. Eine Geschichte über das, was danach kommt.

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Ein Handwerksmeister

20. Januar 2026

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Es ist Freitagabend, kurz nach fünf. Die anderen sind schon weg. Thomas steht allein in seiner Werkstatt und starrt auf das Blatt Papier in seiner Hand. "Kündigung zum 28. Februar" steht da. Unterschrieben von Stefan. Seinem besten Mann. Nach 12 Jahren.

Wenn du das hier liest, dann weißt du wahrscheinlich genau, wie sich das anfühlt. Dieser Moment, wenn dir jemand sagt, dass er geht. Jemand, auf den du dich verlassen hast. Jemand, der wusste, wie der Laden läuft. Der für dich eingesprungen ist, wenn du krank warst. Der Kunden gehalten hat, die sonst längst weg wären.

Es tut weh. Und das darf es auch.

Die erste Nacht

Thomas hat an dem Abend nicht viel geschlafen. Er lag wach und hat überlegt, was er falsch gemacht hat. War es das Geld? Hat er zu wenig gezahlt? War es der Ton auf der Baustelle letzte Woche, als er Stefan vor den anderen korrigiert hat? War es die Sache mit dem Urlaub im Sommer?

Er hat Stefan am nächsten Morgen angerufen. Nicht um ihn umzustimmen. Sondern um zu verstehen.

Stefan hat es ihm erklärt. Es war nicht das Geld. Es war nicht der Ton. Es war alles zusammen – und gleichzeitig nichts davon. Stefan wollte einfach nochmal was anderes sehen. Mit 38. Bevor es zu spät ist. Ein Kumpel hatte ihm eine Stelle angeboten. Weniger Verantwortung. Näher an zu Hause. Mehr Zeit für die Kinder.

Thomas hat aufgelegt und sich einen Kaffee gemacht. Dann hat er angefangen, nachzudenken.

Was ich daraus gelernt habe

Ich kenne Thomas. Er ist ein Freund. Und als er mir die Geschichte erzählt hat, habe ich ihm zugehört. Nicht weil ich eine Lösung hatte. Sondern weil manchmal jemand zuhören muss.

Aber dann haben wir doch geredet. Über das, was jetzt kommt. Und ich will dir erzählen, was dabei rauskam. Vielleicht hilft es dir.

1. Du bist nicht schuld. Meistens jedenfalls nicht.

Ja, vielleicht hättest du mehr zahlen können. Vielleicht hättest du öfter "Danke" sagen können. Aber Menschen gehen aus tausend Gründen. Und die wenigsten davon haben mit dir zu tun.

Stefan wollte mehr Zeit für seine Kinder. Das ist sein gutes Recht. Das kannst du nicht mit 200 Euro mehr im Monat ändern.

2. Die Lücke ist kleiner als du denkst.

In der ersten Woche nach der Kündigung hat Thomas gedacht, der Laden bricht zusammen. Stefan war ja überall. Die Kunden fragten nach ihm. Die anderen wussten nicht, wo die Ersatzteile liegen. Es war Chaos.

Aber nach vier Wochen? Lief der Laden. Nicht perfekt. Aber er lief. Weil Thomas angefangen hat, Sachen aufzuschreiben, die vorher nur in Stefans Kopf waren. Weil er einem jüngeren Gesellen mehr Verantwortung gegeben hat – und der ist aufgeblüht. Weil die Krise ihn gezwungen hat, Dinge zu ändern, die er schon lange hätte ändern sollen.

3. Die anderen gucken zu.

Das hat Thomas erst später verstanden: Als Stefan ging, haben alle anderen genau hingeschaut. Wie reagiert der Chef? Dreht er durch? Macht er Stefan schlecht? Oder bleibt er fair?

Thomas hat Stefan am letzten Tag zum Essen eingeladen. Vor der ganzen Mannschaft hat er ihm gedankt. Für 12 Jahre. Ehrlich und ohne Groll. Danach haben ihn zwei Mitarbeiter angesprochen und gesagt, dass sie das gut fanden. Einer hat gesagt, er hätte selbst schon drüber nachgedacht zu gehen – aber nach diesem Tag nicht mehr.

Wie du mit dem Abschied umgehst, sagt mehr über dich aus als alles andere.

4. Frag dich: Warum bleiben die anderen?

Das ist die Frage, die Thomas sich gestellt hat. Nicht: "Warum ist Stefan gegangen?" Sondern: "Warum bleiben die anderen?"

Er hat sie gefragt. Beim Mittagessen, auf der Baustelle, bei einem Bier nach Feierabend. Was gefällt euch hier? Was nervt? Was würdet ihr ändern?

Die Antworten waren interessant. Manche wollten gar nicht mehr Geld. Sie wollten mal ein freies Wort. Sie wollten wissen, wie es dem Betrieb geht. Sie wollten gefragt werden, bevor große Entscheidungen fallen.

Thomas hat angefangen, das zu tun. Und der Laden ist dadurch besser geworden.

Und Stefan?

Stefan arbeitet jetzt bei seinem Kumpel. Es läuft so mittel, hat Thomas gehört. Die Firma ist kleiner, die Aufträge rarer, die Stimmung nicht so gut. Stefan hat neulich geschrieben, ob sie mal einen Kaffee trinken wollen.

Thomas hat zugesagt. Nicht weil er Stefan zurückholen will. Sondern weil 12 Jahre eben 12 Jahre sind. Und weil man sich nicht im Schlechten trennen muss.

Was ich dir sagen will

Wenn dir gerade jemand gekündigt hat, dann tut mir das leid. Es ist beschissen. Daran gibt es nichts schönzureden.

Aber du wirst da durchkommen. Nicht weil du so ein harter Hund bist. Sondern weil das Handwerk hart macht. Weil du schon schlimmere Sachen überstanden hast. Weil du morgen wieder aufstehst und den Laden aufmachst.

Und vielleicht – nur vielleicht – ist das hier der Anstoß, ein paar Sachen zu ändern, die du schon lange hättest ändern sollen.

Thomas hat mir neulich geschrieben. Er sucht gerade jemanden für die Nachfolge von Stefan. Nicht weil Stefan zurückkommt. Sondern weil die Auftragsbücher voll sind. Voller als vor einem Jahr.

Manchmal muss einer gehen, damit es weitergehen kann.

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– Geschrieben am Küchentisch, nach einem langen Tag. Für alle, die heute Nacht nicht schlafen können.

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