Brennwerttherme
Brennwerttherme – Wandhängende Heizung, die durch Nutzung der Abgas-Kondensationswärme einen Wirkungsgrad von bis zu 98 % erreicht
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Was ist eine Brennwerttherme?
Eine Brennwerttherme ist eine wandhängende Heizung, die neben der Verbrennungswärme auch die Kondensationswärme des Abgases nutzt. Beim Verbrennen von Gas entsteht Wasserdampf — eine Brennwerttherme kühlt das Abgas so weit ab (unter 57 °C), dass dieser Dampf kondensiert und die dabei freiwerdende Wärme zusätzlich dem Heizsystem zugeführt wird. So erreicht sie einen Norm-Nutzungsgrad von bis zu 98 %.
Funktionsprinzip
- Verbrennung — Gas wird im Brenner verbrannt (Verbrennungstemperatur ca. 1.000 °C)
- Primärer Wärmetauscher — Heizwasser wird von der Verbrennungswärme erhitzt
- Sekundärer Wärmetauscher — Abgas wird unter den Taupunkt (57 °C) abgekühlt
- Kondensation — Wasserdampf im Abgas kondensiert → zusätzliche Wärme wird gewonnen
- Kondensat — Saures Kondenswasser (pH 3–5) wird über Siphon in die Kanalisation geleitet
Wichtig: Brennwerteffekt funktioniert nur bei niedrigen Vorlauftemperaturen (≤ 55 °C). Bei alten Heizkörpern mit 70/50 °C wird der Brennwerteffekt kaum genutzt — dann arbeitet die Therme nur als Heizwertgerät.
Brennwerttherme vs. Heizwertkessel
| Merkmal | Brennwerttherme | Alter Heizwertkessel |
|---|---|---|
| Wirkungsgrad | 96–98 % | 85–92 % |
| Abgastemperatur | 40–60 °C | 120–180 °C |
| Kondensat | Ja (muss abgeleitet werden) | Nein |
| Abgasleitung | Kunststoff (feuchteunempfindlich) | Edelstahl/Keramik |
| Energieeinsparung | 10–15 % gegenüber Heizwert | Referenz |
| Kosten (Gerät) | 2.000–5.000 € | Nicht mehr erhältlich |
Kosten (Richtwerte 2026)
| Position | Gas-Brennwert | Öl-Brennwert |
|---|---|---|
| Gerät (wandhängend) | 2.000–4.500 € | 4.000–7.000 € |
| Montage + Anschluss | 1.000–2.500 € | 1.500–3.000 € |
| Abgasleitung (Sanierung) | 500–1.500 € | 500–1.500 € |
| Hydraulischer Abgleich | 500–1.000 € | 500–1.000 € |
| Gesamt | 4.000–9.500 € | 6.500–12.500 € |
| Jährliche Wartung | 80–150 € | 150–250 € |
| Jährliche Gaskosten (EFH) | 1.200–2.000 € | 1.500–2.500 € (Öl) |
GEG 2024: Zukunft der Brennwerttherme
| Situation | Regelung (seit 01.01.2024) |
|---|---|
| Neubau in Neubaugebiet | 65 % erneuerbare Energien Pflicht → reine Gasheizung NICHT mehr zulässig |
| Neubau (sonstiger) | Ab kommunaler Wärmeplanung (spät. 2028) → 65 %-Pflicht |
| Bestand (Austausch) | Beratungspflicht. Bis kommunale Wärmeplanung: Gas noch möglich |
| Bestand nach Wärmeplanung | 65 %-Pflicht → nur noch als Hybrid (Gas + WP/Solar) |
| Havarie-Austausch | Gas-Brennwert als Übergangslösung möglich (bis zu 5 Jahre) |
Alternativen im Vergleich
| Heizsystem | Investition (EFH) | Jährl. Kosten | CO₂ | GEG-konform? |
|---|---|---|---|---|
| Gas-Brennwert | 4.000–9.500 € | 1.200–2.000 € | 200 g/kWh | ⚠️ Nur noch bedingt |
| Wärmepumpe (Luft) | 12.000–18.000 € | 600–1.200 € | ~80 g/kWh | ✅ Ja |
| Hybrid (WP + Gas) | 15.000–22.000 € | 800–1.400 € | ~120 g/kWh | ✅ Ja |
| Pelletheizung | 15.000–25.000 € | 800–1.400 € | ~30 g/kWh | ✅ Ja |
| Fernwärme | 3.000–8.000 € | 1.000–1.800 € | Variiert | ✅ Ja |
Häufige Fehler
| Fehler | Problem | Lösung |
|---|---|---|
| Vorlauftemperatur zu hoch | Kein Brennwerteffekt, nur Heizwert | Vorlauf auf max. 55 °C einstellen |
| Kondensat nicht abgeleitet | Korrosion im Wärmetauscher | Siphon und Ablauf prüfen |
| Keine jährliche Wartung | Wirkungsgrad sinkt, Ausfall | Wartungsvertrag abschließen |
| Alter Schornstein nicht saniert | Versottung durch Kondensat | Kunststoff- oder Edelstahlrohr einziehen |
| Überdimensionierung | Takten (ständiges Ein/Aus) | Heizlastberechnung vor dem Kauf |
👷♂️
Meister-Tipp
Die Brennwerttherme ist die am häufigsten installierte Heizung in Deutschland — und die mit der unsichersten Zukunft. Wer heute noch eine reine Gas-Brennwerttherme einbaut, muss wissen, dass er sie in 5–10 Jahren wahrscheinlich durch eine Wärmepumpe ersetzen oder ergänzen muss. Meine Empfehlung: Wenn Gas, dann sofort als Hybrid mit kleiner Wärmepumpe. Das erfüllt das GEG und Sie sind für die nächsten 20 Jahre abgesichert.
Häufige Fragen zu Brennwerttherme
Was ist eine Brennwerttherme?
Eine Brennwerttherme ist eine wandhängende Gas- oder Öl-Heizung, die neben der Verbrennungswärme auch die Kondensationswärme des Abgases nutzt. Dadurch erreicht sie einen Norm-Nutzungsgrad von bis zu 98 % — gegenüber 85–92 % bei alten Heizwertkesseln.
Was kostet eine Brennwerttherme?
Eine Gas-Brennwerttherme kostet 3.500–7.000 € (Gerät + Montage). Hinzu kommen ggf. Abgasleitung (500–1.500 €) und Hydraulischer Abgleich (500–1.000 €). Öl-Brennwertkessel sind teurer: 6.000–10.000 €. Gas-Brennwertthermen dürfen seit dem GEG 2024 nur noch mit 65%-erneuerbare-Energien-Anteil eingebaut werden.
Darf man 2026 noch eine Gasheizung einbauen?
Seit dem GEG 2024 dürfen in Neubaugebieten nur noch Heizungen mit mind. 65 % erneuerbaren Energien eingebaut werden. Im Bestand gelten Übergangsfristen bis zur kommunalen Wärmeplanung. Eine reine Gas-Brennwerttherme ist dann nur noch als Hybridlösung (z. B. + Wärmepumpe) möglich.
Brennwerttherme oder Wärmepumpe – was ist besser?
Wärmepumpen sind langfristig günstiger (kein Gas, niedrigere Betriebskosten) und erfüllen das GEG sofort. Brennwertthermen haben niedrigere Anschaffungskosten, aber höhere Betriebskosten und eine unsichere Zukunft durch steigende CO₂-Preise. Hybrid-Lösungen (Wärmepumpe + Brennwert als Spitzenlast) sind ein Kompromiss.
Wie lange hält eine Brennwerttherme?
Eine Brennwerttherme hält typischerweise 15–20 Jahre. Entscheidend ist die jährliche Wartung (80–150 €): Brenner reinigen, Kondensatablauf prüfen, Abgaswerte messen. Nach 15 Jahren sinkt der Wirkungsgrad und Ersatzteile werden knapp.
