Zum Inhalt springen
Energie & Technik

Geothermie

GeothermieNutzung der Erdwärme zum Heizen und Kühlen von Gebäuden über Erdsonden oder Flächenkollektoren

1 Min. Lesezeit

Was ist Geothermie?

Geothermie (Erdwärme) nutzt die konstante Temperatur des Erdreichs zum Heizen im Winter und optional zum Kühlen im Sommer. Ab 10 m Tiefe herrschen ganzjährig ca. 10 °C — unabhängig von Außentemperatur und Wetter. Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe bringt diese Wärme auf Heizniveau (35–55 °C). Geothermie-Wärmepumpen erreichen die höchsten Jahresarbeitszahlen (JAZ 4,5–5,0) aller Wärmepumpen-Typen.

Systeme im Vergleich

SystemTiefe/FlächeEntzugsleistungJAZKosten (Quelle)Genehmigung
Erdsonde (vertikal)80–100 m tief50 W/m4,5–5,08.000–12.000 €Wasserrechtlich
Flächenkollektor200–400 m² Fläche20–30 W/m²3,8–4,23.000–6.000 €Anzeigepflichtig
Grabenkollektor1,5 m tief, 50–100 m40–60 W/m4,0–4,54.000–8.000 €Anzeigepflichtig
Energiekörbe2–4 m tief500–1.000 W/Korb3,8–4,04.000–8.000 €Anzeigepflichtig
Grundwasser-WP8–15 m tiefSehr hoch5,0–5,56.000–10.000 €Wasserrechtlich

Kosten (Richtwerte 2026)

PositionErdsondeFlächenkollektor
Bohrung / Erdarbeiten8.000–12.000 €3.000–6.000 €
Sole-Wärmepumpe (8 kW)10.000–15.000 €10.000–15.000 €
Pufferspeicher (300 L)800–1.500 €800–1.500 €
Installation + Anschluss2.000–4.000 €2.000–4.000 €
Gesamt20.800–32.500 €15.800–26.500 €
Abzügl. BEG-Förderung (30–70 %)6.200–22.750 €4.700–18.550 €
Jährliche Heizkosten (EFH)500–900 €600–1.100 €

Förderung (BEG 2026)

FörderbausteinZuschuss
Grundförderung (alle WP)30 %
Einkommensbonus (< 40.000 € zu versteuerndes Einkommen)+30 %
Klimageschwindigkeitsbonus (Austausch fossile Heizung)+20 %
Maximum70 % (max. 21.000 € bei 30.000 € Invest)

Genehmigungen

TypZuständigkeitDauerKosten
Erdsonde < 100 mUntere Wasserbehörde4–8 Wochen200–500 €
Erdsonde ≥ 100 mBergamt + Wasserbehörde8–16 Wochen500–1.000 €
FlächenkollektorAnzeige bei Wasserbehörde2–4 Wochen50–200 €
WasserschutzgebietOft nicht genehmigungsfähig

Passive Kühlung

Ein einzigartiger Vorteil der Geothermie: Natural Cooling im Sommer. Die kühle Sole (10–12 °C) wird direkt durch die Fußbodenheizung geleitet — ohne Kompressor, fast ohne Strom (~50 W Umwälzpumpe). Die Raumtemperatur sinkt um 2–4 °C.

ParameterWert
Kühlleistung2–4 kW (EFH)
Stromverbrauch50–100 W (nur Pumpe)
COP (Kühlen)20–40 (!)
Kosten/Sommer10–30 €

Häufige Fehler

FehlerProblemLösung
Sonde zu kurz dimensioniertErde verarmt, COP sinkt über JahreGeologisches Gutachten + korrekte Heizlastberechnung
Nur eine Sonde bei großem HausÜberlastung, Vereisung2 Sonden à 80 m statt 1 × 160 m
Keine Genehmigung eingeholtBußgeld bis 50.000 €Immer vor Bohrbeginn beantragen
Kollektor unter Terrasse/AuffahrtKeine Regeneration im SommerFreifläche mit Sonneneinstrahlung nutzen
👷‍♂️

Meister-Tipp

Geothermie ist die Königsklasse der Wärmepumpen — höchste Effizienz, leisester Betrieb und kostenlose Kühlung im Sommer. Die Investition ist höher als bei Luft-Wärmepumpen, aber die Betriebskosten sind 30–40 % niedriger. Wer ein Grundstück mit genug Fläche oder Bohrmöglichkeit hat, sollte Geothermie immer als erste Option prüfen. Und mit der aktuellen BEG-Förderung (bis 70 %) war der Einstieg nie günstiger.

Häufige Fragen zu Geothermie

Was kostet eine Geothermie-Anlage?
Erdsonde (100 m Bohrung): 8.000–12.000 € Bohrkosten + 10.000–15.000 € Sole-Wärmepumpe = 18.000–27.000 € gesamt. Flächenkollektor: 3.000–6.000 € Kollektor + 10.000–15.000 € WP = 13.000–21.000 €. Abzüglich BEG-Förderung (30–70 %) deutlich günstiger.
Erdsonde oder Flächenkollektor – was ist besser?
Erdsonden sind effizienter (JAZ 4,5–5,0 vs. 3,8–4,2), brauchen aber nur 1 m² Fläche statt 200–400 m² Garten. Sie kosten mehr, liefern aber konstant hohe Temperaturen (10–12 °C). Flächenkollektoren sind günstiger, benötigen aber große, unbebaute Gartenflächen.
Braucht man eine Genehmigung für Erdwärmebohrungen?
Ja, Erdwärmebohrungen über 100 m Tiefe sind nach Bergrecht genehmigungspflichtig. Bohrungen unter 100 m müssen bei der Unteren Wasserbehörde angezeigt werden. In Wasserschutzgebieten sind Bohrungen oft verboten. Die Genehmigung dauert 4–12 Wochen.
Wie tief muss eine Erdsonde sein?
Typischerweise 80–100 m für ein EFH. Die Entzugsleistung beträgt ca. 50 W/m Bohrtiefe (abhängig vom Gestein). Für ein EFH mit 8 kW Heizlast: 8.000 W ÷ 50 W/m = 160 m → meist 2 Sonden à 80 m.
Kann man mit Geothermie auch kühlen?
Ja, über passive Kühlung (Natural Cooling): Die kühle Sole aus der Erdsonde (10–12 °C) wird direkt durch die Fußbodenheizung geleitet — ohne Kompressor, fast ohne Strom. Die Kühlleistung beträgt 2–4 kW und senkt die Raumtemperatur um 2–4 °C.